Ebersheim ist ein Ortsbezirk der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.
Er ist der entlegenste, höchstgelegene und am meisten Weinanbau betreibende Stadtteil von Mainz und bildet mit seinen Grenzen den südlichen Ausläufer der Stadt. Ebersheim wird wegen seiner Lage in Mainz als das Tor nach Rheinhessen bezeichnet.
Die erste urkundliche Erwähnung von Ebersheim fand im Jahr 764 in einer Schenkungsurkunde des Stifts St. Alban an das Kloster Lorsch statt.
Obwohl Ebersheim seit 1969 zur Stadt Mainz gehört, ist es immer noch ländlich geprägt. Das Ortsbild ist gemischt. Einerseits gibt es Bauernhöfe, Weingüter und alte Bauten im Ortskern, andererseits gibt es Neubaugebiete, Reihenhäuser und eine Mehrfamilienhaussiedlung (mit bis zu sieben Stockwerken pro Haus) am Ortsrand. Die rheinhessische Lebensart ist in Ebersheim spürbar. So sind beispielsweise die kulturellen Höhepunkte das Weinfest im Dorf und die Kerb.
Eine Besonderheit von Ebersheim ist die Ortsvorwahl, die von der Mainzer Vorwahl 06131 abweicht. Ebersheim gehört mit seiner Telefonvorwahl 06136 zum Ortsnetz der Stadt Nieder-Olm im Landkreis Mainz-Bingen.
Geographie Geographische Lage 307px|mini|St. Laurentius inmitten des Ortskerns(vom Süden aus fotografiert) Ebersheim liegt, wie die meisten rheinhessischen Ortschaften, in einer Agrarlandschaft. Die Agrarlandschaft wird durch Ackerbau, Obstbau und Weinbau geprägt. Ebersheim befindet sich am östlichen Hang des Mühlberges (243 m NN) und am nordöstlichen Hang der Muhl (Auf der Muhl 245 m NN), dem höchsten Punkt der Stadt Mainz. Der tiefste Punkt Ebersheims befindet sich bei der östlichen Ortseinfahrt von der L 425 kommend (193 m NN).Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz
Nachbarstadtteile und -gemeinden Folgende Gemeinden bzw. Mainzer Stadtteile grenzen im Uhrzeigersinn an Ebersheim:
im Norden Mainz-Hechtsheim, im Osten Harxheim, im Südosten Mommenheim, im Süden Zornheim, im Südwesten Nieder-Olm, im Westen Ober-Olm und im Nordwesten Klein-Winternheim.
Geologie Ebersheim bildet ein Plateau inmitten des Mainzer Beckens, eines Sedimentationsraums, der durch Absinken des Oberrheingrabens entstand. In der Folge drang ein Binnenmeer ein, das zur Ablagerung verschiedener mariner Sedimente führte. Man unterscheidet hierbei mehrere Transgressionsphasen (Rupelium). Aus dieser Zeit stammen zum Teil die nordwestlichen Sedimente der Gemarkung Ebersheim. Deutlicher aufgeschlossen sind diese im Nachbarort Nieder-Olm. In Ebersheim wird der Großteil dieser Sedimente von späteren Ablagerungen abgedeckt, vorwiegend pleistozäne Löße, die während verschiedener Eis- und Kaltzeiten äolisch verdriftet und hier abgelagert wurden. Aus noch jüngerer Zeit stammen Lehme aus dem Holozän, die östlich von Ebersheim in der Töngeswiese am tiefsten Punkt abgelagert wurden. Sie entstanden wahrscheinlich durch den Wildbach, welcher zur Zeit der Erstbesiedlung des Gebietes Auf der Muhl entsprang und in der Töngeswiese mündete. In Ebersheim befand sich am 7. Februar 1999 das Epizentrum eines Erdbebens der Stärke 2,5 (Nähe Fort Muhl).
Geschichte mini|Denkmal an die Jubiläumsfeier Ebersheims 1964, mit der Inschrift „Römische Villa Rustica – Fränkische Siedlung – 1500 Jahre Ebersheim“ Frühzeit Die ältesten Spuren menschlicher Zivilisation in der Ebersheimer Gemarkung lassen sich auf ca. 2200 v. Chr. datieren. Es handelt sich um den Fund eines Glockenbechers, eines glockenförmigen Tongefäßes, welches von einer endneolithischen Kultur, der Glockenbecherkultur, in der Zeit von 2600 v. Chr. bis etwa 2200 v. Chr. gefertigt wurde. Der Flurname Langer Stein nördlich von Ebersheim weist wahrscheinlich auf einen Menhir hin, welcher aus der Jungsteinzeit oder der Bronzezeit stammt und sich ungefähr in die Periode der Glockenbecherkultur einordnen lässt. Spuren der Bronzezeit sind ebenfalls belegt. So wurden ein Bronzemesser und Bronze-Lanzenspitzen Im Loh, einem Wäldchen zwischen Ebersheim und Nieder-Olm, gefunden. Die Funde werden der Hügelgräber-Periode und der Urnenfelder-Bronzezeit zugeordnet. Spätere Spuren lassen sich erst wieder aus der Zeit nach der römischen Eroberung finden.
Römer Römische Siedlungsspuren sind in Form von Resten einer Villa rustica am Ufer eines Bachlaufes vorhanden. Dieser Fund und damit verbundene Kleinfunde wurden auf das 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. datiert. Dokumentiert sind weitere Einzelfunde in der Ebersheimer Gemarkung, so beispielsweise ein Gefäßhenkel mit Silbereinlagen, ein goldener Fingerring und ein Gladius.
Franken Aus der fränkischen Zeit stammt ein in Ebersheim gefundener frühchristlicher Grabstein mit der fragmentarischen Inschrift, die von „[…]lindis“ und „Velandu et Thudelindi“ spricht. Man vermutet, dass hier der Name einer Tochter und der ihrer Eltern angegeben sind und dass diese Tochter „in Frieden 12 Jahre gelebt hat“.
Zwischen 400 n. Chr. und 500 n. Chr. wurde zwischen den Armen des Wildbaches im Bereich der heutigen Römerstraße eine Siedlung gegründet.
Mittelalter mini|links|Torbogen des 1324 gegründeten Anthonishof bzw. heute Töngeshof Erstmals urkundlich erwähnt wurde Ebersheim 764 in einer Schenkungsurkunde des Stifts St. Alban an das Kloster Lorsch. Aber auch hier gibt es eine zweite Möglichkeit, eine Urkunde von 789, welche von einem Heimatforscher als frühestes genau datierbares Dokument bezeichnet wird, in dem der Name Aburinesheim für Ebersheim genannt wird. Über die Namensgebung bzw. erste urkundliche Erwähnung gibt es somit keine Einigkeit.
830 wurde Ebersheim in einer Urkunde als „Mönchsgut der Abtei St. Maximin“ bei Trier genannt. Bei der Urkunde handelt es sich nicht um einen erstmaligen Verleihungsakt. Demnach muss der Besitzwechsel früher stattgefunden haben. 1184 wurde erstmals die Ebersheimer Kirche mit Kapelle urkundlich erwähnt. Im selben Jahr wurde angeordnet, dass Weinbau nur noch im Süden des Ortes betrieben werden darf. So ist es bis heute geblieben. 1304 wurde an der Kreuzung Enggasse/Römerstraße/Neugasse ein Dorfgerichtsplatz errichtet, von dem aus Wege in die umliegenden Ortschaften führten. 1324 gründeten Mitglieder des Antoniter-Ordens den Anthonishof, den heutigen Töngeshof als Landgut zur Versorgung ihrer Stadtdependance, welcher damals noch eigenständig war und nicht zu Ebersheim gehörte. Von 1420 an gehörte Ebersheim nach mehrmaligen Besitzwechseln für die nächsten 350 Jahre zum Kurstaat Mainz und stand unter dessen Schutz. In den Wirren der Reformation (nach 1525) wurde der Pfarrhof abgebrannt.
Neuzeit bis 1945 mini|Gottfried Mascop: Gemarkungsplan Ebersheim 1577 ordnete der Mainzer Kurfürst Daniel Brendel von Homburg die Anfertigung von Karten für Mainz an. Daraufhin wurde Ebersheim erstmals von Gottfried Mascop kartografisch erfasst. Zu sehen ist die Pfarrkirche, der Anthonishof (Töngeshof) und die Ebersheimer Pforten – die Mainzer Pforte im Norden, die Kirchenpforte im Westen und die Hammelspforte im Süden – sowie das Ebersheimer Wappen, welches schon damals den Feuerrost enthielt. mini|links|Vorhangbogen des Pfarrhofes von 1612 1612 wurde der zerstörte Pfarrhof wieder aufgebaut, an den noch heute ein Vorhangbogen mit der Inschrift „1612“ erinnert. Um 1650 wurde am Ostende des Töngeshofes ein Herrenhaus mit dem Wappen des Mainzer Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn gebaut. Im Pestjahr 1666 starben circa 100 Ebersheimer. An der Römerstraße wurde 1688 ein Schulhaus erbaut. Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688 bis 1689) starben an den Kriegsfolgen und an Seuchen viele Ebersheimer.
In den Jahren 1725 bis 1729 wurde das Mittelschiff der heutigen Pfarrkirche mit Chor und Sakristei errichtet. 17 Jahre später wurde die Kirche ausgemalt, zwei Altäre und die Kanzel wurden eingebaut, und Apostelbilder an der Emporenbrüstung angebracht. 1767 wurde die Figurengruppe der Marienkrönung geschaffen. Nach dem Abriss der Kapelle, welche die Figurengruppe enthielt, und dem Umzug in eine Hausnische steht die Marienkrönung heute restauriert in einer Kapelle in der Laurentiusstraße. 1768 wurde der Kirchturm errichtet. 25 Jahre später erhielt die Kirche den Hochaltar aus St. Quintin in Mainz.
Während den Belagerungen der Festung Mainz von 1794 bis 1799 wurden französische Soldaten in Ebersheim einquartiert. Den von diesen mitgebrachten Seuchen fielen viele Ebersheimer zum Opfer. mini|Karte des Département du Mont-Tonnerre Am 30. Dezember 1797 wurden Mainz und die linksrheinischen Gebiete, damit auch Ebersheim, französisch und gehörten fortan zum Département du Mont-Tonnerre. Ab 1807 hatte Ebersheim eine eigenständige Mairie (Mairie d’Eberheim Mont-Tonnerre) im Kanton Niederolm.
Der Herzog von Dalberg verkaufte den Töngeshof, welcher nun nicht mehr autonom war, an die Ebersheimer.
1813 und 1814 starben viele Ebersheimer an Fleckfieber, das die aus Leipzig zurückweichenden französischen Truppen in Mainz und Ebersheim einschleppten. Hunger und Typhus breiteten sich ebenfalls aus. Durch die nachfolgende dreimonatige russisch-preußische Belagerung verschlimmerte sich die Situation. Ebersheim kaufte vom Kloster St. Alban den Albaniterhof.
Nach dem Wiener Kongress kam Ebersheim 1816 zur Provinz Rheinhessen des Großherzogtums Hessen (Hessen-Darmstadt) und gehörte zum Kreis Mainz. Die Stadt Mainz war mittlerweile zur Bundesfestung erklärt worden. Durch das Realteilungsrecht stieg die Armut in Ebersheim wie in vielen rheinhessischen Gemeinden. Dadurch wurde zwischen 1840 und 1880 eine Auswanderungswelle nach Amerika ausgelöst. Durch die Auswanderung verbesserte sich ab 1850 die Lage der Zurückgebliebenen, und die Auswanderungswelle ebbte ab. 1853 wurde für die 47-köpfige jüdische Gemeinde eine Synagoge in der Mainzer Straße, der heutigen Konrad-Adenauer-Straße, gebaut. Auf dem Gelände des alten Pfarrhofes wurde 1857 ein Pfarrhaus im neobarocken Stil errichtet. In der Römerstraße wurde das Rath- und Schulhaus erbaut und bezogen. 1859 wurde die Kirche neu ausgemalt. Durch den Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 endete der Deutsche Bund und die Bundesfestung Mainz erhielt eine rein preußische Besatzung.