Die Nationalgalerie Armeniens ist das größte Kunstmuseum der Republik Armenien, zugleich die weltweit größte Sammlung armenischer Kunst, und präsentiert seine Kunstwerke in 56 Ausstellungshallen und -räumen.
Abteilungen Mit dem Stand von April 2022 verfügt die Nationalgalerie über dreizehn Abteilungen: Abteilung für armenische Malerei Abteilung für ausländische Malerei Abteilung Grafik und Gravur Abteilung Bildhauerei Abteilung für dekorative und angewandte Kunst Abteilung für Ausstellungen Abteilung Inventarisierung und Konservierung der Lagerbestände Abteilung Restaurierung und Konservierung Abteilung für Exkursionen Wissenschaftliche Bildungsabteilung Abteilung Veröffentlichungen Abteilung Marketing und interkulturelle Beziehungen Abteilung Manuskripte und Dokumente
Geschichte 1921 bis 1935: Kunstabteilung des Staatlichen Museums Die Nationalgalerie von Armenien wurde 1921 auf Beschluss der armenischen Sowjetregierung als Kunstabteilung des Staatlichen Museums gegründet. Martiros Sarjan wurde zum Direktor des Museums ernannt, während Wrtanes Achikjan zum Leiter der Kunstabteilung ernannt wurde. Das Staatliche Museum befand sich damals in der Astafian- bzw. Abowjan-Straße im zweistöckigen Tuffsteingebäude des Knabengymnasiums (Architekt V. Simonson), in dem auch die öffentliche Bibliothek Jerewans und der Konzertsaal untergebracht waren. Das Gebäude diente auch als Unterkunft für die aus Westarmenien stammenden Waisenkinder, Überlebende des Völkermords an den Armeniern. Aus diesem Grund fanden in den ersten vier Jahren nach der Eröffnung des Museums keine Ausstellungen statt. Wegen des Mangels an Ausstellungen äußerte Anatoli Lunatscharski bei seinem Besuch in Armenien im Jahr 1924 seinen Unmut über das Museum und verglich es mit einem großen, bunten Lagerraum.
Nach Angaben der Galerie zeigt die Liste der geladenen Gäste zur Eröffnungsfeier des "Kunstmuseums" am 14. August 1921 ein sehr vielfältiges Spektrum der Teilnehmer an dieser Veranstaltung auf. Unter den Anwesenden waren Maler, Schauspieler, Musiker, Beamte, Arbeiter, Soldaten, Schüler und Studenten. Zu den ersten Besuchern gehörten die Künstler Karo Halabjan, Sargis Chatschatrjan, Taragros, der Komponist Romanos Melikjan und andere. 130 Personen nahmen an der Eröffnungsfeier teil.
Die erste Anzahl von mehreren Dutzend Werken wurde im Juli 1921 von der Regierung aus der 5. Ausstellung der "Union der armenischen Künstler" für das Museum erworben. Diese Ausstellung wurde in dem nach Stepan Schahumjan benannten Zentralklub der Arbeiter organisiert. Darunter befanden sich Werke der Maler Jegische Tadewosjan, Sedrak Arakeljan, Hakob Hakobjan, Wrtanes Achikjan, Grigor Scharbabtschjan, des Grafikers Edgar Chahine und vieler anderer.
Im September desselben Jahres wurde das ehemalige Lasarew-Institut durch einen Erlass des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees in Moskau in Kulturhaus des Sowjetischen Armeniens umbenannt. Zu diesem Zeitpunkt gingen dessen materielle und kulturelle Werte in den Besitz des sowjetarmenischen Staates über. Diese Entscheidung spielte eine wichtige Rolle bei der Bildung der Museumssammlung, da alle russischen und europäischen Kunstwerke vom Armenischen Museum erworben wurden. Dies war Ausdruck der Sammlungspraxis des Museums, Werke der internationalen bildenden Kunst und der dekorativen angewandten Kunst zu sammeln.
Vierhundert Werke armenischer, russischer und europäischer Künstler wurden in der 1925 in Jerewan veröffentlichten "Kurzliste" der Abteilung für Schöne Künste des Staatlichen Museums aufgeführt, die in insgesamt sechs Sälen ausgestellt wurden. Jene Liste entsprach dem ersten kurzen Nachschlagewerk des Museums, das neben anderen Daten auch die Namen von Wohltätern wie dem in Moskau ansässigen Architekten und Ingenieur Hakob Ekisler (Ekisjan) enthielt. Seine Schenkungen der Werke von Aiwasowski, Wardges Surenjanz, Schtschedrin, Iwan Schischkin, Wassili Polenow, Wladimir Makowski und anderen zählen zu den Meisterwerken der Galerie.
1923 wandte sich der Volkskommissar für Bildung Askanas Mrawjan an die französisch-armenischen Maler mit der Bitte, das Museum nach Kräften zu unterstützen. Seinem Hilferuf folgten Vartan Makhokhian, Z. Zardarian, T. Yesayan, S. Khachatrian, Raphael Chichmanian und andere, die dem Museum bis 1935 insgesamt vierzig Werke schenkten. Zu den Stiftern des ersten Jahrzehnts der Museumstätigkeit gehörten die Maler Martiros Sarjan, Jegische Tadewosjan, Panos Terlemesjan, Wahram Gaifedschjan, die Sammler V. Vahanian, Dikran Khan Kelekian und Varvareh Kananian. Zu den Schenkungen gehörten auch die Werke der berühmten russischen Maler Alexander Benois, Anna Ostroumowa-Lebedewa, Jewgeni Lansere, die der Galerie ihre eigenen Werke schenkten. Später wurde die Sammlung russischer Kunst dank der Schenkung von Isaak Brodski um die Werke der weltberühmten Künstler des 20. Jahrhunderts Konstantin Juon, Boris Grigorjew, Boris Anisfeld und Filipp Maljawin bereichert.
1935 bis 1947: Staatliches Museum der Schönen Künste Ende 1924 zog der Kunsthistoriker Ruben Drambjan auf Wunsch von Alexander Tamanjan und Martiros Sarjan von Leningrad nach Jerewan. Nachdem er 1925 seine Arbeit im Staatlichen Russischen Museum aufgegeben hatte, übernahm Drambjan die Leitung der Abteilung für Schöne Künste. 1935, als die wesentlich erweiterte und vergrößerte Abteilung zu einem unabhängigen Staatlichen Museum der Schönen Künste heranwuchs, wurde Drambjan ihr erster Direktor und war bis 1951 in diesem Amt tätig. Dank der durch ihn geplanten und systematisierten Verteilung der Sammlungen (Ankäufe von Ausstellungen, Ateliers, Privatpersonen, Zuweisungen aus dem Museumsfonds Russlands, der Staatlichen Eremitage, dem Staatlichen Russischen Museum, nationalen Sammlungen) sowie durch kontinuierliche Schenkungen erlangte das Museum der Schönen Künste nach eigenen Angaben schnell Bekanntheit als eines der besten Museen der Sowjetunion. In dieser Phase wurde Forschung zu einem Bestandteil der Museumstätigkeit: Unter der Leitung der aus Moskau eingeladenen Kunsthistorikerin und Kennerin alter Kunst Lidija Durnowo (1882–1963) begann das Museum mit der Erforschung und Nachbildung mittelalterlicher armenischer Fresken und Miniaturen. Chatschatrjan, M. Tschubarjan, R. Loris-Melikow, W. Baghdassarjan, G. Chanaghjan und H. Gharagjosjan studierten die Spezialberufe der Reproduktion und Restaurierung. Auf Expeditionen in verschiedene Regionen Armeniens entdeckten, untersuchten, datierten und reproduzierten sie die Werke der armenischen Monumentalmalerei.
Viele der Fresken, welche zerstörte, sich selbst überlassene Kirchen schmückten, existieren heute nicht mehr, sodass ihre Nachbildungen den Wert von Originalwerken erlangt haben. Dank Durnowo und dem damaligen Team junger armenischer Künstler können die Besucher der Nationalgalerie heute die Fresken von Arutschawank, Lmbatavank, dem Kloster Tatew und vielen anderen Kirchen sehen. Die Sammlung wurde später durch zusätzliche neue Reproduktionen stark erweitert. Bis 1985 war es möglich, diese Fresken, sowie die Reproduktionen von Miniaturen und hochreliefierten Kirchenskulpturen in besonderen Räumen des neuen Galeriegebäudes auszustellen. Die Ausstellung der mittelalterlichen Kunst zeigt die chronologische Abfolge der armenischen bildenden Kunst, vom frühen Mittelalter bis zur Kirchenmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts. Von 1930 bis 1950 wurde die Sammlung des Museums regelmäßig erweitert, was zu Wechselausstellungen, Kurzkatalogen und Broschüren führte. Die armenische, russische und westeuropäische Kunst wurde in drei Abteilungen der Dauerausstellung präsentiert. Die Arbeit wurde von den jeweiligen Forschungsabteilungen verwaltet.
In jenem Zeitraum wurde die Sammlung durch die Schenkungen dreier bekannter Sammler bereichert. Der rumänisch-armenische Kunsthistoriker Grigor Zambakhchian schenkte dem Museum eine Reihe wertvoller Gemälde von Théodore Rousseau, Narcisso Virgilio Díaz de la Peña, Adolphe Monticelli, Eugène Boudin, A. Bénard und anderen, die der Sammlung französischer Malerei eine neue Qualität verliehen. Die große Sammlung eines anderen rumänisch-armenischen Sammlers, Vahan Barakian, die dem Museum geschenkt wurde, bestand aus Gemälden und grafischen Werken prominenter rumänischer Maler, europäischen Stichen sowie hundertfünfzig Stücken dekorativer angewandter Kunst. 1936 erweiterte der bekannte armenische Grafiker Edgar Chahine, der in Frankreich große Anerkennung genoss, die Zahl seiner Werke im Museum um hundertsiebzig Stiche, die er aus Paris für seine Privatausstellung in Jerewan schickte. Dreißig Gemälde und neun Zeichnungen des weltbekannten Marinekünstlers Aiwasowski wurden in die Sammlung durch Abraham Zintchian (Frankreich) übergeben. Eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des Museums ist mit dem Namen Aiwasowski verbunden. Im Zweiten Weltkrieg arbeitete das Museum uneingeschränkt weiter. Um die Sicherheit seiner Sammlungen zu gewährleisten, bot es Platz für die wertvolle Sammlung und das Archiv der aus Feodossija (Krim) evakuierten Aiwasowski-Galerie. Seit dem 8. November 1941 wurde die Sammlung in Jerewans Museum der Schönen Künste aufbewahrt. Am 2. Mai 1942 wurde sie anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Aiwasowski-Museums gemeinsam von der Museumsverwaltung und dem Künstlerverband Armeniens ausgestellt. Die Ausstellung fand in der sogenannten Persischen Moschee statt, die damals die Künstlervereinigung beherbergte. Die Ausstellung zeigte siebenundfünfzig maritime Stücke von Aiwasowski sowie die Werke von zehn verschiedenen westeuropäischen Malern. An der Eröffnungszeremonie nahmen Martiros Sarjan, der Leiter der Abteilung für kulturelle Angelegenheiten A. Schahinjan, der Akademiker J. Orbeli, der Direktor des Museums Ruben Drambjan und der Direktor der Aiwasowski-Galerie von Feodossija N. Barsamow teil. In nur zwölf Tagen besuchte die große Zahl von 45000 Menschen die Ausstellung. Am 5. November 1944 wurden alle Gemälde wieder an die Galerie auf der Krim zurückgegeben.
1947 bis 1991: Staatsgalerie von Armenien Im Jahr 1947 wurde das Museum zunächst in „Staatsgalerie von Armenien“ umbenannt, bis es 1991 nach der Unabhängigkeit Armeniens in „Nationalgalerie von Armenien“ umbenannt wurde. Das Jahr 1948 markierte den Beginn des Umbaus des Museumsgebäudes. Nach und nach erweiterte die Galerie ihren Tätigkeitsbereich. So wurden 1948 in Zusammenarbeit mit der Kunstabteilung der Armenischen Nationalen Akademie der Wissenschaften zwei Arbeiten publiziert: Die Miniaturen von Armenien und Armenische Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts.
1951, nach siebenundzwanzig Jahren der Leitung der Galerie, verließ Drambjan seinen Posten als Direktor, aber seine Zusammenarbeit mit der Galerie dauerte noch jahrelang an. Er blieb Mitglied des Wissenschaftlichen Rates, war weiterhin ein enger Berater und veröffentlichte 1982 sein Buch Die Staatsgalerie von Armenien auf Russisch. Nur ein Jahr lang wurde die Galerie von dem Kunsthistoriker Wahan Harutjunjan und daraufhin von 1952 bis 1962 von Ruben Parsamjan verwaltet.
In dieser Zeit setzte die Galerie ihre Tätigkeit kontinuierlich fort, indem sie die Sammlungen erforschte, erweiterte, private Ausstellungen armenischer Künstler organisierte und die „Abteilung für Manuskripte und Dokumente“ unter der Leitung von Daniel Dsnuni eröffnete. Letzterer wurde mit der Vorbereitung der Veröffentlichung des Wörterbuchs der armenischen Kunsthistoriker(herausgegeben 1977) und des Albums Die Staatsgalerie von Armenien beauftragt, dessen Einleitung von Drambjan (1956) verfasst wurde. Auf der Grundlage der bestehenden Sammlungen wurden neue Forschungsabteilungen geschaffen. Zu diesem Zweck wurden Absolventen des Leningrader Kunstinstituts „Ilja Repin“ als Mitarbeiter der Forschungsabteilung der Galerie eingestellt.