Die Wahl zum 9. Landtag Mecklenburg-Vorpommern fand am 20. September 2026 statt. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) trat als Spitzenkandidatin ihrer Partei zum zweiten Mal zur Wiederwahl an. Sie führte im Landtag eine Koalition aus SPD und Linken. Rund 1,3 Millionen Menschen waren wahlberechtigt. Die Wahlen fanden zeitgleich zu den Berliner Abgeordnetenhauswahlen und nur zwei Wochen nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt statt.
Der AfD gelang es mit 38,2 % zum dritten Mal in ihrer Geschichte, als stärkste Kraft aus einer Landtagswahl hervorzugehen. Ihr Spitzenkandidat Leif-Erik Holm hat wegen fehlender Koalitionsoptionen keine Aussichten auf eine Regierungsbildung. Als zweitstärkste Kraft konnte die SPD 35,5 % der Stimmen auf sich vereinigen. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gelang der CDU der Einzug in ein Landesparlament nicht, sie scheiterte mit 4,9 % der Stimmen an der Sperrklausel. Die Wahlbeteiligung lag bei 78,1 %.
Organisation
Wahlrecht mini|275px|Die 36 Landtagswahlkreise in Mecklenburg-Vorpommern mini|Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern seit 1990 mit Nichtwähleranteilen und Ausschöpfungsquoten Der Landtag besteht aus mindestens 71 Abgeordneten, die nach den Grundsätzen des personalisierten Verhältniswahlrechts gewählt werden. In jedem der 36 Wahlkreise wird über die Erststimme ein Abgeordneter direkt gewählt. Erringt eine Partei mehr Direktmandate, als ihr gemäß dem Zweitstimmenergebnis zustünden, bleiben diese als Überhangmandate bestehen und die anderen Parteien erhalten Ausgleichsmandate, wobei die Zahl der Ausgleichsmandate das Doppelte der Überhangmandate nicht übersteigen kann. Es gilt eine Fünf-Prozent-Sperrklausel; eine Grundmandatsklausel besteht nicht. Die Zuteilung der Mandate erfolgt nach dem Hare/Niemeyer-Verfahren.
Wahlberechtigt ist jeder Deutsche, der das 16. Lebensjahr vollendet hat und seit mindestens 37 Tagen in Mecklenburg-Vorpommern wohnt. Wählbar ist jeder Wahlberechtigte, der am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet hat und seit mindestens drei Monaten seinen Hauptwohnsitz im Bundesland hat. LKWG M-V
Wahltermin und Fristen Gemäß der Verfassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern findet eine Wahl frühestens achtundfünfzig, spätestens einundsechzig Monate nach Beginn der Wahlperiode statt (Art. 27 Abs. 1 S. 2). Die Konstituierung des 8. Landtag Mecklenburg-Vorpommerns geschah am 26. Oktober 2021, daher wäre ein Wahltermin zwischen dem 30. August 2026 und 22. November 2026 möglich gewesen. Am 29. Juli 2025 hat die Landesregierung den 20. September 2026 als Wahltag bestimmt.
Parteien, die nicht bereits im Landtag oder dem Bundestag mit Abgeordneten aus Mecklenburg-Vorpommern vertreten waren, mussten ihre Beteiligung bis zum 4. Juni 2026 anzeigen. Die Wahlvorschläge für Wahlkreisabgeordnete und Landeslisten mussten anschließend bis zum 7. Juli 2026 (75. Tag vor der Wahl) eingereicht werden. Einzelbewerber sowie Parteien, die eine Beteiligungsanzeige abgeben mussten, mussten hierzu zusätzlich 100 gültige Unterstützungsunterschriften von Wahlberechtigten vorweisen.
Ausgangslage
Die SPD ging aus der vorherigen Landtagswahl als klare Siegerin hervor; sie gewann neun Prozentpunkte dazu und blieb nur knapp unter 40 %. Die AfD musste Verluste hinnehmen, blieb aber mit 16,7 % zweitstärkste Kraft im Landtag. Die CDU verlor am meisten Stimmen, erzielte 13,3 % und blieb weiterhin drittstärkste Kraft. Die Linke verlor ebenfalls Stimmen und erreichte mit 9,9 % nur noch ein einstelliges Ergebnis. FDP und Grüne schafften den Einzug in den Landtag, beide erzielten rund 6 %.
Die SPD als Wahlsiegerin führte Koalitionsgespräche mit CDU und Linkspartei. Nach erfolgreichen Sondierungen bildete sie mit der Linken eine rot-rote Regierung unter SPD-Führung mit dem Kabinett Schwesig II; die bisherige rot-schwarze Koalition wurde damit beendet.
Parteien und Bewerber mini|Plakatwände der SPD und der Linken Die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig trat erneut als Spitzenkandidatin der SPD an. Dies bestätigte die Partei auf ihrer Landesvertreterversammlung am 13. Juni 2026 in Wismar, auf der auch das Wahlprogramm mit dem Titel „Aufschwung, Zusammenhalt und Respekt“ beschlossen wurde. Im Bereich Wirtschaft will sie mit zusätzlichen Investitionen die Infrastruktur stärken und eine Förderbank auf Landesebene einrichten. Zum Bürokratieabbau schlägt die SPD die Aussetzung verschiedener Berichtspflichten für kleine und mittlere Unternehmen für zwei Jahre vor. Im Bereich Bildung und soziale Sicherheit bekräftigt die SPD ihre Haltung zu beitragsfreien Kindertagesstätten, die sie durch kleinere Gruppen qualitativ verbessern will. 600 Millionen Euro aus den Sondermitteln des Bundes sollen in die Sanierung und Digitalisierung der Schulen fließen. Zuletzt will die SPD eine höhere Bürgerbeteiligung durch Bürgerräte und die Schaffung eines neuen Abstimmungsinstruments in Form der Volksbefragung.Steffen Wehner (Hrsg.): Aufschwung, Zusammenhalt und Respekt – Regierungsprogramm der SPD MV 2026. SPD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern (spd-mv.de [PDF; 1,02 MB; abgerufen am 15. September 2026]).
Die AfD einigte sich bereits im November 2025 auf den Bundestagsabgeordneten und Co-Landeschef Leif-Erik Holm als Bewerber um das Amt des Ministerpräsidenten. Holm trat ohne einen Platz auf der Landesliste nur im Landtagswahlkreis Schwerin I direkt gegen Schwesig an und erklärte, bei Misserfolg im Bundestag bleiben zu wollen. Diese Vorgehensweise hatte die AfD bereits in Baden-Württemberg gewählt. Zum Listenführer wurde Co-Landeschef Enrico Schult auf einem Parteitag in Neubrandenburg Ende Januar 2026 gewählt. Der einzige AfD-Direktmandatgewinner von 2021 errang die Nominierung gegen Nikolaus Kramer und übernahm zudem im Juni 2026 den Fraktionsvorsitz im Landtag. Bei einem Parteitag in Grimmen im Mai 2026 verabschiedete die AfD ihr Wahlprogramm. Zu den Hauptthemenfeldern gehören neben der inneren Sicherheit und einer einschränkenderen Migrationspolitik vor allem eine stärker „leistungsorientierte“ Bildungspolitik und ein Kurswechsel in der Energiepolitik. Die AfD fordert eine Spezialeinheit für Grenzkontrollen und Rückführungen innerhalb der Landespolizei, die Errichtung einer Abschiebehafteinrichtung und eine personelle und materielle Stärkung der Polizei, etwa durch Elektroschockpistolen. Die Strafmündigkeit soll auf 12 Jahre gesenkt werden. Die AfD lehnt Windkraft- und Freiflächenphotovoltaikanlagen ab und will stattdessen die Nord-Stream-Pipelines wieder in Betrieb nehmen, Gaskraftwerke bauen und langfristig auf Kernkraft setzen. Die AfD will zudem aus den NDR- und Medienstaatsverträgen aussteigen und Landesförderungen an eine strikte politische Neutralität binden.Bereit für die Blaue Wende – AfD-Regierungsprogramm für die Landtagswahl 2026. Alternative für Deutschland Mecklenburg-Vorpommern (afd-mv.de [PDF; 1,51 MB; abgerufen am 15. September 2026]). Zahlreiche Politikwissenschaftler und Verfassungsrechtler warnten vor der Wahl, dass die Vorhaben der AfD zum Teil verfassungswidrig sind.
mini|Beliebtes Motiv im CDU-Wahlkampf: das Fischbrötchen Die CDU Mecklenburg-Vorpommern wählte im Januar 2026 in Rostock den Landesvorsitzender Daniel Peters zum Spitzenkandidaten. Im Juni wurde auf einem Parteitag in Linstow das Wahlprogramm beschlossen. Kernforderungen der CDU sind unter anderem eine Förderung der Digitalisierung für Unternehmen, einen Ausgleich für zu hohe Stromkosten, ein Baukindergeld und eine Azubiprämie, aber auch zusätzliche Stellen bei Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei und eine Ausweitung der Videoüberwachung. Auch verpflichtende Sprachstandsfeststellungen vor der Einschulung, eine Klarnamenspflicht in Sozialen Medien und ein Verbot des Genderns in Schule und Verwaltung stehen im Programm. In ihrem Schwerpunktgebiet Wirtschaft und Arbeitsplätze will die CDU Investitionen und die Ansiedlung von Industrieunternehmen fördern.Besser. Nur mit uns. Wahlprogramm 2026. CDU Landesverband Mecklenburg-Vorpommern (cdu-mv.de [PDF; 1,14 MB; abgerufen am 16. September 2026]). Mit Blick auf eine mögliche Regierungsbildung lehnt die CDU sowohl eine Zusammenarbeit mit der Linken als auch der AfD ab.
Die Linke bestimmte ihre Landesliste im März 2026 auf einem Parteitag in Rostock. Zur Spitzenkandidatin wurde dabei Bildungsministerin Simone Oldenburg gewählt, die in dieser Rolle bereits 2021 antrat. Bei einer weiteren Versammlung in Schwerin wurde Ende Mai das Wahlprogramm beschlossen. Die Linke fordert ein Bildungspaket in Höhe von 300 Millionen Euro für mehr Personal und individuelle Förderung. Förderschulen will die Linke in inklusive Regelschulen umwandeln. Die Partei will kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen stärken und einen bundesweiten Mietendeckel unterstützen. Durch kostenlosen Nahverkehr für alle unter 21 Jahren verspricht die Partei mehr gesellschaftliche Teilhabe. Für die Pflege fordert die Linke einen Landesfonds für zusätzliche Zuschüsse. Des Weiteren spricht sich die Linke für eine Abschaffung der Schuldenbremse im Grundgesetz, den 8. Mai als Feiertag, leichtere Volksbegehren und die Unterstützung der Kommunen bei der Wohnraumversorgung Geflüchteter aus.Sozial. Gerecht. Antifaschistisch. Unser Programm zur Landtagswahl 2026. Die Linke Mecklenburg-Vorpommern (die-linke-mv.de [PDF; 897 KB; abgerufen am 16. September 2026]).
mini|Wahlkampfabschluss der Grünen vor dem Kröpeliner Tor in Rostock Bündnis 90/Die Grünen wählten im September ihre Fraktionsvorsitzenden Constanze Oehlrich und Ole Krüger zum Spitzenkandidaten-Duo. Nach parteiinternen Auseinandersetzungen entschloss sich der Landesvorstand jedoch zu einer Neuaufstellung der Landesliste. Beim Parteitag in Schwerin wurde im Januar 2026 die Bundestagsabgeordnete Claudia Müller auf Platz 1 der neuen Landesliste gewählt und bildet mit Krüger das neue Spitzenduo. In Stralsund wurde im Juni 2026 das Wahlprogramm „Klare Kante Zukunft“ beschlossen. Die Partei möchte Klimaschutz in die Landesverfassung aufnehmen und Treibhausgasneutralität bis 2035 erreichen. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie soll fortgeführt werden und Anwohner davon stärker profitieren, etwa durch die vollständige Befreiung von Netzentgelten. Daneben steht der Schutz der Ostsee im Fokus des Programms, etwa durch ein Rettungsprogramm für Schweinswale und die Wiederherstellung von marinen Lebensräume wie Seegraswiesen und Riffen. Des Weiteren wollen die Grünen den öffentlichen Nahverkehr attraktiver gestalten, mehr Wohnraum schaffen und Gesundheits- und Bildungsangebote im ländlichen Raum sichern.
Die FDP stellte im Januar 2026 Jakob Schirmer als ihren Spitzenkandidaten auf. In ihrem im März 2026 beschlossenen Wahlprogramm will die Partei Bürokratie und staatliche Regulierung abbauen, das Landesvergabegesetz vereinfachen und das Verbot von Sonntagsöffnungen aufheben. Den Schulen will die FDP höhere Autonomie gewähren und ein dreigliedriges Schulsystem mit Haupt- und Realschule einführen. Im Bereich Gesundheit soll die Telemedizin ausgebaut und der Ärzteverbleib nach dem Studium gefördert werden.Programm zur Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern 2026. FDP Mecklenburg-Vorpommern (fdp-mv.de [PDF; 2,46 MB; abgerufen am 17. September 2026]).
mini|Forderung aus dem BSW-Wahlkampf: Gaslieferungen aus Russland über Nord Stream