Die St.-Bartholomäus-Kirche in Miłomłyn () ist ein um die Wende 19./20. Jahrhunderts errichtetes Bauwerk. Ursprünglich evangelische Pfarrkirche für das Kirchspiel Liebemühl in Ostpreußen, wurde sie nach 1945 der römisch-katholischen Kirche in Miłomłyn im heutigen Bistum Elbląg in Polen übereignet.

Geographische Lage Die Kleinstadt Miłomłyn (Liebemühl) liegt im Westen der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren im Oberland der einstigen Provinz Ostpreußen, elf Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Ostróda (Osterode in Ostpreußen). Über die Schnellstraße 7 (auch Europastraße 77) Danzig–Warschau–Krakau ist die Stadt verkehrstechnisch günstig zu erreichen.

Die St.-Bartholomäus-Kirche steht im Stadtzentrum an der Südseite der ulica Pasłęcka.

Kirchengebäude Eine um 1335 errichtete und 1341 geweihte Kircheostpreussen net: Pfarrkirche in Liebemühl wurde in den Jahren 1587, 1683 und 1720 jeweils aufwendig restauriert.Kulturlexikon Ermland und Masuren: Kościół św. Bartłomieja w Miłomłynie (polnisch) Im Jahre 1898 war sie jedoch so baufällig, dass ein Abbruch vorgenommen werden musste. Ein Kirchneubau wurde geplant. Die neue Kirche sollte am alten Standort errichtet werden. Dazu war es notwendig, von der Ostung abzuweichen und die Achse in Nord-Süd-Richtung zu verlagern. So konnte man den alten Wehrturm der alten Stadtbefestigung erhalten, der schon zuvor als Glockenturm gedient hatte. Die beiden Gebäude konnte man mit einem Kreuzgang verbinden. Darin hat ein um 1400 gestiftetes Kruzifix bis heute seinen Platz gefunden.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 136, Abb. 664–666 mini|Der (Glocken-)Wehrturm In den Jahren von 1898 bis 1901 entstand auf dem alten Platz ein neugotischer Kirchenbau aus Backsteinen. Er war chorlos. Das einschiffige Gebäude ist untermauert und mit Treppen- sowie Spitzgiebeln sowie halbrunden, verputzten Nischen geschmückt. Ein Satteldach aus Ziegeln überdeckt den Bau.

Die Haupteingangstür aus Eichenholz führt in das Innere der Kirche. Das ist von einem Tonnengewölbe überdeckt. Bögen aus bemaltem Holz zieren es. In der Vorhalle steht ein Taufbecken aus Stein, dessen Schale aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Die Innenausstattung der Kirche wurde aus der Vorgängerkirche übernommen. Der Altar von 1712/1718 mit Schnitzwerken der berühmten Meister Johann Döbel und Isaak Riga stammt aus deren Königsberger Werkstätten. Er wurde 1901 neu vergoldet. Die spätbarocke Kanzel mit bemerkenswerten Büsten des Mose, Christus und zweier Evangelisten entstand 1720. Nicht mehr zu sehen ist ein Taufengel von 1717, den Christoph Reinhold Rampusch, Sohn des damaligen Pfarrers, anlässlich des 200-jährigen Reformationsjubiläums gestiftet haben soll. Man erzählt sich, dass der Engel der Tochter des Liebemühler Bürgermeisters sehr ähnlich gewesen war ... mini|links|Glasfenster „Bergpredigt“ der Glasmalereianstalt Ferdinand Müller Im Jahre 1901 wurden die Kirchenfenster – gespendet von Gemeindegliedern – von dem Glasmaler-Atelier Ferdinand Müller in Quedlinburg angefertigt. Sie zeigen Darstellungen biblischer Berichte und Motive.

Eine Orgel erhielt die Vorgängerkirche 1657 aus einer Königsberger Werkstatt. 1901 wurde ein neues Werk von den Orgelbaumeistern August Terletzki und Eduard Wittek aus Elbing angefertigt. Es verfügt über 23 klingende Stimmen.

Die Kriegszeiten hat das Liebemühler Kirchengebäude relativ gut überstanden. Beschädigungen ans den Fenstern mussten allerdings behoben werden, wobei ein verlorenes Rosettenfenster von Rudolf Hans Zillguth (sein Urgroßvater war von 1886 bis 1895 Stadtverordneter in Liebemühl, seine Tochter Glasmalermeisterin in Oberkirch) gespendet wurde.

Nach der Übereignung des Gotteshauses an die Römisch-katholische Kirche fügte man neben dem (Haupt-)Altar zwei Seitenaltäre ein. Im Jahre 2000 fand eine grundlegende Restaurierung statt.

Kirchengemeinde Erste Erwähnungen eines Pfarrers Ludwik in Liebemühl stammen aus dem Jahre 1323.Enzyklopädie von Ermland und Masuren: (polnisch) 1340 wurde hier eine Pfarrei gegründet und das 1335 errichtete Gotteshaus zur Pfarrkirche erklärt. Mit der Reformation, die 1525 in Ostpreußen eingeführt wurde, bekannte sich die Liebemühler Gemeinde zur lutherischen Konfession.

Evangelisch Kirchengeschichte Der erste evangelische Pfarrer in Liebemühl amtierte ab 1542.ostpreussen.net: Liebemühl als Bischofssitz Auf Drängen der oberländischen Städte verlegte Herzog Albrecht den evangelischen Bischofssitz von Marienwerder nach Liebemühl. Die evangelischen Bischöfe von Pomesanien erhielten von 1567 bis 1587 die Liebemühler Burg als Residenz. Es amtierten hier die pomesanischen Bischöfe Georg von Venediger und Johannes Wigand. Beide wurden nach ihrem Tod in der Pfarrkirche zu Liebemühl bestattet. Herzog Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach schaffte das Bischofsamt ab und ersetzte es durch zwei Konsistorien mit Sitz in Königsberg und in Saalfeld.

Von der Inspektion Saalfeld wurde die Kirchengemeinde Liebemühl dann in den Kirchenkreis Osterode i. Ostpr. überführt, zu dessen Superintendenturbezirk Osterode sie bis 1945 gehörte.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 499

Das Kirchspiel Liebemühl zählte im Jahre 1925 insgesamt 2216 Gemeindeglieder. Sie lebten größtenteils in der Stadt Liebemühl, aber auch in den mehr als zwanzig Dörfern, Ortschaften bzw. Wohnplätzen der Umgebung.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ließen die evangelische Gemeinde in der 1945 in „Miłomłyn“ umbenannten Stadt absterben. Nur noch wenige Gemeindeglieder versammelten sich noch bis in die 1960er Jahre zu ihren Gottesdiensten in der St.-Elisabeth-Kapelle in Liebemühl, bis sie dort aufgegeben wurden. Seither gehören die (wenigen) evangelischen Christen in Miłomłyn zur Gemeinde der Kreisstadt Ostróda in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel Liebemühl 28 Dörfer, Ortschaften bzw. Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort. Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Althütte Kukła Grünort Lubień Amalienruh Malinnik Holstein Kamieńczyk *Bieberswalde Liwa Hornsberg Rogowo *Bienau Bynowo Klein Altenhagen Majdany Małe *Bogunschöwen1938–1945: Ilgenhöh Boguszewo * Klein Gehlfeld Gil Mały Carlshof (Karlshof) Wydmuch (Klein) Wilmsdorf Wielimowo Charlottenhof Wólka Majdańska Liebemühl Miłomłyn Emilienthal Zatoka Liebrode Zacisze Eylingshöh Iląg Liegen Ligi *Faltianken Faltyjanki Pillauken, Forst Piławki Goldsberg Ziemaki Prinzwald Barcinek *Groß Altenhagen Majdany Wielkie *Sallewen Zalewo Groß Gehlfeld Gil Wielki Skapenwald Glimy Groß Werder Ostrów Wielki *Tharden Tarda

Pfarrer Als evangelische Pfarrer amtierten an der Pfarrkirche Liebemühl die Geistlichen (darunter zwischen 1850 und 1945 zahlreiche Hilfsgeistliche):Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 85–86 Joseph Aurimontanus, 1542 Wolfgang Hebeld, bis 1554 Oswald von Sturm, ab 1554 Lucas Leisker, 1567 Heinrich Fabritius, 1571–1579 Thomas Hartmann, 1580 Johann Campius, 1583–1594 Samuel Hebelius, 1594–1610 Joachim Senftenberg, 1625 Michael Meltzer, 1625–1627 Merten Schubert Elias Lauriscus, 1631–1665 Johann Otto, 1665–1680 Christoph Rampusch, 1680–1700 Johann Hintzer, 1710–1727 Matthias Clemens, 1738–1751 Georg Schwidder, 1751–1756 Matthäus Kobylenski, 1756–1761 Johann Gottfried Rogaczki, 1761–1771 Paul Griciewski, 1771–1790 Johann Grzywacz, 1791–1806 Johann Wronna, 1806–1813 Johann Samuel Gisevius, 1814–1822 Andreas Viktor Hensel, 1823–1836 Friedrich Rudolf Hensel, 1831–1837 Bernhard Brachvogel, 1837–1854 Otto Heinrich Wilhelm Kirchner, 1853–1858 Heinrich Jacob Schirmacher, 1854–1863 Christian Ludwig Bolle, 1864–1877 Carl Gregor Liedtke, 1877–1886 Ernst August Heinrich Sack, 1887 Johann Julius G. Rimarski, 1887–1895 Alfred Gotth. Petersdorf, 1893 Ernst Richard Jencio, 1894–1896 Franz Albert Rauch, 1895–1913 Johann Emil Hoffmann, 1896 Max Sarowy, 1897–1898 Ferdinand Baginski, 1899–1900 Gottfried Bienko, 1900–1902 Robert Griggo, 1902 Otto Arthur Dignatz, 1902–1903 Heinrich Adolf Bachor, 1906–1907 Georg Lehmann, ab 1908 Eugen Drwenski, 1909–1910 Gustav Plitt, 1913–1915 Max Emil Oskierski, 1914–1934 Ulrich Zahlfeld, ab 1920 Johann Brandtner, ab 1921 Bruno Muscheites, 1922–1923 Bruno Moritz, 1924–1925 Helmut Grämer, 1927 Bruno Altenbruch, 1930 Arnold Salewski (Salden), 1934–1945 Hermann Bachler, 1937–1943

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der evangelischen Kirchengemeinde Liebemühl haben sich erhalten und werden in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig aufbewahrt: Taufen: von 1712 bis 1874 Trauungen: von 1712 bis 1874 Begräbnisse: von 1712 bis 1874

Römisch-katholisch Das bis dahin der evangelischen Kirche gehörende Gotteshaus in Liebemühl wurde nach 1945 seitens der römisch-katholischen Kirche übernommen und bei der Weihe mit dem Patrozinium Apostel Bartholomäus versehen. Am 15. Februar 1962 errichtete das Bistum Ermland durch Bischof Tomasz Wilczyński hier eine Pfarrei.

Als in den 1960er Jahren die Gottesdienste, die in der 1931/32 erbauten römisch-katholischen St.-Elisabeth-Kapelle stattgefunden hatten, dort nicht mehr gefeiert wurden, blieb die Kapelle im Eigentum der römisch-katholischen Kirche. Am 17. April 1993 wurde sie neu geweiht und als Filialkirche der Pfarrei Miłomłyn unterstellt.

Die Pfarrei Miłomłyn gehört heute zum Dekanat Miłomłyn im Bistum Elbląg (Elbing). Folgende Pfarreiorte sind ihr zugeordnet: Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Bagieńsko Baginsken1938–1945: Bürgersee Piławki Pillauken Faltyjanki Faltianken Skarpa Skerpen Kamieńczyk Holstein Tarda Tharden Liksajny Nickelshagen Winiec Winkenhagen Majdany Wielkie Groß Altenhagen Wólka Majdańska Charlottenhof Miłomłyn Liebemühl Zatoka Leśna Thorchen

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Erbaut 1901 Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Bartholomäuskirche (Patrozinium) Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Elbląg Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kirche Milomlyn Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Polen Kategorie:Backsteinbauwerk des Historismus