Victor Gruschka Springer (* 2. Juni 1928 in Jacksonville, Florida, Vereinigte Staaten; † 18. September 2022) war ein US-amerikanischer Ichthyologe, dessen Forschungstätigkeit vornehmlich den Schleimfischartigen galt. Er war über mehrere Jahrzehnte Kurator der ichthyologischen Sammlung des National Museum of Natural History der Smithsonian Institution in Washington, D.C.

Leben Victor Gruschka Springer ist der Sohn des 1913 in die Vereinigten Staaten eingewanderten Österreichers Leon Gruschka, der noch im Jahr seiner Ankunft in die U. S. Army eintrat. Er nahm unter General John J. Pershing 1916 an der Mexikanischen Expedition teil und diente ab 1917 in den American Expeditionary Forces in Frankreich. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bis 1919 war er als Mitglied der U.S. Coast Guard in Key West stationiert. Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst traf er in Jacksonville sein spätere Ehefrau Rae Dayan, die im heutigen Libanon geboren wurde und 1912 mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten gekommen war. Das Paar heiratete 1923.

Victor wuchs mit einer älteren Schwester in Jacksonville auf. Die Familie wurde von der Great Depression hart getroffen und der Vater war häufig beruflich unterwegs oder auf Arbeitssuche. Der junge Victor besserte sein spärliches Taschengeld durch eine Reihe von Jobs wie dem Ausliefern von Zeitungen oder dem Haustürvertrieb von Zeitschriften auf.

Das Wohnhaus der Springers lag in der Nähe des St. Johns River und direkt hinter dem Haus befand sich eine aufgelassene Schiffswerft aus dem Ersten Weltkrieg. Victor beschäftigte sich intensiv mit dem Fischen und mit der Erkundung der reichhaltigen Fauna des Brachgeländes. Gelegentlich besuchte die Familie Freunde in Miami, wo Victor angelte und das örtliche Schauaquarium besuchte. Später besuchte er auch das Marineland of Florida, eines der ersten Delfinarien der Welt.

1965 heiratete Victor G. Springer, aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Er starb im September 2022.

Wissenschaftliche Laufbahn Nach dem Schulabschluss begann Victor zunächst ein Medizinstudium an der School of Medicine der Emory University in Atlanta, Georgia. Nach kurzer Zeit wurde ihm klar, dass die Medizin nicht seine Bestimmung war. 1948 bewarb er sich um einen Studienplatz in Meeresbiologie an der University of Miami. Die Forschung zur Lichtempfindlichkeit von Schiffsbohrmuscheln und Holzbohrasseln. Diese Forschungstätigkeit resultierte in seiner ersten wissenschaftlichen Publikation.Lawrence B. Isham, F. G. Walton Smith und Viktor G. Springer: Marine borer attack in relation to conditions of illumination. In: Bulletin of Marine Science 1951, Band 1, Nr. 1, S. 46–63.

In Miami belegte Springer einen Kurs in Ichthyologie bei Luis R. Rivas. Springers Studium wurde 1950 durch einen zweijährigen Militärdienst im Koreakrieg unterbrochen, wo er Schreibtischtätigkeiten ausübte und im Süden des Landes zoologische Sammlungsexemplare fing und konservierte. Ein von ihm gesammelter Fisch wurde Jahre später von Petre Mihai Bănărescu und Teodor T. Nalbant als Abbottina springeri (heute Biwia springeri; & , 1973) erstbeschrieben.

Nach der Rückkehr von seinem Einsatz in Korea nahm Springer sein Studium wieder auf. Zunächst beschäftigte er sich unter Anleitung des Meeresbiologen Gilbert L. Voss mit der Biogeographie und Mollusken. Als er einem Kommilitonen bei einer Übung zur Bestimmung von Schleimfischartigen (Blenniiformes) half, erwachte sein Interesse an dieser Ordnung. Er begann mit einer Revision der Gattungen Paraclinus und Stathmonotus. In diese Zeit fiel sein erster Besuch des National Museum of Natural History der Smithsonian Institution in Washington, D.C., in dessen Sammlung er die für seine Arbeit benötigten Exemplare fand.

Da die University of Miami damals kein Doktorandenstudium ermöglichte wechselte Springer an die University of Texas und promovierte unter Clark L. Hubbs zum Ph.D. Seine Doktorarbeit umfasste Revisionen der Gattung Malacoctenus und der atlantischen Arten der Gattung Labrisomus.

Springers weitere beruflichen Stationen waren Tätigkeiten bei verschiedenen Behörden. 1961 bekam er die Gelegenheit, im Auftrag der United States Navy im National Museum of Natural History eine Revision der Spatennasenhaie, Schlitzaugenhaie und Scharfnasenhaie durchzuführen.Victor G. springer: A revision of the carcharhinid shark genera Scoliodon, Loxodon, and Rhizoprionodon, 1964. Auf diese Tätigkeit folgte eine Anstellung als stellvertretender Kurator der ichthyologischen Sammlung des Smithsonian. In den folgenden Jahrzehnten wurde er einer der weltweit führenden Spezialisten für Anatomie, Systematik und Biogeographie der Fische, mit dem Schwerpunkt der Erforschung der Schleimfischartigen (Blenniiformes). Springer trat 2005 als Curator emeritus der ichtyologischen Sammlung des National Museum of Natural History in den Ruhestand, setzte aber dort seine Forschungen bis zum Ausbruch der COVID-19-Pandemie fort.

Erstbeschreibungen (Auswahl) mini|Eschmeyer nexus, Sammlungsexemplar Lateolabracidae & , 1995 (Familie, nach den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur nicht valide benannt)Richard Van Der Laan, William N. Eschmeyer und Ronald Fricke: Family-group names of recent fishes. In: Zootaxa 3882.1 (2014), S. 90–91.

Omobranchini , 1968 (Tribus) Phenablenniini & , 1972 (Tribus)

Gattungen Alloblennius & , 1971 Cirrisalarias , 1976 Crossosalarias & , 1976 Dodekablennos & , 1978 Eschmeyer & , 1983 Haptogenys , 1972 Larabicus & , 1973 Lithobranchus & , 1971 Medusablennius , 1966 Mimoblennius & , 1971 Nannosalarias & , 1971 Nemaclinus & , 1975 Oman , 1985 Omox , 1972 Paralticus & , 1994 Parenchelyurus , 1972 Phenablennius & , 1972 Platygobiopsis & , 1992 Rotuma , 1988 Tyson , 1983

111 Arten in den Familien Blenniidae, Carcharhinidae, Chaenopsidae, Clinidae, Gobiesocidae, Gobiidae, Labridae, Labrisomidae, Poeciliidae, Pseudochromidae, Symphysanodontidae, Synanceiidae, Xenisthmidae. Unter ihnen befinden sich:

Gobioclinus filamentosus (, 1960) Pholidichthys anguis & , 1985 Rhizoprionodon oligolinx , 1964 – Grauer Scharfnasenhai

Dedikationsnamen mini|Springers Zwergbarsch (Cynotilapia axelrodi) im Aquarium Springeratus , 1971 Springerichthys , 1994 Alabes springeri , 2006 Biwia springeri ( & , 1973) Cirripectes springeri , 1988 Chrysiptera springeri ( & ), 1976 Coralliozetus springeri , & , 1966 Diancistrus springeri , & , 2005 Ecsenius springeri , & , 2019 Eviota springeri & , 2012 Gobiopsis springeri & , 1979 Helcogramma springeri , 1986 Hypleurochilus springeri , 1966 Lepadichthys springeri , 2001 Norfolkia springeri , 1980 syn. Norfolkia brachylepis (, 1960) Paragunnellichthys springeri , 1970 Paraxenisthmus springeri & , 1993 Petroscirtes springeri , 1976 Pseudamiops springeri & , 2013 Pseudochromis springeri , 1975 Pteropsaron springeri & , 2007 Scartella springeri , 1967 Starksia springeri & , 2011 Synchiropus springeri , 1983 Thysanophrys springeri , 2013

Veröffentlichungen (chronologische Auswahl)

Literatur

Carole C. Baldwin und Katherine E. Bemis (Hrsg.): Tributes to Victor G. Springer. In celebration of his 94th Birthday June 2022. Washington, DC: Division of Fishes, Smithsonian National Museum of Natural History, 2022. . Darin: Ronald Fricke: Eschmeyer's Catalog of Fishes, S. 12 mit einer Liste der Erstbeschreibungen Springers und der Dedikationsnamen.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Wissenschaftlicher Mitarbeiter des National Museum of Natural History Kategorie:Ichthyologe Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1928 Kategorie:Gestorben 2022 Kategorie:Mann