Die Liste der Mühlen an der Schwarzach und ihren Zuflüssen führt alle Mühlenbauten am Mainzufluss Schwarzach und seinen Zuflüssen auf. Die Schwarzach fließt in ihrem etwa 20 Kilometer langen, im Wesentlichen südwestlichen Lauf durch das Steigerwaldvorland und das Schwarzacher Becken an insgesamt lediglich etwa 15 ehemaligen Mühlen vorbei. Entlang der Zuflüsse, insbesondere dem über 17 Kilometer langen Castellbach, dem Breitbach, dem Schönbach und dem Altbach finden sich weitere Mühlen.
Historischer Hintergrund Mit über 50 Mühlen gehört das Einzugsgebiet der Schwarzach und ihrer Zuflüssen zu den Gebieten mit der historisch höchsten Dichte an Mühlenbauten in ganz Unterfranken. Die ersten Anlagen entstanden am Unterlauf bereits im Frühmittelalter. Im Hochmittelalter nutzten die Mönche von Münsterschwarzach die Tatsache, dass zwei Flüsse, die Schwarzach und der Castellbach, mit nahezu gleich großer Schüttung in wenigen Metern Entfernung voneinander in den Main mündeten und verbanden die beiden Fließgewässer durch ein System aus Mühlbächen und Kanälen miteinander.Franziskus Büll: Das Monasterium Suuarzaha. Ein Beitrag zur Geschichte des Frauenklosters Münsterschwarzach von 788(?) bis 877(?) (= Münsterschwarzacher Studien Bd. 42). Münsterschwarzach 1992. S. 28–35.
Während der Einfluss des Benediktinerklosters Münsterschwarzach entlang des Hauptflusses Schwarzach in Mittelalter und Früher Neuzeit stark blieb, entwickelte sich entlang der größeren Zuflüsse des Castellbachs die Grafschaft Castell zu einem Machtfaktor. Diese beiden Herrschaftsträger forcierten, zusammen mit mehreren anderen weiteren Obrigkeiten entlang der Bäche die Anlage von Mühlen. Eine besonders große Anzahl von Mühlenanlagen wurde im 16. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt.
Während der Frühneuzeit begann ein erster Verdrängungsprozess zwischen den Mühlen entlang des Flusssystems Schwarzach. Gleichzeitig differenzierte sich die Mühlennutzung weiter aus. Neben den bisher vorhandenen Getreide- und Schneidmühlen entstanden nun auch Gips-, Pulver-, Öl- und Lohmühlen. Dabei taten sich wiederum die Grafen zu Castell hervor, die durch eine merkantilistische Politik die wirtschaftliche Leistungskraft ihrer Territorien verbessern wollten. Um Feuerbach setzte sich beispielsweise im 18. Jahrhundert die Papierherstellung durch, sodass hier zwei Papiermühlen in unmittelbarer Nähe zueinander errichtet wurden.
Nach der Auflösung der feudalen Herrschaften zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelangten die Mühlen in die Hände von Privatpersonen, die nun auf eigene Rechnung die Anlagen betrieben. Es bildeten sich Müllerdynastien heraus, die gleichzeitig mehrere Anlagen, auch in unterschiedlichen Dörfern, betrieben. Im 19. und vor allem 20. Jahrhundert wurden einige der Mühlen sogar in Kraftwerke für die Energieherstellung umgewandelt. Gleichzeitig begann das Mühlensterben auch im Flusssystem Schwarzach. Heute wird keine der ursprünglichen Mühlen mehr aktiv betrieben, lediglich einige Sägewerke sind noch in Betrieb.
Mühlenliste Die Ordnung in der Liste richtet sich nach der Lage der Mühlen und folgt dem Bachlauf von der Quelle der Schwarzach in der Nähe von Oberschwarzach bis zu deren Mündung bei Münsterschwarzach in den Main. Die Mühlen entlang der Zuflüsse sind ebenfalls von der Quelle zur Mündung sortiert. Blau unterlegte Gliederungsüberschriften nennen die Gemarkungen, auf denen die Mühlen standen oder noch stehen. In den Beschreibungen wird darauf hingewiesen, wenn eine ehemalige Mühle noch heute ein Ortsteil einer Gemeinde ist.
Die Mühlendichte entlang der Bäche variiert teilweise stark. Dabei bildeten sich im Laufe der Frühneuzeit Orte heraus, an der besonders viele Mühlen entstanden. Zumeist leitete man hierfür Wasser auf einen extra angelegten Mühlbach, der vom jeweiligen Fließgewässer abgeleitet wurde. Der auffällige Ring um Münsterschwarzach, entlang dem keine Mühlen standen, kann wohl durch den sogenannten Klosterforst erklärt werden, der sich in der Vergangenheit halbkreisförmig um die Gemarkungen im Schwarzacher Becken legte.
Schwarzach Name Typ Erhaltungszustand Beschreibung Lage Bild Oberschwarzach Dorfmühle (Oberschwarzach)Georg Höfling: Geschichte und Beschreibung des im k.b.U.M. Kreise liegenden Marktfleckens Oberschwarzach und der Ruine Stolberg am Steigerwalde. Würzburg 1836. Digitalisat, PDF-Datei, S. 18, abgerufen am 9. April 2022. Getreidemühle weitgehend erhalten, erneuert Die Dorfmühle von Oberschwarzach wurde von insgesamt drei Mahlgängen angetrieben. Steinmühle Getreidemühle weitgehend erhalten, erneuert Die Steinmühle (auch Steinmitzenmühle) besaß insgesamt drei Mahlgänge. Heute ist in den Räumlichkeiten das Erich Kästner Kinderdorf als heilpädagogisch-therapeutisches Kinderheim. Wiesenmühle Getreidemühle weitgehend erhalten, erneuert Die Wiesenmühle (auch Leierersmühle, Karbachermühle, Kropfmühle) besaß insgesamt drei Mahlgänge. Greuthermühle Getreide-, Gips- und Schneidmühle weitgehend erhalten, erneuert Die Greuthermühle (auch Gereuthermühle) ist der letzte Überrest einer Wüstung gleichen Namens. Erstmals erwähnt wurde die Mühle im Jahr 1574, zu diesem Zeitpunkt bestand das Dorf bereits nicht mehr. Die Mühle gehörte den Herren Fuchs von Bimbach und gelangte später in die Hände der Würzburger Fürstbischöfe. Prichsenstadt-Bimbach ErhardsmühleVolker Bolesta, Karl-Heinz Leibl: Mühlen in der Großgemeinde Prichsenstadt (= Prichsenstädter Eulenspiegel 10). Prichsenstadt 2015. S. 6–32. Getreidemühle weitgehend erhalten Die Erhardsmühle geht auf ein Dorf zurück, das den Namen Erichesdorf oder Erisdorf trug. Im Laufe des 15. Jahrhunderts lag der Ort bereits weitgehend wüst. Später wurde die Mühle als letzter Überrest des Dorfes nach Bimbach eingemeindet. Die Bauten der Mühle haben sich erhalten und werden als Baudenkmal eingeordnet. Heute bildet die ehemalige Mühle einen eigenständigen Ortsteil von Prichsenstadt. Lülsfeld-Schallfeld Aumühle (Schallfeld) Getreidemühle weitgehend erhalten, erneuert Die Geschichte der Aumühle ist eng mit der des benachbarten Brünnau verbunden. Die Anlage gehörte den jeweiligen Dorfherren über Bimbach und wurde später in die Gemeinde Schallfeld eingemeindet. Heute ist die ehemalige Mühle ein Ortsteil der Gemeinde Lülsfeld im Landkreis Schweinfurt. Prichsenstadt-Brünnau Dorfmühle (Brünnau) Getreidemühle weitgehend erhalten Die Dorfmühle von Brünnau geht auf die Zeit um 1600 zurück. Die meisten Baulichkeiten wurden allerdings im 18. und 19. Jahrhundert erneuert. Die erhaltenen Bauten werden vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal eingeordnet. 100px|Dorfmühle Brünnau Stolzenmühle Getreidemühle weitgehend erhalten Die Stolzenmühle wurde erstmals im Jahr 1577 erwähnt. Nachdem sie von wechselnden Inhabern und Pächtern geführt wurde, gelangte die Anlage in der Mitte des 18. Jahrhunderts an die Familie Glos. Die Mühle wurde von der Familie Glos stetig erweitert, sie betrieb auch Viehhaltung auf den Fluren. 1994 wurde der Mahlbetrieb eingestellt. Die ehemalige Mühle bildet heute einen eigenständigen Ortsteil von Prichsenstadt. Prichsenstadt-Neuses am Sand Fleischmühle Getreidemühle weitgehend erhalten, erneuert Die Fleischmühle (auch Fuchsmühle) geht bereits auf die Frühneuzeit zurück. Wahrscheinlich gehörte sie dem jeweiligen Dorfherren über Neuses. So hat sich ein Wappenstein der Fuchs von Bimbach am 1972 erneuerten Gebäude erhalten. Prichsenstadt-Stadelschwarzach Aumühle (Stadelschwarzach) Getreidemühle vollständig abgegangen Die Aumühle in Stadelschwarzach lag am nordöstlichen Dorfrand. Sie wurde wohl erst im 19. Jahrhundert gegründet und ging bereits nach wenigen Jahrzehnten wieder ein. Einzige bekannte Müller waren Karl Ulsamer und sein Nachfolger Fritz Ebert. Gründe für die Schließung waren wohl Hygieneauflagen. Prichsenstadt-Laub Dorfmühle (Laub) Getreide- und Schneidmühle weitgehend erhalten, erneuert unklar Weidemühle Getreide- und Schneidmühle weitgehend erhalten, erneuert Die Weidemühle am Weg nach Reupelsdorf wurde in der Vergangenheit als Getreide- und Schneidmühle genutzt. Das heutige Gebäude entstand im Jahr 1941 und wurde vom damaligen Müller Leonhard Seger erbaut. Die Anlage ist bis heute in Betrieb. Wiesentheid-Reupelsdorf FuchsenmühleDieter Krenz: Wiesentheid. Ein Streifzug durch die Geschichte. Münsterschwarzach 2018. S. 144–150, 196–200, 210, 221, 233. Getreide- und Schneidmühle weitgehend erhalten, erneuert Die Fuchsenmühle entstand im Jahr 1543. Sie war dem jeweiligen Dorfherren über Reupelsdorf zugeordnet. Im Jahr 1895 wurde die Getreidemühle in ein Sägewerk umgerüstet. Die Mühle ist noch immer in Betrieb. Sie ist heute ein eigenständiger Ortsteil von Wiesentheid. Schwarzach am Main-Münsterschwarzach PflötschenmühleFritz Mägerlein: Die Mühlen im Kitzinger Land im Jahre 1840. In: Im Bannkreis des Schwanbergs 1966. Heimat-Jahrbuch aus dem Landkreis Kitzingen. Marktbreit 1966. S. 117. Getreidemühle weitgehend erhalten, erneuert Die Pflötschenmühle (auch Memmelsmühle, Fletschenmühle, Flätschenmühle) entstand auf einer Insel, die von zwei Armen der Schwarzach gebildet wurde. In der Frühen Neuzeit projizierte man die Entstehung der Mühle bereits auf das 13. Jahrhundert zurück. Die Mühle wurde als letzte in Münsterschwarzach noch bis in die 1980er Jahre betrieben. RhönmühleThomas Büttner, Andrea Lorenz: Kulturlandschaftsinventarisation Steigerwald Schlussbericht. O. O. 2017. S. 320. Getreidemühle weitgehend erhalten, erneuert Die Rhönmühle (auch Haunmühle) ist die mit Abstand älteste Mühlenanlage an der Schwarzach und ihren Zuflüssen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Anlage bereits im Jahr 1251, als der Würzburger Bischof Hermann die Mühle an den Münsterschwarzacher Abt Rutger schenkte. Wahrscheinlich existierte eine Mühle auf dem Gelände des Klosters allerdings schon im Frühmittelalter. Die Wasserrechte am Bach, die die Mühle bis heute innehat, lassen sich auf die mittelalterlichen Klosterrechte zurückführen.
Breitbach Name Typ Erhaltungszustand Beschreibung Lage Bild Oberschwarzach-Breitbach Dorfmühle (Breitbach)Karl Treutwein: Von Abtswind bis Zeilitzheim. Geschichtliches, Sehenswertes, Überlieferungen. Volkach4 1987. S. 33. Getreidemühle weitgehend erhalten, erneuert Die Breitbacher Dorfmühle gehörte lange Zeit in den Einflussbereich des Klosters Ebrach. Wahrscheinlich wurde das Hauptgebäude im Jahr 1735 erneuert. Eine Inschrift über der Tür lautet: „Ein Müller, der sein’ Mütz’ vergißt/ der ist nicht wert, daß er’s Brot frißt.“ Schlottermühle Getreidemühle weitgehend erhalten unklar
Schönbach Name Typ Erhaltungszustand Beschreibung Lage Bild Prichsenstadt-Altenschönbach Lochmühle Getreidemühle weitgehend erhalten, erneuert Die Lochmühle bildet den letzten Überrest der Dorfwüstung Kleinschönbach. Der Ort wurde im 15. Jahrhundert niedergebrannt. Die Mühle wurde noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts betrieben, anschließend wurden die Baulichkeiten in Büros umgewandelt.
Altbach und Beibach