mini|Jetzt fahr’n wir übern See beim Kinder- und Märchenliederweg in Braunsdorf

Jetzt fahr’n wir übern See ist ein deutsches Scherzlied aus dem 19. Jahrhundert. Es handelt sich um ein Volkslied, da nicht überliefert ist, wer für Melodie und Text verantwortlich war.

Text und Melodie |: Jetzt fahr’n wir übern See, übern See, jetzt fahr’n wir übern (—) :| See, |: mit einer hölzern’ Wurzel, Wurzel, Wurzel, mit einer hölzern’ Wurzel, kein Ruder war nicht (—) :| dran.

|: Und als wir drüber war’n, drüber war’n, und als wir drüber (—) :| war’n, |: da sangen alle Vöglein, der helle Tag brach (—) :| an.

|: Der Jäger rief ins Horn, in das Horn, der Jäger rief ins (—) :| Horn. |: Da bliesen alle Jäger, ein jeder in sein (—) :| Horn.

|: Das Liedlein, das ist aus, wieder aus, das Liedlein, das ist (—) :| aus. |: Und wer das Lied nicht singen kann, der fang’s von vorne (—) :| an!

Obwohl die Noten üblicherweise in einem durchlaufenden Metrum notiert sind, wird der zweite Teil der Melodie häufig im doppelten Tempo, oder jedenfalls deutlich schneller gesungen.Norbert Linke (Hrsg.): Kein schöner Land … Das große Buch unserer beliebtesten Volkslieder. Falken, Niedernhausen 1983, S. 132.

Ausführung Das Lied dient als Pfänderspiel: Dabei müssen die Sänger während der Strophen jeweils bei der ersten Wiederholung der Eingangszeile und der Schlusszeile den Gesang aussetzen. Wer in die Pause hineinsingt, muss als Strafe ein Pfand abgeben. Heute wird das Lied gerne in Kindergärten und in der Grundschule gesungen und als bewegtes Singspiel einstudiert.

Überlieferung Varianten des Liedes sind seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannt. Das Lied Ich fuhr einmal auf Sitt ist seit den 1830er Jahren nachweisbar.

Ich fuhr einmal auf Sitt, wi di witt ich führ einmal auf — Sitt mit einem hölzern Löffelchen lirum larum Löffelchen mit einem hölzern Löffelchen ein Stielchen war nicht – dran

Als ich wohl überkam, widewitt. Da krähten alle Hähnichen Der helle Tag brach — an

Da saß ein Eul und spann Auf einem düstern Kämmerchen Es war kein Fenster — dran

Die Magd die kehrt das Haus: Was fand sie in dem Kericht? Ein’n Fuchsschwanz der war — kraus.

Die Frau die nahm einen Brand Und schlug der armen Dienstmagd Den Fuchsschwanz aus der — Hand.

Ach Frau das ist nicht fein Denn was die Magd im Kericht findt Das muß ihr eigen — seinLudwig Erk, Wilhelm Irmer (Hrsg.): Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen – Neue Sammlung deutscher Volkslieder mit ihren eigenthümlichen Melodien. Erstes Heft. Berlin, Plahn und Logier 1838, S. 63, .Karl Simrock: Das deutsche Kinderbuch. Brönner, Frankfurt am Main 1848, S. 174; .Ludwig Erk, Franz Magnus Böhme (Hrsg.): Deutscher Liederhort. Band 3. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1894, S. 525 f.; babel.hathitrust.org.

Eine andere Fassung teilt Andreas Kretzschmer 1840 mit.Andreas Kretzschmer: Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Weisen. Erster Theil (in 8 Heften). Vereins-Buchhandlung, Berlin 1840, S. 293 f.; .

Die heute verbreitete Fassung wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Dauba im Norden Böhmens als Lied der Hopfenpflücker aufgezeichnet und 1891 veröffentlicht.Alois Hruschka, Wendelin Toischer: Deutsche Volkslieder aus Böhmen. Verlag des Deutschen Vereins zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse, Prag 1891, S. 257 f. (Text) u. 487 (Melodie); digitale-sammlungen.de.

Die in der ersten Strophe erwähnte hölzerne Wurzel wird in manchen Liederbüchern als „Woidzülln“ (Waidzille = Jagdkahn) gedeutet.Hermann Peter Gericke: Bruder Singer. Bärenreiter, Kassel 1963; Unser fröhlicher Gesell. Möseler, Wolfenbüttel 1964, S. 144 f. Edgar Hobinka (Hrsg.): Ostdeutsches Liederbuch. Alte Lieder aus den Vertreibungsgebieten. Hessische Staatskanzlei, Wiesbaden o. J. , ISBN 3-89214-005-7, S. 95. Nach dieser Lesart wäre hier also nicht vom Ersatz für ein fehlendes Ruder die Rede, sondern vom Wassergefährt selber.

Rolf Zuckowski nahm das Lied ebenfalls auf.

Fußnoten

Kategorie:Volkslied Kategorie:Kinderlied Kategorie:Bewegtes Singspiel Kategorie:Musik (Böhmen) Kategorie:Lied (19. Jahrhundert)