Der Giro d’Italia 2022 war die 105. Austragung der italienischen Grand Tour. Das Straßenradrennen startete am 6. Mai 2022 in Budapest und endete am 29. Mai 2022 mit einem Einzelzeitfahren in Verona.

Gesamtsieger wurde Jai Hindley (Bora-hansgrohe), der auch die 9. Etappe gewann.

Der amtierende Olympiasieger und Gesamtsieger von 2019 Richard Carapaz (Ineos Grenadiers) wurde Gesamtzweiter mit einem Rückstand von 1:18 Minuten.

Gesamtdritter mit einem Rückstand von 3:24 Minuten wurde Mikel Landa, dessen Team Bahrain Victorious die Mannschaftswertung gewann.

Arnaud Démare (Groupama-FDJ) gewann jeweils im Massensprint die fünfte, sechste sowie 13. Etappe und damit die Punktewertung.

Koen Bouwman (Jumbo-Visma) gewann die Bergwertung und mit der siebten sowie 19. Etappe zwei Bergetappen.

Der Gesamtzehnte und zehnmalige Träger der Maglia Rosa Juan Pedro López (Trek-Segafredo) gewann die Nachwuchswertung.

Die Sonderpreise verteilten sich wie folgt: Filippo Tagliani (Drone Hopper-Androni Giocattoli) gewann die Zwischensprintwertung. Sein Teamkollege Mattia Bais gewann die Ausreißerwertung. Der Sieger der 1. Etappe Mathieu van der Poel (Alpecin-Fenix) gewann den Kampfpreis. Bahrain Victorious, Cofidis und Team DSM führten die Fair-Play-Wertung an.

Teilnehmende Teams und Fahrer

Zum Start berechtigt und verpflichtet waren die 18 UCI WorldTeams. Als punktbestes UCI ProTeam der UCI-Weltrangliste 2021 qualifizierte sich die belgische Mannschaft Alpecin-Fenix, die die Einladung annahm. Zusätzlich vergab der Veranstalter RCS Sport drei Wildcards an die italienischen ProTeams Bardiani CSF Faizanè, Eolo-Kometa und Drone Hopper-Androni Giocattoli.

Gesamtwertung

Wie jedes Jahr startete eine Reihe von guten Klassementfahrern, die sich im Kampf um das Rosa Trikot Chancen ausrechnen konnten, bei dem Giro d’Italia. Als einer der Top-Favoriten galt der Olympiasieger von 2021 Richard Carapaz (Ineos Grenadiers), der die Rundfahrt bereits 2019 für sich entscheiden konnte. Auch Simon Yates (Team BikeExchange-Jayco) nahm das Rennen wieder in Angriff. Der Brite hatte im Jahr 2018 das Rosa Trikot über zwölf Tage hinweg getragen, ehe er es zwei Tage vor Schluss noch verlor und aus den Top 10 fiel. Im vergangenen Jahr belegte Simon Yates in der Gesamtwertung Platz 3. Mit Miguel Ángel López (Astana Qazaqstan Team), Wilco Kelderman und Jai Hindley (beide Bora-Hansgrohe) standen drei weitere ehemalige Podest-Fahrer am Start. Auch João Almeida kehrte für seine neue Mannschaft, das UAE Team Emirates, zur „Corsa Rosa“ zurück. Der Portugiese hatte in den letzten zwei Jahren gute Resultate im Gesamtklassement erzielt und sollte 2022 als klarer Leader seines Teams an den Start gehen. Auch Tom Dumoulin (Jumbo-Visma), der den Giro im Jahr 2017 gewonnen hatte, startete bei der Rundfahrt. Im Vorfeld der Rundfahrt überzeugte er jedoch nicht und musste sich die Kapitänsrolle mit seinem Teamkollegen Tobias Foss teilen. Ein weiterer Fahrer, der in der Gesamtwertung eine große Rolle spielen konnte, war Romain Bardet (Team DSM), der wenige Tage vor der Italien-Rundfahrt die Tour of the Alps gewann.

Weitere Gesamtklassement-Fahrer die am Start der Rundfahrt standen waren: Mikel Landa, Pello Bilbao (beide Bahrain Victorious), Alejandro Valverde (Movistar Team) Emanuel Buchmann (Bora-Hansgrohe), Hugh Carthy (EF Education-EasyPost), Giulio Ciccone, Bauke Mollema (beide Trek-Segafredo), Guillaume Martin (Cofidis) und Attila Valter (Groupama-FDJ).

Auch am Start stand der zweifache Giro-d’Italia-Sieger Vincenzo Nibali (Astana Qazaqstan Team). Es war jedoch unklar, ob er auf eigene Ambitionen fahren durfte oder ob er seinen Teamkapitän unterstützen würde.

Strecke Überblick Insgesamt mussten auf den 21 Etappen 3449,6 Kilometer und 50.580 Höhenmeter zurückgelegt werden. Das ergab einen Tagesschnitt von rund 164,3 Kilometern. 2022 führte der Giro d’Italia neben Italien auch durch Ungarn und Slowenien. Auf dem Programm standen: sieben flache, sechs hüglige und sechs Bergetappen, von denen vier mit einer Bergankunft endeten. Zudem wurden zwei Etappen in Form von Einzelzeitfahren ausgetragen. Diese insgesamt 26,6 Kilometer, entsprachen allerdings der geringsten Anzahl an Zeitfahr-Kilometern seit dem Jahr 1962. Zudem wurden nur auf der 20. Etappe zwei Berganstiege bewältigt, die mindestens 2.000 Meter über den Meeresspiegel hinausgingen. Der höchste Punkt der Rundfahrt (Cima Coppi) war der Passo Pordoi mit einer Höhe von 2236 Metern. Aufgrund des Auslandstarts und der damit verbundenen Transport- und Transferwege umfasste die Rundfahrt drei Ruhetage.

Streckenverlauf Grande Partenza in Ungarn Nach Jerusalem im Jahr 2018 erfolgte der Start der Rundfahrt im Jahr 2022 wieder außerhalb Italiens. Die ersten drei Etappen fanden in Ungarn statt. Ursprünglich war der Grande Partenza in Ungarn bereits im Jahr 2020 geplant gewesen, doch aufgrund der COVID-19-Pandemie hatten die Organisatoren des Rennens den Start auf die italienische Insel Sizilien verlegen müssen. Die für 2020 geplanten Etappen wurden in leicht veränderter Form für die 105. Austragung übernommen.

Am 6. Mai 2022 startete die erste Etappe in der ungarischen Hauptstadt Budapest und endete mit einem kurzen Schlussanstieg (5,5 km bei im Schnitt 4,2 %) nahe der Oberen Burg von Visegrád. Die zweite Etappe wurde in Form eines kurzen Einzelzeitfahrens (9,2 km) in Budapest ausgetragen. Die dritte und letzte Etappe in Ungarn führte von Kaposvár über 201 flache Kilometer an das Nordufer des Balaton und endete in Balatonfüred. Aufgrund des langen Transfers von Ungarn nach Sizilien, wurde bereits nach drei Tagen am 9. Mai der erste von drei Ruhetagen abgehalten.

Erste Woche: Von Sizilien in den Apennin Am 10. Mai wurde die Rundfahrt mit einer Bergankunft auf dem Ätna bei der Schutzhütte Rifugio Sapienza (1892 m; 22,8 km bei im Schnitt 5,6 %) fortgesetzt. Die darauffolgende Etappe führte größtenteils entlang der sizilianischen Küste von Catania nach Messina, wobei die Fahrer über den Pass Portella Mandrazzi (1125 m) fahren mussten. Das Fahrerfeld verließ die Insel und führte die weiteren Etappen auf dem italienischen Festland fort, wo es von Palmi in Richtung Norden ging. Über Kalabrien und Basilikata erreichte die Rundfahrt am 14. Mai Neapel, wo eine flache Etappe auf einem Rundkurs stattfand. Auf der folgenden 9. Etappe fand die zweite Bergankunft im Apennin auf dem Blockhaus (1664 m) statt. Dieser Anstieg wurde zuletzt 2017 im Rahmen der 100. Austragung des Giro d’Italia befahren und hatte zu großen Abständen zwischen den Gesamtklassement-Fahrern geführt.

Zweite Woche: Von der Adria in die Alpen Nach dem zweiten Ruhetag ging es entlang der Adria von Pescara aus in Richtung Norden. Anschließend wurde der Apennin in der Emilia-Romagna umfahren und die Fahrer erreichten in Genua die tyrrhenische Küste. Nun führte die Rundfahrt an den Rand der Westalpen, wobei nur auf der 15. Etappe eine Bergankunft auf dem Programm stand. Der Schlussanstieg nach Cogne (1611 m; 22,4 km bei im Schnitt 4,3 %), südlich des Aostatals, wies jedoch speziell im oberen Teil eher geringe Steigungsprozente auf. Am 23. Mai wurde der dritte und letzte Ruhetag abgehalten, ehe es in die letzte und entscheidende Woche ging.

Dritte Woche: Ostalpen, Dolomiten und Abschlusszeitfahren In der dritten Woche nahmen die Schwierigkeiten der Rundfahrt deutlich zu. Bereits auf der 16. Etappe wurde auf dem Weg von Salò nach Aprica der berüchtigte Passo del Mortirolo (1854 m) überquert. Der Anstieg wurde jedoch von Edolo aus über die einfachere Südroute befahren, die bei einer Länge von 12,6 Kilometern eine durchschnittliche Steigung von 7,6 % aufwies. Auf der folgenden 17. Etappe befand sich das Ziel nach einem rund acht Kilometer langen Plateau in Lavarone. Zuvor wurde der 10 Kilometer lange Anstieg des Monte Rovere (1261 m) befahren, dessen Steigung im Schnitt bei fast 10 % lag. Die beiden anschließenden Etappen führten über flaches und hügeliges Terrain. Auf der 19. Etappe machte die Rundfahrt einen zweiten Abstecher ins Ausland und führte für rund 30 Kilometer durch Slowenien.

Die „Königsetappe“ wurde am 28. Mai im Rahmen der 20. Etappe in den Dolomiten ausgetragen. Von Belluno aus ging es über den Passo San Pellegrino (1918 m; 18,5 km bei im Schnitt 6,2 %) und den Passo Pordoi (2239 m; 11,8 km bei im Schnitt 6,8 %), ehe der Schlussanstieg auf den Passo Fedaia (2057 m) nahe der Marmolata begann. Dieser war 14 Kilometer lang mit einer durchschnittlichen Steigung von über 10 % auf den letzten fünf Kilometern. Die Entscheidung über den Rundfahrtsieg fiel im Abschlusszeitfahren der letzten Etappe am 29. Mai 2022. Die Strecke startete und endete in Verona und führte über 17,4 Kilometer und einen rund 300 Meter hohen Anstieg. Das Ziel befand sich nahe der Arena von Verona, wo der Sieger der Rundfahrt geehrt wurde.

Etappenliste Die folgende Tabelle zeigt die Etappen mit Datum, Start- und Zielort, Kategorisierung und Etappenlänge. Außerdem sind der Etappensieger und der jeweils Führende in der Gesamtwertung nach der Etappe angegeben. In der ersten Spalte sind die Einzelartikel zu jeder Etappe mit detaillierten Angaben zu Platzierung und Rennverlauf angegeben.

Rennverlauf Die 1. Etappe gewann Mathieu Van der Poel (Alpecin-Fenix) im Sprint bergauf und schlüpfte, ein Jahr nachdem er das Gelbe Trikot bei der Tour de France getragen hatte, ins Rosa Trikot. Zudem führte er auch die Berg- und Punktewertung an. Das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers ging an Biniam Girmay (Intermarché-Wanty-Gobert Matériaux), der sich dem Niederländer nur knapp geschlagen geben musste. Im Einzelzeitfahren der 2. Etappe setzte sich überraschend Simon Yates (BikeExchange-Jayco) durch. Mathieu Van der Poel verteidigte jedoch das Führungstrikot. Das Weiße Trikot übernahm Matteo Sobrero (BikeExchange-Jayco) und Rick Zabel (Israel-Premier Tech) schlüpfte ins Blaue Trikot des Bergbesten. Die 3. Etappe endete in einem Massensprint, den Mark Cavendish (Quick-Step Alpha Vinyl) vor Arnaud Démare (Groupama-FDJ) und Fernando Gaviria (UAE Team Emirates) gewann.

Nach dem ersten Ruhetag (Transfertag) auf die italienische Insel Sizilien folgte die 4. Etappe. Diese erste Bergankunft auf dem Ätna gewann Lennard Kämna (Bora-Hansgrohe) aus einer Fluchtgruppe und übernahm das Bergtrikot. Das Rosa Trikot ging an Juan Pedro López (Trek-Segafredo), der im Sprint mit Lennard Kämna Platz zwei belegte. Tom Dumoulin, Tobias Foss (beide Jumbo-Visma) und Vincenzo Nibali (Astana Qazaqstan) verloren viel Zeit und fielen in der Gesamtwertung zurück. Ein weiterer Favorit auf den Rundfahrt-Sieg, Miguel Ángel López (Astana Qazaqstan) musste den Giro d’Italia verletzungsbedingt aufgeben. Die 5. Etappe gewann Arnaud Démare im Sprint, nachdem Caleb Ewan (Lotto Soudal) und Mark Cavendish (Quick-Step Alpha Vinyl) auf einem frühen Anstieg abgehängt worden waren. Arnaud Démare übernahm das Violette Trikot des führenden in der Punktewertung und gewann anschließend auch die 6. Etappe. Auf der 7. Etappe setzte sich Koen Bouwman (Jumbo-Visma) in einer Ausreißergruppe durch und übernahm das Blaue Trikot. Auch auf der 8. Etappe kam die Fluchtgruppe durch und Thomas de Gendt (Lotto Soudal) gewann die Etappe in Neapel. Auf der 9. Etappe stand die zweite Bergankunft auf dem Blockhaus auf dem Programm. Bereits am Fuße des Anstiegs wurden Simon Yates und Wilco Kelderman (Bora-Hansgrohe) abgehängt und verloren viel Zeit auf die anderen Favoriten. Mit Richard Carapaz (Ineos Grenadiers), Mikel Landa (Bahrain Victorious), Romain Bardet (DSM), João Almeida (UAE Team Emirates), Jai Hindley (Bora-Hansgrohe) und Domenico Pozzovivo (Intermarché-Wanty-Gobert Matériaux) erreichten sechs Fahrer Zeitgleich das Ziel. Im Sprint setzte sich Jai Hindley durch. Juan Pedro López verlor über eine Minute aber verteidigte das Rosa Trikot und lag nun 12 Sekunden vor seinem ersten Verfolger. In der Bergwertung übernahm Diego Rosa (Eolo-Kometa) die Führung.