Der Artikel Verwaltungsgliederung Badens stellt die Zuständigkeitsbereiche der allgemeinen Verwaltung Badens bis 1945 dar. Dabei wird nur die mittlere und untere Verwaltungsebene berücksichtigt, da oberste und obere Behörden meist für das ganze Staatsgebiet zuständig waren. Auch Behörden und Gebiete der Sonderverwaltung (Finanzverwaltung, Forstverwaltung usw.) werden nicht berücksichtigt, nur jene der Allgemeinen Verwaltung. Derzeit erläutert der Artikel den Zustand ab 1803; eine Ergänzung vor 1803 bestehender Verwaltungsgebiete des seit dem hohen Mittelalter bestehenden Badens (etwa der Oberämter) ist geplant.

Orts- und Gebietsnamen sind möglichst an die heutige Schreibweise angepasst (zum Beispiel Meßkirch statt Mößkirch, Tauberbischofsheim statt Bischofsheim an der Tauber).

Durch die territorialen Umwälzungen der napoleonischen Zeit wurde aus der kleinen badischen Markgrafschaft ein europäischer Mittelstaat. Das Staatsgebiet vergrößerte sich insbesondere 1803, 1805 und 1806 massiv; zu kleineren Änderungen kam es dann noch einmal 1810 und 1819.

Die territoriale Ausdehnung war ein Grund für die verschiedenen Verwaltungsreformen dieser Zeit. Zwischen 1803 und 1809 kam es zu mehreren, teils provisorischen, oft nur kurzlebigen Reformen. Ab 1809 erfolgten länger andauernde Reformen (siehe unten).

Die kurze Epoche zwischen 1803 und 1809 bescherte Baden alle wesentlichen bleibenden territorialen Gewinne. 1803 wurde erstmals in Baden eine mittlere Verwaltungsebene eingeführt („Provinzen“, 1809–1864 „Kreise“). Der aus der frühen Neuzeit übernommene Zustand der Ämter, Städte und Gemeinden blieb in weiten Teilen vorerst unangetastet, hier kam es erst 1809 zu durchgreifenden Änderungen.

Zwischen 1809 und dem faktischen Ende Badens 1945 kam es insbesondere 1809, 1832, 1864 und 1939 zu durchgreifenden Verwaltungsreformen. All diese Reformen hatten – vor allem im Vergleich zur Ära 1803–1809 – über einen längeren Zeitraum Bestand, auch wenn sie hier und dort geändert und ergänzt wurden.

Zeitraum 1803–1807 1803 wurden kurz nacheinander 13 Organisationsedikte erlassen, von denen vor allem das Erste und Sechste Organisationsedikt für die Verwaltungsgliederung von Bedeutung sind. Das Erste Organisationsedikt teilte Baden in drei Provinzen (auch Landesteile genannt) ein, womit es erstmals über eine mittlere Verwaltungsebene verfügte. Auf der Ebene der Bezirke (Ämter und Vogteien) wurden durch das Sechste Organisationsedikt kleinere Ämter geplant, die unter größeren Landvogteien zusammengefasst werden sollten.Kurfürstlich Badische Landes-Organisation: 6. Organisationsedikt vom 9. März 1803 Die Bestimmungen für die Bezirksebenen wurden aber kaum umgesetzt. Zu den umgesetzten Maßnahmen gehörte die Aufteilung des ehemaligen pfälzischen Oberamts Heidelberg in kleinere Ämter und deren Unterstellung unter drei Landvogteien. Alle anderen Landvogteien wurden nicht realisiert. Nach weiteren Gebietsgewinnen 1805 (vor allem der österreichische Breisgau mit Freiburg) wurde mit der „Regierung und Cammer“ in Freiburg 1806 eine weitere Mittelbehörde eingerichtet, womit kurzzeitig bis 1807 de facto vier Provinzbehörden bestanden.

Provinz der Markgrafschaft (Badische Markgrafschaft), 1803–1807 Sitz der Provinzregierung: Karlsruhe. Landvogtei Karlsburg [nicht realisiert] Oberamt Karlsruhe Oberamt Durlach Oberamt Pforzheim Landvogtei Eberstein [nicht realisiert] Oberamt Ettlingen Oberamt Rastatt Oberamt Baden Amt Gernsbach Landvogtei Yberg [nicht realisiert] Oberamt Yberg Oberamt Oberkirch Oberamt Bischofsheim Obervogtei Gengenbach [nicht realisiert] Raths- und Thalvogteiämter der Grafschaft Gengenbach Landvogtei Hochberg [nicht realisiert] Oberamt Mahlberg Oberamt Hochberg Landvogtei Sausenberg [nicht realisiert] Stabsamt Wolfenweiler Oberamt Badenweiler Oberamt Rötteln

Provinz der Pfalzgrafschaft (Badische Pfalzgrafschaft), 1803–1807 Sitz der Provinzregierung (Hofratkollegium genannt): Mannheim. Stadtdirektion Mannheim Stadtdirektion Heidelberg Landvogtei Michelsberg Amt Philippsburg Stadtamt Bruchsal Landamt Bruchsal Amt Odenheim Amt Bretten Amt Kislau (ab 1804) Landvogtei Dilsberg Amt Wiesloch Amt Oberheidelberg Amt Neckargemünd Amt Neckarschwarzach Landvogtei Strahlenburg Amt Unterheidelberg Stabsamt Waldeck Amt Weinheim Amt Ladenburg Amt Schwetzingen

Oberes Fürstentum am Bodensee (ab 1806 „Provinz der Landgrafschaft“), 1803–1807 Sitz der Provinzregierung: Meersburg. Obervogtei Meersburg Stabsamt Markdorf Obervogtei Überlingen Obervogtei Reichenau Stabsamt Rötteln Stabsamt Konzenberg Obervogtei Biberach Stabsamt Neuhausen

Grafschaften der badischen Markgrafen: Grafschaft Salem Oberamt Salem Amt Unterelchingen Obervogteiamt Münchhöf Obervogteiamt Stetten am kalten Markt Grafschaft Petershausen Oberamt Petershausen Amt Herdwangen Obervogteiamt Hilzingen Amt Gondelsheim

Regierung und Cammer Freiburg, 1806–1807 Für die 1805 neu gewonnenen österreichischen Gebiete wurde 1806 eine vierte Mittelbehörde eingerichtet. Zu einer förmlichen Einrichtung einer entsprechenden Provinz mit Auflistung zugehöriger Ämter kam es aber nicht mehr, da die mittlere Verwaltungsebene 1807 in drei neue Provinzen eingeteilt wurde.

Zeitraum 1807–1809 1806 kam es zu den letzten großen Gebietsgewinnen für Baden. Daraufhin kommt es 1807 zu einer Neuerrichtung wiederum dreier Provinzen (mit noch längeren und komplizierteren Provinznamen) sowie einer leichten Änderung der Bezirkseinteilung (Generalausschreiben über die Einteilung des Großherzogtums Baden in Bezirke vom 22. Juni 1807).Generalausschreiben über die Einteilung des Großherzogtums Baden in Bezirke vom 22. Juni 1807, 7. Juli 1807 Diese wurde im Verlauf des Jahres 1807 mehrfach korrigiert (Landesherrliche Verordnung vom 10. August 1807, Berichtigung der Ämtereinteilung vom 17. Oktober 1807, Verordnungen zur Neugliederung der Provinz des Unterrheins im Dezember 1807).Regierungsblatt des Großherzogtums Baden 1807, S. 93, Ergänzungen S. 231, siehe auch Verzeichnis der Grundherrschaften Die Ämter wurden nun unterschieden in landesherrliche Ämter einerseits und standesherrliche (auch grundherrliche) Ämter andererseits. In den standes- und grundherrlichen Ämtern sind bestimmte staatliche Rechte bei anderen Monarchen verblieben (solche, die an Baden fielen, aber auch Monarchen aus dem Hause Baden). Die über 40 Ämter der Mediatisierten wurden nicht landesherrlichen Ämtern, sondern meist landesherrlichen Obervogteiämtern untergeordnet. Die 1807 erreichte Einteilung in Provinzen und Ämter sollte nur zwei Jahre Bestand haben.

Provinz des Oberrheins oder der Badischen Landgrafschaft, 1807–1809 Sitz der Provinzregierung: Freiburg. Landesherrliche Ämter Amt Markdorf Obervogteiamt Meersburg Obervogteiamt Überlingen Oberamt Konstanz Obervogteiamt Reichenau (nachträglich durch Verordnung vom 10. August 1807) Amt Bohlingen Amt Blumenfeld Obervogteiamt Pfullendorf Obervogteiamt Villingen Amt Bonndorf Amt Bettmaringen Oberamt Waldshut Amt St. Blasien (bis Oktober 1807 Stabsamt) Obervogteiamt Schönau Oberamt Säckingen Amt Beuggen Oberamt Rötteln Oberamt Schliengen Oberamt Badenweiler Stabsamt Wolfenweiler (im Juni verkündet, im Oktober aufgehoben) Obervogteiamt Heitersheim Oberamt Staufen (bis Oktober 1807 Stabsamt) Stabsamt St. Peter Obervogteiamt Triberg Oberamt Waldkirch Oberamt Freiburg Stadtvogteiamt Freiburg Oberamt Hochberg Oberamt Kenzingen Oberamt Breisach (nachträglich durch Verfügung vom 10. November 1807)

Standesherrliche Ämter Wegen Schwarzenberg: Oberamt Klettgau (spätestens 1809 „Oberamt Thiengen“) Wegen Auersperg: Amt Tengen Wegen Fürstenberg: Amt Blumberg Amt Stühlingen Amt Löffingen Amt Neustadt Amt Vöhrenbach Amt Haslach Amt Wolfach Amt Donaueschingen Amt Hüfingen Amt Möhringen Amt Engen Amt Meßkirch (nachträglich durch Verordnung vom 10. August 1807) Amt Heiligenberg Wegen Baden: Amt Salem Amt Unterelchingen Obervogteiamt Stetten am kalten Markt Obervogteiamt Münchhöf Amt Petershausen Amt Herdwangen Obervogteiamt Hilzingen

Provinz des Mittelrheins oder der Badischen Markgrafschaft, 1807–1809 Sitz der Provinzregierung: Karlsruhe. Landesherrliche Ämter Oberamt Mahlberg Oberamt Lahr Obervogteiamt Gengenbach Oberamt Offenburg Oberamt Oberkirch Obervogteiamt Achern Oberamt Bühl Oberamt Schwarzach Oberamt Kork Oberamt Rheinbischofsheim Oberamt Steinbach Oberamt Baden Oberamt Eberstein Oberamt Rastatt Oberamt Ettlingen Oberamt Pforzheim Oberamt Stein Oberamt Durlach Oberamt Karlsruhe Oberamt Bruchsal (durch Verordnung vom 10. August 1807 vom Unterrhein zum Mittelrhein) Amt Philippsburg (durch Verordnung vom 10. August 1807 vom Unterrhein zum Mittelrhein) Amt Kislau (durch Verordnung vom 10. August 1807 vom Unterrhein zum Mittelrhein)

Provinz des Unterrheins oder der Badischen Pfalzgrafschaft, 1807–1809 Sitz der Provinzregierung: Mannheim. Landesherrliche Ämter Amt Schwetzingen Stadtvogteiamt Mannheim Amt Ladenburg Amt Weinheim Oberamt Heidelberg Stadtvogteiamt Heidelberg Amt Neckargemünd Amt Neckarschwarzach Oberamt Waibstadt Stabsamt Eppingen Amt Bretten Oberamt Gochsheim Oberamt Bruchsal (durch Verordnung vom 10. August 1807 vom Unterrhein zum Mittelrhein) Amt Philippsburg (durch Verordnung vom 10. August 1807 vom Unterrhein zum Mittelrhein) Amt Kislau (durch Verordnung vom 10. August 1807 vom Unterrhein zum Mittelrhein) Oberamt des Odenwaldes (im Juni verkündet, im Dezember aufgehoben)

Standesherrliche Ämter Im Juni 1807 wurden zunächst folgende standesherrlichen Ämter eingerichtet: Wegen Leiningen fürstlichen Teils: Ämter Hilsbach, Mosbach, Eberbach, Miltenberg, Walldürn, Boxberg, Buchen, Tauberbischofsheim. Wegen Leiningen gräflichen Teils: Amt Neidenau. Wegen Wertheim: Ämter Wertheim, Rothenfels, Gerichstetten, Bronnbach, Rosenberg, Freudenberg. Wegen Krautheim: Ämter Grünsfeld, Ballenberg, Krautheim. Die fürstlich-leiningischen Ämter wurden im Laufe des Jahres 1807 noch in sogenannte Justizämter zerlegt. Diese Ämter sowie alle anderen standes- und grundherrlichen Ämter der Provinz des Unterrheins wurden im Dezember 1807 drei landesherrlichen Landvogteien untergeordnet (mit Ausnahme der fürstlich-leiningischen Ämter Hilsbach und Sinsheim, die dem bestehenden landesherrlichen Oberamt Waibstadt untergeordnet wurden). Landvogtei Mosbach: Amt Mosbach – fürstlich-leiningisch Amt Eberbach – fürstlich-leiningisch Amt Lohrbach – fürstlich-leiningisch Amt Buchen – fürstlich-leiningisch Amt Burken – fürstlich-leiningisch Amt Ballenberg – fürstlich-salm-krautheimisch Amt Krautheim – fürstlich-salm-krautheimisch Amt Zwingenberg – bretzenheimisch Amt Neudenau – gräflich-leiningisch Landvogtei Miltenberg: Amt Miltenberg – fürstlich-leiningisch Amt Amorbach – fürstlich-leiningisch Amt Walldürn – fürstlich-leiningisch Amt Hardheim – fürstlich-leiningisch Amt Mudau – fürstlich-leiningisch Amt Boxberg – fürstlich-leiningisch Amt Schüpf – fürstlich-leiningisch Amt Rosenberg – fürstlich-löwenstein-wertheimisch Amt Gerichtstetten – fürstlich-löwenstein-wertheimisch Amt Heubach – fürstlich-löwenstein-wertheimisch Landvogtei Wertheim: Amt Tauberbischofsheim – fürstlich-leiningisch Amt Lauda – fürstlich-leiningisch Amt Külsheim – fürstlich-leiningisch Amt Wertheim – fürstlich-löwenstein-wertheimisch Amt Rothenfels – fürstlich-löwenstein-wertheimisch Amt Bronnbach – fürstlich-löwenstein-wertheimisch Amt Freudenberg – fürstlich-löwenstein-wertheimisch Amt Grünsfeld – fürstlich-salm-krautheimisch Vom Oberamt Waibstadt beaufsichtigt: Amt Hilsbach – fürstlich-leiningisch Amt Sinsheim – fürstlich-leiningisch

Zeitraum 1809–1832