Niederauerbach ist ein historischer Ortsteil von Rodewisch in Sachsen. Gemeinsam mit den Ortsteilen Ober- und Untergöltzsch bildet er die heutige Stadt Rodewisch.
Lage mini|links|Die Göltzsch im „Unterdorf“. Niederauerbach ist vom heutigen Ortskern Rodewischs etwa 1000 m in nordwestliche Richtung gelegen. Die Ortschaft liegt im Göltzschtal auf einer Höhe von etwa 424 m ü. NN. Es ist die nördlichste der drei Fusionsgemeinden von 1856. Zentrum des Ortsteils war das ehemalige Rittergut Niederauerbach. Es liegt linksseits der Göltzsch. Auf dem Bergrücken zwischen Treba und Göltzsch befindet sich der nach dem Brauereigründer Johann Schmidt benannte Schmidts Teich als größtes stehendes Gewässer. Im Winter wurden aus dem Eis Blöcke zur Bierkühlung geschnitten.
Geschichte Niederauerbach war nie, wie der Name vermuten lässt, Ortsteil der heutigen Stadt Auerbach.
Erstmals erwähnt wurde die Ortschaft 1450. Vermutlich ist sie schon etwas früher entstanden. Durch Erbteilung derer von Planitz entstanden 1602 die drei Rittergüter Ober- und Untergöltzsch sowie Niederauerbach. Niederauerbach war ein neuschriftsässiges Rittergut. Mit 6143,42 Steuereinheiten (um 1840) handelte sich um ein im sächsischen Vergleich mittelgroßes Gut. Am 20. März 1846 starb Johann Carl Freiesleben, der den Ort in seiner Funktion als Direktor des Messingwerkes besuchte, in Niederauerbach.
Das Rittergut Niederauerbach mit Herrenhaus, erstmals 1606 erwähnt, wurde in der heutigen Form um 1890 durch Paul Heermann gebaut. Zu DDR-Zeiten wurde die Hofanlage erweitert, um für eine Pferde-Deckstation Platz zu schaffen. Heute wird das renovierte Herrenhaus gewerblich genutzt. Für 1661 (nach Dreißigjährigem Krieg und Pest) berichtet das Kirchenbuch: aus: St.-Petri-Kirche Rodewisch. Geschichtliche Streifzüge. Förderverein zur Erhaltung der St.-Petri-Kirche Rodewisch 2008 (Hrsg.). Siegfried Walther. Rodewisch. 2008 Für 1880 sind für das Rittergut Niederauerbach (nebst Messingwerk) 13 Häuser und 94 Bewohner bekannt.Alphabetisches Verzeichniss der im Königreiche Sachsen belegenen Stadt- und Landgemeinden
Von 1606 bis 1856 gehörte der Ort zum Amt Plauen, danach bis 1995 zu einer von Auerbach aus verwalteten Gebietskörperschaft (ab 1856 Gerichtsamt Auerbach, ab 1875 Amtshauptmannschaft Auerbach, ab 1952 (in DDR und BRD) (Land-)Kreis Auerbach). Seit 1996 gehört der Ort zum Vogtlandkreis.
1791 gehörte das relativ weit entfernte Jägersgrün zum Rittergut Niederauerbach. Der Ortsteil ist seit 1578 nach Rodewisch eingepfarrt. Im Gegensatz zur gemeinsamen Gerichtsbarkeit, die erst 1856 durch den Zusammenschluss der drei 1602 getrennten Rittergüter erreicht wurde, gab es eine gemeinsame Kirchgemeinde.
Ortsnamen Im Laufe der Zeit änderte sich der Name des Ortsteils wie folgt:
1450: Nyder Uwerbach, 1460: Nider Auerbach, 1553: Niederawerbach, 1578: Unterauerbach, 1593: Niederauerbach,Sächsisches Staatsarchiv, GB AG Auerbach Nr. 043a ab 1750: Niederauerbach.
Wirtschaft
Messingwerk Niederauerbach
Schon zur Gründung des Ortsteils war ein Eisenhammer vorhanden. 1473 wurde er erstmals erwähnt. Er wurde 1593 durch den kursächsischen Floßmeister Peter Ficker erworben und 1603 in ein Messingwerk umgewandelt. Kursächsisch privilegiert war es lange Zeit das einzige in Sachsen. Es prägte jahrhundertelang die Wirtschaft Niederauerbachs, bis es 1924 stillgelegt wurde. Betrieben wurde es zuletzt (seit 1919) vom Unternehmen Vogtländische Metallwerke AG mit Sitz in Rodewisch, das auch nach der Produktionseinstellung weiter existierte und sich ab 1927 unter der geänderten Firma Rodewischer Textilwerke-AG der Textilherstellung widmete.Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, 37. Ausgabe 1932, Band 4, S. 5982. Zwei alte Aktien entsprachen dabei dem Anrecht auf eine neue Aktie. Heute erinnert nur noch ein Essen-Stumpf an das Messingwerk.
Auf dem Gelände an der Bundesstraße 94 befindet sich derzeit ein Hellweg-Baumarkt. Zuvor waren dort die Textilbetriebe Tefzet und Rotex tätig.
Brauerei J. F. Schmidt 1854 begann die Schmidtsche Brauerei Bier zu brauen. Im Jahr 1856 pachtete Braumeister Johann Friedrich Schmidt die sogenannte Ritterguts-Brauerei von Niederauerbach. Fünf Jahre später brannte die Brauerei samt dem Gasthof zum Messingwerk, dem späteren Schützenhaus, ab. 1872 erwarb Schmidt ein Gut an der Lengenfelder Straße und errichtete dort ein Brauhaus, setzte aber auch den Gutsbetrieb fort. 1897 wurde das Saalfeld-Gut oberhalb der Brauerei hinzugekauft. Schmidt warb damit, die „einzige Brauerei am Ort“ zu sein und bot sowohl Pilsner als auch Bairisch-Schankbier, Böhmisch, Weißbier und Einfach an. 1913 beschäftigte das Unternehmen bereits 16 Angestellte und produzierte 29.000 hl Bier. Schmidts Söhne führten das Unternehmen, das inflationsbedingt in Schwierigkeiten gekommen war, weiter; 1943 übernahm Schmidts Enkelin Elisabeth das Unternehmen. Als 1953 der Enkel Otto Schmidt in die BRD flüchtete, wurde sein Anteil Volkseigentum. Die Firma wurde umbenannt in Vogtlandquell-Brauerei Rodewisch und wurde wenig später Teil der Exportbier-Brauerei Wernesgrün. 1972 wurde der Betrieb aufgrund veralteter Produktionsmittel eingestellt; die Räume wurden noch als Lager genutzt. Nach der Wiedervereinigung wurde der Gebäudekomplex nach fast 150-jährigem Bestehen ab 1992 sukzessive abgebrochen. Zwar wurde 1998 darüber nachgedacht, das Hauptgebäude umzugestalten, was allerdings nie realisiert wurde.
Heute ist kein Überrest der Brauerei mehr vorhanden. Am ehemaligen Standort befindet sich ein Komplex von Einzelhandelsgeschäften.
Persönlichkeiten
Geboren/Verstorben in Niederauerbach † Peter Ficker (vor 1580–1627), Gründer des Messingwerkes * Georg Abel Ficker (1585–1652), kursächsischer Hof- und Justizrat, Unternehmer und Rittergutsbesitzer † Johann Carl Freiesleben (1774–1846), sächsischer Oberberghauptmann, Geschäftsführer des Messingwerkes
Weblinks
Rittergut Niederauerbach in sachsens-schloesser.de
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Rodewisch) Kategorie:Ort im Vogtlandkreis