mini|Gefieder des Vogels (Meyers Konversationslexikon 1888) Als Bestimmung einer Vogelart bezeichnet man die Zuordnung eines individuellen Vogels auf Grund von charakteristischen Merkmalen zu einer definierten Art – also zur Grundeinheit der biologischen Systematik. Weltweit werden etwa 11.000 rezent lebende Vogelarten unterschieden. In Deutschland wurden bislang mehr als 300 Brutvogelarten nachgewiesen.
Die Bestimmung beruht auf dem morphologischen Artkonzept, basierend auf der Annahme, dass eine Gruppe von Individuen gemeinsame charakteristische Artmerkmale hat, mithilfe derer die Zugehörigkeit zu einer Art klar abgrenzbar ist und die so anhand äußerer Merkmale bestimmt werden können.
Artenkenntnis und Artenschutz Für den Artenschutz ist die Kategorisierung von Arten von sehr großer Bedeutung. Durch die Schaffung einheitlicher Gruppierungen kann man bei Naturschutzgesetzgebungen artspezifische klare Regelungen treffen. In der Ornithologie sind neben hauptamtlichen Wissenschaftlern auch zahlreiche Amateure tätig, die zum Teil sehr wichtige Beiträge zur Erforschung und zum Schutz der Vogelwelt leisten. Denn nur auf einer qualitativ guten, breiten Datengrundlage kann man abschätzen, welche Arten oder Lebensgemeinschaften gefährdet sind und warum. Damit ist die Bestimmung der Art eine wesentliche Voraussetzung für den Artenschutz und die Umsetzung der Konvention zur biologischen Vielfalt. Mit den Programmen des Brutvogelmonitorings wird die Bestandsentwicklung der Brutvogelarten von der Küste bis zu den Alpen verfolgt. Rund 9 Millionen Vogelbeobachtungen wurden alleine im Jahr 2020 über das Online-Meldeportal ornitho.de und die zugehörige App NaturaList gemeldet. Rund ein Viertel enthält Angaben zum Brutverhalten der Vögel. Der Verbindung von behördlichem und ehrenamtlichem Naturschutz kommt daher ein außerordentlicher Stellenwert zu. Das Bundesamt für Naturschutz stellt in seinem Artenschutzbericht 2015 fest: Daher ist es wichtig, Naturerfahrung und Artenkenntnisse im Biologieunterricht verstärkt zu verankern, die Förderung und Einrichtung von Arbeitsgruppen für Ökologie und Naturschutz an Hochschulen und Naturkundemuseen zu unterstützen, Naturschutz- und Fachverbände und Fachvereine bei der Vermittlung von Artenkenntnissen zu unterstützen und den Aufbau von Expertennetzwerken zu fördern.
Artenkenntnis in der Bevölkerung Die Fachhochschule Weihenstephan und der Bayerische Landesbund für Vogelschutz haben 2008 eine Umfrage an bayrischen Schulen durchgeführt. 210x210px|links|Infotafel Singvögel|mini Dabei befragten sie 3228 Schüler aller Schulformen nach den zwölf häufigsten Vogelarten des Landes. Ergebnis war: Den Buchfinken, die häufigste Vogelart Bayerns konnte nur jeder zwanzigste Schüler identifizieren. Im Durchschnitt kannten die Kinder nur vier Vogelarten. Der Spatz (Haussperling bzw. Feldsperling) war nur einem Drittel bekannt. Acht Prozent der Schüler konnten nicht einen einzigen Vogel richtig bestimmen. Das Bild passt zu dem, was Wissenschaftler aus biologischen Forschungseinrichtungen berichten.
Um dem Trend der Abnahme der Artenkenntnis etwas entgegenzusetzen, will sich beispielsweise der Bayerische Landesbund für Vogelschutz diesem Trend entgegenstellen und sich künftig verstärkt in die Vermittlung und Entwicklung von Artenkenntnissen auf allen Wissensebenen und in der gesamten Bevölkerung einbringen.
Die Fachhochschule Weihenstephan veröffentlichte 2021 auch eine repräsentative Studie, die unter Erwachsenen durchgeführt wurde. Unter Mitwirkung des Meinungsforschungsinstitutes Forsa hat sie eine repräsentative Gruppe von 1003 Erwachsenen in Bayern ausgewählt und nach ihrer Artenkenntnis befragt. Die Ergebnisse zeigen wie bei den Schülern mangelhafte Kenntnisse der einheimischen Vogelarten. Jeder siebte Befragte war nicht einmal in der Lage eine Amsel zu identifizieren. Der Haussperling war nur 60 Prozent der über 18-Jährigen bekannt. Er wurde in der Regel jedoch als Spatz bezeichnet. Den korrekten Namen Haussperling kannten nur vier Prozent der Befragten. Im Durchschnitt erkannten die Studienteilnehmer nur sechs der 15 vorgestellten heimischen Vogelarten, nach denen gefragt wurde. Ein halbes Prozent der Befragten konnten alle 15 Arten identifizieren. Knapp 10 Prozent erkannten keinen der 15 Vögel. Es wurde konstatiert, dass die über 60-Jährigen deutlich besser abschnitten als die unter 30-Jährigen. Artbestimmung anhand charakteristischer Artmerkmale
mini|Vergleich von Flugbildern (Vögel des Yosemite-Nationalparks) mini|The British bird book (1921) Um Vögel sicher bestimmen zu können, muss man deren wichtigsten Merkmale kennen. Dazu gehört zum Beispiel die Kenntnis der Größe, der Farben des Gefieders, des Lebensraumes oder der Stimme. Es bietet sich an, einige häufige Arten als Vergleichsgröße einzuprägen. Mit Blick auf die Färbung des Gefieders und die Größe muss beachtet werden, dass bei vielen Arten Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen sowie zwischen Jung- und Altvögeln vorhanden sind. Es gibt jedoch auch Vogelarten, bei den es keinen Unterschied in der Färbung des Gefieders gibt, wie zum Beispiel bei Laubsängern, Baumläufern und Meisen. Ferner haben viele Arten während der Balz- und Brutzeit ein farbenfrohes Prachtkleid. Während der anderen Zeit tragen diese Vögel das weniger auffällige Schlichtkleid. Der Gefiederwechsel von einem Kleid zum anderen findet während der Mauser statt. Im Folgenden werden wichtige Merkmale dargestellt, die zur Bestimmung einer Vogelart genutzt werden.
Artmerkmale Größe: Die Größe eines Vogels ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal. Diese lässt sich mit bekannten Arten, wie zum Beispiel Amsel, Star, Sperling, Krähe oder Mäusebussard vergleichen.
Färbung: Bunte Vögel wie Eisvogel und Pirol sind leicht an ihrer Färbung zu erkennen. Bei anderen Vögeln muss man genauer differenzieren. Dabei ist insbesondere auf die großflächige Färbung von Kopf, Ober- und Unterseite zu achten. Von wichtiger Bedeutung ist auch die Färbung federloser Partien wie Schnabel, Augen und Beine.
Zeichnung: Oft gibt es unscheinbar gefärbte Vögel, deren Grundfarbe braun oder grün ist. Dann ist die sogenannte Zeichnung des Vogels – also die Bänder, Flecken, Streifen oder Musterungen – von besonderer Bedeutung für die Bestimmung der Art. Zur Zeichnung gehört auch die sogenannte Flügelbinde. Das ist eine Gefiederzeichnung, die sich auf dem Flügel befindet und mehr oder weniger einer schmalen Binde ähnelt. Andere Vögel sind gesperbert. Als Sperberung werden die auf hellem, gelblichem oder weißlichem Untergrund dunkel quer gebänderten Gefiederzeichnungen im Brust-, Bauch- und Flankenbereich von Vögeln beschrieben. Sie ähneln in Färbung und Struktur jenen des Sperbers.
Gestalt: Die Größenverhältnisse der Körperteile zueinander prägen die Gestalt des Vogels. Der Vogel kann schlank oder dick, länglich oder kompakt erscheinen. Ein prägendes Merkmal kann auch die Länge bzw. die Form von Schnabel, Flügel, Beinen oder Schwanz des Vogels sein. Bei manchen Vögeln kann das Flugbild, das heißt die von unten zu sehenden Umrisse eines fliegenden Vogels, entscheidend für die Bestimmung sein. Vor allem bei größeren Vögeln wie den Greifvögeln kann man anhand des Flugbildes ganz häufig bestimmen, um welche Art es sich handelt. Dabei ist insbesondere auf die Proportionen von Flügeln und Schwanz zu achten. Bei Greifvögeln sind die sogenannten Handschwingen ein Bestimmungsmerkmal. Das sind die äußeren großen, kräftigen und stabilen Federn des Vogelflügels.
mini|links|Gaukelflug einer Sumpfweihe Bewegung/Flug: Die Bewegung eines Vogels ist ein weiteres charakteristisches Merkmal für die Art. Enten und Watvögel schlagen beim Flug ständig mit den Flügeln. Sie haben dadurch eine gerade Flugbahn. Singvögel hingegen flattern nur kurzzeitig und haben daher oft eine wechselnde Flugbahn. Man kann unterscheiden, ob der Flug eines Vogels gleichmäßig und geradlinig, schwebend oder eher hüpfend und wellenförmig ist. Auch die Bewegung am Boden ist von Interesse. Einige Vögel stolzieren aufrecht, wieder andere hüpfen über den Boden.
Manche Vögel wie zum Beispiel Seeadler sind oft im Gleit- oder Segelflug zu beobachten. Eine andere Flugart ist der Rüttelflug. Dabei bleibt die Position des Vogels in Bezug auf den Boden unverändert. Der Flügelschlag ist schnell, der Schwanz meist breit gefächert und etwas zum Körper geknickt. Insbesondere der Turmfalke ist für seinen Rüttelflug bekannt. Bussarde zum Beispiel nutzen sowohl Gleit- als auch Rüttelflug. Weihen bevorzugen den sogenannten Gaukelflug. Dieser erfolgt bei der Suche nach bodennaher Beute mit leicht nach oben gehaltenen Flügeln in geringer Höhe über dem Boden. Die Beute wird am Boden aus kurzer Distanz überrascht und gegriffen. Der Gaukelflug ist – wie im Video dargestellt – durch eine hin- und herschwenkende Flugart gekennzeichnet.
Stimme: Rufe und Gesänge sind artspezifisch für eine Vogelart. Folgende Rufe bzw. Gesänge lassen sich unterscheiden: Löcktöne, Angstrufe, Drohlaute und Balzgesänge, die der Werbung dienen.
Vorkommen/Lebensraum: Der Ort, an dem man einen Vogel beobachtet, kann einen Hinweis auf die Art geben. So findet man zum Beispiel Steinadler in Deutschland ausschließlich in den Alpen. Der Seeadler ist hingegen hauptsächlich im Norden Deutschlands in der Nähe größerer Gewässer anzutreffen. Außerdem braucht er Wälder mit alten, stabilen Bäumen oder Klippen, an denen er seine gewaltigen Horste bauen kann. Andere Vögel wie die Rohrsänger, Rohrammer oder Rohrschwirl haben ihren typischen Lebensraum im Schilfgürtel.
Lebensweise: Auch die Lebensweise, wie zum Beispiel der Gesang vorgetragen wird, kann einen Hinweis auf die Art liefern. So ist zum Beispiel die Feldlerche ein ausgesprochener Flugsänger. Auch die Schwalben und den Mauersegler kann man vorrangig in der Luft beobachten. Sogenannte Wartensänger wie die Amsel oder die Singdrossel tragen ihren Gesang meist aus einer erhöhten Position vor. Im Gegensatz dazu sitzen die Nachtigall oder der die Gartengrasmücke meist versteckt im Dickicht und lassen dort ihr Lied erklingen.
Bestimmungsschlüssel Ein wichtiges Instrument zur Bestimmung einer Art kann ein sogenannter Bestimmungsschlüssel sein. Hierunter versteht man in der Biologie ein System zur genauen Bestimmung oder Klassifizierung von Lebewesen. Bei den traditionellen Bestimmungsschlüsseln handelt es sich um eine Abfolge von Fragen bzw. einer Aufzählung von Merkmalen. Dabei gibt es immer mindestens zwei mögliche Antworten. Bestimmungsschlüssel wird weiter verzweigt, solange mehrere Bestimmungsergebnisse möglich sind. Am Ende erhält man als Ergebnis die bestimmte Art.
Artbestimmung am Beispiel von Greifvögeln links|264x264px|rahmenlos mini|Kopf und Fuß eines Bussards
Ursprünglich wurden die später als Greifvögel (Accipitriformes) bezeichneten Tiere mit den Eulen und den Falkenartigen (Falconiformes) in der Ordnung Raubvögel zusammengefasst. Jedoch erkannte man im späten 19. Jahrhundert, dass die Eulen und Falken nicht näher mit den anderen verwandt sind.