mini|Besteck zur Essenspause abgelegt (20 nach 8) mini|Besteck zum Ende des Essens abgelegt (20 nach 4) Bestecksprache bezeichnet die Bedeutung der Platzierung von Messern und Gabeln auf einem Teller, durch die dem Servicepersonal eine Mitteilung gemacht wird.

Beschreibung In manchen Quellen heißt es, dass es Freiherr Knigge gewesen sei, der 1788 in seinem Buch Über den Umgang mit Menschen die Regeln für gute Tischsitten und somit auch für die Bestecksprache niedergeschrieben habe. Das Buch behandelt indes die Umgangsformen für ein soziales Miteinander im Sinne der Aufklärung und keine formale Etikette, wie vielfach kolportiert. Trotzdem werden Tischsitten und die Bestecksprache oftmals als „Knigge-Regeln“ bezeichnet.

Die Ursprünge der Bestecksprache sind historisch ungeklärt. Sie entwickelte sich offensichtlich im 18. oder 19. Jahrhundert, als es auch im Bürgertum zunehmend üblich wurde, Essen mit mehreren Gängen in formeller Gesellschaft zu sich zu nehmen und dabei eine nonverbale Kommunikation mit den Dienern oder dem Servicepersonal zu führen. Zumeist wird die Bestecksprache auf zwei Zeichen verkürzt, „Essenspause“ und „Gang beendet“. In diesem System wird zuweilen das gekreuzte Besteck als Zeichen für eine Pause definiert.

Über die Bedeutungen in der Bestecksprache herrschen zum Teil voneinander abweichende Meinungen, auch gibt es keine international einheitliche Bestecksprache. Für das Zeichen „Gang beendet“ gibt es etwa eine englische Variante: Dort werden Gabel und Messer am Ende eines Ganges parallel abgelegt, allerdings nicht schräg, sondern vertikal. Außerdem findet sich im 19. Jahrhundert die Anweisung, die Griffe sollten nach Ende des Essens nach rechts gelegt werden.„When you have finished any course or dish, lay knife and fork together, with the handles toward the right.“ Meist ist dabei der Gabelrücken nach oben gedreht. Dies entspricht der englischen Gewohnheit, die Gabel beim Essen durchweg so herum zu halten. Manche Gäste sind der Ansicht, dass man mit der Positionierung des Bestecks die empfundene Qualität des Essens ausdrücken kann, was aber in Benimmratgebern als unhöflich verworfen wird. Bestecksprache (engl. cutlery language oder cutlery etiquette) gehört im angelsächsischen Raum zum sogenannten silent service code.

Positionen des Bestecks Die zwei Grundpositionen geben Auskunft darüber, ob die Mahlzeit beendet ist oder nicht; zwei weitere, weniger gebräuchliche Positionen können Lob oder Tadel nach beendeter Mahlzeit ausdrücken. Sie sind nach der Position von Uhrzeigern auf einem Zifferblatt benannt, der die Position des Bestecks entspricht. In zahlreichen Werken aus dem angelsächsischen Raum ist vermerkt, dass die Zacken der Gabel auf dem europäischen Festland üblicherweise nach unten, in Nordamerika hingegen nach oben zeigen.Gloria Petersen: The Art of Professional Connections: Dining Strategies for Building and Sustaining Business Relationships. Wheatmark Inc., 2012, ISBN 978-1-60494-705-2, S. 552.Mathilde Benmoha Carro: Good Manners and Etiquette A Beginner’s Guide to Everything Proper. lulu.com, 2016, ISBN 978-1-32990-587-0, S. 68–70.Nancy Tuckerman, Nancy Dunnan: The Amy Vanderbilt Complete Book of Etiquette: 50th Anniversary Edition. Knopf Doubleday Publishing Group, 2012, ISBN 978-0-30781-450-0, S. 164.Letitia Baldrige: Letitia Baldrige’s New Manners for New Times: A Complete Guide to Etiquette. Simon and Schuster, 2009, ISBN 978-1-43918-854-5, S. 197.Mr. Boddington’s Studio: Mr. Boddington’s Etiquette: Charm and Civility for Every Occasion. Chronicle Books, 2018, ISBN 978-1-45215-832-7, S. 111.Jeanette S. Martin, Lillian H. Chaney: Global Business Etiquette: A Guide to International Communication and Customs. Verlag ABC-CLIO, 2012, ISBN 978-0-31339-717-2, S. 114. 20 nach 4: Fertig Wenn man das Essen beendet hat, wird das Besteck parallel auf der unteren rechten Seite des Tellers abgelegt, dorthin wo die Uhrzeiger bei „20 Minuten nach 4 Uhr“ stehen würden. Es bedeutet, dass der Teller abserviert werden kann. 20 nach 8: Pause Legt man das Besteck gekreuzt nach links und rechts im unteren Drittel des Tellers ab, bedeutet dies, dass der Gast lediglich eine Pause macht. Damit wird dem Servicepersonal bedeutet, den Teller nicht abzuräumen. 5 nach halb 7: Fertig und Lob Wenn Messer und Gabel parallel im unteren linken Drittel abgelegt werden, bedeutet dies, dass man mit dem Essen fertig ist, mit der zusätzlichen Botschaft, dass es dem Gast geschmeckt hat. 20 vor 8: Fertig und Tadel Wenn Messer und Gabel etwas weiter links abgelegt werden, bedeutet dies, dass man mit dem Essen fertig ist, mit der zusätzlichen Botschaft, dass es dem Gast nicht geschmeckt hat. In einigen Quellen wird der Brauch erwähnt, jedoch als Erfindung bezeichnet.

Literatur Lydia Ramsey: Manners That Sell: Adding the Polish That Builds Profits. Pelican Publishing, 2008, ISBN 978-1-4556-0832-4, S. 152–153.

Wolfgang Fuchs (Hg.): Tourismus, Hotellerie und Gastronomie von A bis Z, 2021, Berlin/Boston: De Gruyter, 2021, ISBN 978-3-11-054407-7, S. 3.

Weblinks

Thao Nguyen: Wortlos im Restaurant kommunizieren: Das ist der geheime Besteck-Code. In: Chip 365 – Das Verbraucherportal für jeden Tag vom 4. November 2023.

Einzelnachweise

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