Priosjornoje (, ) ist ein verlassener Ort im Rajon Nesterow der russischen Oblast Kaliningrad.

Die Ortsstelle befindet sich einen Kilometer vom Ufer des Wystiter Sees entfernt drei Kilometer südöstlich von Jagodnoje (Bredauen) unweit der Regionalstraße 27A-059 (ex R510). Beim Ortsteil Klein Kallweitschen gab es vor 1945 einen Grenzübergang zur litauischen Stadt Vištytis. Zu Sowjetzeiten gab es dort eine Durchgangsstraße, heute ist die Grenze geschlossen.

Geschichte Kallweitschen, auch Missischken oder Miczischken genannt, war um 1780 ein meliertes Dorf in Ostpreußen.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 63. Um 1870 bestand die Landgemeinde Kallweitschen aus den beiden Ortsteilen Grosskallweitschen und Kleinkallweitschen (). 1874 wurde sie namensgebend für einen neu gebildeten Amtsbezirk im Kreis Goldap.Rolf Jehke, Amtsbezirk Kornberg Seit etwa 1880 hieß die gesamte Landgemeinde Groß Kallweitschen. Es gab dort einen jüdischen Bevölkerungsanteil von etwa zehn Prozent (1905: 31 Personen).Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 1938 wurde die Gemeinde in Kornberg umbenannt. Der Ortsteil Klein Kallweitschen hieß nun Kleinkornberg.

Im Oktober 1944 wurde der Ort von der Roten Armee besetzt. Die neue Polnische Provisorische Regierung ging zunächst davon aus, dass er mit dem gesamten Kreis Goldap unter ihre Verwaltung fallen würde. Im Potsdamer Abkommen (Artikel VI) von August 1945 wurde die neue sowjetisch-polnische Grenze aber unabhängig von den alten Kreisgrenzen anvisiert, wodurch der Ort unter sowjetische Verwaltung kam. Im November 1947 erhielt der Ort die russische Bezeichnung Priosjornoje und wurde gleichzeitig dem Kalininski selski Sowet im Rajon Nesterow zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad" vom 17. November 1947) Die polnische Umbenennung des Ortes in Mściszki Wielkie im Oktober 1948Durch die Rozporządzenie Ministrów: Administracji Publicznej i Ziem Odzyskanych z dnia października 1948 r. o przywróceniu i ustaleniu urzędowych nazw miejscowości (Verordnung des Ministeriums für die öffentliche Verwaltung und die wiedergewonnenen Gebiete vom 1. Oktober 1948 über die Wiederherstellung und Bestimmung der offiziellen Ortsnamen) wurde nicht mehr wirksam. Priosjornoje wurde vor 1975 aus dem Ortsregister gestrichen.In der Административно-территориальное деление Калининградской области 1975 (Die administrativ-territoriale Einteilung der Oblast Kaliningrad 1975, herausgegeben vom Sowjet der Oblast Kaliningrad) auf soldat.ru (rar-Datei) taucht der Ort nicht mehr auf.

Das ehemalige Klein Kallweitschen wurde auf einer Karte aus den 1980er Jahren mit Maloje Belosjornoje bezeichnetSowjetische Topographische Karte 100k-n34-058, Ausgabe 1985 und gehört heute laut Open Street Map zu Jagodnoje.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874 297 1871 315 Davon in Großkallweitschen 287, in Kleinkallweitschen 28 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 281 Davon in Groß Kallweitschen 252, in Klein Kallweitschen 29 1905 316 Davon in Klein Kallweitschen 31 1910 281 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 273 1939 230

Amtsbezirk Kallweitschen (Kornberg) 1874–1945 Der Amtsbezirk Kallweitschen wurde 1874 im Kreis Goldap eingerichtet. Er bestand zunächst aus sieben Landgemeinden (LG) und dem Gutsbezirk (GB) Wystiter See.

Name Änderungsnamevon 1938 Russischer Namenach 1945 Bemerkungen Abscherningken (LG) Ebershagen (Groß) Kallweitschen (LG) Kornberg Priosjornoje Kraginnen (LG) Kraghof Kuiken[Ksp Szittkehmen] (LG) Albrechtsrode Matzutkehmen (LG) Wellenhausen Ribbenischken (LG) Ribbenau Uwarowo Wystiter See (GB) 1908 zum GB Bredauen, 1928 zur LG Wyszupönen Wyszupönen (LG) Kaltensee Rybino 1936 bis 1938: Wyschupönen

1935 wurden die Landgemeinden in Gemeinden umbenannt. 1939 wurde der Amtsbezirk in Kornberg umbenannt. Im Oktober 1944 umfasste der Amtsbezirk Kornberg die sieben Gemeinden Albrechtsrode, Ebershagen, Kaltensee, Kornberg, Kraghof, Ribbenau und Wellenhausen.

Kirche Groß Kallweitschen/Kornberg gehörte zum evangelischen Kirchspiel Szittkehmen.

Weblinks Groß Kallweitschen bei wiki.genealogy.net

Einzelnachweise

Kategorie:Wüstung in der Oblast Kaliningrad