mini|Dietrichsteinplatz, Blick in Richtung Osten (März 2022)

Der Dietrichsteinplatz ist ein Platz im Süden der Grazer Altstadt. Der langgezogene, im Wesentlichen West-Ost-orientierte Platz liegt an der Grenze zwischen dem zweiten Stadtbezirk St. Leonhard und dem sechsten Stadtbezirk Jakomini; zu ersterem gehören die Häuser an der Nordseite und ein Großteil der Platzfläche, zu letzterem die Häuser der Südseite. Seine heutige Fläche entstand in den Jahren 1882/1883 durch Überwölbung eines Baches. Davor teilte dieser den langgezogenen Platz in zwei schmale Streifen. Sein Name erinnert an die adelige Familie Dietrichstein.

Entwicklung mini|Blick über den offenen Grazbach nach Osten auf den „Venushof“ bzw. „Rundellenwirt“. Links die heutige Sparbersbachgasse, rechts die heutige Schörgelgasse. Aquarell von 1925 nach einer Vorlage, die den Zustand 1864 zeigt.

Vorgeschichte: Grazbach & Rundelle Bis weit ins 19. Jahrhundert floss der Grazbach offen durch die südlichen Grazer Vorstadt. Im Bereich des späteren Dietrichsteinplatzes traf die (heutige) Sparbersbachgasse, die mit dem Bach aus Richtung Nordost kam und an seinem Nordufer entlangführte, in einem spitzen Winkel auf die von Osten kommende Schörgelgasse. Die Straßen liefen ab hier für eine gewisse Strecke parallel an den jeweiligen Ufern und waren mit einer Brücke (dem Färbersteg) verbunden. Östlich dieser Brücke, an der Ostseite des heutigen Platzes, befand sich ein Venushof genannter Baukomplex. Laut mündlicher Überlieferung habe sich hier ein Tempel der römischen Göttin Venus befunden, tatsächlich geht der Name aber auf einen gleichnamigen Besitzer im 17. Jahrhundert zurück. Aufgrund einer charakteristischen halbkreisförmigen Ausbuchtung wurde der Bau auch als „Die Rundelle“ bezeichnet. Bezeichnung und Form des Anlage könnten auf eine Vorfeldbefestigung der Stadt zurückgehen – eine Geschützstellung (Rondell) aus dem 15. Jahrhundert, welche das deutlich vor den Stadtmauern gelegene Areal sichern sollte und vielleicht während des osmanischen Angriffs 1532 zerstört wurde. Die Ruine dieser vermuteten Anlage wurde dann von zivilen Gebäuden überbaut und in die wachsende Vorstadt integriert. Im 18. Jahrhundert beherbergte der „Venushof“ ein Gasthaus namens „Rundellenwirt“. Spätestens in den 1880er-Jahren wurde der gesamte Bau abgetragen und durch ein 1888 fertiggestelltes Wohnhaus mit späthistoristischer Fassade ersetzt, das heute das östliche Ende des Dietrichsteinplatzes markiert.

Entstehung des Platzes Im Jahr 1879 wurde beschlossen, den Grazbach zu begradigen und mit einem Gewölbe zu übermauern, ihn also unterirdisch zu führen. Zum einen sollte die Stadt dadurch vor Überschwemmung geschützt werden, zum anderen wurden damals Abwässer in den Bach eingeleitet, welcher im Sommer aber oft nur wenig eigenes Wasser führte und somit eine Geruchsbelästigung darstellte. Der erste Bauabschnitt des Kanals war jener vom Westteil des späteren Dietrichsteinplatzes bis zur Mündung des Grazbaches in die Mur, der zweite, obere Bauabschnitt ließ dann anstelle eines Bachbettes auch den Ostteil des heutigen Platzes entstehen.

Der Grazbachkanal kann von seiner Mündung, die nun etwa an der Stauwurzel des Murkraftwerks Graz-Puntigam liegt, in seiner ganzen Länge aufwärts in der Regel aufrecht und trocken begangen werden und war 2005 bis zumindest 2011 Laufstrecke des Wasser- und Kanallaufs – mit Stirnlampe.https://www.wasserwirtschaft.steiermark.at/cms/beitrag/10639875/2222006/Vom Kanal ins Fernsehen gipfelrast.at, 22. März 2011, abgerufen am 7. Juli 2022.

Der Grazbachkanal beginnt am Ostende der Sparbesbachgasse gegenüber der Herz-Jesu-Kirche, wo er den Leonhardbach aufnimmt. Durch Aufklappen von Schachtdeckeln am Gehsteig Sparbesbachgasse 2 wird ein Ausstieg an der Hausecke zum Dietrichsteinplatz geöffnet.

Beidseits der Bachrinne verlaufen zwei Schmutzwasserrinnen, die in den Schmutzwasserkanal im linken Murufer, nunmehr ein Speicherkanal, münden. Das reine Bachwasser fließt in die Mur. Bei Hochwasser durch Starkregen kommt es zur Vermischung und Eintrag in die Mur.

Schon bei Beginn der Bauarbeiten zur Bachüberwölbung hatte der Gemeinderat beschlossen, den Platz „Fürst Dietrichsteinplatz“ zu nennen. Der Name ehrt die adelige Familie der Dietrichstein nicht ohne Grund: Gundacker von Dietrichstein hatte 1690 festgelegt, dass ein beträchtlicher Teil des familiären Vermögens in eine wohltätige Stiftung umgewandelt werden sollte, falls die Familie eines Tages ausstürbe. Dieser Fall trat, zumindest für einen Familienzweig, schließlich im Jahr 1858 (nach anderer Angabe 1859) ein. Seither existiert in unmittelbarer Nähe des Platzes (Schlögelgasse Nr. 9) das „Fürst Dietrichstein’sche Stiftungshaus“, nach mehreren Überarbeitungen des Stiftungszweckes werden seit 1977 Studenten unterstützt.

Heutige Situation Im Umfeld des Dietrichsteinplatzes stand lange jene Pestsäule, die sich heute vor dem Eingang des Stadtfriedhofs St. Peter befindet. Sie musste aus Platzgründen versetzt werden, denn mit dem Wachstum der Straßenbahn Graz (Pferdetramway ab 1878) entwickelte sich der Platz zu einem wichtigen Verteiler im innerstädtischen Verkehr. Er hat diese Rolle bis heute inne, folglich ist sein Aussehen wesentlich von den Anforderungen des motorisierten Verkehrs geprägt. Die sechs Straßen, die in den unregelmäßig geformten Platz münden, sorgen gemeinsam mit den Anforderungen der Straßenbahn- und Buslinien für eine komplexe Verkehrssituation, an der der Wunsch nach einer Umgestaltung der Fläche bisher scheiterte. Besonders an der Südseite des Platzes existieren noch einige biedermeierzeitliche oder gar ältere Bauten, die ihren historischen Vorstadtcharakter bewahrt haben, jedoch teilweise von Abriss bedroht sind.

Am Platz gabelt sich das vom Jakominiplatz via Reitschulgasse kommende Straßenbahngleis auf in die Sparbesbachgasse (Linie 3 (und 23) nach Krenngasse) und in die Münzgrabenstraße (Linie 6 nach St. Peter), an dessen Beginn einer der vier Bim-Bahnsteige der Station Dietrichsteinplatz liegt.

Für Taxifahrer ist auf der Verkehrsinsel (mit Imbissstand) eine Wartespur eingerichtet. Radfahrer kommen auch aus der Reitschulgasse auf den Platz und nützen informell auch die Bimtrasse in der Mitte des Platzes in Richtung Ost.

Die Bäckerei Martin Auer produzierte bis 2021 in zwei Gebäuden am bzw. fast am Platz, siedelte jedoch 2022 drei Kilometer südwärts nach Messendorf ab. Die städtische Berufsfeuerwehr hat nahe dem Abgang der Schörgelgasse einen kleinen Stützpunkt, die Feuerwache Ost, die dort bereits seit dem Jahr 1888 besteht. Nachdem die Feuerwehr Anfang des Jahres 2024 ihren vorübergehenden Standort auf dem Gelände der Grazer Messe bezogen,Die Grazer Berufsfeuerwehr zieht um, abgerufen am 3. November 2024 begann Ende März 2024 der Abriss der alten Feuerwache und einer Reihe an benachbarten Gebäuden. Bereits 2021 wurde dafür ein benachbartes Gebäude abgetragen. Die neue Feuerwache soll bis Ende 2026 fertiggestellt sein und 13,5 Millionen Euro kosten.

Zwischen Ende Oktober und Anfang November 2024 erfolgte der Abriss des sich in der Altstadtschutzzone befindlichen historischen Gebäudes auf der Adresse Dietrichsteinplatz 8. Der Abriss wurde von Altstadtschützern stark kritisiert.Altstadtschützer kritisieren „Domino“ am Dietrichsteinplatz, abgerufen am 3. November 2024

Liste bedeutender Bauten und Denkmäler Siehe auch die Liste der denkmalgeschützten Objekte in Graz/St. Leonhard bzw. die Liste der denkmalgeschützten Objekte in Graz/Jakomini.