Gustav Karl Friedrich Vent, auch Carl Vent, (* Ende 1842 in Weimar; † 7. Juli 1887 ebenda) war ein deutscher Architekt und Baumeister im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, dessen Bauwerke „zu den gelungensten Beispielen“ der Neorenaissance in der thüringischen Residenzstadt Weimar zählen.Alberto Schwarz: Weimar. E. A. Seemann, Leipzig 1993, ISBN 3-363-00582-2, S. 116.
Leben Karl Vent war der Sohn des Weimarer Hofrats Johann Karl Christian Vent (1802–1880), wohnhaft an der Ackerwand 13. Nach dem Schulbesuch in Weimar studierte er an der Königlichen Baugewerkenschule in Dresden.Programm zu den am 7.,8. und 9. April 1862 mit den Schülern der Königlichen Baugewerkenschule in Dresden zu haltenden Prüfungen. 1862, S. 23. Er ist dort 1861/62 als Student der Fachrichtung Bauingenieurwesen nachweisbar.Liste Studierender ... für den Zeitraum 1836–1887.
Nach Abschluss des Studiums trat er als Baukondukteur in den Dienst des Großherzogs Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach und wurde später zum Bauinspektor in Weimar befördert. Daneben wurde er in Prag Mitglied des Lehrkörpers des Deutschen Polytechnischen Landesinstituts des Königreiches Böhmen, wo er 1869 zum Assistenten für Architektur ernannt wurde.Jahres-Bericht über den Zustand und die Leistungen des Deutschen Polytechnisches Institut Prag, 1869/70, Prag 1870, S. 12; Oesterreichischer Bau-Almanach für Staats-, Landes- und Gemeinde-Beamte, 1871, S. 89.
Seit 1873 unterstand Vent dem Oberbaudirektor Ferdinand Streichhan im Departement des Innern als Baubeamter für das fiskalische Bauwesen im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und war gemeinsam mit diesen an mehreren staatlichen Bauvorhaben im Großherzogtum und vor allem in Weimar beteiligt.Staatshandbuch für das Großherzogtum Sachsen. 1874, S. 74 (books.google.de). Neben seiner dienstlichen Funktion als Baubeamter entwarf Vent als Architekt in großherzoglichem Auftrag selbstständig, ohne Einbeziehung des Oberbaudirektors, eigene Bauwerke im Stil des Historismus mit Merkmalen der Neorenaissance. Dieser Stil entsprach dem Geschmack von Großherzog Carl Alexander, dessen Bauprogramm ein „inszeniertes Ilmflorenz“ war.Alf Rößner: Inszeniertes Ilmflorenz. Künstler und Bauten in Weimar Carl Alexanders. In: Weimar-Jena: Die große Stadt 3/2 (2010), S. 117–136. Hier S. 121. Dazu zählt beispielsweise das ehemalige Lehrerseminars in Weimar, dessen Bauauftrag vom Großherzog direkt an Vent erteilt wurde.Verhandlungen des ... Landtags und der Gebietsvertretung von Sachsen-Weimar 1877, Weimar 1877, S. 562. Er schuf mit „qualitätvollen Bauten im Stil der Neorenaissance ein repräsentatives, städtebaulich bedeutendes Ensemble“.Kerstin Vogel: Carl Heinrich Ferdinand Streichhan. Dissertation Weimar 2008, S. 180. Dieses prägt das Weimarer Stadtzentrum bis heute. Sie bedeuteten eine große Veränderung, die auch für die Stadtbauplanung und damit die Verkehrsführung im Zentrum noch heute wirksam sind. Vent fehlte dem Oberbaudirektor deshalb als Bauleiter für einen weiteren großen Bau: dem zeitgleich entstandenen Marstall, in welchem sich heute ein Teil des Hauptstaatsarchiv Weimar befindet. Er wäre dafür der zuständige Baubeamte gewesen, stand wegen der Bauleitung seiner eigenen großherzoglichen Projekte dafür aber nicht zur Verfügung.Kerstin Vogel: Carl Heinrich Ferdinand Streichhan. Dissertation Weimar 2008, S. 189.
Auf Bitten des befreundeten österreichischen Architekten August Ortwein und der Verlagshandlung E. A. Seemann in Leipzig erklärte sich Vent 1872 in seiner Eigenschaft als großherzoglicher Baukondukteur für die Erarbeitung der Beiträge über Weimar und Erfurt in dem mehrbändigen Tafelwerk Deutsche Renaissance bereit.Ludwig Leybold (Hrsg.): Deutsche Renaissance. Eine Sammlung von Gegenständen der Architektur, Decoration und Kunstgewerbe in Originalaufnahmen, Band: Augsburg, E. A. Seemann, Leipzig, 1872, 4. Umschlagseite. Dieses Tafelwerk hat dokumentarischen Charakter und wurde bis in das 20. Jahrhundert als Kompendium zur Rekonstruktion von Gebäuden und zur Ergänzung von Bauteilen verwendet.Werner Broda: Hof: Spurensuche Nickel Hoffmann – Ein Baumeister der ‚Deutschen Renaissance‘ (~ 1515 – 1592), Diss. Philipps-Universität Marburg, Marburg 1998. Zugang zur PDF-Datei
Vent starb im Alter von 44 Jahren und 8 Monaten in Weimar.
Bauten in Weimar (Auswahl) 1870-1873 Markt 14, Haus für den Kaufmann Schmidt-Predari, heute Teil der Weimarer Stadtverwaltung und Stadtwache der Polizei 1873 Entwurf für den Neubau des Staatsarchivs in Weimar neben der Hofgärtnerei, vom Großherzog aufgrund anderweitiger Nutzung des Bauplatzes verworfenWilly Flach: Beiträge zum Archivwesen, zur thüringischen Landesgeschichte und zur Goetheforschung. 2003, S. 60 (books.google.de). 1873 Projektierung der sogenannten Passage auf dem überwölbten Schützengraben in WeimarDie Notwendigkeit dieses Baues auf Staatskosten wurde von einem Rechnungsausschuss hinterfragt und zur weiteren Beschlussfassung dem Landtag berichtet, vgl. Verhandlungen des [...] Landtags und der Gebietsvertretung von Sachsen-Weimar 1877, Weimar, 1877, S. 1. 1877 Gropiusstraße 1: Lehrerseminar (später Christoph-Martin-Wieland-Schule, heute Staatliche Gemeinschaftsschule Jenaplan Weimar)Die zwei von Vent errichteten Schulgebäude stehen auf der Liste der Kulturdenkmale in Weimar (Einzeldenkmale). Außerdem stehen die gesamte Gropiusstraße als auch der gesamte Sophienstiftsplatz auf der Liste der Kulturdenkmale in Weimar (Sachgesamtheiten und Ensembles). 1878 Sophienstiftsplatz 1: Schulgebäude (Sophienstift, später Johann-Peter-Eckermann-Schule) nach Vorbild eines Palazzos in Trient aus Nebraer SandsteinZu den bauplanerischen Vorarbeiten: , S. 10. Auf S. 11 Anm. 53 heißt es: Ursprünglich war das Sophienstift ein Mädchenlyzeum.Zur Geschichte des Sophienstiftes bis ca. 1925: Hannelore Henze, Ilse-Sibylle Stapff: Streifzüge durch das alte Weimar. Weimar 2004, S. 76 ff.Zum Mädchenschulwesen in Deutschland allgemein: Wilhelm Nöldeke: Von Weimar bis Berlin: Bemerkungen zur Entwicklung des höheren Mädchenschulwesen in Deutschland, Berlin: L. Oehmigkes Verlag (R. Appelius), 1888. 1886 Schröterstraße (heute Washingtonstraße 53), Gebäude des Paulinenstifts, benannt nach der Erbgroßherzogin Pauline von Sachsen-Weimar-Eisenach.Art. Pauline Ida Marie Olga: Erbgroßherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 347. Steht auf der Liste der Kulturdenkmale in Weimar (Einzeldenkmale). 1886/87 Tiefurter Allee 6: Gebäude der Russischen Gesandtschaft (heutige Nutzung: Schule der Lebenshilfe Weimar)Ehemalige russische Gesandtschaft in Weimar (Thüringen) 1887 Hummelstraße 4: Gebäude für den Spediteur und Posthalter Gustav Werther
Literatur Art. Historismus, in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 206 f.
Einzelnachweise
Kategorie:Person (Deutsche Technische Hochschule Prag) Kategorie:Architekt (Weimar) Kategorie:Neorenaissance Kategorie:Architekt des Historismus Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1842 Kategorie:Gestorben 1887 Kategorie:Mann