mini|hochkant=0.8|Konfuzius, traditionelle Darstellung aus der Tang-Zeit Konfuzius , latinisiert aus Kong Fuzi () war ein chinesischer Philosoph zur Zeit der Östlichen Zhou-Dynastie. Er lebte vermutlich von 551 v. Chr. bis 479 v. Chr. und wurde unter dem Namen Kong Qiu () in der Stadt Qufu im chinesischen Staat Lu (der heutigen Provinz Shandong) geboren, wo er auch starb.
Das zentrale Thema seiner Lehren war die menschliche Ordnung, die seiner Meinung nach durch Achtung vor anderen Menschen und Ahnenverehrung erreichbar sei. Als Ideal galt Konfuzius der „Edle“ (jūnzĭ, ), ein moralisch guter Mensch. Edel kann der Mensch dann sein, wenn er sich in Harmonie mit dem Weltganzen befindet: „Den Angelpunkt zu finden, der unser sittliches Wesen mit der allumfassenden Ordnung, der zentralen Harmonie vereint“, sah Konfuzius als das höchste menschliche Ziel an. „Harmonie und Mitte, Gleichmut und Ausgeglichenheit“ galten ihm als erstrebenswert. Den Weg hierzu sah Konfuzius vor allem in der Bildung.
Namensgeschichte Sein eigentlicher Name ist Kǒng Qiū, Fūzǐ bedeutet „Großer Meister“ oder „Weiser Lehrer“. Im Chinesischen wird der Name zumeist zu verkürzt, „Meister Kǒng“. Wegen der Rolle des Lateinischen als universeller Bildungssprache bis weit in die Neuzeit wurde Kǒng Fūzǐ zu Confucius latinisiert. In: ricci.bc.edu, Beyond Ricci, Boston College (englisch). Auch die Kurzform wurde von europäischen Autoren übernommen, etwa bei Adolf WuttkeZitiert z. B. bei Adolf Wuttke: Geschichte des Heidenthums in Beziehung auf Religion, Wissen, Kunst, Sittlichkeit und Staatsleben. Zweiter Theil: Das Geistesleben der Chinesen, Japaner und Indier. Josef Max, Breslau 1853, S. 6ff. neben Kong-fu-tse als Kong-tse und bei Richard Wilhelm Kungfutse und Kung-TseRichard Wilhelm: Kung-Tse. Leben und Werk. Fr. Frommanns, Stuttgart 1925. (ähnlich der Transkription nach Stange).
Die Familie Kǒng besteht weiterhin in gerader Linie und dürfte damit eine der ältesten nachgewiesenen Familien der Welt sein. Wegen des Alters des Familienstammbaums gibt es heute Tausende Familien, die ihr Geschlecht direkt auf Kǒng zurückführen können. Am tempelartigen Anwesen von Kǒng Fūzǐ hat die Familie einen eigenen Friedhof, auf dem noch heute Angehörige beerdigt werden, die nachweislich der Familie Kǒng angehören.
Ein Nachfahre der 75. Generation lebt heute in Taiwan. Auch eine Familie Kǒng in Qufu führt ihren Stammbaum auf Konfuzius zurück.
Leben Über Leben und Taten des Konfuzius gibt es eine ausführliche Überlieferung. Die Glaubwürdigkeit der Überlieferung ist im Einzelnen umstritten.Vgl. Ernst Schwarz: Konfuzius: Gespräche des Meisters Kung (Lun-Yü), mit der Biographie aus den „Historischen Aufzeichnungen“. München 1985. Die folgende Darstellung orientiert sich an dieser Überlieferung (Shiji) und Autoren der Gegenwart.
Traditionelle Biographie mini|Konfuziusgrab am Ende des 19. Jahrhunderts mini|hochkant|Standbild des Konfuzius in Berlin-Marzahn (2008) Über das Leben und Wirken des Konfuzius berichtet ein ausführliches Kapitel in den historischen Annalen (Shiji) von Sima Qian, der Jahrhunderte später während der Han-Dynastie lebte und schrieb. Hier heißt es: Die Vorfahren des Konfuzius waren die Könige von Shang, denen der König von Zhou nach dem Sturz der Shang-Dynastie das Lehen von Song gegeben hatte. Die Familie verarmte jedoch später. Bereits in früher Kindheit verlor Konfuzius seinen Vater und wurde als Halbwaise von seiner Mutter allein aufgezogen.
Mit 19 Jahren heiratete Konfuzius und trat in den Dienst des Staats Lu ein. Mit 50 Jahren soll es ihm gelungen sein, einen Ministerposten zu erlangen. Diesen Posten soll er jedoch bereits ein paar Jahre später wieder enttäuscht quittiert haben. Anschließend zog er mit seinen Schülern als Wanderlehrer von einem Lehensstaat zum anderen und wirkte als Berater an verschiedenen Fürstenhöfen. Drei Jahre vor seinem Tod kehrte er in seinen Heimatstaat Lu zurück. Erfolg war ihm zu Lebzeiten nicht beschieden. Erst seine Schüler bauten seine Lehre aus und gewannen Einfluss.
Zwei Jahre nach seiner Geburt, 551 v. Chr. in Lu (dem heutigen Shandong), starb sein Vater, und der junge Konfuzius erhielt 539–533 v. Chr. Privatunterricht bei seinem Großvater. In den Jahren 532–502 v. Chr. war er als Scheunenaufseher sowie in anderen niederen Beschäftigungsverhältnissen tätig.
Seine Mutter starb 529 v. Chr. Nach einem angeblichen Treffen mit Laozi in Luoyang 518 v. Chr. musste er zwei Jahre später die Flucht vor internen Machtkämpfen ergreifen und Exil im Nachbarstaat Qi suchen. Nach seiner Rückkehr nach Lu begann etwa 500 v. Chr. der politische Aufstieg des Konfuzius. Er wurde zunächst Bauminister und dann Justizminister von Lu und schließlich 498 v. Chr. stellvertretender Kanzler.
497 v. Chr. nahm Herzog Ding von Lu 80 Singmädchen als Geschenk des Nachbarstaats Qi entgegen, woraufhin Konfuzius abermals ins Exil ging. Auch höfische Intrigen bewogen ihn, das Land zu verlassen und sich auf eine 13-jährige Wanderschaft durch verschiedene Staaten zu begeben. Er besuchte nacheinander
495 v. Chr. Staat Wei 494 v. Chr. Staat Chen 492 v. Chr. Wei, dann Jin 490 v. Chr. Staat Cai 489 v. Chr. Auseinandersetzungen zwischen Chen und Cai ließen Konfuzius fast verhungern 488 v. Chr. Staat Wei
Erst 484 v. Chr. erfolgte die Rückberufung nach Lu. Dort erlebte er 482 v. Chr. den Tod seines Sohnes Bo Yu und 481 v. Chr. den Tod von Yan Hui und die Ermordung des Herzogs von Qi. Dies wird auch als der Beginn der „Zeit der Streitenden Reiche“ bezeichnet. 480 v. Chr. starb sein Schüler Zilu auf dem Schlachtfeld, und ein Jahr später starb auch Konfuzius selbst.Die umstrittenen Daten dieser Darstellung beruhen auf der klassischen chinesischen Überlieferung der Shih Chi (Historische Berichte), Chinas erster dynastischen Geschichte bis zum Jahr 86 v. Chr. Verwendet wurden sie u. a. in den Veröffentlichungen von Heiner Roetz: Konfuzius, München 1995, und von Xuewu Gu: Konfuzius, Hamburg, 1999.
Lehre Von Konfuzius selbst sind keine Schriften überliefert. Seine Lehren wurden erst ca. 100 Jahre später von seinen Anhängern niedergeschrieben. Am meisten über seine Gedankenwelt erfährt man aus den Gesprächen (Lúnyǔ, ), heute als Analekten des Konfuzius bekannt, in denen viele seiner Aussprüche überliefert sind.Vgl. zu diesem Abschnitt Feng Youlan (Fung You-Lan): A short history of Chinese philosophy, New York 1966, 30. Auflage, S. 38.
Konfuzius war ein ju und der Gründer der Ju-Schule, die im Westen ab dem 17. Jahrhundert als Konfuzianische Schule bekannt wurde. Der in seiner Zeit als bedeutend eingeschätzte Philologe Liu Xin († 23. n. Chr.) schrieb in den Zusammenfassungen seiner textvergleichenden Forschungen in der kaiserlichen Bibliothek mit Blick auf diese Schule, dass sie „mit dem Studium der Liu Yi erfreute und vor allem Angelegenheiten wie Menschlichkeit und Rechtschaffenheit betonte“. Der Terminus Liu Yi bedeutet die ‚sechs Künste‘, z. B. die sechs freien Künste, doch wird er im Allgemeinen mit die „Sechs Klassiker“ übersetzt.Vgl. Feng Yu-Lan: A short history of Chinese philosophy, New York 1966, S. 31 u. 39.
Die Lehre des Konfuzius prägte die Philosophie, Staats- und Soziallehre Chinas und beeinflusste über Jahrhunderte Politik und Moral des Landes. Sie wirkte auch auf die Politik und das Denken in Japan und Korea. Dort blieb sie als fremde, aber positive Anregung im Gedächtnis und wurde den Gegebenheiten angepasst. Gemeinsame Elemente dieser konfuzianisch geprägten Kulturen waren die Betonung der Sozialbeziehungen und sozialen Hierarchien, die Priorität der Innenpolitik vor der Außenpolitik und die Überzeugung, dass Menschen grundsätzlich erziehbar sind. Verworfen wurden Ideen, die einen sozialen und politischen Egalitarismus zuungunsten der hierarchischen Ordnung einrichten wollten. Für die Staatslehre ergab sich aus den Lehren des Konfuzius einerseits die Berechtigung der kaiserlichen Herrschaft, andererseits eröffnete sie den konfuzianistisch ausgebildeten Beamten des Hofes die Möglichkeit, die Macht des Herrschers und der Militärs einzuschränken. So diente sie dem am Gemeinwohl orientierten Interessenausgleich, oder, wie Konfuzianisten es formulierten, dem „Prinzip der Anwendung eines angemessenen Ausgleichs“.Vgl. zum Abschnitt: Helwig Schmidt-Glintzer: Geschichte der chinesischen Literatur: von den Anfängen bis zur Gegenwart. München 1999, S. 61f. – Auch Fung Yu-Lan: A short history of Chinese philosophy, New York 1966, S. 43. Das konfuzianische Denken rückte die Beamten statt der Priester in die Schlüsselpositionen des Gemeinwesens.
Mit den Worten des Konfuzius:
Die Erfahrung, dass jeder sich selber erziehen kann, ist der Anlass für die allgemeine Auffassung, dass jeder Mensch erziehbar sei, wie es in folgender konfuzianischer Spruchweisheit heißt:
Der Edle Das einflussreichste Werk der ostasiatischen Geistesgeschichte ist das Lúnyǔ. Es enthält die vier konfuzianischen Grundtugenden:
(die Fähigkeit, mit Menschen umzugehen, soziale Kompetenz; unter dem Einfluss christlicher Missionare auch irreführend als »Menschlichkeit« oder »Nächstenliebe« übersetzt)van Ess 2003 S. 78. (Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit) (kindliche Hingabe gegenüber den Eltern; häufig etwas irreführend als »kindliche Pietät« übersetzt)Der christliche Sprachgebrauch bezieht »Pietät« eher auf Respekt vor Verstorbenen, hier sind aber die lebenden Eltern gemeint; van Ess 2003 S. 82. (Regeln des sittlichen Anstandes oder der Höflichkeit;van Ess 2003 S. 80–81. Einhalten der Riten, Etikette)
Das menschliche Ideal ist für Konfuzius der Edle, der danach strebt, diese vier Tugenden zu verwirklichen. Dabei stellen diese für Konfuzius lediglich ein Ideal dar. Dies tritt in den Lúnyǔ ebenfalls hervor, wenn es über den Meister selbst heißt: „Ist das nicht jener Mann, der weiß, dass seine Ideen nicht zu verwirklichen sind, aber dennoch nicht davon ablässt?“Konfuzius: Gespräche, übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 95. Auch Konfuzius selbst beansprucht nicht, dieses Ideal zu erfüllen (XIV,28):
»Zum Weg des Edlen gehört dreierlei, aber ich bewältige es nicht: Richtiges Verhalten zu anderen Menschen – es befreit von Sorgen. Weisheit – sie bewahrt vor Zweifeln. Entschlossenheit – sie überwindet die Furcht.« Zi-gong bemerkte: »So beurteilt der Meister sich selbst.«Konfuzius: Gespräche, übers. v. Ralf Moritz, Reclam, Stuttgart 1998, S. 93.
Derjenige, vor dem Konfuzius die größte Hochachtung hatte und der als Beispiel des wahrhaft Edlen galt, war Wu Tai Bo (). Im 8. Kapitel (Lúnyǔ·Tàibó – ) steht bereits zu Beginn des Kapitels über Wu Tai Bo geschrieben: „Tai Bo ist ein wahrhaft edler Mensch. Er hat einen sehr hohen moralischen Charakter. Drei Male hatte er dem eignen Königsthron entsagt. Für das gemeine Volk lassen sich keine richtigen Worte finden, ihn zu loben.“(Quelltext: 《》).
Der Weg ist das Ziel Der Edle bemüht sich, diesem Ideal so nahe wie möglich zu kommen, aber er weiß um die Unerreichbarkeit. Redliches Bemühen ist also das faktische Tun, während das Ideal die Wunschvorstellung für das eigene Handeln ist. Danach zu streben, ist eine Bedingung, edel zu werden (VII,8):Dieser Spruch hat Eingang in die deutsche Umgangssprache gefunden und wird häufig dem Konfuzius zugeschrieben. Er entspricht konfuzianischem Geist, ohne dass sich in den überlieferten Schriften eine solche Sentenz finden lässt. Vgl. Der Weg ist das Ziel., im Wörterbuch für Redensarten auf redensarten.de.Dieser Spruch hat Eingang in die deutsche Umgangssprache gefunden und wird häufig dem Konfuzius zugeschrieben. Er entspricht konfuzianischem Geist, ohne dass sich in den überlieferten Schriften eine solche Sentenz finden lässt. Vgl. Der Weg ist das Ziel., im Wörterbuch für Redensarten auf redensarten.de.
Menschlichkeit