miniatur|Förderturm der Zeche Königsborn III/IV, Schacht IV, Höhe 66,83 m miniatur|Pförtnerhaus in Kamen-Heeren
Die Zeche Königsborn war ein Steinkohlenbergwerk an mehreren Standorten im Kreis Unna. Namensgeber für das Bergwerk war die Saline Königsborn. Auf dem Bergwerk wurden in den ersten Betriebsjahren neben dem Abbau von Steinkohle auch mehrere tausend Tonnen Siedesalz produziert. Die Zeche Königsborn hat eine über 120-jährige Geschichte und war davon annähernd 100 Jahre in Betrieb.
Geschichte Planung Im Jahr 1801 wurde in Königsborn bei der Bohrung nach einer Solequelle in eine Teufe von 476 Fuß ein Steinkohleflöz angebohrt. Auf diesen Fund legte der Kriegs- und Domänenrat Meyer im Namen des Salzwerks eine Mutung ein. Da der Fiskus aufgrund des Salzmonopols einen Bergwerksbetrieb nicht duldete, konnte die eingelegte Mutung über ein halbes Jahrhundert nicht genutzt werden. Der Fiskus sperrte sogar alle weiteren Mutungen, um die Solequellen zu schützen. Erst als im Jahr 1865 das allgemeine Berggesetz in Kraft trat, fehlte dem Staat für eine weitere Sperrung die Rechtsgrundlage. Daraufhin wurde eine Vielzahl von Mutungen auf die die Saline umgebenden Grubenfelder eingelegt. Es wurden auch mehrere Grubenfelder verliehen; allerdings wurden keine Bergwerke angelegt. Am 21. September des Jahres 1872 wurden das Solefeld und die Saline Königsborn vom preußischen Staat an ein privates Konsortium für 300.000 Taler verkauft. An der Spitze dieses Konsortiums stand Friedrich Grillo. Grillo hatte bereits im Vorfeld mehrere Grubenfelder gemutet, um dort Bergbau zu betreiben. Nachdem nun auch die an das Solefeld angrenzenden Steinkohlenfelder zum Erwerb frei wurden, erwarb das Konsortium auch diese Grubenfelder. Außerdem legte man für fünf Eisensteinfelder Mutung ein. Jedes dieser Felder hatte eine Größe von 500.000 Quadratlachtern; allerdings hatten diese Felder keine große Bedeutung, da das hier vorhandene Eisenstein nur von geringer Mächtigkeit war. Nachdem im Jahr 1873 die Steinkohlenfelder East End, East End 2a, East End 2b, East End 3, East End 4a, East End 4b, Prinz August, Prinz August IV, Prinz August V und Werner Glück erworben waren, wurde ein Feldertausch mit der Zeche Massener Tiefbau getätigt. Es wurde ein Feldertausch mit einer Gesamtfläche von zwei Quadratkilometern durchgeführt. Die Berechtsame umfasste nun eine Fläche von 17,2 Quadratkilometern Steinkohlenfeld und 24,1 Quadratkilometern Solefeld. Am 24. November des Jahres 1873 wurden alle Feldesteile in der Gewerkschaft „Steinkohlen- und Salzsolbergwerk Königsborn“ zusammengefasst. Friedrich Grillo plante zunächst, das Bergwerk mit der Saline zu kombinieren. Hierfür wollte er, nachdem das Bergwerk in Betrieb war, eine Kokerei errichten lassen, um die abgebauten Kohlen zu verkoken. Die beim Verkokungsprozess anfallenden Gase wollte er bei der Siedung des Salzes nutzen, um so Kosten und Energie zu sparen. Dieser Plan von Grillo wurde jedoch nie umgesetzt.
Die Errichtung des Bergwerks Im Jahr 1874 wurde in der Ortslage Unna-Königsborn mit dem Abteufen des Schachtes Königsborn I begonnen. Der Schachtansatzpunkt befand sich einen Kilometer nördlich des Bahnhofs Königsborn. Die Teufarbeiten erfolgten anfänglich teilweise noch mit Schlägel und Eisen. Um die Solezuflüsse zu schonen, wurden die Teufarbeiten nach dem Kind-Chaudron-Verfahren durchgeführt. Ausgeführt wurden die Teufarbeiten von der Pariser Firma Lippmann, Magnet & Co. Erste Schwierigkeiten traten beim Durchdringen der stellenweise sehr harten Mergelschicht auf. Da die Firma den Schacht mit dem erforderlichen Durchmesser abbohrte, gingen die Abteufarbeiten nur sehr langsam voran. So konnte der Schacht im Jahr 1877 nur rund 31 Meter abgeteuft werden. Im selben Jahr erhielt das Bergwerk einen Eisenbahnanschluss. Im darauffolgenden Jahr wurde bei einer Teufe von 178 Metern das Karbon erreicht. Die oberen 182 Meter des Schachtes wurden mit einer eisernen Küvelage versehen. Der Schacht hatte einen Durchmesser von 3,65 Metern. Im Jahr 1880 wurde im Schacht 1 bei einer Teufe von 279 Metern (−206 m NN) die 1. Sohle angesetzt. Diese Sohle war auch gleichzeitig die Wettersohle. Noch im selben Jahr wurde bei einer Teufe von 359 Metern (−286 m NN) die 2. Sohle als erste Tiefbausohle angesetzt. Da mit dem Schacht I zu diesem Zeitpunkt nur ein einziger Schacht vorhanden war, mussten über diesen Schacht gleichzeitig die Versorgung der Grubenbaue mit Frischwettern erfolgen und die Abwetter aus den Grubenbauen entfernt werden. Um dieses zu bewerkstelligen, wurde im Schacht bis zur Wettersohle ein Schachtwetterscheider eingebaut. Der Abwettertrum wurde an den Kamin des Kesselhauses angeschlossen und hierüber die Abwetter abgesaugt. Für die Wasserhaltung wurde eine Woolfsche Wasserhaltungsmaschine installiert. Die Maschine wurde mittels Dampfkraft angetrieben; es konnten pro Minute vier Kubikmeter Grubenwasser zu Tage gepumpt werden. Für die Förderung wurde zunächst eine kleine Fördermaschine am Schacht 1 montiert.
Die ersten Betriebsjahre Im Jahr 1880 wurde das Bergwerk in Betrieb genommen. Das Bergwerk gehörte zum Bergrevier Süd-Dortmund. Aufgrund des flachen Einfallens wurden auf der Bausohle lange Querschläge aufgefahren. In den ersten Jahren wurden die Flöze mittels Pfeilerbau abgebaut. Bereits im Jahr 1882 wurden 3239 Meter Versuchs- und Abbaustrecken und 5048 Meter Überhauen aufgefahren. Da man zunächst Ess- und Magerkohle abbaute, die für Verkokungszwecke ungeeignet waren, suchte man nach Möglichkeiten, diese Kohlen qualitativ aufzuwerten. Eine Möglichkeit war der Bau einer Brikettfabrik, wie sie bereits mehrere weiter südlich gelegene Bergwerke betrieben. Im Februar desselben Jahres wurde eine Brikettfabrik in Betrieb genommen. Allerdings ließen sich die produzierten Briketts anfangs nur schlecht verkaufen. Auch waren die zu erzielenden Erlöse nur sehr gering. Aus diesem Grund planten die Eigentümer, die Produktion dem Bedarf anzupassen. Im selben Jahr 1882 kam es zu einem Brand im Schachtgebäude und in der angrenzenden Sieberei. Auch unter Tage kam es zu Problemen. Aufgrund der mangelhaften Bewetterung war es erforderlich, den gesamten südlichen Feldesteil abzusperren. Auf Anweisung des Oberbergamtes mussten die Eigentümer des Bergwerks einen leistungsfähigen Grubenlüfter kaufen. Es wurde ein Moritzscher Ventilator installiert, der die Grubenbaue nun mit frischen Wettern versorgte. Im Jahr 1883 wurde auf der 2. Sohle begonnen, einen Querschlag nach Norden aufzufahren. Der Querschlag war als zweiter Ausgang geplant; es sollte ein Durchschlag mit der benachbarten Zeche Monopol erstellt werden. Im selben Jahr wurde die Brikettpresse an die Zeche Vereinigte Dahlhauser Tiefbau verkauft. Im Jahr 1884 erreichte der Querschlag nach Norden eine Länge von 1113 Metern. Bei den Aufschlussarbeiten wurden im Jahr 1885 im östlichen Teil des Grubenfeldes günstige Kohlenvorkommen aufgefunden. Bei den aufgefundenen Kohlen handelte es sich um Fettkohlen. Im Jahr 1886 traf man im neuen Nordostfeld auf sehr gute Kohlenvorräte.
Ausbau der Schachtanlage Im Jahr 1887 wurde in der Gemarkung Heeren-Werve mit den Teufarbeiten für den Schacht 2 begonnen. Der Ansatzpunkt des Schachtes lag in Kamen-Heeren-Werve zwei Kilometer nordöstlich von Schacht 1. Der Schacht hatte einen Durchmesser von 5,38 Metern. Da die Aufschlüsse in diesem Feld wesentlich vielversprechender waren als im anderen Feldesteil, wurde der Schacht vom Hauptgewerken Friedrich Grillo auf den Namen Gottessegen-Unverhofft getauft. Im selben Jahr wurde von Schacht 1 aus der Schacht 2 unterfahren. Auf der 2. Sohle wurde die Auffahrung des Querschlags nach Norden bei einer Auffahrungslänge von 1656 Metern gestundet. Da die kleine Fördermaschine an Schacht 1 nicht mehr für die steigende Produktion ausreichte, wurde eine gebrauchte Fördermaschine von einem stillgelegten Bergwerk gekauft. Diese Fördermaschine genügte aber auch nicht den gestiegenen Anforderungen an die Schachtförderung. Aus diesem Grund wurde eine neue dampfgetriebene Fördermaschine installiert. Diese Maschine hatte einen Zylinderdurchmesser von 1000 Millimetern und einen Hub von 1900 Millimetern. Die für die Förderung verwendeten Förderkörbe hatten vier Etagen. Auf jeder Etage konnte ein Förderwagen mit einer Nutzlast von 0,6 Tonnen aufgeschoben werden. Um den Zeitverlust beim Aufschieben der Förderwagen zu verringern, wurden zwei übereinander angebrachte Hängebänke aufgebaut. Auf der Fördersohle wurden zwei übereinander liegende Füllörter erstellt. Durch diese Konstruktion war es möglich, gleichzeitig jeweils zwei Förderwagen auf- bzw. abzuschieben. Im Jahr 1888 erreichte man im Schacht 2 bei einer Teufe von 221 Metern das Karbon. Bei einer Teufe von 264 Metern (−193 m NN) wurde die 1. Sohle angesetzt. Am Schacht 1 wurde im Februar desselben Jahres eine Kokerei in Betrieb genommen. Die Kokerei war mit 90 Öfen ausgestattet. Im darauffolgenden Jahr erfolgte im Schacht 2 der Durchschlag mit der 2. Sohle.
Im Jahr 1890 wurde im Schacht 2 die 3. Sohle bei einer Teufe von 459 Metern (−388 m NN) angesetzt. Der Schacht wurde für die Förderung mit zwei Fördermaschinen ausgerüstet. Ein Fördertrum wurde mit einer Gestellförderung ausgerüstet, bei der der Förderkorb sechs Etagen hatte; der andere Trum erhielt einen Förderkorb mit 4 Etagen. Auf sämtlichen Etagen konnte jeweils ein Förderwagen mit einer Nutzlast von 0,5 Tonnen aufgeschoben werden. Dadurch konnte am Schacht 2 eine Nutzlast von fünf Tonnen gefördert werden. Zeitraubend war jedoch das drei- bzw. fünfmalige Umsetzen des Förderkorbes an den Anschlägen. Noch im selben Jahr wurde im Schacht 2 mit der Förderung begonnen. Für die Wasserhaltung wurde am Schacht 2 eine hydraulische Wasserhaltung installiert, mit der pro Minute fünf Kubikmeter Grubenwasser gehoben werden konnten. Die Wasser der oberen Bausohlen wurden zum Schacht 1 abgeleitet und dort gehoben. Für die Bewetterung wurde ein Grubenlüfter installiert, der pro Minute 3000 Kubikmeter Abwetter absaugen konnte. Angetrieben wurde dieser Capellsche Ventilator von einer Zwillingsdampfmaschine. Mit Beginn der 1890er Jahre wurde im Untertagebetrieb das Abbauverfahren geändert. Während man zuvor noch im Pfeilerbau die Kohle gewann, wurde von nun an die Kohle im Stoßbau mit Bergeversatz gewonnen. Da man unter Tage nicht genügend Versatzberge erhielt, mussten diese Bergematerialien von den übertägigen Bergehalden bis zu den Abbaubetrieben gefördert werden. Pro Tag wurden 100 Kubikmeter Bergematerial benötigt. Der Transport der Berge wurde über die Wettersohle bewerkstelligt und war äußerst umständlich und sehr kostenintensiv. Im August des Jahres 1891 wurde am Schacht 2 eine Kokerei in Betrieb genommen. Die Kokerei wurde zunächst mit 100 Öfen des Typs Coppée-Otto ausgestattet. Außerdem wurde eine Kohlenwäsche mit einem doppelten System zur Aufbereitung der Kohlen für die Kokerei und zum Aussieben der Nußkohlen erbaut. Im Jahr 1892 wurde am Schacht 1 auf der 2. Sohle eine Seilbahn für die mechanische Streckenförderung in Betrieb genommen. Mittels dieser Seilbahn wurden die Förderwagen bis in die Bauabteilungen gezogen und dort mit einem Haspel zur Wettersohle gefördert. Der Antrieb dieser Haspel erfolgte mittels Druckluft. Dadurch war es nun möglich, das für den Bergeversatz benötigte Bergematerial kostengünstiger als zuvor bis vor Ort zu fördern. Im Jahr 1895 wurde die Gewerkschaft Königsborn in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen „Aktiengesellschaft für Bergbau, Salinen- und Solbad-Betrieb“ umgewandelt. Aufgrund der guten Lage auf dem Koksmarkt beschloss die Firmenleitung im Jahr 1896, die Kokerei am Schacht 2 zu erweitern. Im Jahr 1897 wurden auf der Kokerei am Schacht 2 weitere 80 Koksöfen vom Typ Coppée-Otto in Betrieb genommen. Im Jahr 1898 wurde mit den Teufarbeiten für Schacht 3 begonnen. Der Schachtansatzpunkt befand 3,3 Kilometer nordöstlich von Schacht 2, in der Gemarkung Altenbögge.
Das 20. Jahrhundert