Die Faust im Nacken (Originaltitel On the Waterfront) ist ein in Schwarzweiß gedrehtes US-amerikanisches Filmdrama von Elia Kazan aus dem Jahre 1954. Die Hauptrollen spielen Marlon Brando, Karl Malden und Eva Marie Saint (in ihrem Kinodebüt). Budd Schulberg schrieb das Drehbuch nach einer 1948 publizierten Reportageserie von Malcolm Johnson.

Die Faust im Nacken gilt als Meilenstein eines „neuen Realismus“ im amerikanischen Kino und herausragender Vertreter des Method Acting im Film. Er wurde mit zahlreichen Preisen, darunter acht Oscars, vier Golden Globes und zwei New York Film Critics Circle Awards ausgezeichnet. 2007 belegte der Film Rang 19 der „100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten“ des American Film Institute.

Handlung Im Hafen von Hoboken herrscht eine korrupte Gewerkschaft der Dockarbeiter, die von dem rücksichtslosen Johnny Friendly geleitet wird. Die Hafenarbeiter müssen Mitglied der Gewerkschaft werden, um überhaupt Arbeit zu bekommen. Arbeiter, die sich gegen dieses System auflehnen, müssen damit rechnen, keinen Job oder im schlimmsten Fall den Tod zu finden.

Terry Malloy, ein gescheiterter Boxer, ist einer dieser Arbeiter, sein gebildeter Bruder Charley dagegen ist der Rechtsanwalt der Gewerkschaft. Durch Charleys Tätigkeit genießt Terry diverse Privilegien, muss der Gewerkschaft aber auch gefällig sein. Unwissend führt er den jungen Arbeiter Joey Doyle in eine von Friendlys Handlangern gestellte tödliche Falle. Nach dem Mord an Joey lernt Terry dessen Schwester Edie kennen und verliebt sich in sie. Edie möchte gemeinsam mit Pater Berry die Schuldigen am Tode von Joey zur Strecke bringen. Terry befindet sich durch die Beziehung zu Edie plötzlich zwischen den Fronten. Einerseits plagt ihn sein Gewissen, andererseits fürchtet er, sein Ansehen in seinem sozialen Milieu zu verlieren, wenn er mit der Polizei zusammenarbeitet.

Friendly erfährt vom Vorhaben Terrys, vor Gericht gegen ihn auszusagen. Ein anderer Arbeiter, den Berry dazu brachte, auszusagen, wird durch einen arrangierten Arbeitsunfall ermordet. Friendly fordert Terrys Bruder Charley auf, Terry zum Einlenken zu bewegen oder ihn zu töten. Bei der Aussprache der Brüder, bei der Terry Charley seine Korruption vorhält, die auch seine Boxerkarriere ruinierte, bringt Charley es jedoch nicht fertig, Friendlys Auftrag auszuführen. Um ein Exempel zu statuieren, lässt Friendly Charley umbringen und seinen Leichnam an einem Dockarbeiter-Haken aufhängen. Als Terry seinen ermordeten Bruder findet, schwört er Rache. Pater Berry kann ihn jedoch davon überzeugen, dass seine Aussage vor Gericht die effektivere Rache sei.

Nach seiner Aussage fühlt Terry sich als Verräter und wird von den Hafenarbeitern und Bewohnern des Viertels geschnitten. Als Terry dennoch am nächsten Tag zur Arbeit erscheint, kommt es zur Auseinandersetzung mit Friendly und seinen Leuten. Terry wird brutal zusammengeschlagen, sein Kampf gegen die korrupte Gewerkschaft scheint verloren. Der Hafen-Unternehmer erscheint und fordert die Arbeiter wieder zur Arbeit auf, doch diese bleiben wie gelähmt stehen. Pater Berry und Edie motivieren den am Boden liegenden ehemaligen Boxer Terry wieder in den „Ring“ zu steigen, „nur eine Erste Runde“ sei verloren. Terry kommt zwar schwankend, aber doch wieder auf die Beine und geht den Arbeitern voran als Erster durch das Hafentor zur Arbeit; sämtliche Hafenarbeiter folgen nun ihm. Die Gewerkschaft ist ihrer Macht beraubt und ausgesperrt. Friendlys Macht ist gebrochen. Pater Berry verspricht, gemeinsam mit Terry eine neue Gewerkschaft ohne Korruption zu gründen.

Hintergrund Vorlage und Drehbuch 1948 veröffentlichte der Journalist Malcolm Johnson in der New York Sun eine Reportageserie mit dem Titel Crime on the Water Front über die Arbeitsbedingungen New Yorker Hafenarbeiter, die im darauffolgenden Jahr mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. Ebenfalls 1948 schrieb Schulberg gemeinsam mit Robert Siodmak unter dem Titel „A Stone in the River Hudson“ einen ersten Drehbuchentwurf zum selben Thema. Im Zuge der gegen tatsächliche oder vermeintliche Kommunisten gerichteten Ermittlungen des House Committee on Un-American Activities (HUAC) wurde auch Schulberg beschuldigt und das Projekt auf Eis gelegt.Robert Siodmak, Hans C. Blumenberg (Hrsg.): Zwischen Berlin und Hollywood. Erinnerungen eines großen Filmregisseurs. Herbig, München 1980, ISBN 3-8004-0892-9, S. 171–174.Joseph Greco: The File on Robert Siodmak in Hollywood, 1941–1951. Dissertation.com, 1999, ISBN 1-58112-081-8, S. 162–163.

Gleichzeitig schrieb der Autor Arthur Miller an einem Drehbuch über New Yorker Dockarbeiter mit dem Arbeitstitel „Hook“. Dieses schlugen Miller und Elia Kazan 1951 Harry Cohn von Columbia Pictures vor, doch auch dieses Projekt zerschlug sich, nachdem Cohn vorgeschlagen hatte, aus den korrupten Gewerkschaftern Kommunisten zu machen. Miller verwendete Motive aus „Hook“ in seinem 1955 erstaufgeführten Theaterstück A View From the Bridge.Kate Taylor: Death of a Friendship, Birth of a Play, The New York Times vom 5. Januar 2010, abgerufen am 8. Januar 2013. Ob Miller und Schulberg ihre Drehbücher unabhängig und ohne Wissen vom Projekt des anderen schrieben oder nicht, wurde später unterschiedlich dargestellt. Auch wies der Miller-Biograf Martin Gottfried auf den Umstand hin, dass Schulberg sich zwar bereits für seinen ersten Drehbuchentwurf auf Johnsons Reportage als Grundlage berief, aber Johnson erst 1953 schriftlich von seinem Agenten über den Verkauf der Filmrechte seines Buchs informiert wurde.Lyn Gardner: Two views on snitching: from the bridge and the waterfront, The Guardian, Online-Ausgabe vom 16. Februar 2009, abgerufen am 8. Januar 2013.Martin Gottfried: Arthur Miller: His Life And Work. Da Capo Press, Cambridge (MA) 2004, S. 230–231.

Schulberg und der ebenfalls kommunistischer Sympathien beschuldigte Kazan rehabilitierten sich 1951 bzw. 1952, indem sie vor dem HUAC-Ausschuss die Namen ehemaliger linker Weggefährten nannten.Brian Neve: Film and Politics in America. A Social Tradition. Routledge, Oxon, 1992, S. 192–195. Kazan, den das Hafenarbeitermilieu als Filmstoff nicht losgelassen hatte, wandte sich an Schulberg als Drehbuchautor, Darryl F. Zanuck sollte den Film produzieren. Zanuck konnte sich, auch nach dem Misserfolg von Viva Zapata!, nicht vorstellen, dass der Film ein Erfolg sein könnte, und lehnte ab. Schließlich überzeugten Schulberg und Kazan den unabhängigen Produzenten Sam Spiegel, der Zanuck die Filmrechte abkaufte. Bei der Besetzung plante Kazan von Beginn an Marlon Brando mit ein, der bereits bei Endstation Sehnsucht und Viva Zapata! die Hauptrolle übernommen hatte. Brando, enttäuscht über Kazans Verhalten vor dem HUAC, sagte zunächst ab, und die Rolle des Terry Malloy wurde Frank Sinatra angeboten. Schließlich sagte Brando, vom Produzenten Spiegel überredet, doch zu.Patricia Bosworth: Marlon Brando. Open Road Integrated Media, New York 2012, ISBN 978-1-4532-4502-6, Kapitel 9 (keine Paginierung).

Die positiv dargestellte Aussage Terry Malloys gegen Johnny Friendly und seine Bande vor dem Untersuchungsausschuss wurde später allgemein als filmische Rechtfertigung Kazans und Schulbergs für ihre Aussage vor dem HUAC gedeutet, die unter anderem zum Bruch Kazans mit seinem ehemaligen Weggefährten Arthur Miller führte.Victor S. Navasky: Naming Names. Hill and Wang/Farrar, Strauss, and Giroux, New York 2003, S. 209. Kazan stützte diese Sichtweise in Teilen, Schulberg dagegen widersprach.Anthony Giardina: Karl Malden and Budd Schulberg: Naming Names, The New York Times vom 23. Dezember 2009, abgerufen am 8. Januar 2013.

Dreharbeiten und Filmstart Die Faust im Nacken wurde innerhalb von 35 Tagen an Originalschauplätzen in Hoboken, New Jersey, gedreht. Das Budget betrug 800.000 US-Dollar und lag damit für eine damalige Filmproduktion leicht unter dem Durchschnitt, der 1950 ca. 1 Million Dollar betrug.Joel W. Finler: The Hollywood Story. 3. Auflage. Wallflower, London/New York, 2003. Am 28. Juli 1954 feierte der Film seine New Yorker Premiere und spielte innerhalb der Erstauswertung 9,5 Millionen Dollar ein.Sarah Casey Benyahia, Freddie Gaffney, John White: AS Film Studies: The Essential Introduction. Routledge, Oxon/New York 2006, S. 127. Nach Erscheinen des Films klagte Robert Siodmak gegen Spiegel wegen Copyrightverletzung und unterlassener Anerkennung seiner künstlerischen Leistung. Siodmak bekam 100.000 Dollar zugesprochen, sein Name wurde jedoch weiterhin nicht im Vorspann genannt.

Am 5. November 1954 startete der Film in den Kinos der BRD. Im deutschen Fernsehen war er erstmals am 8. August 1970 in der ARD zu sehen.

Deutsche Fassung Die deutsche Synchronbearbeitung entstand 1954 in den Ateliers der Ultrasynchron in Berlin. Dialogregie führte Alfred Vohrer.Thomas Bräutigam: Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation. Mehr als 2000 Filme und Serien mit ihren deutschen Synchronsprechern etc. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-289-X, S. 136.

Terry MalloyMarlon BrandoHarald JuhnkeFather BerryKarl MaldenPaul KlingerJohnny FriendlyLee J. CobbO. E. HasseEdie DoyleEva Marie SaintMarion DeglerCharley „the Gent“ MalloyRod SteigerCurt AckermannGilletteMartin BalsamKlaus MiedelLukeDon BlackmanAlexander WelbatMooseRudy BondPaul WagnerGloverLeif EricksonHans WiegnerTruckTony GalentoFranz Nicklisch„Pop“ DoyleJohn F. HamiltonEduard WandreyDuganPat HenningAlfred BalthoffJimmyArthur KeeganErnst JacobiJ. P. MorganBarry MacollumHerbert WeissbachTullioTami MaurielloHans EmonsBig MacJames WesterfieldWolfgang Eichberger

Rezeption Kritiken

Die zeitgenössische Kritik urteilte fast durchgehend positiv über Kazans Film. Variety lobte die Leistungen aller führenden Darsteller, die von Brando insbesondere, der „einen spektakulären Auftritt und eine faszinierende, facettenreiche darstellerische Leistung“ abliefere. Verhaltene Kritik übte Variety allein am Finale: „Dem Höhepunkt, als Brando, der zuvor fast bewusstlos geschlagen wurde, sich erhebt und die Hafenarbeiter zu ihren nächsten Job führt […] mangelt es an Überzeugungskraft.“„Under Elia Kazan’s direction, Marlon Brando puts on a spectacular show, giving a fascinating, multi-faceted performance […] A part of „Waterfront“ looks designed for grandstand cheers. This is the climax where Brando, although beaten almost to unconsciousness, manages to rise and lead the longshoremen to a pier job that means the end of Cobb’s cutthroat reign. This is lacking in conviction.“ – Rezension in Variety aus dem Jahr 1954 (ohne nähere Datumsangabe), abgerufen am 9. Januar 2013. A. H. Weiler von der New York Times kam zu einem ähnlichen Resümee: „Trotz seines Happy-Ends, seinem Hang zum Predigen und seiner etwas gelackten Abbildung einiger Facetten des konflikt- und sorgenreichen Lebens im Hafenviertel ist Die Faust im Nacken Filmemachen von seltener und besonderer Güte. […] ein so gewalttätiges und unauslöschliches Filmdokument über des Menschen inhumanes Verhalten gegen seinen Nächsten wie kein weiteres in diesem Jahr.“„A small but obviously dedicated group of realists has forged artistry, anger and some horrible truths into „On the Waterfront,“ as violent and indelible a film record of man’s inhumanity to man as has come to light this year. […] Despite its happy ending; its preachments and a somewhat slick approach to some of the facets of dockside strife and tribulations, „On the Waterfront“ is moviemaking of a rare and high order.“ – Rezension von A. H. Weiler in The New York Times vom 29. Juli 1954, abgerufen am 9. Januar 2013.