Walden Zwei (deutsch auch als Futurum Zwei veröffentlicht; englischer Originaltitel: Walden Two) ist ein utopischer Roman des US-amerikanischen Psychologen B. F. Skinner, der erstmals 1948 veröffentlicht wurde. Zu seiner Zeit hätte man das Buch als Science-Fiction bezeichnen können, da die im Buch behandelten wissenschaftsbasierten Methoden zur Verhaltensänderung noch nicht etabliert waren.B. F. Skinner: Some thoughts about the future. In: Journal of the experimental analysis of behavior. Band 45, Nummer 2, März 1986, S. 229–235, , PMID 3958668, . "What the protagonist in Walden Two called a behavioral technology was at the time still science fiction, but it soon moved into the real world."Skinner, B.F. (1948). Walden Two. Indianapolis: Hackett Publishing Company. Revised 1976 edition, page vi. "The 'behavioral engineering' I had so frequently mentioned in the book was, at the time, little more than science fiction". Heute sind diese Methoden unter dem Begriff angewandte Verhaltensmodifikation bekannt.

Walden Two ist umstritten, weil seine Charaktere den freien Willen des Menschen bezweifeln.Aschner, Mary Jane McCue (1965). The Planned Man: Skinner. In: The Educated Man: Studies in the History of Educational Thought. Paul Nash, Andreas M. Kazamias, and Henry J. Perkinson (Editors). John Wiley & Sons, S. 389–421, hier S. 402: “Public reaction to Walden Two, with its proposal for planned man, was initially slow. But eventually Skinner found himself at the storm center of a controversy that has scarcely abated to this day. Philosophers and psychologists charged into the latest jousting match in the perennial tourney between proponents of determinism and defenders of free will.”Ivie, Stanley D.: Models and Metaphors. In: Journal of Philosophy and History of Education 2006; 56, S. 82–92, hier S. 88: “Skinner's system does not provide for a God or a human soul”. Walden Two vertritt die These, dass das Verhalten von Organismen, einschließlich des Menschen, durch Einflussvariablen, vor allem der Umwelt, bestimmt und determiniert wirdSkinner, B.F. (1938). The Behavior of Organisms: An Experimental Analysis. Cambridge, Massachusetts: B.F. Skinner Foundation. und dass die systematische Veränderung von Umweltvariablen ein soziokulturelles System erzeugen kann, das dem einer „idealen Gesellschaft“ sehr nahe kommt.Skinner, B.F. (1971). Beyond Freedom and Dignity. Knopf.

Inhalt Der Roman handelt in den späten 40er Jahren in den USA. Der Ich-Erzähler Psychologieprofessor Burris wird auf eine von seinem alten Bekannten T. E. Frazier in den 30er Jahren gegründete Lebensgemeinschaft aufmerksam. In Begleitung eines Kollegen und Professors für Ethik und Philosophie und zwei jüngerer Paare nimmt Burris eine Einladung an, einige Tage in der Gemeinschaft zu verbringen, um das Leben in der vermeintlich utopischen Gemeinschaft zu erleben.

Im Stile eines Ideenromans handelt ein Großteil des Buches von Frazier, einem selbstgefälligen und schillernden Charakter, der seine Besucher durch Walden Two führt und stolz seine sozio-politisch-ökonomischen Strukturen und kollektivistischen Errungenschaften erklärt. Ein breites Spektrum an intellektuellen Themen wie Verhaltensmodifikation, politische Ethik, Erziehungsphilosophie, Gleichstellung der Geschlechter (insbesondere Anwartschaft für Frauen in der Arbeitswelt), Gemeinwohl, Geschichtsschreibung, Freiheit und Willensfreiheit, das Dilemma des Determinismus, Faschismus, die amerikanische Demokratie und der sowjetische Kommunismus werden zwischen den Protagonisten kontrovers diskutiert.

Die Gemeinschaft Walden Two organisiert sich nach flexiblen Regeln, indem kontinuierlich die erfolgreichsten, evidenzbasierten Strategien überprüft und angepasst werden. Frazier argumentiert, dass Walden Two damit dogmatisch starre Strukturen vermeidet, die dysfunktional und zerstörerisch auf eine Gesellschaft wirken können. Er verweist auf das allgemeine Glücks- und Freiheitsgefühl seiner Mitglieder, das er teilweise auf ein Programm der „Verhaltensmodifikation“ zurückführt, das bei der Geburt begonnen wurde. Trotz dieser verhaltenssteuernden Verfahren während der Kindheit scheinen die Erwachsenen von Walden Two friedliche, produktive und glückliche Menschen zu sein, die auch den Verlauf ihres eigenen Lebens bestimmen.

Frazier erklärt, dass das Entscheidungsfindungssystem von Walden Two weder autoritär, anarchisch noch demokratisch ist. Abgesehen von einer kleinen veränderlichen Gruppe von Community-Organisatoren hat Walden Two kein wirkliches Leitungsgremium. Es gibt keine Exekutive, kein Gewaltmonopol einer Führung. Jedes Mitglied der Gemeinschaft ist offensichtlich selbstmotiviert, mit einem erstaunlich entspannten Arbeitszeitplan von nur vier durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Tag, der direkt dem Gemeinwohl dient und von der Freiheit begleitet wird, jeden Tag einen neuen Arbeitsplatz zu wählen. Die Mitglieder nutzen den großen Rest ihrer Zeit, um sich kreativen oder Freizeitaktivitäten ihrer Wahl zu widmen. Die Arbeit wird mit einem einfachen Punktesystem aufgeteilt, wobei die geforderte Arbeitszeit mit der Unbeliebtheit der Tätigkeit sinkt. Mehr Freizeit wird also mit weniger wünschenswerter Arbeit erkauft. Die Grundbedürfnisse aller Mitglieder werden versorgt. Künstlerische, intellektuelle und sportliche Interessen von Musik bis Literatur und von Schach bis Tennis werden gefördert.

Im Verlauf ihres Aufenthaltes entdecken Burris und seine Begleiter, dass sich in Walden Two erfolgreiche, aber für den amerikanischen Mainstream der 50er Jahre sehr ungewöhnliche Traditionen etabliert haben. So werden Kinder gemeinsam aufgezogen, traditionelle Familienstrukturen spielen eine untergeordnete Rolle, die freie Liebe ist die Norm und persönliche Dankesbekundungen sind tabu. Diese Verhaltensweisen sind im „Walden Code“ festgehalten, einer Richtlinie für Selbstkontrolltechniken, die die Mitglieder dazu ermutigt, alle individuellen Bemühungen und Errungenschaften mit möglichst geringem Aufwand der größeren Gemeinschaft zu widmen. Gemeindeberater versuchen den Mitgliedern zu helfen, den Kodex besser zu verstehen und zu befolgen.

Zwei der jungen Besucher treten der Gemeinschaft begeistert als feste Mitglieder bei. Ein anderer Begleiter Burris’ vermutet, dass Walden Two in Wahrheit eine Scheingesellschaft darstellt und Frazier insgeheim ein Diktator sei. Er verteidigt die Tugenden der Demokratie nach amerikanischem Vorbild und beschuldigt Frazier direkt des Despotismus. Frazier hält dagegen, dass die Walden Two ein Ort sei, der vor allen Formen des Despotismus sicher ist, sogar vor dem „Despotismus der Demokratie“.

Im Verlauf der Geschichte wird deutlich, dass ähnliche Gemeinschaften, die lose mit Walden Zwei verbunden sind, gegründet wurden, zuletzt Walden Sechs. Obwohl er von Walden Twos offensichtlichem Erfolg als friedliche Gemeinschaft angelockt wird, fällt es Burris schwer, über Fraziers irritierenden Stolz und seine Prahlerei gegenüber der Gemeinschaft hinwegzusehen. Mit Ausnahme des sehr kritischen Begleiters Castle verlassen am Ende die verbleibenden Besucher die Gemeinde positiv beeindruckt.

Während der Rückfahrt zur Universität beschließt Burris, dass er den Lebensstil von Walden Two voll und ganz annehmen möchte. Er gibt seinen Professorenposten auf und begibt sich auf eine lange und spirituell erfüllende Fußwanderung nach Walden Two. Er wird erneut mit offenen Armen in Walden Two empfangen.

Die Gemeinschaft Der Roman beschreibt „eine experimentelle Gemeinschaft namens Walden Two“.B. F. Skinner: News from nowhere, 1984. In: The Behavior analyst. Band 8, Nummer 1, 1985, S. 5–14, , PMID 22478616, . "My name is Burris. I live in an experimental community called Walden Two". S. 5.D. E. Altus, E. K. Morris: B. F. Skinner's Utopian Vision: Behind and Beyond Walden Two. In: The Behavior analyst. Band 32, Nummer 2, 2009, S. 319–335, , PMID 22478531, . S. 320: “B. F. Skinner regarded Walden Two as his ‘book about an experimental community’.” Die Gemeinde liegt in einer ländlichen Gegend und „hat fast tausend Mitglieder“.Walden Two, S. 18. Die Kommune ermutigt ihre Mitglieder, „jede Gewohnheit und Sitte im Hinblick auf mögliche Verbesserungen zu betrachten“ und „gegenüber allem eine stets experimentelle Einstellung zu haben“.Walden Two, S. 25. Die gesellschaftlichen Regeln können geändert werden, wenn experimentelle Evidenzen Änderungen nahelegen. Die Gemeinde ahmt das einfache Leben und die Selbstversorgung nach, die Henry David Thoreau auf individueller Ebene in seinem Buch Walden von 1854 beschrieb. Walden Two beschäftigt sich mit der Verhaltenssteuerung von kleinen Kindern mit dem Ziel kooperativer Beziehungsgestaltung und der Verhinderung von Konkurrenzdenken. Die Gemeinschaft löst die Kultur der Kernfamilie auf, indem die Verantwortung für die Kindererziehung bei der gesamten Gemeinschaft und nicht nur bei den Eltern des Kindes liegt.

Die Organisationsstruktur Walden Zwei besteht aus vier losen Berufsgruppen: Planer, Manager, Arbeiter und Wissenschaftler. Walden Two hat eine Verfassung, die einen „Board of Planners“ vorsieht, der „einzigen Regierung“ von Walden Two.Walden Two, S. 48. Dieser Planungsvorstand, bestehend aus drei Männern und drei Frauen, wurde in einem frühen theoretischen Stadium des Projekts konzipiert.Walden Two, S. 254. Er ist „für den Erfolg der Gemeinschaft verantwortlich, erstellt Richtlinien, überprüft die Arbeit der Manager (Leiter der einzelnen Arbeitsbereiche) und behält den Zustand der Gemeinschaft als Ganzes im Auge. Er übt auch richterliche Funktionen aus.“ Darüber hinaus kann die Satzung von Walden Two „durch einstimmige Abstimmung der Planer und eine Zweidrittelmehrheit der Manager geändert werden“.

Frazier und fünf weitere Personen bilden während Burris' Besuch in Walden Two den aktuellen Board of Planners. Planer sind befristet im Amt. Sie regieren mit keinerlei Gewalt und sind so gegen die Schaffung eines Personenkults oder anderer gegen das Gemeinwohl gerichteter Korruptionsmöglichkeiten geschützt. Sie geben ihr Amt nicht einmal öffentlich bekannt. Gleichzeitig machen sich die meisten Community-Mitglieder nicht die Mühe, die Identität der Planer zu eruieren. Dadurch leben die Planer ebenso bescheiden wie die anderen Mitglieder in einer egalitären Gemeinschaft.

Die Manager sind „Spezialisten, die für die Abteilungen und Dienste von Walden Two verantwortlich sind“. Ein Mitglied der Gemeinschaft kann sich „zur Führungskraft über verantwortungsvolle Zwischenpositionen und die nötige Ausbildung hocharbeiten“.Walden Two, S. 49. Die Manager werden von den Mitgliedern der Gemeinschaft nicht in einem demokratischen Verfahren gewählt. Die Methode zur Auswahl von Managern ist nicht festgelegt, obwohl sie wahrscheinlich vom „Board of Planners“ ernannt werden.

Die regulären Community-Mitglieder werden als Arbeiter bezeichnet und haben die flexible Möglichkeit, jeden Tag ihr Arbeitsfeld und ihren Einsatzort zu wechseln, um sich unter der Woche nicht zu langweilen oder mit ihrem „Vierer“ (durchschnittliche tägliche Arbeitszeit in Stunden) zu stagnieren. Die verfügbare Arbeit beinhaltet in der Regel die notwendige körperliche Arbeit, die für die Aufrechterhaltung einer Gemeinschaft erforderlich ist, z. B. grundlegende Bau- oder Reparaturprojekte, Reinigungsarbeiten oder landwirtschaftliche Arbeiten. Die Arbeit orientiert sich an einem einfachen Punktesystem mit Einheiten, die als „Credits“ bezeichnet werden, bei denen einfachere oder unangenehmere Jobs (z. B. Abfallentsorgung) einem Arbeiter eine höhere Anzahl von Credits einbringen als entspannendere oder interessantere Jobs, was letztendlich mehr Freizeit ermöglicht für diesen Arbeiter.