Stefan Wolf (* 12. September 1961 in Oberndorf am Neckar) ist ein deutscher Lobbyist und Manager. Er war von 2006 bis 2023 Vorsitzender des Vorstands der ElringKlinger AG in Dettingen an der Erms. Er war von 2012 bis 2020 Vorsitzender von Südwestmetall und von 2020 bis 2025 Präsident des Gesamtverbands der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie.

Beruflicher Werdegang Wolf absolvierte von 1982 bis 1984 eine Banklehre in der Stuttgarter Filiale der Commerzbank AG. Von 1984 bis 1993 studierte er Rechtswissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen und schloss im Anschluss das Referendariat mit dem zweiten Staatsexamen ab. 1994 wurde er am Lehrstuhl von Thomas Oppermann zum Dr. jur. promoviert. Er war von 1994 bis 1997 als Rechtsanwalt bei der Kanzlei Thümmel, Schütze & Partner beschäftigt. Im Jahr 1997 trat er als Syndikusanwalt in die ElringKlinger GmbH ein. Von 1998 bis 2000 war er Bereichsleiter Recht und Personal bei der ElringKlinger GmbH. Mit dem Börsengang der ElringKlinger AG im Jahr 2000 übernahm Stefan Wolf zusätzlich die Leitung der Abteilung Investor Relations und Kapitalmarktbetreuung. 2004 wurde er zum Generalbevollmächtigten des Vorstands der ElringKlinger AG berufen und 2005 zum Sprecher des Vorstands ernannt. Ab 2006 war Wolf Vorsitzender des Vorstands. Dieses Amt hatte er bis zum 30. Juni 2023 inne. Seit dem 1. April 2024 ist er als Berater bei der Horváth-Gruppe tätig.

Lobbytätigkeit Wolf war von 2012 bis 2020 Vorsitzender von Südwestmetall. Er ist Mitglied im Vorstand des VDA und Vizepräsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Ab dem 26. November 2020 war er Präsident von Gesamtmetall. Am 14. Oktober 2025 verkündete er seinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung.

Aktionen und Positionen Nachdem die von Gesamtmetall finanzierte Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft im Bundestagswahlkampf 2021 eine Anzeigenkampagne gegen die Grünen gefahren hatte, legte Wolf mit Aussagen wie „Das Grünen-Wahlprogramm ist Sozialismus pur“ und „Ein großer Teil der Grünen ist sozialistisch geprägt“ nach. Klimaschutz bezeichnete er als „ein Thema, das en vogue“ sei; auch SPD und Union bescheinigte er „einen gewissen Opportunismus“, da die damalige Bundesregierung den Klimaschutz verschärft hatte.

Im März 2025 stellte er während der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD das Datum 2038 für den Kohleausstieg als „nicht zu halten“ infrage. Das Ziel der Klimaneutralität 2045 im Grundgesetz zu erwähnen hielt er für „einen Riesenfehler“. Zu den 100 Milliarden Euro für den Klimaschutz in einem Sondervermögen sagte er, dies „hätte ich nicht gemacht“. Die vorherige Ampelregierung habe „oftmals nicht mehr auf die soziale Marktwirtschaft, sondern mehr auf die Planwirtschaft gesetzt“; laut Wolf sei es positiv gewesen, dass die Koalition die Schuldenbremse einhielt.

Rezeption Albrecht von Lucke kommentierte 2021, dass Wolf mit seiner Dämonisierung der Grünen ein schlichtes Freiheitsbild propagiere; der „Sozialismus-Vorwurf“ sei „anti-aufklärerisch und hoch demagogisch“. Wolf unterschlage ferner, „dass speziell die Automobilindustrie es über Jahrzehnte nicht geschafft hat, auf dem Weg der bloß postulierten Selbstverpflichtung die erforderlichen ökologischen Innovationen hervorzubringen, sondern im Gegenteil mit allen, auch illegalen Mitteln an der veralteten Diesel-Technologie festhielt“.

Weitere Tätigkeiten ehemaliger Vizepräsident der IHK Reutlingen/Tübingen/Zollernalb (2010–?) Seit November 2020 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Vorsitzender des Landeskuratoriums BW des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft Seit 2024 gewähltes Mitglied für die CDU des Gemeinderats von Bad Urach

Strafverfahren Die Staatsanwaltschaft Tübingen ermittelte ab November 2022 gegen Wolf wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt. Wolf soll seine Haushälterin jahrelang schwarz an Steuer und Sozialkassen vorbei beschäftigt haben.Ermittlungen gegen Chef der Metallarbeitgeber, In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. November 2022 Im Juli 2025 erging ein Strafbefehl des Amtsgerichts Bad Urach gegen Wolf, gegen den er Einspruch einlegte.Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. Juli 2025, S. 26. Im März 2026 nahm Wolf den Einspruch zurück; das Gericht verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 28.000 Euro.

Privates Stefan Wolf ist der Sohn von Günther Wolf (1926–2016), der beim Schwarzwälder Boten ab 1971 Ressortleiter Politik und von 1987 bis 1991 stellvertretender Chefredakteur war sowie von 1964 bis 1999 für die Freien Wähler dem Gemeinderat von Oberndorf angehörte.Der Hochgeschwindigkeits-Arbeitgeber, stuttgarter-zeitung.de, 18. September 2012Peter Wolf, Grandseigneur der Fasnet und Kommunalpolitik, schwarzwaelder-bote.de, 15. Mai 2011Traueranzeige, schwarzwaelder-bote.de, 19. Oktober 2016

Wolf ist seit dem 24. Juni 2023 mit dem Musicaldarsteller Kevin Tarte verheiratet. Zuvor war er 33 Jahre mit einer Frau verheiratet. Er hat ein Kind.

Ehrung Ehrenvorsitzender des Verbands der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg e.V. (Südwestmetall; 2021) Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg (2022)

Weblinks Schwarzarbeit, Lohndumping, eine Werksschließung: So rabiat geht Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf mit Arbeitnehmern um, Manka Heise, Christian Esser, Tina Kaiser, erschienen im Stern, Oktober 2022.

Einzelnachweise

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