mini|Rocca dei Rossi, die Residenz von Pier Maria II. de’ Rossi und wichtigste Festung in der Poebene Der Krieg der Rossis () war ein Konflikt zwischen den Rossi, die die Signoria von Parma stellten, und dem Herzog von Mailand. In dem zwischen 1482 und 1483 in Oberitalien ausgetragenen Krieg wurde der Herzog von Mailand Ludovico Sforza, genannt il Moro, von den mit den Rossi im Streit liegenden Geschlechtern der Sanvitale, der Pallavicini und der Da Correggio unterstützt, während die Rossi auf die Unterstützung der Republik Venedig bauen konnten. Der eineinhalb Jahre dauernde Konflikt band die Mailänder Truppen, so dass sie nicht in den zeitgleich ausgetragenen Krieg zwischen der Serenissima und den Este aus Ferrara eingreifen konnten.Nadia Covini: Le condotte dei Rossi di Parma. Tra conflitti interstatali e «picciole guerre» locali (1447-1482). S. 58.
Vorgeschichte Im 15. Jahrhundert hatten sich die Herren der Rossis zunehmend in der Umgebung von Parma ausgebreitet, insbesondere Pier Maria II. de’ Rossi, dem es gelang, sich auch dank der Freundschaft und Allianz mit Francesco I. Sforza, der zwischenzeitlich Herzog von Mailand geworden war, eine beherrschende Stellung zu verschaffen; er wurde sogar bei seinem Einzug in Parma 1470 als „Padre della Patria“ (dt.: Vater des Vaterlandes) gefeiert. Nach dem Tod des Herzogs Galeazzo Maria Sforza 1476 wurde Pier Maria in das regierende Triumvirat berufen, das die Herzogin Bona von Savoyen und den neunjährigen Herzog Gian Galeazzo Maria Sforza in der Verwaltung des Herzogtums Mailand unterstützte.
mini|Ludovico il Moro Die anderen Fraktionen in Parma, die in den vorhergehenden Jahrzehnten den überwältigenden Aufstieg von Pier Maria, befördert durch die bereits erwähnte Freundschaft mit Francesco Sforza, miterlebt hatten, beschlossen nach zahlreichen Streitigkeiten, wie der der Sanvitales um den Besitz der Burg von Noceto, die ihnen von Rossis abgenommen und nicht zurückgegeben worden war, sich miteinander zu verbünden, um auf den richtigen Moment zu warten, den unbequemen Rivalen loszuwerden. Die Gelegenheit bot sich 1479, als es Pallavicino Pallavicini, dem Todfeind Pier Marias, nach dem Staatsstreich von Ludovico il Moro und dem logischen Fall in Ungnade von Cicco Simonetta gelang, sich als Gouverneur des jungen Herzogs zu platzieren, tatsächlich jedoch als Mann des Vertrauens von Ludovico il Moro.
Wegen dieses Wechsels der Allianzen änderte sich die Politik der Sforzas 1480 radikal. Die erste Unhöflichkeit gegenüber den Rossis war die Gian Francesco Pallavicino erteilte Erlaubnis, die Siedlungen Stagno und Tolarolo zu kaufen, die direkt neben Roccabianca lagen, das den Rossis gehörte. So groß war die Empörung der Einwohner über dieses Zugeständnis, dass 25 Familien miteinander Tolarolo verließen und nach Roccabianca umzogen.
Es folgte dann der Ausschluss der Rossis aus dem Ältestenrat von Parma, der zusammen mit den fortgesetzten Gefälligkeiten, die Ludovico il Moro den Pallavicini gewährte, und der Einschüchterung der Anhänger der Rossis in der Stadt Pier Maria an die Möglichkeit denken ließ, gegen die herzogliche Autorität zu rebellieren.
Nachdem Roberto Sanseverino, der Herr von Colorno, zur Flucht gezwungen wurde, da er von den Mailändern zum Staatsfeind erklärt worden war, und in Venedig Zuflucht suchte, fand sich Pier Maria vollkommen isoliert und begann, sich heimlich aus den Provinzen Cremona und Mantua mit Waffen zu versorgen, um sich auf den unvermeidlichen Krieg vorzubereiten und war, wohlwissend, dass er mit seinen einsamen Kräften den Truppen der Sforzas nicht widerstehen könnte, seit 1481 überzeugt, die Allianz mit Venedig zu suchen, auch wenn die offiziellen Übereinkünfte dazu erst im April 1482 geschlossen wurden, als der Krieg bereits begonnen hatte.
Der Krieg Frühphasen: Die erste Belagerung von San Secondo Am 14. Februar 1482 teilt der Herzog von Mailand, Gian Galeazzo Maria Sforza, damals eine Marionette in den Händen von Ludovico il Moro, dem Ältestenrat in Parma sein Vorhaben mit, mit Waffengewalt gegen den Rebellen Pier Maria II. de’ Rossi vorzugehen, entschlossen, sofort aus Mailand 500 Infanteristen zu senden, um sich den bereits in der Provinz Parma auf Befehl von Costanzo I. Sforza und Sforza Secondo Sforza vorhandenen Truppen anzuschließen, und der Stadt Parma vorzuschreiben, 300 Infanteristen zur Verstärkung der herzoglichen Truppen anzuwerben. Ziel sei, San Secondo, wo Pier Maria II. de’ Rossi residierte, und Belagerung zu nehmen.
Nach einem Versöhnungsversuch, der von Pier Maria II. abgelehnt wurde, beendete Ludovico il Moro, der fortgesetzt von seinem Berater Pallavicino Pallavicini angestachelt wurde, das Moratorium und befahl, gegen die Besitzungen der Rossis in der Provinz Parma vorzugehen. Zu diesem Zweck bat er, weil er Costanzo I. Sforza, einen alten Freund von Pier Maria II., nicht traute, Gian Giacomo Trivulzio, einen Leutnant aus San Costanzo, mit allen Mitteln gegen Rossi vorzugehen, ihn in San Secondo einzuschließen und ihn in Haft zu nehmen, damit er der Justiz überantwortet werden könnte.
Dennoch begann Pier Maria II. in Kenntnis der sich entwickelnden Lage, stark nicht nur durch seine Truppen, sondern auch durch die Treue seiner Männer, die auf die verschiedenen Burgen in der Provinz Parma verteilt waren, mit einem hartnäckigen, vielleicht unerwarteten, Widerstand, wodurch er die herzoglichen Truppen in ernste Schwierigkeiten brachte und das Heer zwang, sich vom Lager an der Burg von San Secondo aufgrund der Verluste, die ihnen bei den dauernden Einsätzen der Verteidiger zugefügt wurden, zu entfernen.
Ludovico il Moro entschloss sich also, Costanzo I. Sforza zurückzurufen, und am 13. März übertrug er offiziell das Kommando über die Truppen, die in zwei Kontingente aufgeteilt waren, Gian Giacomo Trivulzio und Bergamino. Das erste Kontingent, das von Trivulzio, wurde zur Belagerung der Burgen im Appennin und zur Verwüstung der den Rossis getreuen Gebieten beordert, das zweite musste gegen die Burgen in der Ebene in derselben Weise vorgehen.
Die Einnahme von Noceto mini|Sforza Secondo Sforza, Kommandant an der Spitze der herzoglichen Truppen mini|links|Rocca di Noceto Die Soldaten von Truvulzio setzten zuerst die Burg von Noceto unter Belagerung, aber es gelang den Belagerten in einem fulminanten Ausfall, 24 Männer gefangen zu nahmen, darunter einige Kapitäne. Am 30. März schritt Trivulzio also zum Gegenangriff und änderte die Objektive: Er griff das Castello di Sant’Andrea vom gegenüber liegenden Ufer des Taro aus an, die im Feld besiegten Truppen der Rossis waren gezwungen, sich in der Burg zu verschanzen und, wenn der Regen nicht gewesen wäre, der den Boden rutschig machte, wäre es den Herzoglichen gelungen, im Schwunge des errungenen Sieges die Garnison in Besitz zu nehmen.
In der Zwischenzeit beschloss Ludovico il Moro, der ungeduldig auf schnelle Erfolge hoffte, am 4. April, Sforza Secondo Sforza als Generalkommandant für alle Truppen aus Parma zu ernennen. Um einen sehr guten General, wie Trivulzio, nicht zu verlieren, ernannte er ihn am 8. Mai zum Gouverneur von Parma.
Während dieser Wechsel in der Führung der Truppe stattfand, hatten die beiden herzoglichen Kontingente, die nun miteinander verbunden waren, seit dem 26. April mit der Beschießung der Burg von Noceto begonnen, wobei deren beide Verteidigungstürme zerstört wurden und die Verteidiger am 3. Mai zur Aufgabe gezwungen waren. Danach wurde die Burg selbst durch 300 Geschosse praktisch demoliert. Die Aktion in Noceto hatte ganz klar das Ziel, die Herren der Rossis zu entzweien, da diese Burg, wie die in Sant’Andrea, Carona und Roccalanzona als Verbindungspunkte zwischen der Ebene und dem Appennin gesehen wurden.
Die Intervention von Venedig Pier Maria II. hatte sich in der Zwischenzeit mit dem Venezianern darauf geeinigt, das sie jedes Interesse daran hatten, die Rebellion zu unterstützen, sei es, um ihre Einflusssphäre auf Parma zu erweitern, sei es, um eine zweite Front im Krieg um Ferrara zu eröffnen, in den sie damals verstrickt waren, mit dem Ziel, die Truppen Mailands von ihren Grenzen fernhalten zu können. Im Monat Mai wurde Antonio Bragadin von der Regierung der Republik [Venedig] zu Pier Maria II. de’ Rossi geschickt, um ihn zum Widerstand zu drängen und ihm Hilfe im Kampf zuzusichern; bei diesem Treffen wurde ihm mitgeteilt, dass seine Familie in das venezianische Patriziat aufgenommen würde. Was die Männer angeht, stand diese Hilfe lediglich auf dem Papier und reduzierte sich nur auf ‚‘Ammurate Torelli‘‘, der sich mit 100 Infanteristen den Truppen der Rossis anschloss. Die Venezianer, die nicht direkt eingreifen konnten, kamen auch mit Obietto Fieschi überein, Truppen zur Unterstützung der Rossis auszuheben, aber Fieschi einigte sich im Verborgenen mit den Herzoglichen und verriet die Venezianer, wodurch er die Lage der Truppen der Rossis noch prekärer machte. Auf dem wirtschaftlichen Gebiet allerdings war die Hilfe der Venezianer dagegen sehr wichtig: Es gelang ihnen, Pier Maria II. de’ Rossi über die Republik Genua umfangreiche Zahlungen zur Anwerbung von Soldaten und zur Fortsetzung des Krieges zukommen zu lassen.
mini|links|Castello di Felino, die Burg von Guido de’ Rossi in der Zwischenphase des Krieges Die Hilfe von Venedig für die Rossis war jetzt offensichtlich und zwang Mailand, sich vor einer möglichen venezianischen Bedrohung an der östlichen Staatsgrenze zu schützen, indem man ein Kontingent Soldaten unter der Führung von Costanzo Sforza schickte, während unter dem Druck der antivenezianischen Liga, die im Krieg gegen die Serenissima frische Truppen benötigte, auch Trivulzio mit seinen Bewaffneten abgezogen und dem Herzog von Urbino zur Verfügung gestellt wurde, sodass nur noch ‚‚Bergamino‘‘ mit 600 Mann gegen die Rossis kämpfte.
mini|links|Federico da Montefeltro, der Herzog von Urbino und Kommandant der Liga gegen Venedig im Krieg um Ferrara, wurde nach Felino geschickt, um mit Guido de’ Rossi einen Friedensvertrag auszuhandeln. Am 13. Mai versuchte Pier Maria II. de’ Rossi den Überfall auf die Stadt, um sich für die Verfolgung und Vertreibung der Männer seiner Fraktion aus Parma zu rächen. Er griff sie von zwei Seiten an und es gelang ihm, sich der Porta di San Francesco zu bemächtigen, riesige Beute zu machen und, nachdem er durch die Mauer in das Viertel an der Porta San Michele vorgedrungen war, es in Brand zu setzen. Am 17. Mai wurde ein nächtlicher Angriff auf Parma durchgeführt, während Della Vella, der die Garnison der Stadt befehligte, Truppen zur Zerstörung des Umlandes von Felino auf dem Gebiet der Rossis schickte. Ebenfalls im Mai verschaffte ein Angriff der Rossis aus San Secondo auf Fontanellato Pier Maria II. eine weitere, bemerkenswerte Beute. Später war wieder Parma das Ziel eines weiteren Angriffs, den Guido de‘ Rossi und Ammuratte Torelli vom Castello di Felino ausgehend, führten. Dieser Vorstoss, der Ende Mai durchgeführt wurde, verursachte große Zerstörung in der Stadt und veranlasste den Ältestenrat, beim Herzog von Mailand dringend um Verstärkung zu bitten. Dieser versprach seinerseits, den Markgrafen von Montferrat, Bonifacio III., mit 500 Bewaffneten und Obietto Fieschi mit einigen Kontingenten zu schicken.