mini|St.-Petri-Kirche mit Vorplatz Die St.-Petri-Kirche ist die evangelisch-lutherische Stadtkirche und eine von zwei Kirchen im vogtländischen Rodewisch. Die entsprechende Kirchgemeinde ist die Evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Rodewisch im Christus-Kirchspiel im Vogtland. mini|Martin-Luther-Kirche Rützengrün () Seit 1924 gibt es mit der Martin-Luther-Kirche in Rützengrün eine Filialkirche von Rodewisch.

Geschichte Erster Kirchenbau Die Stadt Rodewisch wurde erstmals 1411 urkundlich erwähnt. Aufgrund der Besiedlung der Region ist allerdings davon auszugehen, dass schon vorher eine Kirche gebaut wurde. Dies wird auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts geschätzt, da in diesem Zeitraum der Kampf gegen die heidnischen Sorben und Wenden beendet wurde und der Weg zur Plauener Kirche zu weit war. Der Standort in Rodewisch bot sich an, weil dort die Burg Göltzsch nahe war. Aus den Mutmaßungen wird deutlich, dass die Rodewischer Kirche, genau wie die Auerbacher St. Laurentius-Kirche, über keine Stifterurkunde verfügt. Zudem gibt es Indizien, dass die umliegenden Dörfer (Urbach, später Niederauerbach, Ruczengrune, Redewischgrune) der Rodewischer, als der ältesten Kirchenparochie, zugeteilt waren. Als später die Burg Auerbach um eine feste Stadt entstand, wurde das Rodewischer Kirchlein vermutlich zur Filialkirche der Auerbacher. Möglicherweise ist die erste, aus Holz aufgebaute Kirche um 1430 mit dem Niederbrennen mehrerer Orte in der Umgebung auch ausgebrannt.

Zweiter Kirchenbau Spätestens 1522 muss eine zweite Kirche gebaut worden sein. Seit diesem Jahr wird in Rodewisch auch die evangelisch-reformierter Lehre verkündet. Diese frühen Kirchen in Rodewisch ähnelten eher einer Kapelle. In Anbetracht der steigenden Bevölkerungszahlen wurde eine größere Kirche nötig.

Dritter Kirchenbau Noch während des Dreißigjährigen Krieges wurde am 6. November 1642 mit dem Bau einer größeren dritten Kirche begonnen. Dieser wurde am 9. Juli 1645 beendet. Es wird vermutet, dass die Ausstattung der Kirche noch dürftig war, weil die Gemeinde während des Krieges ausgeplündert wurde. 1654 wurde der Rittersitz Obergöltzsch von denen von Planitz an die Familie von Beust verkauft. Diese Familie stiftete der Kirche 1661 eine silberne Hostiendose.

Die Turmknaufurkunde von 1645 Die Urkunde über „Gewisse Nachrichtung der itzigen Beschaffenheit und Zustandes der Kirchen zu Sanct Peter im Rodwisch auffgesetzet und im Knopff des Kirchthurmbs geleget den 9. July Anno ‚CVaesVMVs, VtVIgeat PaX hIs In, ChrIste, DIebVs! [VVMVVVIXIIIDIV = 1645]‘“ ist eine aus 32 Seiten und einem Einzelblatt bestehende sogenannte Turmknaufurkunde, und die erste der im Rodewischer Turmknauf hinterlegten. Weitere stammen aus den Jahren der Turmerneuerungen 1755, 1826, 1881 und 1910. Die von Pfarrer Johann Bleymüller „von Olsnitz“ verfassten Originale befinden sich seit der letzten Turminstandsetzung 1980/81 nicht mehr im Turm. An ihrer statt wurden Photokopien hinterlegt. Die Urkunde hat die Maße von 20,5 cm Höhe und 17 cm Breite. Von den 32 Seiten sind 21 beschrieben. Durch den Förderverein der Kirchgemeinde wurde die in bedenklichem Zustand befindliche Urkunde Anfang des 21. Jahrhunderts restauriert.

In der Urkunde werden insbesondere die Verhältnisse des Kirchenbaus und seiner Probleme während des Dreißigjährigen Krieges geschildert. Auch die beteiligten Gewerke und Personen, die verschiedene Prinzipalien und Paramente stifteten werden genannt. So hat etwa der Churfrl. Sächsische „Oberauffseher“, der Juncker Christian Winkelman silberne Kannen, Baltzer Friedrich „verguldete Becher“, Christoph Felgenhauer, ein Interessent des Messingwerkes Niederauerbach, ein „köstlich schönes Meßgewandt, gelb, grün und schwarz mit Silber und Gold gesticket“, gestiftet. Weiter wurde durch „Melchor Haugk“ ein neuer Chor Rock und durch Jacob Körber ein „neu Tauffwindel umb den Tauffstein“ überlassen. Auch diese beiden waren Mitinhaber des Messingwerkes. In der historischen Abhandlung sind auch Georg Abel Ficker, Peter Ficker, drei weitere Familienmitglieder derer von der Planitz und viele Handwerker und Rodewischer Pfarrer bzw. Schulmeister aufgeführt, die am Kirchbau mitgewirkt bzw. in Rodewisch gewirkt haben.

Vierter Kirchenbau mini|St.-Petri-Kirche mit neuem Treppenaufgang vom oberen Postplatz zum Kirchvorplatz

1729 wurde unter Magister Johann Gottlieb Beck eine vierte Kirche geplant. Für den Bau derselben wurden 3.700 Gulden veranschlagt. Am 18. Oktober des Jahres wurde der Grundstein gelegt. Im Jahre 1734 war der Rohbau beendet. Bis 1736 wurde der Innenausbau fertiggestellt. Letztendlich wurden 4.000 Meißner Gulden benötigt, wobei die Eigenleistungen nicht berücksichtigt sind. Am 22. oder 28. Oktober 1736 wurde die vierte St.-Petri-Kirche geweiht. 1754 ging man daran einen neuen Kirchturm aufzurichten. Der Turm hatte eine Höhe von 46 m. Auch ein neues Geläut sollte eingerichtet werden. Während bereits vorher eine große Glocke vorhanden war, wurden zwei weitere gegossen. So sollte ein volles Geläut eingerichtet werden. Die beiden neuen Glocken zierte der Spruch:„Es schalle diese Glock, / o Gott, zu deiner Ehr, / daß jeder, der sie hört / stets deinen Ruhm vermehr. / Ich, Martin Heintz, / der sie gegossen hat, / Will loben deine Treu, / mein Gott, auch in der That.

Anno 1746 “Zwischen 1806 und 1875 befand sich das Pfarrhaus an der heutigen Wernesgrüner Straße. Dort befand sich schon vorher ein Pfarrgut. 1875 wurde an dieser Stelle das neue Pfarramt errichtet. Ab 1888 wurde dort neben dem schon vorher eingerichteten Konfirmationszimmer das Pfarrarchiv eingerichtet. Die ältesten Rodewischer Schriftstücke aus dem Archiv gehen auf das Jahr 1555 zurück. Dabei handelt es sich um ein Kirchenrechnungsbündel. Die Tauf- und Trauregister reichen bis 1589, das Sterberegister bis 1592. Ab 1748 wurde ein neues Kirchenbuch angelegt. Am 30. Oktober 1836 feierte die Gemeinde die 100-jährige Weihe.

1664 wurde die erste Orgel in der Kirche Rodewisch eingebaut. 1857/58 wurde die Jehmlich-Orgel eingerichtet.

Während zu dieser Zeit die Rittergüter Niederauerbach, Ober- und Untergöltzsch noch getrennt verwaltet wurden, waren Kirchen- und damit Schulangelegenheit für ganz Rodewisch geführt. 1854 wurde dafür ein Schulhaus in der Uferstraße errichtet, 1871 eines in der Bachstraße erworben.

1886 wurde die Kirche anlässlich des 150-jährigen Kirchenjubiläums renoviert. Unter anderem wurde eine Empore entfernt, wodurch nurmehr eine erhalten blieb. Am 31. Oktober 1894 wurde die „Anstaltskirche“ auf dem Gelände des heutigen Klinikums Untergöltzsch geweiht. Der Kirchbezirk Untergöltzsch wurde entsprechend ausgepfarrt. Heute ist diese Kirche eine Sporthalle.

1923 gründete Diakon Karl Junghans den Rodewischer Posaunenchor, der 2023 sein 130-jähriges Bestehen feierte.

Architektur Für die Bauzeiten 1645 und 1729–1739 wenig erwartet aber nicht einmalig, ist diese Hallenkirche abgesehen vom barocken Kanzelaltar und den neuromanischen Fenstern in strengen klassizistischen Formen gehalten. Im Unterschied zu einigen früheren und vielen späteren protestantischen Kirchen Sachsens sind die Seitenschiffe mit nur eingeschossigen Emporen ausgestattet. Die Pfeiler zwischen Hauptschiff und Seitenschiffen tragen an der Decke Architrave statt Arkaden.

Seit 2000 Kindergarten Einer der Kindergärten in Rodewisch war der kirchlich getragene Evangelische Kindergarten St. Petri in der Otto-Pfeifer-Straße. Er hat 70 Plätze (12 Krippenplätze, 34 Kitaplätze, 24 Hortplätze). Der Kindergarten ist nunmehr von der Diakonie Auerbach übernommen worden.

Kirchspiel Im Zuge der immer geringer werdenden Mitgliedszahlen der Kirchen und anderen Problemen, wie Mangel an Pfarrern, entschlossen sich einige Gemeinden im Vogtland per 1. Januar 2021 zur Gründung eines Christus-Kirchspiels im Vogtland. Das Kirchspiel verfügt, wie die Einzelgemeinden, über einen Kirchenvorstand. Zum Kirchspiel gehören folgende Gemeinden:

Kirchgemeinde Rodewisch, Kirchgemeinde St.-Laurentius Auerbach, Kirchgemeinde Lengenfeld und Plohn-Röthenbach, Kirchgemeinde Rothenkirchen-Wernesgrün, Kirchgemeinde Schnarrtanne-Vogelsgrün, Kirchgemeinde Treuen, Kirchgemeinde Waldkirchen-Irfersgrün, Kirchgemeinde Rebesgrün-Reumtengrün.

Sitz des Kirchspiels ist Auerbach, Interimssitz ist Treuen.

Liste der Pfarrer Jahr Zuständige Pfarrer für Rodewisch (Reformation – 1706)Bemerkung1524Wolfgang Friedrich Steinbachspäter in Pöhla1529Jacob Kober1533Michael Baumann1534Johann Vollrath1535Johannes Straußspäter in Neustadt bei Schneeberg1553Zacharias Gering1562Magister Wolfgang Hermannwurde Jurist in Reichenbach1571David Ringk1581 in Pirna, 1584 Superintendent1581Petrus Willichius (Wilchius), Peter Wilch, Peter Willichspäter in Planitz1583Georgius Liebholdbegann, das Kirchenbuch zu führen1600Aegidius Groß„Pfarrer, welchen die Gemeinde nicht hören wollte“1603Thomas Vogel1609Balthasar Spitzner1617Michael FerberMichael Schlewitzersetzte sich erfolglos für Kirchenneubau ein1639Johann BleymüllerVerfasser der „Turmknaufurkunde“ von 1645Johann Uhrmälster1671Magister Johann Clauß ab 1706 ward Rodewisch von Auerbach getrennt und die hiesige Stelle wurde eingezogen

Jahre Pfarrer/Magister für Rodewisch (erste Pfarrstelle ab 1706) Pfarrer für Rodewisch (zweite Pfarrstelle)Bemerkung1706Magister Samuel Mehlhorn1721Magister Gottfried Reichenbach1729Magister Gottlieb Beck1763Magister Gottlieb BeckSohn des Vorherigen1792Magister Ernst Julius Tischendorf1817Heinrich Thomas1865Dr. Ernst Bruno Krieg1875Carl Friedrich Theodor Schoppe1888–1909Karl Max William Schönknecht1898Theodor Kurt Kretzschmar1898Alfred Drechsler1900Kurt Paul Frank1902Karl Theodor Bruhn1904Johann Siegfried Nicolai1905Walter Bernhard Joh. Grundmann1908–1912Paul Emil Ernst Müller1912–1914Joh. Friedr. Oskar Pitschel1915–1920Ernst Theodor Hermann Gaupp1909–1919Dr. Friedrich Wilhelm Max Richter1919–1925Dr. Alfred Otto Meyer1920–1926Karl Hermann Oskar Ae1925–1934Joh. Dankgott Ernst Lösche1926–1933Fritz Rudolf Schönbach1933–1934Friedrich Bohlandab 1939 erste Pfarrstelle1934–1942Friedrich Bohland1934–1946Horst Ficker1942–1946Heinz Eckert1946–1954Karl Walther Taut1947–1954Karl Bäuerleab 1955 erste Pfarrstelle1955–1959Karl Bäuerle1955–1959Karl Krauße(† in der BRD)1960–1973Heinrich Drechsler1960–1977Ekkehart Zieglschmid1974–1990Erich Klaus Schlegel1978–1984Karin Schubert1984–1986 ---vakant1986–1996Ralpph-Eckehart Pohleab 1996 erste Pfarrstelle1990–1992 ---vakant1992–1996Dorothea Voigt1996–2000Ralph-Eckehardt Pohle1997–2001Wolfgang Schmutzlerspäter Ephoralvikar im Kirchenbezirk Auerbach2000–2001 ---vakant2001–?Dr. Markus Roser?-?Beate Hadlich?–2024 ---vakant (vertreten durch Pfarrer aus Kirchspiel)2024–Matthias Müller

St.-Petri-Kirche als Kulturdenkmal → Hauptartikel: Liste der Kulturdenkmale in Rodewisch

Geläut Die alten Kirchenglocken von 1649 und 1745 waren schadhaft geworden, weshalb man sie 1875 durch neue ersetzte. Das Königlich-Sächsische Kriegsministerium stellte dafür ein französisches Beutegeschützrohr aus dem zurückliegenden Krieg zur Verfügung. Die Glocken waren in d, f und b gestimmt. Während des Ersten Weltkriegs wurden zwei Glocken beschlagnahmt und für die Kriegsproduktion eingeschmolzen. 19019 wurden drei neue Eisenhartgussglocken angeschafft, die von Schilling & Lattermann aus Apolda in Morgenröthe-Rautenkranz gegossen wurden.

Fast hundert Jahre später sollte ein neues dreistimmiges Geläut – wieder aus Bronze – aufgehängt werden. Der beauftragte Gießer C. Mark Maas, Brockscheid goss 2018 zwei Glocken, der Guss der dritten aber misslang. Bei der im Folgenden beauftragten Glockengießerei Hermann Schmitt im gleichen Ort gingen drei weitere Gussversuche schief. Erst beim fünften Versuch in der Glockengießerei Grassmayr (Innsbruck) gelang 2020 der Guss der kleinen Glocke, so dass 2020 nach fünfjähriger Stille und mehreren Verzögerungen die neuen Bronze-Glocken eingebaut werden konnten.