mini|Zentralarchivgebäude des Österreichischen Staatsarchivs, in der Nottendorfer Gasse 2 in Wien 3 (Bundesamtsgebäude Erdberg) Das Österreichische Staatsarchiv (ÖStA) in Wien ist das zentrale Archiv der Republik Österreich. Es verwahrt auf Grundlage des BundesarchivgesetzesBundesarchivgesetz () das Archivgut des Bundes. Die Aufgaben des Österreichischen Staatsarchivs sind darin wie folgt beschrieben: Erfassen, Übernehmen, Verwahren, Erhalten, Instandsetzen, Ordnen, Erschließen, Verwerten und Nutzbarmachen von Archivgut des Bundes für die Erforschung der Geschichte und Gegenwart, für sonstige Forschung und Wissenschaft, für die Gesetzgebung, Rechtsprechung, Verwaltung sowie für berechtigte Belange der Bürger. Für Archivbestände können Sperrfristen von bis zu 110 Jahren gelten.Bundesgesetz über die Sicherung, Aufbewahrung und Nutzung von Archivgut des Bundes (Bundesarchivgesetz) Freigabe von Archivgut zur Nutzung, Schutzfristen & Veröffentlichung von Werken, Amtsgeheimnis: Beschränkter Zugang profil.at

Soweit es sich bei den Archivalien um Denkmale handelt, ist gemäß Denkmalschutzgesetz das Österreichische Staatsarchiv an Stelle des Bundesdenkmalamtes auch für den Denkmalschutz zuständig.

Geschichte Die Vorgeschichte des staatlichen Archivwesens in Österreich fing 1502 an, als Maximilian I. befahl, in Wien eine geordnete Sammlung von Dokumenten anzulegen. Als Archivar wurde Johannes Cuspinian eingesetzt. Der Befehl von Maximilian I. wurde nur teilweise verwirklicht. Der Ursprung des Österreichischen Staatsarchivs geht auf das Jahr 1749 zurück, als Kaiserin Maria Theresia im Zuge einer Reform der Verwaltung ein Geheimes Hausarchiv einrichtete. Als eigentliches Gründungsdokument des Haus-, Hof- und Staatsarchivs gelten die „Ohnmaßgebigisten Reflexiones und underthänigste Anfragen die Errichtung des kaiserlich-königlichen Geheimen Hausarchivs betreffend“, die Theodor Anton Taulow von Rosenthal Maria Theresia im Sommer 1749 unterbreitet hatte.Thomas Just: Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv im Verbund des Österreichischen Staatsarchivs In: Österreichische Archive: Geschichte und Gegenwart. Editor: Petr Elbel. Erste Ausgabe Brno: Masaryk University Press, 2019, S. 73–138 Die Gründung stand im Zusammenhang mit der neuen, zentralisierten Verwaltung, die auch ein eigenes Archiv benötigte. Aus anderen Zentren der Verwaltung wie Prag, Graz oder Innsbruck wurden Dokumente nach Wien geschafft.

Bei der geschichtlichen Betrachtung ist zu beachten, dass es schon früher Archive und Dokumentensammlungen gegeben hat, deren Inhalt in das neue Archiv einflossen.

Im 19. Jahrhundert wurde dann der Name Haus-, Hof- und Staatsarchiv üblich.

1951 kam es zu einem Skandal, weil Heinz Grill, Archivar im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, über Jahre hinweg Gold- und Silberbullen gestohlen und an Metallhändler verkauft hatte („Affäre Grill“).

Die Archivabteilungen Das moderne Österreichische Staatsarchiv gliedert sich in mehrere Abteilungen:

Archiv der Republik Das 1983 gegründete Archiv der Republik ist die jüngste Archivabteilung. Es ist Zentrum der zeitgeschichtlichen Forschung in Österreich und archivisch für die Bewertung, Skartierung, Übernahme und Verwahrung, die Sicherung, Erhaltung und Instandsetzung, Erschließung, Erfassung und Nutzbarmachung jener Schriftgutbestände zuständig, die in österreichischen Zentralbehörden (sämtliche Ministerien, zentrale Bundesdienststellen sowie nachgeordnete Dienststellen) seit 1918 produziert wurden.

Seit der Einführung des elektronischen Aktes (ELAKimBUND) in der österreichischen Bundesverwaltung (flächendeckend für alle Bundesdienststellen seit 2004) obliegt dem Archiv der Republik auch die Umsetzung der digitalen Archivierung dieses Schriftgutes. Ab 2007 wurde intensiv an einer passenden Lösung zur langfristigen Erhaltung des „digital born“-Aktes gearbeitet. Die Inbetriebnahme des Digitalen Archivs Österreich erfolgte 2012.

Allgemeines Verwaltungsarchiv Das Allgemeine Verwaltungsarchiv verwahrt das Schriftgut der für die innere Verwaltung der Habsburgermonarchie zuständigen Zentralbehörden ab dem 16. Jahrhundert, insgesamt 12.700 Laufmeter, eine bedeutende Karten- und Plansammlung und ca. 5.000 Urkunden. In seinen Ursprüngen geht das Allgemeine Verwaltungsarchiv auf die erstmalige Zusammenfassung der Altregistraturen der Hofkanzleien bei Gründung des „Directorium in publicis et cameralibus“ 1749 zurück. Die Archivbestände des Allgemeinen Verwaltungsarchivs wurden durch den Justizpalastbrand im Juli 1927 erheblich dezimiert.

Die Archivalien, die in dieser Abteilung verwahrt werden, sind in 10 thematische Gruppen (= Bestandsgruppen) aufgeteilt, welche ihrerseits wiederum Akten verschiedener Zentralstellen beinhalten: Bestandsgruppe Inneres: Hofkanzlei, Ministerium des Innern, Polizeibehörden, Ministerrat, Niederösterreichisches Landrecht, Stadterweiterungsfonds Bestandsgruppe Justiz: Oberste Justizstelle, Justizministerium, Staatsanwaltschaften, Landesgericht Linz, Reichsgericht, Verwaltungsgerichtshof Bestandsgruppe Unterricht und Cultus: Studienhofkommission, Unterrichtsministerium, Alter und Neuer Cultus Bestandsgruppe Handel: Handelsministerium, Post, Ministerium der Öffentlichen Arbeiten, Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Marineministerium, Patentamt Bestandsgruppe Landwirtschaft: Ackerbauministerium, Agrarische Operationen, Forst- und Dömänendirektion Wien, Forstlehranstalt Mariabrunn, Lehramtsprüfungs-Kommission, Landwirtschaftsgesellschaft Bestandsgruppe Verkehr: Vereinigte Hofkanzlei, Allgemeine Hofkammer, Ministerium für öffentliche Arbeiten, Ministerium für Handel, Gewerbe und öff. Bauten, Finanzministerium, Ministerium für Handel und Volkswirtschaft, Handelsministerium, Generalinspektion der österreichischen Eisenbahnen, Eisenbahnministerium, Eisenbahnbaudirektion, staatliche Eisenbahnverwaltungen, private Eisenbahngesellschaften Bestandsgruppe Familienarchive und Nachlässe Bestandsgruppe Adel: Reichsadelsakten, HofadelsaktenAT-OeStA/AVA Adel HAA Hofadelsakten, 1600–1918 (Bestand), Stammbäume Bestandsgruppe Audio-Visuelle Sammlung: Politik und öffentliches Leben seit 1945, Österreichische Landschaften und Bauwerke, Brauchtum, Geschichte, Wissenschaft, Technik, Medizin, Wirtschaft, Kunst, Kultur und Sport Bestandsgruppe Plan- und Plakatesammlung: Sammlung von Plänen aus folgenden, Fonds: Hofbauamt, Hofkanzlei, Generalbaudirektion, niederösterreichische Civilbaudirektion, Bausektion des Ministeriums des Innern, Bausektion des Handelsministeriums, Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Landesbaudirektionen, Wasserstraßenbaudirektion, Dikasterialgebäudeverwaltung, Ackerbauministerium, Ministerium für Kultus und Unterricht, Studienhofkommission, Stiftungshofbuchhaltung, Justizministerium, Stadterweiterungsfonds

Kriegsarchiv Der Beginn eines geordneten Militärarchivwesens in der Habsburgermonarchie ist mit dem Jahre 1711 anzusetzen, als Kaiser Joseph I. die Schaffung einer Archivarsstelle beim Hofkriegsrat, der obersten Zentralbehörde für das habsburgische Kriegswesen, anordnete. Bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich dieses hofkriegsrätliche Kanzleiarchiv allmählich zu einer Art militärischem Zentralarchiv, zumal 1776 durch die Verschmelzung der hofkriegsrätlichen Plansammlung mit dem Geniearchiv das Kanzleiarchiv auch in Bezug auf kartografisches Material zu einer zentralen Anlaufstelle wurde. Zusätzlich galt es aber auch, aus vergangenen Feldzügen Lehren für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Vor diesem Hintergrund ordnete Kaiser Joseph II. 1779 die aktenmäßige Bearbeitung der Feldzüge seit 1740 an. Diesen Zugang zur Kriegsgeschichte beabsichtigte auch Erzherzog Karl weiterzuführen, indem er 1801 die Schaffung des k. k. Kriegsarchivs veranlasste. Dieses hatte seinem Gründungsauftrag entsprechend Akten- und Kartenmaterial zu sammeln, aber auch wissenschaftlich-publizistisch auszuwerten.

Das k. k. (ab 1889 k. u. k.) Kriegsarchiv bestand zunächst aus einer Schriftenabteilung, einem Karten-Archiv, der Bibliothek und einer Abteilung für kriegsgeschichtliche Arbeiten. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte das Kriegsarchiv den Großteil des bis dahin noch andernorts verwahrten militärischen Schriftguts an sich gezogen. Während des Ersten Weltkriegs hatte das Kriegsarchiv mit der Übernahme von Massenschriftgut von der Front erheblich mehr an Aufgaben zu erledigen, wofür der Personalstand des Archivs wesentlich erhöht werden musste. Nach Kriegsende 1918 wurde das Kriegsarchiv zu einer zivilen Institution, der nach dem Zerfall der Monarchie massenhaft neues Aktenmaterial aufgelöster Dienststellen und bisher eigenständiger Archive zufiel. Während des Zweiten Weltkriegs war das Kriegsarchiv als Heeresarchiv Wien ein Teil der deutschen Heeresarchivorganisation unter dem Oberkommando der Wehrmacht. Nach beträchtlichen Verlusten infolge des Krieges wurde das Kriegsarchiv 1945 zu einer Abteilung des neu geschaffenen Österreichischen Staatsarchivs. In den Jahren 1991–1993 übersiedelte das seit 1905 in der Stiftskaserne im 7. Wiener Gemeindebezirk untergebrachte Kriegsarchiv in das Zentralarchivgebäude in Wien III.

Das Kriegsarchiv umfasst etwa 180.000 Aktenkartons und 60.000 Geschäftsbücher auf circa 50 Regalfachkilometern und ist damit das mit Abstand bedeutendste Militärarchiv Mitteleuropas. Seine Kartensammlung mit über 600.000 Karten und Plänen ist die größte Österreichs. Hinzu kommt eine Sammlung von etwa 400.000 Bildern. Die ehemalige Bibliothek des Kriegsarchivs zählt zu den umfangreichsten Sammlungen älterer militärhistorischer Fachliteratur.

Die in 22 Bestandsgruppen zusammengefassten Bestände des Kriegsarchivs, in deren Struktur sich diese beiden grundverschiedenen Archivtraditionen bis heute widerspiegeln, lassen sich grob in fünf große Blöcke gliedern:

Personalunterlagen zu Offizieren, Unteroffizieren, Mannschaften und Beamten der bewaffneten Macht von etwa 1740 bis 1918; Belohnungsakten (1789–1958), also Unterlagen zu militärischen Auszeichnungen, denen das Archiv des Militär-Maria-Theresien-Ordens angeschlossen ist. Feldakten mit Material zu den Operationen der kaiserlichen bzw. k.k. Feldarmeen vom 16. Jahrhundert bis 1882 (Alte Feldakten und Armeeakten) sowie zum Weltkrieg 1914–1918 (Armeeoberkommando, Neue Feldakten). Allerhöchster Oberbefehl, Zentral-, Mittel- und Territorialbehörden. Diese Gruppe bündelt das Schriftgut von wichtigen Institutionen in der Umgebung des Kaisers (besonders der Militärkanzlei, der Generaladjutantur und des Generalstabes), der militärischen Zentralstellen (Hofkriegsrat 1557–1848, Kriegsministerium 1848–1918, Ministerium für Landesverteidigung 1868–1918) und einer Reihe anderer Behörden, Anstalten und Territorialkommanden wie zum Beispiel des Invalidenamtes, des Apostolischen Feldvikariats, der obersten Genie- und Artilleriebehörden, der Militärerziehungs- und Bildungsanstalten, der Militärinvalidenhäuser und einzelner General- und Militärkommanden in den Ländern. Kriegsmarine und Luftfahrtruppe (19.–20. Jahrhundert) Sammlungen, worunter insbesondere die Karten- und Plansammlung, die Bildersammlung, die Manuskripte und eine sehr bedeutende Kollektion militärischer Schriftennachlässe zu nennen sind.

Das Kriegsarchiv, seit 1945 Teil des Staatsarchivs, Österreichisches Staatsarchiv ist heute ein „historisches Archiv“. Das hier verwahrte Behördenschriftgut endet im Wesentlichen mit dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie am Ende des Ersten Weltkrieges (1918). Die Sammlungen des Kriegsarchivs erhalten dagegen laufend Zuwachs.

Direktoren Maximilian von Hoen 1919–1925 Edmund Glaise-Horstenau 1925–1938 Rudolf Kiszling 1938–1945 (Heeresarchiv) Otto Friedrich Winter 1966–1983 Erich Hillbrand 1989–1992 Rainer Egger 1992–2000 Christoph Tepperberg 2001–2019

Finanz- und Hofkammerarchiv hochkant|mini|Eingang zum Hofkammerarchiv in der Johannesgasse