Niederdollendorf ist ein Stadtteil der Stadt Königswinter im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis. Er liegt am rechten Rheinufer gegenüber dem Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg und geht fließend in den Stadtteil Oberdollendorf über. Niederdollendorf hat rund 3500 Einwohner.

Geographie Niederdollendorf liegt am Übergangsbereich vom Mittel- in den Niederrhein gegenüber den Bad Godesberger Ortsteilen Plittersdorf und Rüngsdorf am nordwestlichen Fuß des Siebengebirges. Die Ortschaft geht zum Teil fließend in Königswinter im Süden und Oberdollendorf im Osten über und liegt auf einem überwiegend flachen Gelände im Godesberger Rheintaltrichter, dem Südende der Kölner Bucht. Siedlungsgeographisch lässt sich Niederdollendorf dem Godesberger Rheintaltrichter zuordnen. Im Südosten reicht die Gemarkung des Stadtteils über den Kellerberg bis auf den Petersberg und die Nordhälfte seines Gipfels. Östlich der heutigen Trasse der Bundesstraße liegt am Kellerberg das Gelände des Hauses Heisterberg („Pfaffenröttchen“). Dort bestehen drei Weinbaulagen der Großlage Petersberg: Goldfüßchen, Heisterberg, Longenburger Berg. Bewirtschaftet wird derzeit die Lage Heisterberg.

Der Rhein wird bei Niederdollendorf seit 1887 durch sieben, etwa 100 m in den Fluss reichende Buhnen reguliert.Robert Jasmund: Die Arbeiten der Rheinstrom-Bauverwaltung 1851–1900. Halle a. S. 1900, S. 106/107 (PDF; 1,3 MB)

Geschichte mini|hochkant|Fränkischer Grabstein aus Niederdollendorf Auf dem Gelände einer Ziegelei in Niederdollendorf wurde 1901 ein fränkischer Grabstein aus dem 7. Jahrhundert gefunden, die sogenannte Grabstele von Niederdollendorf. Urkundlich erwähnt wurde Dollendorf erstmals 966 von Kaiser Otto I. als Dullendorp. In einer Urkunde aus dem Jahre 1144 wurde zum ersten Mal zwischen Oberdollendorf und Niederdollendorf unterschieden. Seit 1306 sind Schöffen des Gerichts zu Dollendorf nachgewiesen. Bedeutendster Grundherr in Niederdollendorf war das Kloster Heisterbach.

mini|Katholische Kirche St. Michael, Ansicht von der Hauptstraße Spätestens ab 1555 war Niederdollendorf Honschaft und Kirchspiel im bergischen Amt Löwenburg. Zur Honschaft Niederdollendorf gehörte auch das außerorts gelegene Gut Pfaffenröttchen, zum Kirchspiel die Honschaft Heisterbacherrott.W. Harleß: Die Erkundigung über die Gerichtsverfassung im Herzogtum Berg vom Jahr 1555. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins. 20. Band, Jahrgang 1884, Bonn 1885, S. 123. Das Kirchspiel wurde von einem sog. Markgedinge verwaltet, in das die ursprünglich sechs Freihöfe der Ortschaft Geschworene entsendeten: der Juffernhof bzw. Fronhof des Stifts Vilich, der Mönchshof des Klosters Heisterbach, der Propsthof des Propstes in Oberpleis, der Hof Longenburg des Bonner Cassius-Stiftes, der Bredershof der Junker Breder sowie ein Hof des Kölner Stifts St. Gereon. Das Kirchspiel gehörte bis zur Auflösung des Herzogtums Berg im Jahre 1806 zum Gericht (Untergericht des Amtes Löwenburg) und Botamt Dollendorf mit Sitz in Oberdollendorf.Ferdinand Schmitz: Die Mark Dollendorf. Bergisch Gladbach 1925, S. 46/47.Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz. 5. Band, Bonn 1898, S. 315.

Am Ende des Ersten Weltkriegs legten die deutschen Truppen am 23. November 1918 im Zuge der Räumung des linken Rheinufers auf Höhe von Niederdollendorf eine Pontonbrücke an. Nach deren Rückzug aus dem Gebiet des Amts Oberkassel als Teil des Brückenkopfs um Köln rückten in Niederdollendorf am 13. Dezember kanadische Besatzungstruppen (6. Infanteriebrigade) unter britischer Flagge mit einer Stärke von 235 Männern, 20 Offizieren und 30 Pferden nach. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Gemeinde irrtümlich dem besetzten Brückenkopf zugerechnet worden war, verließen die Besatzungstruppen zum 31. Dezember 1918 Niederdollendorf, das fortan zum unbesetzten Gebiet im Rheinland (1923/24 „Einbruchsgebiet“) gehörte.Stadt Königswinter (Hrsg.), F. Wilhelm Gassen: Niederdollendorf – Eine heimatgeschichtliche Zeitreise. 1. Auflage, Königswinter 2008, ISBN 978-3-932436-13-0, S. 31/32. Im Zweiten Weltkrieg wurde Anfang Mai 1940 ein Flakstand auf dem Dach des Rheinhotels Buchheister an der damaligen Ecke Rheinstraße/Adolf-Hitler-Ufer eingerichtet. Von einem Bombenangriff im Alliierten Luftkrieg auf die Region in der Nacht vom 7. auf den 8. November 1941 waren vor allem die Fabriken für feuerfeste Produkte, Didier-Werke und Rheinischer Vulkan in Niederdollendorf betroffen. In beiden Werken wurden während des Krieges ausländische Zwangsarbeiter eingesetzt, bei den Didier-Werken 180 und beim Rheinischen Vulkan 60 Zivilarbeiter. Bei dem schwersten Luftangriff auf die Siebengebirgsregion starben am 22. April 1944 in Niederdollendorf drei Menschen. Am 8. September 1944 wurden Brandbomben auf den Ort abgeworfen und am 22. September erneut auf die Industrieanlagen. Am 18. März 1945 nahmen amerikanische Kampftruppen Niederdollendorf kampflos ein. Gegen Kriegsende bestand im Frühjahr 1945 zwischen Niederdollendorf und Bad Godesberg mit der Hodges-Brücke erneut eine Pontonbrücke über den Rhein.

Von 1816 bis 1969 war die Gemeinde Niederdollendorf Teil der Bürgermeisterei Oberkassel (1927 umbenannt in Amt Oberkassel) im Siegkreis. Von 1949 bis 1955 gehörte sie auch der Enklave Bonn an, ein der Alliierten Hohen Kommission unterstehendes Sondergebiet um den vorläufigen Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland. Mit der kommunalen Neugliederung des Raums Bonn ging die Gemeinde am 1. August 1969 in der neuen Stadt Königswinter auf. Der Bürgermeister von Niederdollendorf, Franz Riscop, hatte sich zuvor unter Zustimmung des Gemeinderates für eine Eingliederung in die bis dahin eigenständige Stadt Bad Godesberg ausgesprochen – unter anderem wegen der gemeinsam betriebenen Rheinfähre.Franz Möller: Der Rhein-Sieg-Kreis im Spannungsfeld von Bund und Land. Rheinlandia Verlag, Siegburg 2006, ISBN 3-938535-20-2, S. 67.

Der Turm der katholischen Pfarrkirche St. Michael stammt aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts, das Kirchenschiff wurde 1910 für eine Vergrößerung und zur Reparatur von Wasserschäden etwas versetzt im neugotischen Stil neu errichtet und das bisherige Schiff anschließend abgebrochen. Als katholische Begräbnisstätte Niederdollendorfs diente der anstelle des heutigen Kirchenschiffs gelegene Kirchhof; 1882/83 wurde etwas außerhalb des Dorfes an der östlichen Gemarkungsgrenze zu Oberdollendorf ein neuer Friedhof angelegt, sodass auf dem bisherigen Friedhof 1883 das letzte Begräbnis stattfand.Norbert Schloßmacher; Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.): Rheinische Kunststätten. Katholische Kirchen im Talbereich der Stadt Königswinter. Heft 411, 1. Auflage, Neusser Druckerei und Verlag, Köln 1995, ISBN 3-88094-787-2, S. 19.

1967 hatte Niederdollendorf 3059 Einwohner, von denen 22 in der Land- und Forstwirtschaft, 571 im verarbeitenden Gewerbe und 347 im Dienstleistungsbereich tätig waren. 690 Auspendlern standen 736 Einpendler gegenüber. In 3 Industriebetrieben waren 519 Personen beschäftigt. An öffentlichen Einrichtungen waren 1967 vorhanden: eine Volksschule, ein Sportplatz, ein Kindergarten und eine Bücherei.Paul Kieras (Hrsg.): Der Rhein-Sieg-Kreis. Stuttgart 1983, S. 276. Ende der 1960er-Jahre büßte Niederdollendorf seinen damaligen gewachsenen Ortskern ein, als das alte Pfarrhaus und der ehemalige Fronhof des Stiftes Vilich vor der Kirche für den Straßenbau abgebrochen wurdenHeimatverein Oberdollendorf und Römlinghoven e. V., Kreis der Heimatfreunde Niederdollendorf e. V. (Hrsg.): So war's einmal in Oberdollendorf, Niederdollendorf, Heisterbach und Römlinghoven. Königswinter 1982, S. 84.Oberkasseler Zeitung, 29. Juni 1968, S. 2 (zeitpunkt.nrw); zudem verlor die Heisterbacher Straße bei ihrem Ausbau den Charakter einer Allee. 1968 wurde ein umfassender Ausbau des Niederdollendorfer Rheinufers zwischen der Anlegestelle der Rheinfähre nach Bad Godesberg und der damaligen südlichen Gemeindegrenze zu Königswinter eingeleitet. Dabei wurde die Fußgängerzone auf eine zuvor öffentlich befahrbare Straße ausgeweitet und die Rheinpromenade an der Fähranlegestelle betoniert. In der nachfolgenden Zeit büßte das Rheinufer durch den weitreichenden Umbau des ehemaligen Rheinhotels und den Abbruch der Villa „Magneta“ einen Großteil seiner früheren Gestalt ein, bis 2005 mit dem zuletzt denkmalgeschützten Hotel Rheineck auch die letzte Bebauung aus der Zeit nach der Jahrhundertwende einer Neubebauung zum Opfer fiel.Angelika Schyma: Stadt Königswinter. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmäler im Rheinland. Band 23.5.) Rheinland-Verlag, Köln 1992, ISBN 3-7927-1200-8.

Einwohnerentwicklung JahrEinwohnerVolkszählungsergebnisse von 1816 bis 1970 der Städte und Gemeinden. Beiträge zur Statistik des Rhein-Sieg-Kreises, Bd. 17. Siegburg 1980, S. 62–63.1816395184347218715691905118319612789

Longenburg mini|Longenburg (vor 1907) Als Lunenburg taucht das Gut in einer Urkunde von 1275 erstmals auf, benannt nach dem langen Berg, einem langgestreckten Bergrücken (heute Kellerberg/Kapp) zwischen Rheintal und Petersberg. Erster nachweisbarer Besitzer des Hofes war 1407 der Ritter Godart van Lomer (Lohmar). 1689 zerstörten Truppen Ludwigs XIV. die Burg, die ab 1698 wiederaufgebaut wurde. Auf diese Zeit ging das Herrenhaus mit zwei Rundtürmen an den östlichen Ecken zurück. Der Verwaltungssitz der Bürgermeisterei Oberkassel (ab 1816) befand sich bis 1844 nicht in Oberkassel, sondern auf der Longenburg, wo der erste Bürgermeister bis zu seinem Tod ansässig war.Die vergessene Burg, Kreis der Heimatfreunde Niederdollendorf 1885 verzeichnete der Wohnplatz Longenburg 17 Einwohner in einem Wohngebäude. 1888 entstand der Südflügel in Form einer Halle mit hölzerner Stützenkonstruktion. 1920 wurde der Wassergraben zugeschüttet.Kriegsschicksale Deutscher Architektur. Verluste – Schäden – Wiederaufbau. Eine Dokumentation für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Band 1: Nord. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1988, ISBN 3-529-02685-9, S. 386 und 614. Am 22./24. April 1944 erlitt das Herrenhaus im alliierten Luftkrieg einen Bombenvolltreffer: der nördliche Turm und die dahinterliegenden Räume wurden zerstört, zudem kam es zu Schäden an Mauerwerk und Dach. Bereits im Herbst 1944 wurden die nördliche Giebelseite in Backstein geschlossen und ein Notdach angebracht. 1952 erwarb Paul Lemmerz die durch Kriegseinwirkungen stark beschädigte Burg. 1958 wurde ihr Abriss beantragt und dieser 1962 für eine Erweiterung des Firmengeländes der Lemmerz-Werke begonnen.Karl Josef Klöhs: (PDF; 658 kB). In: rheinkiesel. Magazin für Rhein und Siebengebirge. 6. Jahrgang, Dezember 2002, S. 14/15.

Wirtschaft und Infrastruktur Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein herrschten Landwirtschaft und Weinbau vor. Die heutige Landesstraße 268 war 1853–1855 als Verbindungsstraße „Niederdollendorf–Oberpleis–Eudenbach–Buchholz–Kircheib“ vom Rhein bis zur alten „Köln-Frankfurter Straße“ (heutige Bundesstraße 8) gebaut worden.Helmut Weinand: Die preußischen Bezirksstraßen im Regierungsbezirk Koblenz bis zum Jahre 1876. Bonn 1971, S. 157–158. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden Fabriken, die feuerfeste Steine herstellten. Von diesen hat sich eine bis heute erhalten. Heute wird die Wirtschaft Niederdollendorfs von den Betrieben des Gewerbegebiets Im Mühlenbruch dominiert. Unter diesen ist der größte Betrieb Dinova, eine Tochtergesellschaft der Meffert Farbwerke.

Verkehr mini|Bahnhof Niederdollendorf