Die Fortezza del Priamar in Savona (oder im Ligurischen: Priamâ) ist ein imposanter Militärkomplex, der das Stadtzentrum in der Nähe des Hafens dominiert. Sie wurde zwischen 1542 und 1544 von den Genuesen im Zusammenhang mit den endgültigen Unterwerfung der Stadt Savona durch die „Superba“italienisch: „die Hervorragende“ erbaut und mehrmals erweitert. Ihren Namen hat sie vom direkt am Meer liegenden Hügel, auf dem sie steht und wo auch die ersten Siedlungsfunde aus der Bronzezeit gemacht wurden. Einigen Forschern zufolge könnte sich der Name von pria a' mà (Stein am Meer im Ligurischen).Diese Bedeutung wird von den Historikern Noberasco und Scovarri in der 1926 veröffentlichten „Storia di Savona“ vorgeschlagen und in dem in der Bibliographie zitierten Werk „I castelli della Liguria“ wiedergegeben, in dem auch eine weitere, allerdings für unwahrscheinlicher gehaltene Ursprungshypothese erwähnt wird, nämlich eine Ableitung von Preamar, dem Namen eines Anführers der Karthager. oder von pria mala (schlechter Stein, d. h. bröckelig) ableiten.Nino Lamboglia, S. 161–172 Es handelt sich um die bedeutendste Festungsanlage im westlichen Ligurien,Minola und Ronco stimmen mit dieser Einschätzung überein, ebenso Stringa in ihren jeweiligen in der Bibliographie zitierten Werken. die aufgrund der vielen verschiedenen historischen Bau- und Ausbauphasen heute eine sehr komplexe Form aufweist. Nach jahrzehntelanger Vernachlässigung wurde sie restauriert und dient heute als Ort für verschiedene kulturelle Aktivitäten.

Der Priamar-Hügel vor dem Festungsbau Auf dem Hügel des Apenninausläufers um Savona befanden sich die ältesten Siedlungen. Die ersten Spuren stammen aus der Bronzezeit um 1600 v. Chr.Ventura, Ramagli, S. 3–10 Aufgrund seiner Beschaffenheit war er schon immer der am besten geeignete Ort für die Verteidigung des Gebiets. Die erste geschichtliche Erwähnung stammt von Titus Livius, der ihn als eine mit Karthago verbündete Siedlung bezeichnet, in der Mago, der Bruder Hannibals, im Jahr 205 v. Chr. die Beute deponierte, die er bei der Plünderung der römischen Siedlung Genua gemacht hatte.Zit. Varaldo und Massucco

Während der römischen HerrschaftIn den Jahren 182–181 v. Chr. unterwarf der Konsul Lucius Aemilius Paulus Savo, Albium Ingaunum und Albium Intemelium und brachte damit das gesamte westliche Ligurien unter die Herrschaft Roms verlor die Zitadelle zugunsten des besser an das Straßennetz angebundene Vada Sabatia (heute Vado Ligure) an Bedeutung. Nach dem Verfall gewann sie in byzantinischer Zeit wieder an Bedeutung, als sie eine Hochburg für die Kontrolle der Provincia Maritima Italorum war. Aus dieser Zeit stammt auch die älteste auf dem Vorgebirge errichtete Festung, die Burg San Giorgio, die 641 zerstört wurde, als Savo während der langobardischen Herrschaft in Italien als eine der von Rothari zerstörten Städte erwähnt wird.Paolo Stringa, S. 89–92 Der Hügel wurde später erneut befestigt und wurde im 9. und 10. Jahrhundert zum strategischen Zentrum der Region, insbesondere als Verteidigungsanlage gegen die Sarazenenüberfälle. Während sich die zivile Macht auf dem gegenüberliegenden Hügel von Monticello festigte, erlangte Priamar eine Funktion als bischöfliche Zitadelle. Dies geht aus einem Dokument hervor, mit dem Kaiser Otto III. im Jahr 998 dem Bischof den Besitz der auf dem Vorgebirge bestehenden religiösen Gebäude, als castellum saonensis erwähnt, bestätigte.Calmuto Zanelli, S. 283 ff.

Die ersten von Genua durchgeführten militärischen Befestigungsmaßnahmen gehen auf das 11. Jahrhundert zurück, während im 16. Jahrhundert eine zweite Festung errichtet wurde, die Burg Santa Maria, auch „Castello Nuovo“ genannt (die „alte“ war die von San Giorgio), so dass in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf der Landzunge religiöse und militärische Funktionen hinzugekommen sind. Später war das Gebiet im 15. Jahrhundert zweimal stark in die komplizierten politisch-militärischen Verschwörungen Italiens verwickelt. Zum ersten Mal wurde sie von den Truppen des Markgrafen von Monferrat belagert, die sie 1413 eroberten. Nachdem Genua von 1469 bis 1477 erneut aktiv wurde, indem es Pietro Antelamo mit einer Verstärkung der Mauern beauftragte, kam es 1488 zu einer zweiten Belagerung der Festung. Dieses Mal war es das Heer des Herzogs von Mailand, Ludovico il Moro, unter dem Kommando von Boccalino da Osimo, das den Priamar angriff und eroberte. Im 16. Jahrhundert wurde die Festung Teil des jahrzehntelangen Kampfes zwischen Spanien und Frankreich um die Vorherrschaft in Europa, was zu der Entscheidung der Republik Genua führte, die Festung auszubauen. Festungsbau und Militärgeschichte mini|Grundriss der ersten Festungsanlage zwischen 1542 und 1544 (mit dem Plan der noch nicht abgerissenen Kathedrale) mini|Karte des Kartographen Matteo Vinzoni aus dem Jahr 1773, die Savona und die Festung zeigt In der langen Auseinandersetzung zwischen Karl V., König von Spanien und Kaiser, und Franz I. war Genua unter der Führung von Andrea Doria ein treuer Bündnispartner des Ersteren, während Savona auf der Seite des Letzteren stand. Die Niederlage des französischen Königs in Pavia blieb nicht ohne Folgen für die Beziehungen zwischen den beiden Städten: 1528 bestraften die Genuesen die gegnerische Stadt mit der Schließung des Hafens und anderen Schikanen, welche die Einwohnerzahl von Savona von 18.000 auf 6.000 dezimierten. Innerhalb weniger Jahre änderte sich dann die politische und militärische Situation. Als die Franzosen, die immer noch gegen die Vorherrschaft der Habsburger kämpften, ein beispielloses Bündnis mit Sultan Süleyman eingingen, befürchtete man, dass die französisch-osmanische Flotte die ligurische Küste angreifen könnte, was die Republik Genua dazu veranlasste, den Hügel von Priamar erneut zu befestigen.Secondo Colmuto Zanella, S. 288, Diese Umstände veranlassten Genua, auch in Portofino und Porto Venere Festungen zu errichten oder auszubauen. Im Fall von Savona zitiert der Autor jedoch ein Werk des Historikers A. M. Monti, das 1697 in Rom veröffentlicht wurde und in dem es heißt, dass die Entscheidung zum Bau der Festung auch - wenn nicht sogar hauptsächlich - auf den Willen zurückzuführen war, „den Glauben des Volkes von Savona zu schützen“. Lamboglia betont jedoch, dass der Bau der Festung auch als „Verteidigung des Christentums“ dargestellt wurde.

Nachdem der Große Rat der Republik Genua in seiner Sitzung vom 12. Juli 1542 die Bitte der Bevölkerung von Savona abgelehnt hatte, die Festung auf dem Monticello zu geringeren Kosten und mit weniger Zerstörungen zu errichten, wurde das Projekt dem Ingenieur Giovanni Maria Olgiati anvertraut, der bereits für Spanien an der Errichtung von Militärbauten in der Lombardei gearbeitet hatte. Die Arbeiten begannen am 2. August 1542 und dauerten bis 1544. Dabei wurde der älteste Teil der Stadt zerstört, wobei sowohl die religiösen BautenNach Angaben von Colmuto Zanella, wurden 10 Oratorien, 3 von Ordensleuten geführte Hospize und die Kirchen San Domenico, Sant'Erasmo, San Nicolò und Santa Chiara zerstört. als auch die Wohnbauten in Mitleidenschaft gezogen wurden,Laut Varaldo und Massucco, wurde von 180.000 m² städtischer Bausubstanz etwa die Hälfte abgerissen, um Platz für die Festungsanlagen zu schaffen. Allerdings überließ Genua, das für sich selbst die Nutzungsrechtsklausel anwandte, das Eigentum an dem Komplex formell Savona und stellte der Stadt die Kosten für die Entschädigung in Rechnung. so dass den Bewohnern nur wenig Zeit zum Umzug blieb. In dieser ersten Phase blieb die Kathedrale von Santa Maria di Castello bestehen. Sie wurde jedoch entweiht und zu einer Kaserne umgebaut, die der genuesischen Garnison diente, die 1558 bis zu 4.000 Soldaten zählte.

Als 49 Jahre später, im Jahr 1595, Genua beschloss den Verteidigungskomplex zu verstärken, wurde auch dieses Gebäude geopfert um Platz für andere Bauten zu schaffen (das neue Gebäude an seiner Stelle wurde „Palazzo del Commissario“ genannt), und nur in einigen Drucken der damaligen Zeit sind Hinweise auf den Grundriss dieser Kirche erhalten. Der ständige Wandel in der Kriegstechnik und die zunehmende Zerstörungskraft der Artillerie zwangen zu ständigen Anpassung und zum Ausbau der Festung. Aus diesem Grund wurden zwischen 1595 und 1610 neue Innenanlagen und eine zweite Reihe von Bastionen errichtet.

Ein großes Unglück ereilte die Festung und die ganze Stadt 1648, als in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli während eines heftigen Gewitters das Pulvermagazin des in der Festung Priamar integrierten „Castello Nuovo“ mit über tausend Fässer Schwarzpulver durch einen Blitzschlag explodierte. Chroniken aus dieser Zeit zufolge stürzten 209 Häuser ein, wobei 850 Menschen getötet und 663 verletzt wurden: Der Hafen wurde vorübergehend trockengelegt und große Boote in die Luft geschleudert. Die schwerwiegenden Schäden an der Stadt und an der Festung waren der Grund ür ihren weiteren Ausbau.

Ende des 17. Jahrhunderts wurden noch weitreichendere Eingriffe vorgenommen: Im Jahr 1683 beauftragte der Kriegsmagistrat von Genua den Mailänder Ingenieur Domenico Sirena, trotz zahlreicher Bedenken, mit einem weiteren Ausbau. Insbesondere hat der Ingenieur Carlo Tasso die Aufgabe der Festung vorgeschlagen, da sie als unbrauchbar und schwer zu verteidigen eingestuft wurde. Auch im 18. Jahrhundert wurde eine Reihe von Arbeiten durchgeführt, darunter die Außenanlagen mit Bauwerken zum Schutz vor Belagerungen, die heute infolge der städtischen und industriellen Expansion verschwunden sind.Zit. Minola und Ronco, S. 135–143 1729 wurde innerhalb der Festung ein neues Gebäude namens „Palazzo della Sibilla“ errichtet. Aber auch nach diesen Investitionen gab es Leute (Bassignani), die auf die Mängel hinsichtlich seiner Verteidigungsfähigkeit, insbesondere auf der dem Hafen zugewandten Seite, hinwiesen.

In den 3 Jahrhunderten ihres Bestehens war die Festung Priamar im Jahr 1746 in den einzigen relevanten und blutigen Kämpfen mit savoyischen Grenadieren verwickelt. Im Rahmen des Österreichischen Erbfolgekriegs belagerten die Truppen von Karl Emanuel III. von Savoyen unter dem Kommando von General Della Rocca mit einer massiven Artillerie (40 Kanonen und 24 Mörser, die schließlich über 20.000 Granaten abfeuerten) die Festung. Als sich Genua mit dem berühmten Balilla-Aufstand gegen die Österreicher erhob und versuchte den Belagerten Hilfe zu bringen, wurde es von der englischen Flotte blockiert. Nach einer 18-tägigen Belagerung, ohne der Möglichkeit Hilfe zu erhalten, und nach einer Bresche bei der Bastion San Bernardo kapitulierte der Festungskommandant, Agostino Adorno, zusammen mit den rund 900 Soldaten der Garnison. Es war der 18. Dezember 1746, und es sollten drei Jahre vergehen, bis die Festung 1750 nach dem Frieden von Aachen an die Genueser zurückgegeben wurde, die 1774 weitere Baumaßnahmen durchführten und die Zahl der Geschütze auf über 200 erhöhten.

Während des Italienfeldzugs, im Jahr 1797, wurde Priamar von französischen Truppen unter Bonaparte besetzt. Die Festung blieb während der verschiedenen politischen Epochen, die Norditalien während der napoleonischen Zeit erlebte, bis 1815 in deren Händen – mit Ausnahme eines kurzen Intermezzos im Jahr 1800, als sie vor der Niederlage bei Marengo im Besitz der Österreicher war. Nach dem Wiener Kongress, der das Ende der Republik Genua besiegelte ging die Festung an das Königreich Sardinien-Piemont über. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Komplex bereits jegliche militärische Bedeutung verloren und die neuen Eigentümer unterhielten dort nur noch eine kleine Garnison. Im Jahr 1820 wurde er in ein Zuchthaus umgewandelt, und hier – mitten im Risorgimento – war Giuseppe Mazzini nach seiner Verhaftung wegen konspirativer Aktivitäten von November 1830 bis März 1831 in der Zelle Nr. 54 eingesperrt.

Verfall zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert mini|Das verlassenen Priamar zu Beginn der 1970er Jahre mini|Das verlassenen Priamar zu Beginn der 1970er Jahre