400px|mini|D 50 Deckblatt der Vorschrift
Kennblätter fremden Geräts bezeichnet eine umfassende Dokumentation zu Wehrmaterial, die im Zweiten Weltkrieg vom Heereswaffenamt des Deutschen Reiches als Dienstvorschriften der Wehrmacht herausgegeben wurde. Diese enzyklopädisch verwertbaren Verzeichnisse finden mit den Details der einzelnen Kennblätter für die wissenschaftlich-historische Aufarbeitung der Militärgeschichte bis in das 21. Jahrhundert allgemein Beachtung und liefern Nachweise für sonst wenig dokumentierte technische InformationenHeber S. 10. Eine bibliothekarisch vollständig erschlossene Ausgabe aller Dokumente ist nicht bekannt.
Entstehungsgeschichte der Dienstvorschriften der Kennblätter fremden Geräts Das in den 1940er Jahren verbreitete Druckwerk der Wehrmacht ist eines der umfangreichsten Verzeichnisse zu militärischen Gegenständen, die für logistische Zwecke vom Heereswaffenamt angelegt wurden. Ähnlich gelagerte Aufzeichnungen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges wurden später in den Dienstvorschriften der Reichswehr mit den Bezeichnungen D. 49/* Merkblatt über ausländisches Gerät, D. 97+ Gerätliste und D. 98/*+ Waffen des Auslandes zum Thema „Ausländische Waffen“ bekannt.
Schon zu Beginn der 1930er Jahre begann das Heereswaffenamt ein System zur Benennung von übernommenen Fremdgeräten einzuführen. Dies wurde bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs nicht systematisch gehandhabt, und daher bekamen nicht alle Gerätschaften von Anfang an eine eindeutige, dreistellige Nummer zugeteilt. Beispielhaft sei hier das Gewehr 24 (t) erwähntHahn Bd.I S. 26. Diese frühen Bezeichnungen durch die Wehrmacht wurden nur teilweise nachträglich korrigiert beziehungsweise für die Kennblätter neu definiert.
Ab März 1941 begann die Wehrmacht die sogenannten Fremdgeräte in Loseblattsammlungen der Kennblätter fremden Geräts systematischer zu organisieren. Dazu sind die Inhalte der Dienstvorschriften von D. 50/1 bis D. 50/15 bekannt. In diesen Verzeichnissen wurden sowohl Waffen als auch Zubehör aufgeführt. Es wurden je nach Bedarf sämtliche Hauptteile, Baugruppen und Zubehörteile von Fremdgeräten benannt und teils auch detailliert beschrieben. Bekannt sind Verzeichnisse zu Seitenwaffen, Feuerwaffen, Panzern, Militärfahrzeugen, Atemschutzmasken sowie Schutzbekleidung und Funkgeräten. Die Kennblätter wurden fortlaufend ergänzt und mit regulärem Änderungsdienst verbreitet. Es wird angenommen, dass durch Kriegswirren Bestandteile dieser Verzeichnisse verloren gegangen sind.
Das Kennblatt als solches Das Kennblatt des Geräts ist der Hauptteil der Loseblattsammlung. Ein Beispiel ist in nebenstehender Datei einsehbar. Die Kennzeichnung beginnt mit der Heftnummer (Beispiel „D. 50/2“), und folgend das Land (Beispiel „Nordamerika“). Darauf folgend steht oben rechts die deutsche Kenn-Nummer (Beispiel „124 02 (a)“). Um die Waffe genau zu beschreiben, steht als erstes in der Mitte die nationale Benennung. Im Fall des MG 124 (a) steht dort „amerikanische Benennung: Rifle automatic, cal .30″ ‘Browning’ M22“. Sollte es dazu eine bekannte Abkürzung oder einen Namen geben, steht diese direkt darunter unter dem Punkt „Abkürzung:“. Unter der nationalen Bezeichnung folgt nun die „deutsche Benennung:“ (im Beispiel hier: „7,62 mm leichtes Maschinengewehr 124 (a)“). Die folgende Zeile: „wo nötig erläutern mit“ verweist auf alternative Bezeichnungen (hier im Beispiel: „-- amk ‚Browning‘ 1922 --“). In der nächsten Zeile steht die deutsche „Abkürzung“, im vorliegenden Beispiel: „7,62 mm le MG 124 (a)“. Darauf folgt ein Bild, um das Gerät visuell darzustellen und ein Erkennen zu vereinfachen. Es gibt nur sehr wenige Kennblätter ohne Bild. Ist dies der Fall, steht dort der Text „Bild nicht vorhanden“. Unter dem Bild stehen nun genauere Informationen zu dem Gerät. Am Ende stehen oftmals zusätzliche Anmerkungen. Dabei kann es sich um alles Mögliche handeln, was im oberen Teil nicht angegeben wurde, zum Beispiel: gleiche Waffen, ähnliche Waffen oder Veränderungen zu gleich aussehenden Waffen. Beim le MG 124 (a) steht dort: „Das 7,62 mm le MG 124 (a) ist ähnlich dem 7,62 mm le MG 123 (a), hat aber Zweibein und Kolbenstütze.“
Struktur der Dienstvorschriften Die Dienstvorschriften wurden mit aufsteigenden Nummern, beginnend mit D 50/1, in Loseblattsammlungen veröffentlicht. Nachfolgend ist die Struktur dieser Hefte erläutert.
Deckblatt Jedes Heft der Kennblätter fremden Geräts ist im Grunde gleich aufgebaut: Den Anfang macht das Deckblatt. Auf diesem steht oben als Überschrift: Kennblätter fremden GerätsHeber S. 36. Direkt darunter folgt der spezielle Titel des sogenannten Heftes. Am Beispiel für die Kennblätter der Maschinengewehre steht dort „Heft 2“ und darunter „Maschinengewehre“. Auf jedem Deckblatt steht ebenfalls das Datum, welches bei fast allen der 20.3.1941 ist. Den Abschluss auf dem Deckblatt bildet der Ort und den Verlag des Druckes. Der Ort ist „Berlin 1941“ und der Verlagstext lautet „Gedruckt bei der Ernst Steininger Druck- und Verlagsanstalt“Heber S. 36 unten. Lediglich bei den Kennblättern 8a und 8b steht dort „Gedruckt bei Druckerei Max Kühnbaum“.
Heftnummern Auf dem zweiten Blatt ist das Inhaltsverzeichnis der einzelnen Kennblätter zu finden. Dieses ist als Tabelle aufgebaut, das jeweilige vorliegende Kennblatt ist fett gedruckt hervorgehoben. Als Überschrift der Zusammenfassung steht „D. 50 Kennblätter fremden Geräts hat folgende Hefte“ mit der folgenden, darunter aufgeführten Tabelle. Die Spalte Deckblatt wurde zusätzlich hinzugefügt, um die Deckblätter eintragen zu können.
Das Ausgabedatum wurde nur in der Anfangszeit eingetragen. Da die Kennblätter fremden Geräts eine ständig erneuerte Kennblattsammlung war, pflegte man nach gewisser Zeit das Ausgabedatum nicht mehr.
mini|Legende in jedem Kennblatt über die verfügbaren Kennblätter mit Namen und Nummern.
Nr. Benennung Ausgabetag Deckblatt D. 50/1 Handwaffen 20.03.41 60px D. 50/2 Maschinengewehre 20.03.41 60px D. 50/3 Werfer 20.03.41 60px D. 50/4 Leichte Geschütze 20.03.41 60px D. 50/5 Schwere Geschütze 20.03.41 60px Nr. Benennung Ausgabetag Deckblatt D. 50/6 Schwerste Geschütze 20.03.41 60px D. 50/7 Beobachtungs-undVermessungsgerät 20.03.41 60px D. 50/8a Munition bis 3,6 cm 01.08.41 60px D. 50/8b Munition ab 3,7 cm 12.05.41 60px D. 50/9 Nahkampf-, Spreng-,und Zündmittelund Tarnmittel 30.04.41 60px Nr. Benennung Ausgabetag Deckblatt D. 50/10 Gasschutzgerät 20.03.41 60px D. 50/11 Allgemeines Heeresgerät unbekannt D. 50/12 Kraftfahrzeuge 20.03.41 60px D. 50/13 Nachrichtengerät 20.03.41 60px D. 50/14 Pioniergerät 20.03.41 60px D. 50/15 Eisenbahnpioniergerät unbekannt
Nachtrag mini|x200px|1. Nachtrag zum Heft 13 Nachrichtengerät. Nachträge sind Neuerungen, welches es ständig bei den Kennblättern gab. Ein Nachtrag ist mit einem Deckblatt gekennzeichnet, auf dem (zum Beispiel):1. NachtragzurD. 50/13vom 20.3.41 steht. Damit der Soldat auch weiß, was er denn mit dem Nachtrag anstellen muss, ist auf dem Deckblatt eine Erklärung mit beigefügt. Auf dem 1. Nachtrag für die D. 50/13 heißt es:
Jeder Nachtrag wird am Ende der Loseblattsammlung eingeheftet. Der jeweils neueste Nachtrag wird dabei vor den älteren Nachträgen abgeheftet.
Vorgehensweise mini|x200px|Vorgehensweise im Umgang mit den Kennblättern Das folgende Blatt enthält vier Schritte zur Vorgehensweise bei der Benutzung der Kennblätter. Dabei steht an der obersten Stelle, dass diese Blätter „Für den Gebrauch!“ sind. Das bedeutet, dass die Blätter ein lebendes Dokument waren, ständig genutzt und bei Bedarf erweitert werden sollten. Darunter folgen die vier Schritte des Vorgehens:
Vorbemerkungen lesen! Ländername im Kopf der Blätter Inhaltsverzeichnisse vor den Ländern Blattordnung nach den Kennnummern
Vorbemerkungen A mini|x200px|Vorbemerkungen, Teil A. Allgemeines Das erste Blatt mit den Vorbemerkungen trägt den Titel A. Allgemeines. Darunter folgt ein Text, in dem es heißt, dass „dieses Heft ständig ergänzt wird. Eingehende Blätter sind im Inhaltsverzeichnis nachzutragen, damit der Überblick gewahrt bleibt und die Vollständigkeit der Sammlung nachgeprüft werden kann.“ Dabei sind die Blätter dann länderweise eingeordnet, beginnend bei (b) für Belgien bis (oftmals) (r) für Russland. Wichtig hierbei ist, dass nicht das Beutezeichen (a) als erstes in den Kennblättern zu finden ist. Das Beutezeichen (a) wurde vom Heereswaffenamt als Nordamerika definiert und meint im Grunde die USA. Die Sortierung in den Kennblättern erfolgt durch die ausgeschriebenen Ländernamen und nicht durch das Beutezeichen. Ein zweiter Text gibt die Anschriften des Heereswaffenamtes an, an die Beutematerial geschickt werden sollte. Dort wurde neues Gerät eingehend geprüft. Die Anschriften wurden wie folgt angegeben: Infanterie-Gerät und Pak und zugehörige Munition, sowie Kraftfahrgerät und gp. Kraftfahrzeuge aller Art -> Versuchsplatz Kummersdorf Artillerie-Gerät, Geschütze und zugehörige Munition -> Versuchsplatz Hillersleben Pioniergerät -> Pionierversuchsstelle I, Sperenberg, Kreis Teltow Gasschutzgerät -> Heeresgasschutzlaboratorium Spandau, Berlin-Spandau, Zitadelle Nachrichtengerät -> Heereswaffenamt, Berlin-Charlottenburg 2
Vorbemerkungen B mini|x200px|Vorbemerkungen, Teil B. Kennzeichnung des Geräts Im Blatt mit den Vorbemerkungen B ist der Aufbau der Kenn-Nummern erklärt. Jedem Beutegerät wurde eine Kenn-Nummer (K.Nr.) zugeteilt. Dadurch konnte jedes Fremdgerät eindeutig zugewiesen, beziehungsweise erkannt und logistisch geführt werden. Die Kenn-Nummer besteht aus einer dreistelligen Gerätenummer; ergänzt mit einer zweistelligen Stoffgebietnummer. Bei einstelligen Stoffgebietnummern wird eine Null als erste Zahl vorangestellt. Statt einer 1 wird 01 eingesetzt. Zusätzlich erhielt die Kenn-Nummer noch das Beutezeichen, welches aus einem kleinen, in Klammern gesetzten Anfangsbuchstaben des Landes, von dem das Gerät übernommen wurde, besteht. Die Kenn-Nummernzuteilung erfolgte durch das Heereswaffenamt. Die Nomenklatur der Bezeichnungen ist wie folgt aufgebaut: Gerätetyp = Hier wir eine Gattungsart für das Gerät angegeben. Kenn-Nummer = Dies ist die dreistellige, vom Heereswaffenamt vergebene Kenn-Nummer für alle Teile dieses Gerätes. Stoffgebietnummer = Diese Nummer ist eine je nach Fremdgeräteart vergebene Nummer. Beutezeichen = Hier wir der Anfangsbuchstabe des Landes genannt, von dem das Gerät übernommen wurde. Teilenummer = Hier wird angegeben, welche Unternummer bzw. Teilenummer zum Kenn-Nummernteilesatz des Gerätes vergeben wurde.
Zweistellige Zahlen kommen immer dann vor, wenn in dem Hauptsatz vom Gerät noch Unterteile vorhanden sind. Die Werkzeugtasche hat die Nummer 9 bekommen. Weitere kleinere Teile in der Tasche haben als Führungsnummer ebenfalls die 9 und dann, je nach Anzahl der Teile, die 1, 2 und so weiter erhalten.
Weiterhin wurden Kenn-Nummern mit einem / und einer Zahl versehen. Dies geschah immer dann, wenn von dem Fremdgerät auch eine veränderte Version existierte. So bekam zum Beispiel das sowjetische 76-mm-Feldgeschütz M1902/30 die Bezeichnung 7,62 cm Feldkanone 295/1 (r). Die rohverlängerte Variante 76-mm-Feldgeschütz M1902/40 erhielt dagegen die Bezeichnung 7,62 cm Feldkanone 295/2 (r).
Vorbemerkungen C In den Vorbemerkungen C werden die Stoffgebietnummern gezeigt. Diese Nummer ist eine zweistellige Nummer, welche den speziellen Bereich des Geräts definiert. Diese Nummer gibt es allerdings nicht nur bei dem Fremdgerät, sondern sie wurde von den inländischen Stoffgebiet-Nummern übernommen. Während die 01 zu den Handwaffen gehört, definiert die 02 ein Gerät aus dem Bereich Maschinengewehr und die 24 ein Gerät aus dem Bereich Funk. In der Vorschrift D 97+: Gerätliste wurden die Stoffgebietnummern wie folgt definiert (die Hilfsstoffgebiete wurden für die Kategorie Munition in den Kennblättern neu erstellt):