Kleine Welt: Eine Akademische Romanze (engl.: Small World: An Academic Romance) ist der 1984 erschienene zweite Teil der „Campus-Trilogie“ des englischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers David Lodge. Ihm voran geht der 1975 veröffentlichte Roman Ortswechsel (engl.: Changing Places: A Tale Of Two Campuses) und im Jahr 1988 folgte der dritte Teil Saubere Arbeit (engl.: Nice Work). Alle drei Teile lassen sich dem Genre des Universitätsromans zuordnen, da sie eine Handlung beschreiben, welche sich in akademischen Kreisen und oft am Campus einer Universität abspielt.

Die Ereignisse in Kleine Welt beschränken sich aber nicht nur auf den Campus einer Universität und auch nicht auf zwei, wie in Ortswechsel. Schauplatz dieses Romans ist der „globale Campus“, und somit diverse Universitäten und Tagungszentren überall auf der Welt. Der Zugang zu diesem globalen Campus und eine Revolution des akademischen Lebens ist vorrangig auf zwei Dinge zurückzuführen: den Düsenjet, welcher in den 1970er Jahren schon vermehrt für die zivile Luftfahrt eingesetzt wird, sowie die großzügige finanzielle Unterstützung der Universitäten, die für anfallende Kosten im Zusammenhang mit der Teilnahme an Konferenzen aufkommen. So können die Figuren in Kleine Welt, großteils Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftler, nach Lust und Laune verschiedenste Kongresse besuchen und sich am Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt erfreuen, sei es professioneller oder persönlicher Art.

Wie die meisten Werke von David Lodge ist auch Kleine Welt von Renate Orth-Guttmann ins Deutsche übersetzt worden.

Inhalt

Handlung Inhaltlich setzt sich Kleine Welt aus rund 20 verschiedenen Handlungssträngen zusammen, welche jeweils unterschiedlichen Personen aus dem akademischen Kreis der Literaturwissenschaft durch das Jahr 1979 folgen. Die Geschichten dieser Figuren sind allesamt auf die eine oder andere Weise miteinander verknüpft und so kommt es immer wieder zum Aufeinandertreffen einzelner oder mehrerer Charaktere. Hauptsächlich werden die Geschichten von Persse McGarrige, Morris Zapp und Philip Swallow erzählt.

Teil eins Der junge, irische Dozent Persse McGarrigle besucht im April 1979 die Jahrestagung der Hochschullehrer für Englische Sprache und Literatur, welche in diesem Jahr von der Universität in Rummidge veranstaltet wird. Während es für ihn der erste Tagungsbesuch ist, sind seine Kolleginnen und Kollegen darin schon sehr geübt. Die meisten von ihnen nehmen an mehreren solcher Konferenzen im Jahr teil, um sich dort weiterzubilden, mit Gleichgesinnten auszutauschen und anderweitig zu amüsieren. Während die Tagung in Rummidge organisatorisch eher ein Reinfall ist, stellt sie sich für Persse sowohl beruflich als auch persönlich als äußerst interessant heraus. Einerseits knüpft er erste, wichtige Kontakte in der Kollegschaft: Unter anderem lernt er Morris Zapp, einen einflussreichen amerikanischen Professor, und Philip Swallow, den Organisator der Tagung und Professor in Rummidge, kennen. Andererseits verliebt sich Persse auf den ersten Blick in die wunderschöne Angelica Pabst, eine junge Konferenzteilnehmerin. Neben ihrem Äußeren kann Angelica auch mit ihrer Intelligenz bei Persse punkten, sie ist enorm belesen und lässt sogar Professor Zapp in Fachdiskussionen alt aussehen. Der unerfahrene, katholische Persse beschließt also, Angelica seine Liebe zu gestehen und sie zu fragen, ob sie ihn heiraten möchte. Natürlich verneint diese, doch bevor die beiden ausführlicher über ihre Beziehung sprechen können, werden sie unterbrochen und danach ist Angelica die ganze restliche Tagung unauffindbar.

Morris Zapp und Philip Swallow, die Protagonisten aus David Lodges Ortswechsel und mittlerweile gute Freunde, nutzen die berufliche Zusammenkunft, um sich auch privat ausgiebig auszutauschen. Morris hat zur Zeit viel Streit mit seiner Ex-Frau Désirée, einer reichen Autorin, die trotz ihres höheren Einkommens darauf besteht, dass Zapp die Collegegebühren ihrer gemeinsamen Kinder bezahlt. Philip ist in seiner Ehe auch nicht besonders glücklich und flüchtet, so oft es ihm möglich ist, durch den Vorwand beruflicher Reisen vor seiner Frau Hilary.

Teil zwei Am ersten Morgen nach der Tagung in Rummidge bricht Morris Zapp früh auf, um nach Italien zu fliegen. Er verbringt seinen Sommer meist dort in einer abgelegenen Villa, von welcher aus er zu den zahlreichen Konferenzen und Tagungen in Europa reist. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Flughafen in Heathrow und einem netten Gespräch mit der Flughafenmitarbeiterin am Abfertigungsschalter besteigt Zapp das Flugzeug nach Mailand. Dort lernt er eine Professorin für kulturelle Studien an der Universität Padua, Fulvia Morgana, kennen. Die beiden unterhalten sich sehr gut und Morris erfährt von Fulvia, dass ein neuer Lehrstuhl für Literaturkritik ausgeschrieben wird. Dieser von der UNESCO finanzierte Posten ist mit einem steuerfreien Gehalt von 100.000 Dollar im Jahr der höchstdotierte Lehrstuhl der Branche, enthält keinerlei Lehrverpflichtungen und ist an keine Universität gebunden. Wer auch immer diesen Lehrstuhl ergattert, wird also dafür bezahlt, an Publikationen zu arbeiten und auf Kosten der UNESCO diverse Konferenzen in aller Welt zu besuchen. Berater der Berufungskommission des UNESCO-Lehrstuhls ist Arthur Kingfisher, der älteste, reichste und berühmteste, wenn auch bereits pensionierte und intellektuell seit Jahren unproduktive Akademiker der Branche. Aus dem weiteren Gespräch geht heraus, dass sowohl Morris Zapp als auch Fulvia Morgana an diesem Posten interessiert wären.

Nach dem Verschwinden von Angelica hält auch Persse nichts mehr in Rummidge. Er reist kurz nach Professor Zapp ab und macht sich ebenfalls auf den Weg nach Heathrow, um von dort aus nach Hause zu fliegen. Auch er trifft am Flughafen auf die äußerst sympathische Mitarbeiterin der British Airways, eine gewisse Cheryl Summerbee. Wenn sein Herz nicht Angelica gehören würde, könnte Cheryl ihm vielleicht gefallen.

Teil drei In seinem Büro in Limerick erwartet Persse ein Brief der Royal Academy of Literature, der ihm mitteilt, dass er einen Literaturpreis für einige seiner Gedichte und somit tausend Pfund gewonnen hat. Kurzerhand beantragt Persse unbezahlten Urlaub für das kommende Trimester und beschließt, sich, ermöglicht durch diesen finanziellen Zuschuss, auf die Suche nach Angelica zu machen. Bei der offiziellen Preisverleihung, welche wenige Wochen später in London stattfindet, freundet sich Persse mit dem Autor Ronald Frobisher an, der dort einen Preis vergibt. Gemeinsam wandern sie nach dem Event von Kneipe zu Kneipe, bis sie schließlich im Rotlichtbezirk der Stadt, in Soho, landen. Dort sieht er ein Foto von der nackten Angelica auf einem Werbeplakat für ein Nachtlokal. Im Lokal selbst ist sie aber nicht zu finden und der Türsteher weiß nur, dass die Frau auf dem Foto, er nennt sie Lily – scheinbar ein Künstlername –, vor einigen Wochen versetzt worden ist. Persse, der von Angelicas Vergangenheit nur weiß, dass sie als Baby in einem Flugzeug der KLM gefunden und dann vom Piloten und seiner Frau adoptiert worden ist, reist also nach Amsterdam, um weiter nach ihr zu suchen. In Amsterdam trifft Persse auf Morris Zapp, der dort am Internationalen Kongress für Literatursemiotik teilnimmt. Abends verschlägt es auch diese beiden in das Rotlichtviertel der Stadt, die sogenannte „Rosse Buurt“. Dort sieht Persse Angelica wieder auf einem Werbeplakat, diesmal für ein Kino, das live Sexshows anbietet. Das ist für den unschuldigen, keuschen Iren nun endgültig zu viel. Er beendet seine Suche nach Angelica sofort, fliegt zurück nach Hause und verbringt sein restliches freies Trimester damit, Gedichte zu schreiben.

Auch Philip Swallow bricht einige Wochen nach der Tagung in Rummidge wieder aus seinem tristen Alltag aus und tritt eine Vortragsreise in die Türkei, erst nach Ankara und dann weiter nach Istanbul, an. Obwohl Professor Swallow Ankara nicht viel abgewinnen kann, stellt sich der erste Stop seiner Reise als Glücksgriff heraus. Bei einer Feier in der Wohnung eines Mitarbeiters des British Council trifft Philip äußerst unverhofft auf eine alte Bekannte. Joy Simpson, die Frau, mit der er ein paar Jahre zuvor seinen mit Abstand leidenschaftlichsten Seitensprung gehabt hat, und von der er geglaubt hat, sie sei bei einem Flugzeugabsturz gestorben, steht plötzlich vor ihm. Die beiden kommen sich schnell wieder näher und haben schon in der gleichen Nacht im Zug von Ankara nach Istanbul Sex miteinander. Doch es ist nicht nur Lust, sondern auch Liebe zwischen ihnen und vor allem nachdem Philip erfährt, dass Joy eine Tochter hat, die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit von ihm ist, steht sein Beschluss fest: Er will Hilary verlassen und Joy heiraten.

Teil vier Nach dem Kongress in Amsterdam und einem weiteren Fixpunkt in seinem vollen Tagungskalender, dem James-Joyce-Symposium in Zürich, kehrt Morris Zapp wieder zurück in die ruhige Villa im ländlichen Italien. Seine Zeit dort verbringt er mit lesen, schreiben, joggen sowie gutem Essen und Trinken. Seine Idylle wird allerdings deutlich gestört, als er plötzlich bei seinem täglichen Waldlauf entführt wird. Die anonymen Entführer versuchen dann, Morris Ex-Frau Désirée zu erpressen und verlangen von ihr eine halbe Million Dollar Lösegeld – die Summe, die sie für die Filmrechte ihres Bestsellerromans bekommen hat. Da Désirée in keinster Weise dazu bereit ist, so viel Geld für ihren Ex locker zu machen, wirkt die Freilassung von Morris Zapp zwischendurch sehr unwahrscheinlich. Als Fulvia Morgana allerdings von dieser Entführung erfährt, ist ihr sofort klar, dass ihr Mann Ernesto, dem sie nach ihrem Kennenlernen mit Zapp davon erzählt hat, dass seine Ex-Frau eine äußerst reiche Autorin ist, diese Information seinen „politischen Freunden“ weitererzählt hat. Fulvia leitet also alle nötigen Schritte ein und Morris Zapp ist wenige Zeit später wieder auf freiem Fuß. Warum er plötzlich grundlos freigelassen wird, weiß aber außer Fulvia und ihrem Mann keiner. Jedenfalls ist Professor Zapp nun gerade rechtzeitig für die Teilnahme an der Tagung über die Zukunft der Literaturkritik in Jerusalem, welche er mitorganisiert hat, wieder auf freiem Fuß. Aufgrund des minimal gehaltenen fachlichen Programms und der vielen Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten ist diese Tagung ein voller Erfolg.

Auch Philip Swallow nimmt an der Tagung teil, in Begleitung von Joy. Er nutzt im Moment jede Möglichkeit, sich auf Dienstreisen mit ihr zu treffen. Allerdings geschieht das hinter dem Rücken seiner Frau, denn trotz seiner großen Vornehmungen hat Swallow es noch nicht übers Herz gebracht, ihr die Wahrheit zu erzählen und sich scheiden zu lassen. Joy hält er währenddessen mit der Begründung hin, dass es bisher nicht den richtigen Moment gegeben hat, um Hilary alles zu erklären. Bei der Besichtigung einer ehemaligen Befestigung der jüdischen Armee, nur einer von vielen kulturellen Programmpunkten der Jerusalemer Tagung, treffen Joy und Philip auf dessen jüngsten Sohn Matthew. Dass dieser nach seinem Schulabschluss ein Volontariat in einem Kibbuz begonnen hat, ist Swallow aufgrund seines eigenen hektischen Privatlebens gar nicht recht aufgefallen. Nach diesem Schock in Kombination mit einem ordentlichen Sonnenstich wird Professor Swallow sein ganzes privates Abenteuer zu viel. Er merkt, dass er doch zu Hilary und zu seinem ruhigen Alltag an der Universität Rummidge zurückwill, beendet die Beziehung mit Joy und tut genau das.