mini|hochkant=1.3|Hafen Nika-Tera (2015) Die Häfen von Mykolajiw verschaffen wegen ihrer Hochsee-, Fluss- und Bauhäfen, der übrigen maritimen Infrastruktur sowie der wichtigen Straßenbrücken der Oblasthauptstadt und Hafenstadt Mykolajiw eine erhebliche wirtschaftliche und strategische Bedeutung im Süden der Ukraine. Die Handelshäfen von Mykolajiw mit ihren dezentralen Landungsstellen und Verladeplätzen gehören wie die Häfen von Odessa zu den großen Umschlagplätzen der Ukraine am Schwarzen Meer.

Der letzte Flussabschnitt des Südlichen Bug unterhalb von Mykolajiw bildet eine breite und tiefe Bucht nördlich des Schwarzen Meeres und damit einen auch für Hochseeschiffe zugänglichen natürlichen Hafen, den Seehafen Mykolajiw. Die verschiedenen Hafengebiete bei Mykolajiw erstrecken sich den Gewässern entlang über eine Strecke von mehr als 20 Kilometern und sind über Anschlussgleise mehrheitlich mit dem ukrainischen Eisenbahnnetz verbunden.

Im Flusshafen von Mykolajiw befindet sich der südliche Ausgangspunkt der ukrainischen Binnenschifffahrt auf dem Südlichen Bug und dem Dnepr. Einen Passagierhafen für Hochseeschiffe gibt es dagegen in der Hafenstadt nicht; der Anlandungspunkt für Passagierschiffe und Fähren auf dem Schwarzen Meer liegt bei Odessa, etwa 150 km südwestlich von Mykolajiw.

In den Schiffbau- und Reparaturwerften von Mykolajiw entstanden seit dem späten 18. Jahrhundert zahlreiche Hochseeschiffe und auch Boote aller Art für die Binnenschifffahrt auf ukrainischen und früher russischen Gewässern. Die drei großen Werften bauten die meisten Schiffe der sowjetischen Kriegsmarine, weshalb der Zugang in die Stadt lange Zeit für ausländische Besucher verboten war. Die Schiffbaubetriebe von Mykolajiw stellen etwa 80 Prozent der Wasserfahrzeuge der Ukraine her und bauen zudem Schiffe im Auftrag von Reedereien anderer Länder und Yachten für Privatpersonen.Oksana Grytsenko: People, Ports Fuel Optimism For Economic Revival Of Mykolaiv. In: Kyiv Post, 13. April 2017. Abgerufen am 16. Mai 2022. Mehr als 70 weitere Industriebetriebe in Mykolajiw sind Zulieferer für die Werften.

Die Tätigkeit der Häfen und vieler anderer Unternehmen in Mykolajiw wurde während des Überfalls von Russland auf die Ukraine 2022 durch Bodenangriffe der Streitkräfte Russlands, Bombardierungen der Stadt, der Verkehrsinfrastruktur, der Wasserversorgung und von Tanklagern im Hafengebiet sowie eine Seeblockade im Schwarzen Meer erheblich gestört.Olvia Port, marinetraffic.com

Über die Geschichte der Werften und der russischen, sowjetischen und ukrainischen Marinebasis am Südlichen Bug informiert das Schiffbau- und Flottenmuseum Mykolajiw.

Heraldik mini|hochkant|Wappen der Stadt Mykolajiw Als Symbol für die Schifffahrt ist im Wappen der Hafenstadt Mykolajiw seit dem späten 19. Jahrhundert eine Galeere unter der Bischofsmitra abgebildet. Das Emblem wird oft von zwei Ankern begleitet, so auch in der 1997 vom Stadtrat von Mykolajiw angenommenen offiziellen Stadtflagge. Während der Sowjetzeit zeigte das Stadtwappen ein Schiff und ein Maschinensegment und die Bildelemente aus der Religionskultur fehlten.Mykolaiv. heraldry.com. Abgerufen am 26. April 2022.

Geografie mini|links|Übersichtsplan von Mykolajiw Das alte Stadtzentrum von Mykolajiw liegt auf einer vom Südlichen Bug und dessen Nebenfluss Inhul gebildeten Halbinsel. An mehreren Stellen ragen Nehrungen ein Stück weit in den Fluss hinaus und gliedern zusammen mit künstlich angelegten Molen und Wellenbrechern das Ufergebiet. An der westlichen Spitze der Halbinsel überquert die 1964 eingeweihte Warwariwka-Brücke als letzter Flussübergang vor der Mündung den Südlichen Bug. Dieser Flussübergang sowie die Inhulbrücke nördlich der Stadt sind wichtige Verkehrsbauwerke im Verlauf der 624 km langen ukrainischen Fernstraße M 14, die von Odessa über Mykolajiw, Cherson, Melitopol und Mariupol an die russische Grenze führt und auch einem Abschnitt der Europastraße 58 entspricht. Nach jahrelangen Verhandlungen begann 2021 das Planungsprojekt für eine neue, leistungsfähigere Straßenbrücke über den Südlichen Bug, die das Stadtzentrum vom stark zunehmenden Schwerverkehr zu den Häfen entlasten und die Verkehrsverhältnisse auf den Fernstraßen M 14 und E 58 verbessern soll. Sie wird den Strom etwa acht Kilometer oberhalb der Warwariwka-Brücke an der westlichen Stadtgrenze von Mykolajiw überspannen.A “Japanese bridge” in Nikolaev: construction starts on December 2021. In: The Odess Journal, 21. September 2021. Abgerufen am 19. Mai 2022. Die Ausführung des Großbauwerks, für welches die Ukraine die Unterstützung japanischer Investoren gewonnen hatte, ist durch den von Russland 2022 begonnenen Krieg in Frage gestellt.

Im 40 km langen Unterlauf hat der Fluss bis zur Mündung in den gemeinsam mit dem Dnepr gebildeten Dnepr-Bug-Liman im Nordwesten des Schwarzen Meeres nur noch ein geringes Gefälle und fast überall eine Breite von mehr als zwei Kilometern. Der letzte Flussabschnitt ist bis zu 11 km breit und wird selbst auch als Bug-Liman bezeichnet. Das tiefe Fahrwasser in der Bucht erlaubt auch Hochseeschiffen mit großem Tiefgang die Fahrt vom Schwarzen Meer bis nach Mykolajiw. Vor der Hafenstadt liegt die Insel Batareya (Batterie) mit alten Festungsruinen mitten im Fluss, ähnlich der künstlich angelegten Insel Perwomajskyj am Ende des Dnepr-Bug-Liman; kleine Schanzen auf beiden Uferseiten sind Überreste ehemaliger Verteidigungsanlagen vor dem Hafen Mykolajiw. In der kalten Jahreszeit können die Gewässer bei Mykolajiw oft monatelang zufrieren. Bei Bedarf öffnen Eisbrecher eine Fahrrinne vom Schwarzen Meer zu den Häfen.Mykolayiv sea port authority. Abgerufen am 8. Mai 2022.

Auf der Nordseite der Halbinsel von Mykolajiw formt der Inhul mit seiner letzten Flussschlaufe vor der Mündung in den Südlichen Bug eine Wasserfläche mit einem flachen Uferstreifen, der seit der Gründung der Stadt im späten 18. Jahrhundert als Hafen genutzt wurde. Weil an dieser gegen das Meer besonders gut abgeschirmten Stelle die älteste Schiffbauwerft der Stadt liegt, sind die Warwariwka-Brücke als Drehbrücke und die Inhulbrücke als Klappbrücke ausgelegt, um großen Handels- und Kriegsschiffen die Durchfahrt zur Werft zu ermöglichen.

Die nächsten Straßenbrücken flussaufwärts überqueren den Südlichen Bug erst bei der Stadt Wosnessensk, einem Verkehrsknotenpunkt 86 km nordwestlich von Mykolajiw.

Eisenbahn Für die Logistik der Güterströme in den Häfen von Mykolajiw ist landseitig eine leistungsfähige Bahninfrastruktur unerlässlich. Wirtschaftlich bedeutender als der Personenverkehr in den Bahnhöfen von Mykolajiw ist denn auch der Güterverkehr über die umfangreichen Bahnhofsanlagen, welche die verschiedenen Hafenkomplexe, Umschlagbetriebe und Industriestandorte erschließen. Der Güterverkehr aus dem Landesinnern der Ukraine, die Verladeplätze in den Häfen und die Handelsschifffahrt bilden ein zusammenhängendes Transportsystem. Die Eisenbahn ist auch für die Industriebetriebe von Mykolajiw wichtig, von welchen viele wiederum für die Häfen tätig sind, so wie zum Beispiel die Propellerfabrik Esta Ltd. und der Motoren- und Turbinenhersteller SPCG Zoria-Mashproekt. Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts erreichte die Bahn im Süden der Ukraine wegen der stets umfangreicheren Exporte von Agrarprodukten die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit.

Im Stadtzentrum liegt am südlichen Ende der Puschkinstraße der alte Bahnhof Mykolajiw-Wantaschnyj, der 1873 von der Charkow-Nikolajew-Bahn als Endpunkt der Bahnstrecke Snamjanka–Mykolajiw eröffnet wurde. Dieser erste Stadtbahnhof ist als Kopfbahnhof angelegt. Er dient heute vorwiegend dem Güterverkehr und ist durch zahlreiche Werkgleise mit den Umschlagplätzen und Werften am Fluss verbunden.

Der 1908 von den Russischen Südbahnen gebaute neue Bahnhof Vodopoy, der heutige Hauptbahnhof Mykolajiw, befindet sich außerhalb des Stadtzentrums an der Myru Avenue im südöstlichen Stadtbezirk Inhulskyj. Er bildet einen Eisenbahnknoten im Süden der Ukraine mit der 1907 eröffneten Strecke nach Cherson und der 1925 gebauten Bahnlinie nach Snihuriwka. Der Bahnhof verfügt neben den Anlagen für den Personenverkehr über etwa 20 Gleise für Güterzüge. Vom Güterbahnhof aus führen Industriegleise zu den Warenlagern, Speichern und Kais in den meisten Hafensektoren sowie zum Bauhafen nördlich der Altstadt. Neben der staatlichen ukrainischen Eisenbahngesellschaft führen auch private Handelsfirmen mit eigenen Güterzügen Landwirtschaftsprodukte zu den Verladeterminals in den Häfen.

In Mykolajiw selbst befindet sich keine Eisenbahnbrücke über den Südlichen Bug; die nächste Flussquerung der Bahnverbindung nach Odessa, die Pisky-Brücke, befindet sich in der Nähe von Nowa Odessa 25 km oberhalb von Mykolajiw. Sie ist das Hauptbauwerk an der 1944 eröffneten Strecke Mykolajiw-Kolosiwka.

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Frühjahr 2022 sind die Bahnverbindungen von Mykolajiw nach Cherson und Snihuriwka und damit wichtige Zufahrtsstrecken zu den Häfen unterbrochen.

Leuchtfeuer Die Einfahrt aus dem Schwarzen Meer zu den Häfen von Mykolajiw und Cherson wird an den Landengen des Dnepr-Bug-Liman von mehreren Leuchttürmen gesichert: Leuchttürme Adschihol Leuchttürme Otschakiw Leuchtturm Luparewe Leuchtturm Kysljakow Stanislaw -Leuchttürme Leuchtturm Tendra

Geschichte mini|hochkant|Hafen von Nikolajew (am Ufer des Inhul). Gemälde von Fjodor Alexejew, 1799 mini|hochkant|Stadtplan von 1855: Lage der Admiralität nördlich der Altstadt am Fluss Inhul und des Handelshafens im Süden der Halbinsel Die Geschichte der Häfen von Mykolajiw und des Schiffbaus an dieser Stelle begann schon in der Zeit, als die Region im Nordwesten des Schwarzen Meeres noch unter osmanischer Oberhoheit stand. Nachdem Russland das Gebiet im Sechsten Türkenkrieg erobert hatte, gründete Fürst Potjomkin im Auftrag der Zarin Katharina II. im Jahr 1789 die Stadt Nikolajew als neue Marinebasis und richtete dort eine Werft und die Admiralität der Schwarzmeerflotte ein. Während des russisch-türkischen Kriegs ließ die russische Marine in Nikolajew beschädigte Schiffe instand setzen. Im 19. Jahrhundert nahm die Stadt den Flusshafen im Südwesten und den Handelshafen auf der Südseite der Halbinsel in Betrieb, und mit der Zeit entstanden mehrere neue Werften am Ufer des Südlichen Bug.

Unter der Sowjetunion wurden in den drei große Werften von Mykolajiw die meisten Schiffe der sowjetischen Marine gebaut. Die Stadt war weiterhin eine Marinebasis und der Standort der Admiralität der sowjetischen Schwarzmeerflotte und auch der wichtigste Schiffbaustandort der Sowjetunion. Von hier stammten bedeutende Schiffbauingenieure und Persönlichkeiten der kaiserlich-russischen und der sowjetischen Kriegsmarine. Die 1920 gegründete Admiral Makarow-Universität für Schiffbau (NUS) erinnert mit ihrem Namen an den Erneuerer der russischen Marine und Ozeanografen Stepan Ossipowitsch Makarow, der aus Mykolajiw stammte.

Im Zweiten Weltkrieg war Nikolajew zeitweise von der deutschen Wehrmacht besetzt. Im Handelshafen erinnert ein Denkmal für den sowjetischen Marineinfanteristen Konstantin Fjodorowitsch Olschanski an die Rückeroberung der Stadt im März 1944 während der Dnepr-Karpaten-Operation. Bei den Kämpfen wurden die Werften in der Stadt stark beschädigt.