Charles Eduard Junod (auch: Édouard oder Edvard; * 5. Januar 1828 in Auvernier nahe Neuchâtel in der Schweiz; † 26. November 1877 ebenda) war ein Schweizer Fotograf. Er ist für seine Aufnahmen von den Zerstörungen während des deutsch-dänischen Krieges 1864 bekannt.
Leben
Charles Eduard Junod war ein Sohn des Ingenieurs und Architekten Charles-Henri Junod (1795–1843),Charles Édouard Junod. In: foto-ch.ch, letzte Aktualisierung: 3. Januar 2022 der die Stadterweiterungen von La Chaux-de-Fonds in den Jahren 1835 bis 1841 städtebaulich geplant hat.
mini|Düppeler Schanze VII, äußere Ansicht
Charles Junod stieg am 25. Oktober 1858 mit seiner Frau in Zingg’s Hotel in Hamburg ab.Angekommene Fremde. Zingg's Hotel. In: Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. 25. Oktober 1858, S. 4 Er gab an, er stamme aus Neuenburg.Von November 1856 bis Dezember 1862 reisten wiederholt Mitglieder der Familie Junod auch mehrfach im Jahr nach Hamburg und stiegen in Zingg’s Hotel ab. Sie waren Uhrenfabrikanten aus dem von Neuenburg nur 20 km entfernten La Chaux-de-Fonds. Charles Junod wohnte 1860 mietfrei bei seinem Landsmann Auguste de Meuron.Claus Gossler: Œuvre und Ökonomie eines zugereisten Architekten. Auguste de Meuron (1813–1898) und seine Kundschaft der 'haute volée' Hamburgs. In: Sven Tode, Frank Hatje (Hrsg.): Hamburger Wirtschafts-Chronik. Band 2. Hanseatischer Merkur, Hamburg 2002, S. 147 De Meuron arbeitete als Architekt in Hamburg. In den Jahren 1861 und 62 arbeitete Junod als Sprachlehrer.Siehe Angaben im Personenverzeichnis der Hamburger Adressbücher. Ende August 1863 eröffnete Junod in der Dammthorstraße 8 ein fotografisches Atelier und gab dies in einer Anzeige mit dem Hinweis bekannt, Schüler von Disdéri’s, „Photographe S.M. des Kaisers, Paris.“ gewesen zu sein.
Gut drei Wochen nach Kriegsbeginn des Deutsch-Dänischen Krieges am 1. Februar 1864 erhielt Junod „aus dem Hauptquartier der alliierten Armee in Schleswig“ den Auftrag auf den Kriegsschauplätzen, Aufnahmen zu machen.Local-Bericht. In: Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. 22. Februar 1864, S. 4 Wenige Tage nach der Erstürmung der Düppeler Schanzen im April beauftragte Friedrich Karl Prinz von Preußen Junod, die Befestigungen, die Schanzen, die Brückenköpfe und das gesamte Terrain zu fotografieren.Local-Bericht. In: Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. 25. April 1864, S. 4 Kurze Zeit später bot Junod Ansichten des „Dannewerks“ (dänische Befestigungen) und der „Düppelschanzen“ an. Dazu erhielt im Juni der Inhaber eines Lagers für Galanterie und Porzellanwaren in Hamburg Heinrich Rübcke das alleinige Recht, diese 21 verschiedenen Ansichten im Visitkarten-Format zu verkaufen.
Junods Aufnahmen der zerstörten dänischen Stellungen gehören zu den frühenen Aufnahmen von Kriegsgeschehen. Sie wurden als Stereoaufnahmen – rund 150 sind bekannt – und auch als großformatige Einzelbilder veröffentlicht.Dansk fotohistorie 1839-1939. In: www.fotohistorie.com. Junod porträtierte währenddessen den Befehlshaber der österreichische K.K. Armee Wilhelm von Tegetthoff.
Von 1863 bis Ende Oktober 1865Anzeige. In: Hamburger Nachrichten. 6. Oktober 1865, S. betrieb Charles Junod ein photographisches Atelier. Hier wohnte und arbeitete er und war imstande, Reiter zu Pferde zu porträtieren.Anzeige. In: Hamburger Nachrichten. 6. Juni 1865, S. Am 30. Mai 1865 meldete er sich als Nichtstaatsangehöriger im Gewerbebüro an.Anmeldungen Nichtstaatsangehöriger im Gewerbe-Bureau. In: Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. 8. Juni 1865, S. 3 Die Bekanntschaft mit seinem Landsmann de Meuron könnte ihm den Zugang zu Kunden in Hamburg erleichtert haben. Junod porträtierte u. a. de Meurons Auftraggeber. Bekannt ist eine Aufnahme von Gustav Godeffroy, für den de Meuron ein Landhaus an der Elbe gebaut hatte.
Im Juli 1866 kehrte Charles Junod in die Schweiz zurück. Es gibt keinen Hinweis dafür, dass er dort weiter als Fotograf gearbeitet hat. Er starb am 26. November 1877 im Alter von nur 49 Jahren in seiner Geburtsstadt.
Auszeichnungen 1865 Berlin: Preismedaille (für Landschaften) anlässlich der vom Photographischen Verein zu Berlin veranstalteten Ausstellung im Mai.
Literatur Ulrich Pohlmann: Von den Düppelner Schanzen zu den Spicherer Höhen. Photographien der deutschen Reichseinigungskriege 1864 bis 1871. In: Ulrich Pohlmann, Dietmar Siegert (Hrsg.): Zwischen Biedermeier und Gründerzeit. Deutschland in frühen Photographien 1840–1890 aus der Sammlung Siegert. Münchner Stadtmuseum – Sammlung Fotografie, Schirmer/Mosel, München 2012, ISBN 978-3-8296-0626-4, S. 34–59 Birte Gaethke: Photographien des Krieges 1864. In: Schriften der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek. Band 18, Heide/Holst. 1994. S. 71–82, (SUB Hamburg)
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Fotograf (Deutschland) Kategorie:Fotograf (19. Jahrhundert) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1828 Kategorie:Gestorben 1877 Kategorie:Mann