mini|Notmark Kirke von Nordwesten mit ihrem markanten breiten Turm mini|Das Kirchspiel Notmark Notmark Kirke ist die evangelisch-lutherische Kirche der dänischen Ortschaft Notmark (deutsch: Nottmark) auf der Insel Alsen in Nordschleswig, Dänemark. Zu ihrem Kirchspiel Notmark Sogn gehören die Orte Almsted, Anholt, Fynshav, Helved, Hundslev, Katry, Notmark, Padholm und Skærtoft. Das um 1200 erbaute, im Kern romanische Kirchengebäude der Dänischen Volkskirche gehört heute zum Bistum Haderslev.

Notmark Kirke war Vor Frue (Unserer Lieben Frau) gewidmet. Der massive Westturm von knapp 13 m Breite stammt aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts und gilt als der wohl breiteste Kirchturm einer dänischen Dorfkirche.Jens Lyster: Vor Frue Kirke i Notmark, Kirchenbeschreibung auf der Gemeinde-Website (online, dänisch) Im 16. Jahrhundert soll die Kirche von Notmark das erste Gotteshaus auf der Insel Alsen gewesen sein, wo der neue, reformatorische Glaube gepredigt wurde.

Baugeschichte Kirchenschiff und Chor wurden um 1200 aus Feldsteinen erbaut. Im Inneren sind die aufgemalten Weihekreuze an der Südwand des Kirchenschiffs und an der Nordwand des Chores heute noch erkennbar. Der breite, spätromanische Turm wurde in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts angebaut, im untersten Stockwerk aus Feldstein, darüber aus Backstein.Danmarks Kirker, S. 2486. Er diente als Wehrturm und wohl auch als Kornmagazin. Seine Errichtung dürfte in Zusammenhang mit den Piraten-Überfällen heidnischer Wenden auf die Insel Alsen stehen, wie sie für 1168 bezeugt sind, aber vermutlich noch öfter stattfanden. Die nach Norden und Süden gerichteten Turmgiebel stammen von einem Umbau aus dem 16. Jahrhundert und die vier Stützpfeiler am Turm sind von 1884.Danmarks Kirker, S. 2489. Der Chor wurde ca. 1450 leicht erhöht und überwölbt.Danmarks Kirker, S. 2488. Nach dem Tod des Lehnsmanns Thomas Sture 1563, der in einer Grabkammer unter dem Altar beigesetzt wurde, wurde er verlängert.Danmarks Kirker, S. 2490. Das Waffenhaus an der Südseite ist spätgotisch. 1762 wurde ein nördliches Seitenschiff angebaut und die Sakristei an der Chorverlängerung stammt von 1857.Danmarks Kirker, S. 2489f.

Ausstattung mini|Inneres der Kirche von Notmark mit Altar, Kanzel und Weihekreuz (rechts) Die granitene, romanische Tauffünte, die mit einem Rankenmotiv verziert ist, stammt aus der Erbauungszeit der Kirche oder ist sogar älter. Das spätgotische Altarretabel von ca. 1500–1525 besitzt ein dreigeteiltes Mittelstück mit einer Figur Johannes des Täufers, einem Schnitzrelief von Marias Himmelskrönung und einer Bischofsfigur. Die beiden Seitenflügel zeigen Figuren der zwölf Apostel. Die Predella stammt von 1847/48.Danmarks Kirker, S. 2492–2494. Von 1849 bis 1907 war das Altarretabel abgebaut; in dieser Zeit diente eine Kopie des Eckersberg-Gemäldes von betenden Jesus im Garten Gethsemane als Altarbild, dessen Original sich in der Havnbjerger Kirche befindet.Danmarks Kirker, S. 2495f.

Die Renaissance-Kanzel wurde der Kirche von Thomas Stures Witwe Berta geschenkt und stammt von demselben Meister wie in den Kirchen von Ketting und Tandslet. Die vier Fächer der Brüstung zeigen die Wappen von Thomas und Berta Sture, eine Kreuzigungsgruppe und eine Auferstehungsszene.Danmarks Kirker, S. 2500–2502. Das in Stein gemeißelte Epitaph für den Lehnsherren Thomas Sture († 1563) und seine Frau Berta, geb. Ahlefeldt, ist an der Nordwand des Seitenschiffs angebracht.Danmarks Kirker, S. 2506f.

Im Chor finden sich Kalkmalereien von 1564, die 1907 durch unsachgemäßes Nachmalen des Schleswiger Kunstmalers und Restaurators Hans Hampke ihr originales Gepräge verloren.Danmarks Kirker, S. 2491. Daher wurden 1962 die florale Ornamentik und eine Szene mit dem Weltgericht weiß übermalt und nur die Wappen von Thomas Sture und seiner Frau in der Chorwölbung wurden belassen.Danmarks Kirker, S. 2650; Abbildung der später übermalten Gerichtsszene bei Danmarks Kirker, S. 2491. An der nördlichen Chorwand hängen ein Chorbogenkruzifix von ca. 1525 und ein Barockepitaph des Amtmanns Johan Franz von Aichelberg von 1697, dessen Gemälde die Auferstehung des Volkes Israel nach Hesekiel 37 zeigt.Danmarks Kirker, S. 2508 und 2511 (Abbildung).Notmark Kirke (Kirchenführer), S. 6.

Im Turm hängen zwei Glocken. Die ältere trägt nur die Jahreszahl 1442 in indisch-arabischen Ziffern und auf der jüngeren steht: Gloria in excelsis deo. Baltzer Melchior me fecit anno 1652 („Ehre sei Gott in der Höhe. Baltzer Melchior machte mich anno 1652“); es folgen die Namen des Bischofs Laurentius Johannis, des Propstes David Monrad und des Pastors Jørgen Cruckow. Diese Glocke musste 1918 als Metallspende abgeliefert werden, kam aber nicht weiter als bis Sønderborg, wo sie 1921 an einem Weg neben dem Bahnhof gefunden und wieder im Turm aufgehängt wurde.Danmarks Kirker, S. 2505f.Notmark Kirke (Kirchenführer), S. 10

Orgel mini|Die Marcussen-Orgel (1972/2009) im historischen Prospekt von 1769 Die erste Orgel der Kirche soll 1515 angeschafft worden sein und sich im Chor über dem Altar befunden haben.Raben, Notmark, S. 12. Die heutige Orgel steht im Westen des Kirchenschiffs und besitzt einen Barock-Prospekt mit der Jahreszahl 1769 in einem ovalen Akanthus-Rahmen über dem Mittelturm. Der ursprüngliche Erbauer ist nicht bekannt, war aber möglicherweise Johann Daniel Busch.So die Vermutung auf Orgelsamling.dk (herunterscrollen bis Notmark, dänisch) Im barocken Gehäuse fanden seitdem Orgelneubauten von Jürgen Hinrichsen Angel (1792, elf Register),Else-Marie Boyhus: Orgeldispositioner fra Sønderborg amt, in: Sønderjydske Årbøger 1961, S. 231–249, hier S. 241. Peter Ulrik Frederik Demant (1856, neun Register)Danmarks Kirker, S. 2504. und Marcussen & Søn (1972, zwölf Register) ihren Platz. Die neobarocke Marcussen-Orgel wurde 2009 auf Initiative des Organisten Lars Bruun Nielsen in drei Punkten überholt und ergänzt: 1. Die Mixtur, die im Stil der 1970er Jahre sehr grell intoniert war, wurde klanglich gedämpft (ohne die Zusammensetzung der Chöre zu verändern), um sie vielseitiger einsetzbar zu machen; 2. im Schwellwerk wurde ein Tremulant ergänzt; 3. ebenso wurde im Schwellwerk eine Zungenstimme eingebaut. Um den Kirchengemeinderat vorher für diese Änderungen zu gewinnen, hielt Organist Nielsen 2008 einen Orgelabend in der Schlosskirche von Schloss Augustenborg ab, wo er vorführte, wie sehr eine Zungenstimme und ein Tremulant den Orgelklang bereichern können. Nachdem er auch noch die Zustimmung der Propstei, des Nationalmuseums und des zuständigen Orgelsachverständigen erhalten hatte, konnte der Auftrag ausgeschrieben werden und wurde wiederum Marcussen & Søn zugesprochen. Bei der hinzugefügten Zungenstimme fiel die Wahl auf eine französische Fagott-Oboe nach dem Vorbild der Fagott-Klarinette in der Marcussen-Orgel von Schloss Christiansborg, so dass die Notmarker Orgel heute 13 Register besitzt, verteilt auf zwei Manuale und Pedal, mit folgender Disposition:Notmark Kirke (Kirchenführer), S. 9.Lars Bruun Nielsen: Ombygning af orgel (online, dänisch)

I Hovedværk C–g3 1. Prinzipal 8′ 2. Rørfløjte 8′ 3. Oktav 4′ 4. Gemshorn 2′ 5. Mixtur III–IV II Svelleværk C–g3 6. Gedakt 8′ 7. Rørfløjte 4′ 8. Principal 2′ 9. Spidsquint ′ 10. Fagot-Obo 8′ (2009) Tremulant (2009) Pedal C–f1 11. Subbas 16′ 12. Gedakt 8′ 13. Oktav 4′ Koppeln: II/I, I/P, II/P Traktur: Schleifladen, vollmechanisch

Friedhof mini|Das Gefallenendenkmal Um die Kirche herum befindet sich der Friedhof. An seiner Westseite gibt es eine halbkreisförmige Gedenkmauer (1921/1922), in der jeder der 41 Gefallenen des Ersten Weltkriegs eine eigene Tafel mit seinem Namen erhalten hat. Im Zentrum des Halbkreises steht ein 2 m hoher Findling, der auf Dänisch die Inschrift trägt: „Dieses Andenken errichtete die Gemeinde Notmark für ihre Söhne, die ihr Leben im Weltkrieg 1914–1918 opferten“.Raben, Notmark, S. 47–50. Auf der Nordseite des Friedhofs liegt das Grab des Mundartdichters Martin N. Hansen.Notmark Kirke (Kirchenführer), S. 11.

Pastorengeschichte Aus vorreformatorischer Zeit sind die Namen der Priester Henrik Lunor (1341), Dithbor Jørgensen (1419, 1424) und Mads Jensen (latinisiert Matthias Johannis, 1512 zugleich Propst von Alsen) überliefert. Wie bei Priestern am Ende des Mittelalters nicht selten, lebte Mads Jensen trotz Zölibat mit einer Frau zusammen und hatte mit ihr einen Sohn Hans Matthiesen (* Notmark ca. 1494; † Havnbjerg 1566), der zum ersten lutherischen Pfarrer an der Kirche von Havnbjerg (Amtszeit ca. 1533–1566) wurde. In Notmark war unterdessen Jørgen Nielsen (latinisiert Georgius Nicolai) aus Sønderborg der erste lutherische Pfarrer (Amtszeit 1530–1546).Pontoppidan Thyssen: Dansk præste og sognehistorie (wie unter Literatur), S. 706.

Von 1550 bis 1699 wurde das Pfarramt in Notmark von vier aufeinanderfolgenden Generationen der Familie Cruckow ausgeübt. Letzter der Reihe war Frederik Jørgensen Cruckow (latinisiert Crucovius, Amtszeit 1682–1699), der 1688 mit der Führung der Kirchenbücher von Notmark begann und im selben Jahr auch den Pfarrhof von Notmark erbauen ließ. Dieser Fachwerk-Pastorenhof ist bis heute erhalten und gilt als einer der ältesten und schönsten Dänemarks.Raben, Notmark, S. 27. Über dem Eingang ließ Frederik Cruckow eine vom 20. Juni 1688 datierende lateinische Inschrift mit dem Zitat von Prediger Salomo 2,18f. anbringen, wobei unbekannt ist, aufgrund welcher Erfahrungen Cruckow diesen recht pessimistischen Bibelvers wählte.Raben, Notmark, S. 28f. 2018 kandidierte der Pastorenhof von Notmark in einem landesweiten Wettbewerb unter 15 Teilnehmern als „Dänemarks schönster Pastorenhof“,Trap Danmark: Sønderborg Kommune, 6. Aufl. Kopenhagen 2021, S. 89f. Gewinner war allerdings der Moseby Præstegård auf Falster.Vgl. Historiskehuse: Danmarks smukkeste præstegård online Am 11. Juni 1690 verfasste Frederik Cruckow für den dänischen König einen Bericht über die Abgaben, welche die Bewohner des Kirchspiels an ihn abzuführen hatten. Darin erwähnt er auch, die Kirche von Notmark stehe „im ehrenvollen Nachruhm, dass sie zuallererst im Lande Alsen den lutherischen Glauben angenommen hat“. Gleichzeitig nennt er seinen Urgroßvater Jørgen Cruckow d. Ä. (Amtszeit 1550–1606) den ersten lutherischen Pastor von Notmark. Dies widerspricht jedoch dem Umstand, dass der Übergang zur Reformation bereits unter Jørgen Nielsen (siehe oben) erfolgte und andernfalls auch nicht besonders früh gewesen sein könnte. Möglicherweise lässt sich der Widerspruch dahingehend auflösen, dass Jørgen Cruckow d. Ä. zwar nicht der erste lutherische, aber der erste schon lutherisch ausgebildete Pastor von Notmark war.Raben, Notmark, S. 22.Pontoppidan Thyssen: Dansk præste og sognehistorie (wie unter Literatur), S. 706f.