mini|St. Nikolaus Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Nikolaus ist ein Kirchengebäude in Geldersheim, einer Gemeinde im Landkreis Schweinfurt (Unterfranken, Bayern). Die Pfarrei gehört zur Pfarreiengemeinschaft St. Martin im Oberen Werntal (Geldersheim) im Dekanat Schweinfurt-Nord des Bistums Würzburg. Die Kirche ist gemeinsam mit dem sie umgebenden Gaden der Kirchenburg und der ehemaligen Friedhofskapelle als Baudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen.. Abgerufen am 30. September 2023 (Denkmalnummer D-6-78-132-40 )
Beschreibung mini|hochkant|Innenansicht Die Saalkirche besteht aus einem 1618 gebauten Langhaus und einem eingezogenen, dreiseitig geschlossenen Chor im Osten, an dessen Nordseite der Chorflankenturm und an dessen Südseite die Sakristei angebaut ist. Das oberste, 1617/18 gebaute Geschoss des 1692 mit einer Welschen Haube bedeckten Turms beherbergt die Turmuhr und den Glockenstuhl. Der Innenraum des Chors ist mit einem Netzgewölbe überspannt. Im Keller des Chors, der ursprünglich zu einem Chorturm gehörte, befindet sich eine Krypta aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das Portal auf der Westseite des Langhauses ist mit einem Sprenggiebel bedeckt. Die Decke des Innenraums des Langhauses ist mit Stuck verziert. Die Gemälde der Mariä Himmelfahrt, der Trinität und der Kreuzwegstationen stammen von Johann Peter Herrlein und wurden im Jahr 1764 geschaffen. Im selben Jahr schuf der Geldersheimer Simon Hellmuth eine Rokoko-Stuckierung an der Langhausdecke. Auf der Empore steht eine Orgel mit 24 Registern, zwei Manualen und Pedal, die Winfried ElenzInformation zu Winfried Elenz gebaut hat.St. Nikolaus Information zur Orgel
Geschichte mini|hochkant|Valentin-Engelhardt-Epitaph von 1526 Um die Jahre 1230 bis 1240 entstand die erste Pfarrkirche an dieser Stelle. Patron wurde der heilige Nikolaus. Im Turm befand sich ursprünglich der Chor des Gotteshauses. Die Kirche war nach dem basilikalen Schema dreischiffig aufgebaut, mit einem Hochchor und verlief nach Westen. Darunter lag die Krypta mit frühgotischen Fresken, die heute zwar sehr verblasst sind, deren Ausmalung jedoch darauf schließen lässt, dass die gesamte Kirche im gleichen Stil ausgemalt war. Der Hochaltar, der im September 1238 ins Gotteshaus kam, hatte die heilige Maria Magdalena zur Patronin, während der rechte Seitenaltar dem heiligen Sebastian und der linke allen Aposteln geweiht war. Der Altar in der Krypta trug das Patrozinium des heiligen Nikolaus. In den Jahren 1610 bis 1618 wurde das alte Schiff abgebrochen. In den letzten Lebensjahren Echters wurde dann ein größeres, etwas weiter nach Süden versetztes Schiff an den bestehenden Turm angebaut. Aus der alten Kirche hat sich noch der Gedenkstein für Valentin Engelhardt, den Stifter des Pfründnerheimes, erhalten, welcher womöglich von Jörg Riemenschneider stammt. 1692 wurde der Kirchturm um ein Geschoss aufgestockt und mit einer welschen Haube mit einer großen Laterne versehen. Im Rahmen einer Renovierung in den Jahren 1980/81 erweiterte man das Langhaus um eine Fensterachse.
Ausstattung mini|hochkant|Barocker Hochaltar aus Heustreu von 1700
Hochaltar Der Hochaltar wurde im Jahr 1959 eingebaut. Er wurde zusammen mit der Kanzel und den Seitenaltären aus der Pfarrkirche in Heustreu übernommen. Das Gemälde des Altarretabels des Hochaltars zeigt Maria im Stehen mit dem Jesuskind im Arm, das von den Heiligen Drei Königen angebetet wird. Flankiert wird diese Szene von gewundenen Säulen, zwischen denen sich zwei weitere Könige als Assistenzfiguren befinden, die Gaben für das Jesuskind in den Händen halten. Am Scheitelpunkt des Altarretabels sitzt eine Kartusche mit der Inschrift „ALTARE PRIVILEGIATUM“ als sichtbarere Hinweis, dass die Zelebration einer heiligen Messe Klerikern mit besonderen Vorrechten (Altarprivileg) vorbehalten war. Abgeschlossen wird das Retabel durch gebrochenes Gebälk, das in mit Engeln besetzten geschwungenen Voluten endet. Im Auszug ist die Krönung Mariens durch die heiligste Dreifaltigkeit dargestellt. Auf den Seitenteilen des dortigen gesprengten Giebels sitzen zwei Engel, während die Spitze von zwei Putten mit einem zentralen Kreuz geschmückt wird. Zudem wurden neben dem Auszugsbild zwei Figuren integriert, die ursprünglich aus den oberen Abschnitten der neugotischen Seitenaltäre stammen: der Heilige Sebastian und der Heilige Wendelin. Der zweigeschossige Tabernakel vor der Predella wird von zwei anbetenden Engeln flankiert. Die Türen der Expositionsnische werden mit Reben und Ähren die der Ziboriumsnische mit Weinreben geziert. Bekrönt wird der Tabernakel von dem apokalyptischen Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln.
Seitenaltäre Das Altarblatt des linken Seitenaltars zeigt die Kreuzabnahme Christi. Flankiert wird es von zwei Seitenfiguren: der heiligen Helena mit dem wiederaufgefundenen Kreuz Christi und dem heiligen Johann Nepomuk, der ein kleines Kreuz in der Hand hält. Im oberen Auszugsbild ist der heilige Bernhard von Clairvaux dargestellt wie ihn der Gekreuzigte beim Gebet von einem Kruzifix umarmt.
Das zentrale Gemälde des rechten Seitenaltars thematisiert die Herabkunft des Heiligen Geistes an Pfingsten. Die seitlichen Figuren stellen den heiligen Stephanus und den heiligen Laurentius mit ihren Attributen dar. Im oberen Auszug ist die Taufe Christi zu sehen, eingebettet in eine Rahmung aus Engelsfiguren. Den Abschluss bildetet ein Marienmonogramm im Strahlenkranz.
Kanzel mini|hochkant|Kanzel von 1790 Im Zuge der Innenrenovierung des Jahres 1958 wurde auch die bisherige neugotische Kanzel entfernt. Als Ersatz erwarb die Gemeinde die im Jahr 1790 gefertigte barocke Kanzel aus der Kirche von Heustreu. Stilistisch markiert dieses Werk den Übergang vom Spät-Rokoko zum frühen Klassizismus (der sogenannte Zopfstil). Die hölzerne Kanzel ist farblich gefasst, mit vergoldeten Dekorationen versehen und besitzt am Korpus geometrische Felderungen. Die Reliefs in den Rundbogennischen stellen die vier lateinischen Kirchenväter dar. Die Rückwand wird von einem Medaillon der heiligsten Dreifaltigkeit geziert. Den oberen Abschluss des Schalldeckels bildet ein vasenähnliches Ornament.
Weitere Ausstattung Der Taufstein ist aus dem Jahr 1618. Der Kreuzweg an den Kirchenwänden wurde von Johann Peter Herrlein geschaffen.
Im Turm befindet sich ein vierstimmiges Geläut aus Siliziumbronze. Die Glocken wurden im Jahr 1950 von der Glockengießerei Albert Junker in Brilon gegossen und ergeben die Tonfolge d′ – f′ – g′ – a′. Um die statische Belastung des Kirchturms beim Läuten zu verringern, wurden die Glocken nachträglich mit Obergewichten und Gegengewichtsklöppeln ausgestattet.
Ehemalige Ausstattung
Barocke Ausstattung (1618–1853) Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts besaß die Kirche eine nachgotische bzw. barocke Holzausstattung aus Kiefern- und Lindenholz. Im Jahr 1840 wurde dieser Bestand als baufällig beschrieben und in den Jahren 1853/54 im Zuge der Neugotisierung vollständig aus der Kirche entfernt.
Hochaltar Der Altar stammte vermutlich aus der Zeit des Kirchenneubaus um 1618 und war Mariä Himmelfahrt geweiht. Eine erste Renovierung des Altares ist für das Jahr 1667 dokumentiert.
Seitenaltäre Der linke Seitenaltar war der Heiligen Maria Magdalena geweiht und wurde bereits 1669 als alt bezeichnet, da dieser der Hochaltar der romanischen Pfarrkirche war, die um 1610 abgerissen wurde. Er entstand im September 1238. Der rechte Seitenaltar besaß ursprünglich das Patrozinium von Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten. Dieser entstand 1618 und wurde von Dr. Eußemann, dem damaligen Pfarrherr zu Ochsenfurt, gestiftet. Im Zuge einer barocken Neuausstattung (belegt durch eine Stiftung im Jahr 1692) wurden die Altäre ersetzt. Der neue, rechte Seitenaltar wurde dabei als Marienaltar konzipiert, der laut Rechnungen von 1809 eine Marienstatue in einer Nische enthielt. Zum Figurenschmuck dieser Altäre gehörten weiß gefasste und vergoldete Holzplastiken der Heiligen Familie sowie der Drei Göttlichen Personen. Im Jahr 1854 wurden die beiden hölzernen Seitenaltar-Gehäuse wahrscheinlich an die damals erweiterte Filialkirche St. Valentin in Neusetz abgegeben.
Kanzel Für das Jahr 1765 ist der Verkauf einer älteren Kanzel und die anschließende Neuanschaffung eines barocken Nachfolgewerks nachgewiesen. Diese Kanzel wurde 1893 verkauft.
Neugotische Ausstattung (1853–1958) mini|Die neugotische Ausstattung mit den Buntglasfenstern (ca. 1930) In den Jahren 1853 bis 1855 erhielt die Kirche eine dreiteilige Altarausstattung und Kanzel aus Eichenholz, die von dem Würzburger Bildhauer Andreas Halbig gefertigt wurde. Im Jahr 1958 wurden die neugotischen Elemente im Zuge einer Innenrenovierung abgebaut und durch barocke ersetzt. Während die architektonischen Aufbauten seither verschollen sind, blieben Teile des Figurenschmucks erhalten:
Hochaltar mini|hochkant|Grablegung Jesu aus dem neugotischen Hochaltar Die zentrale plastische Szenerie im Altarhaus zeigte die Grablegung Jesu. Diese Figurengruppe dient der Gemeinde heute als XIV. Station des Kreuzwegs. Flankiert wurde die Szenerie von zwei Bischofsfiguren: dem Kirchenpatron St. Nikolaus und einem weiteren, namentlich nicht überlieferten Bischof. Beide Statuen sind heute rechts und links des Hochaltars im Altarraum aufgestellt.
Seitenaltäre In der zentralen Nische des linken Seitenaltares befand sich eine Darstellung der Maria. Im oberen Auszug des Altaraufbaus war eine Statue des Heiligen Wendelins platziert. Der rechte Seitenaltar zeigte eine plastische Herz-Jesu Figur im Mittelpunkt. Im oberen Auszug befand sich die Figur des heiligen Sebastians.
Buntglasfenster Im Jahr 1867 erhielt der Chorraum zwei drei auf sechs Meter hohe Buntglasfenster, die von dem Nürnberger Glasmaler Samuel Kellner geschaffen wurden. Die Fenster wurden 1949 entfernt. Das linke Fenster sollte die Hl. Maria mit dem Jesuskind im Schoß, flankiert von ihren Eltern Hl. Anna und Hl. Joachim, zeigen. Das rechte Fenster sollte Darstellungen des heiligen Valentin, des heiligen Kilian und des heiligen Laurentius zeigen. Das Bezirksamt Schweinfurt hielt diesen Vorschlag jedoch für überladen und zu teuer (1.700 fl.). Deshalb überarbeitete Samuel Kellner seine Vorschläge. Das linke Fenster zeigte das Motiv "Christus erscheint Margareta Maria Alacoque" und das rechte "Die Vermählung Mariens mit Josef".
Im Jahr 1886 lieferte der Passauer Glasmaler Alexander Sutor zwei Buntglasfenster für das Langhaus. Das Fenster neben dem linken Seitenaltar zeigte die "Geburt Mariens". Das Fenster zwischen dem rechten Seitenaltar und der Kanzel zeigte die "Geburt Christi". Diese waren Nachbildungen der Fenster der Mariahilfkirche in der Au (München), die am 25. April 1944 zerstört wurde.
„Aus der Glasmalerei des Herrn Alexander Sutor in Passau sind für das Langschiff der Kirche zu Geldersheim bei Schweinfurt zwei Fenster hervorgegangen, darstellend die Geburt Christi und die Geburt Mariens. Diese Fenster sind nach jenen in der Auerkirche zu München gefertigt und sind, was Treue der Figuren, Colorit und künstlerisch technische Ausführung anbelangt, wahre Meisterwerke zu nennen. Auch die launenhaftesten Kunstkritiker sind einig in diesem Urtheile. Der Preis für beide Fenster ist durchaus entsprechend. Die kirchliche Kunstmalerei darf stolz sein, dass sie in Herrn Sutor einen durchweg gediegenen Vertreter gefunden hat und die Unterzeichneten sprechen hiermit Herrn Sutor mit Freuden öffentlich die vollste Anerkennung aus.“
Deckengemälde und Stuck mini|hochkant|Deckengemälde von Johann Peter Herrlein