Die Zeche Massener Tiefbau war ein Steinkohlenbergwerk im Gebiet von Dortmund-Wickede und Unna-Massen. Das Bergwerk war auch unter dem Namen Zeche Massener Tiefbau I bekannt. Ab dem Jahr 1911 wurde das Bergwerk Zeche Massen genannt. Die Zeche Massener Tiefbau gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikats.

Geschichte Die Anfänge Bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erste Bohrungen nach Kohle in den Kurler Weiden, in Lanstrop und in Husen niedergebracht. Am 21. Juni 1854 wurde die Gewerkschaft Massener Gesellschaft für Kohlenbergbau gegründet. Die Gewerkschaft erwarb ein Grubenfeld zwischen Massen und Wickede. Das Feld hatte eine Größe von 23,1 km². Das Abteufen der Schächte 1 und 2 der Zeche Massener Tiefbau begann im Jahr 1855. Beide Schächte wurden in Wickede angesetzt. Schacht Massen 1 wurde auch mit Namen Schacht Carl bezeichnet. Der Schacht diente der Förderung. Schacht Massen 2 wurde neben Schacht Massen 1 angesetzt und war als Wasserhaltungsschacht vorgesehen. Im Jahr 1856 kam es im Feld Massen zu starken Wasserzuflüssen. Am 25. Januar desselben Jahres wurde das Geviertfeld Massen VI verliehen. Im selben Jahr begann man, eine zweite Tiefbauanlage im Nordfeld zu bauen. In Kurl wurden die Teufarbeiten für die beiden Schächte Asseln 1 und Asseln 2 begonnen. Die beiden Schächte befanden sich 1400 Lachter nordwestlich der Massener Schächte. Am 27. Januar des darauffolgenden Jahres wurde das Feld Massen II und am 22. Februar das Feld Massen IV verliehen. Im selben Jahr erreichte der Schacht Massen 2 bei einer Teufe von 83 m das Karbon. An Schacht 1 wurden die Teufarbeiten bei einer Teufe von 31 m gestundet. Außerdem wurden in diesem Jahr die Felder Massen I, Massen XII, Asseln VIII, Asseln X bis Asseln XIV verliehen. Zusätzlich wurden die Felder Massen III und Massen XI zum Abbau von Eisenerz und Steinkohle verliehen. Im Jahr 1858 wurden weitere acht Felder verliehen. Im Schacht Massen 1 wurden zunächst die Teufarbeiten wieder aufgenommen, jedoch wurden die Teufarbeiten bei einer Teufe von 38 m erneut gestundet. An Schacht 2 liefen die Teufarbeiten weiter. Im Jahr 1859 wurde im Schacht Massen 2 bei einer Teufe von 123 m (− 38 m NN) die Wettersohle als 1. Sohle angesetzt. Im selben Jahr wurde bei einer Teufe von 162 m die 2. Sohle angesetzt.

Die ersten Betriebsjahre Im September 1859 wurde mit der Förderung begonnen. Im Baufeld Asseln wurde bei einer Teufe von 176 m das Karbon erreicht. Bei einer Teufe von 184 m (− 110 m NN) wurde eine Hilfs-Wettersohle angesetzt. Anschließend wurde bei einer Teufe von 190 m (− 116 m NN) die 1. Sohle angesetzt. Im Dezember desselben Jahres wurde von der Bergbehörde die Seilfahrt genehmigt. Im Baufeld Asseln wurde im selben Monat mit einer geringen Förderung für den Eigenbedarf begonnen. Die Förderung erfolgte zunächst nur im westlichen Schacht (Asseln 1), da der östliche Schacht (Asseln 2) noch nicht genügend abgeteuft war. Die Kohlen wurden mit einem eisernen Förderkübel gefördert, zur Förderung wurde ein dampfgetriebener Haspel verwendet. Da zu dem Zeitpunkt noch keine Sieberei und keine Kohlenwäsche vorhanden waren, wurden die geförderten Kohlen manuell in Waggons verladen und während des Verladevorganges von Hand ausgeklaubt. Im Jahr 1860 erhielt das Bergwerk einen Eisenbahnanschluss. Im Jahr darauf wurde im Baufeld Asseln bei einer Teufe von 255 m die 2. Sohle angesetzt. Zu dieser Zeit gehörte das Bergwerk zum Oberbergamts­bezirk Dortmund und dort zum Bergrevier Hamm. Im Baufeld Massen waren in diesem Jahr bereits drei Flöze in Verhieb genommen worden. Im nördlichen Wetterquerschlag waren ein 51 Zoll und ein 26 Zoll mächtiges Flöz durchörtert worden. Hinter den Flözen war eine Störung angefahren worden. Im Baufeld Asseln wurden mehrere Verwerfungen angefahren. Auf der Wettersohle wurden zwei Querschläge, jeweils einer in Richtung Norden und einer in Richtung Süden, aufgefahren. Dabei wurden mehrere Flöze angefahren, die eine große Mächtigkeit von bis zu 90 Zoll hatten. Noch im selben Jahr wurde im Schacht Asseln 2 die Förderung aufgenommen, Schacht 1 wurde nun für die Wasserhaltung genutzt. Zu dieser Zeit traten zunehmend Probleme mit Schlagwettern auf. Am 26. März kam es auf dem Bergwerk zu einer Schlagwetterexplosion, bei der fünf Bergleute getötet wurden. Im Schacht Asseln 1 (westlicher Schacht) wurden die ersten Förderkörbe eingebaut. Außerdem wurde zwischen den beiden Schächten die erste Fördermaschine installiert. Am 6. September desselben Jahres kam es zu einer weiteren Schlagwetterexplosion, bei der vier Bergleute ihr Leben verloren. Nachdem im Jahr 1862 zwei weitere Grubenfelder verliehen worden waren, wurden sieben Geviertfelder an das Hörder Kohlenwerk abgegeben.

Im Jahr 1863 wurde die Anlage Asseln 1/2 umbenannt in Courl 1/2. Am 14. April desselben Jahres wurde die bergbehördliche Genehmigung zur Konsolidierung aller Felder unter dem Namen „Massener Tiefbau“ erteilt. Das Grubenfeld hatte eine Größe von 58,4 km² und war zu diesem Zeitpunkt das größte Grubenfeld eines einzelnen Bergwerks in Westfalen. Auf der Wettersohle wurde der Querschlag nach Norden bis auf eine Länge von 190 Lachtern weiter aufgefahren. Bei der Auffahrung wurde ein 26 Zoll mächtiges, unregelmäßiges, Flöz durchörtert. Mit der westlichen Wetterstrecke wurde eine Verwerfung angefahren. Auf der Teilsohle wurde der nördliche Querschlag bis auf eine Länge von 280 Lachtern weiter aufgefahren. In der westlichen Sohlenstrecke wurde bei einer Auffahrungslänge die Hauptstörung angefahren. Im Bereich von Schacht 1 wurde auf der 1. Sohle eine Schachtunterfahrung erstellt. Im Oktober 1864 kam es zu einem Wassereinbruch. Als Folge davon musste der Betrieb für drei Monate unterbrochen werden. Im Jahr 1865 wurde der Schacht 1 ab der 1. Sohle mittels Aufbruch fertiggestellt. Im Baufeld Courl kam es am 2. September desselben Jahres zu einer Schlagwetterexplosion, bei der vier Bergleute getötet wurden. Im darauffolgenden Jahr wurde nun im Baufeld der Schacht 1 bis zur 2. Sohle fertiggestellt. Im selben Jahr wurde mit der Förderung im Schacht 1 begonnen. Der Schacht 2 diente fortan der Wasserhaltung und der Seilfahrt. Am 19. Oktober desselben Jahres wurde das Feld Massen XX verliehen. Im Jahr 1868 wurde auf dem Betriebsbereich Courl der Schacht 2 bis zur 3. Sohle tiefer geteuft. Diese Sohle lag bei einer Teufe von 309 m (− 235 m NN). Der Schacht erhielt eine neue Fördermaschine und wurde als Förderschacht eingesetzt. Im Jahr 1870 wurden die Teufarbeiten am Schacht 1 wieder aufgenommen und der Schacht wurde tiefer geteuft. Der Wasserhaltungsschacht wurde dabei um 31 Lachter bis auf eine Teufe von 118 Lachter tiefer geteuft. Am 7. März des Jahres kam es auf Massen 1/2 zu einer Schlagwetterexplosion, bei der sieben Bergleute ihr Leben verloren. Das Bergwerk gehörte zu dieser Zeit zum Bergrevier Oestlich Dortmund.

Der weitere Ausbau des Bergwerks Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten waren die Bergwerkseigentümer gezwungen zu handeln. Deshalb wurde im Jahr 1871 die Anlage Courl 1/2 verkauft. Die Anlage Courl wurde dadurch selbständig. Die Berechtsame Massen umfasste zu diesem Zeitpunkt eine Fläche von 21,7 km². Im selben Jahr wurde im Schacht Massen 1 bei einer Teufe von 270 m (− 185 m NN) die 3. Sohle angesetzt. Im darauffolgenden Jahr wurde für die Bewetterung anstelle des Wetterofens ein Grubenlüfter installiert. Am 2. Juli 1873 kam es erneut zu einer Schlagwetterexplosion; hierbei wurden vier Bergleute getötet. Am 21. August wurde mit bergbehördlicher Genehmigung eine Begradigung der östlichen Markscheide durchführt. Mit der Zeche Königsborn wurde ein 1,9 km² großes Feldesteil getauscht. Die Berechtsame umfasste nun eine Fläche von 21,4 km². Im darauffolgenden Jahr kam es zu einem Wassereinbruch. Aus diesem Grund musste die 3. Sohle gesümpft werden, und wegen der hohen Wasserzuflüsse musste ein Feldesteil abgedämmt werden. Als Folge davon wurde die Förderung zeitweise eingestellt. Am 15. März 1877 wurde das Unternehmen umgewandelt in die Gewerkschaft Massen. Ab dem Jahre 1882 wurden auf der Zeche Massen eine Kokerei betrieben. Am 19. September 1883 ereignete sich eine Schlagwetterexplosion mit 16 Toten. Im Jahr 1885 wurden die Teufarbeiten an Schacht 2 wieder aufgenommen und es wurde begonnen, den Schacht tiefer zu teufen. Im darauffolgenden Jahr wurde im Schacht 2 bei einer Teufe von 384 m (− 301 m NN) die 4. Sohle angesetzt. Der Schacht wurde bis auf eine Endteufe von 398 m (− 315 m NN) weiter geteuft. Im Jahr 1888 wurde auf dem Bergwerk an die Bergleute Brot und Kleidung zu Selbstkosten verkauft.

Im Jahr 1889 ging die Gewerkschaft Massen in die Massener Bergbau AG über. Am 30. Januar 1890 stürzte im Schacht 2 ein Förderkorb ab. Bedingt dadurch musste die Förderung bis zum 10. Februar desselben Jahres eingestellt werden. Am 12. Oktober desselben Jahres zerstörte ein Brand das Schachtgebäude des Förderschachtes und die Separation vollständig. Bedingt dadurch war die Förderung für sechs Wochen nur eingeschränkt möglich. Im Jahr 1891 erhielt der Schacht 1 ein eisernes Fördergerüst. Um das sogenannte Mergelwasser abzuleiten, wurde in diesem Jahr südlich der Schächte 1/2 ein Hilfsschacht abgeteuft. Der Schacht erreichte eine Teufe von 39 m. In dieser Teufe wurde ein Ortsdurchschlag mit dem Alten Schacht erstellt. Im Jahr 1895 wurde mit dem Abteufen von Schacht 3 begonnen. Der Schacht wurde in Unna-Niedermassen, 1,4 km nordöstlich der Schächte 1/2, angesetzt. Im Jahr 1896 erreichte der Schacht bei einer Teufe von 114 m das Karbon. Noch im selben Jahr wurde der Schacht mit der 2. Sohle durchschlägig. Im Jahr 1897 erreichte der Schacht 3 die 3. Sohle und ging anschließend in Förderung. In diesem Jahr waren auf dem Bergwerk mehrere Flöze in unterschiedlichen Abteilungen in Verhieb. Oberhalb der vierten Sohle wurde in den Flözen Hühnerhacke und Kirschbaum abgebaut. Im nördlichen Baufeld wurden die Flöze A, Nr. 1, Nr. 2, Nr. 2 3/4, Nr. 3, bis Nr. 6 zum Teil noch vorgerichtet. Teilweise fand aber auch hier schon Abbau statt. Im Baufeld von Schacht II wurden bei der Auffahrung der Abteilungsquerschläge stark gestörte Gebirgsschichten angetroffen. Am 15. November desselben Jahres wurde eine Kokerei in Betrieb genommen. Die Kokerei war mit 60 Öfen ausgestattet. Außerdem wurden in diesem vier neue Kornwallkessel, die mit Kokereigas beheizt wurden, in Betrieb genommen. Im Jahr darauf wurden die Teufarbeiten an Schacht 1 wieder aufgenommen und der Schacht wurde tiefer geteuft. Bei einer Teufe von 365 m (− 295 m NN) wurde die 4. Sohle angesetzt. Der Schacht wurde bis auf eine Endteufe von 378 m (− 308 m NN) weiter geteuft. Im Jahr 1900 wurde mit den Teufarbeiten von Schacht 4 begonnen. Der Schacht wurde in Niedermassen in der Nähe der Reckerdingsmühle angesetzt. Der Schacht befand sich 1,3 km östlich von Schacht 3.

Der weitere Betrieb