Die Verwendung von Kaiserstein als Baumaterial hat eine lange Tradition. Aufgrund der hohen Güte der Werksteine, wie der hohen Festigkeit und Verwitterungsbeständigkeit wurde das Material Kaiserstein häufig für statisch-sensible Bauteile in den kaiserlichen Bauten, den Adelspalästen und Kirchen verwendet, für Portale, Treppen, Säulen, weit herausragende Gesimse, und anderes mehr.

Verwendungsbeispiele sind die Hofburg mit dem Schweizerhofbrunnen von 1552, dem Renaissancebrunnen im Hof des Amalientraktes von 1612, die Architektursteine des Leopoldinischen Traktes und die Stufensteine der Säulen-, Botschafter-, Kaiser- und Adlerstiege zu nennen. Im Schloss Neugebäude, bedeutendster Renaissancebau nördlich der Alpen und im Schloss Schönbrunn. Kaiserstein fand auch Verwendung in der Karlskirche, einem hervorragenden Kunstwerk abendländischer Kultur, deren Formen in den Altären der Kaisersteinbrucher Kirche wieder zu finden sind.

Durch die Häufigkeit seiner Verwendung war der Kaiserstein, zusammen mit dem Eggenburger Stein, eines der wichtigsten Baugesteine dieser Ära. Für die Ausfuhr des Steines musste Zoll bezahlt werden, so wurde 1708 ein eigenes Dreißigstamt in Kaisersteinbruch errichtet. mini|140px|Renaissancebrunnen im Amalientrakt, P. M. Maderno

Harter Kalkstein vom „Römersteinbruch“ für die Römische Villa von Königshof-Ödes Kloster mini|links|120px|Groller: Gebäude Königshof-Ödes Kloster

Die Ausgrabung des römischen Gutshofes auf der Klosterwiese westlich von Kaisersteinbruch im Jahre 1903 im Auftrage der Akademie der Wissenschaften durch den Archäologen und Oberst Maximilian von Groller-Mildensee zeigte, dass auf dieser günstig gelegenen Stelle in der Römerzeit drei voneinander unabhängige Siedlungen entstanden sind. Er war davon überzeugt, Ulmus, eine römische Straßenstation der Tabula Peutingeriana gefunden zu haben.

Die frühzeitige Villa bestand aus den Bauwerken A, B, N und P, wahrscheinlich noch aus weiteren Gebäuden, die beim Ausbau des Graben- und Wallsystems zum größten Teil zerstört, die Gebäudemauern abgerissen wurden. Dort gefundene Münzen der Kaiser Domitian und Nerva helfen bei der Zeitbestimmung der Gebäude. So können die Reste der Bauten dieser frühzeitigen Villa auf den Anfang des 1. bis auf das 2. Jahrhundert datiert werden.

Beim Punkt P befand sich die Ecke eines Gebäudes dieser Frühperiode aus grob gemeißelten Quadersteinen, auch die Türrahmen und Schwellen sind aus gut bearbeitetem Kaiserstein/Kalkstein. Steinmetzmeister Friedrich Opferkuh forschte nach dem „Römersteinbruch“ von Kaisersteinbruch und ortete ihn im Waldbruch.

Stein aus dem „Ödenkloster Steinbruch“ für eine großangelegte Königshofer Kirche

Der Landstrich zwischen Leitha und dem Nordufer des Neusiedler Sees wurde 1203 von König Imre dem Stift Heiligenkreuz als Kolonisationsgebiet geschenkt. Dieser, beinahe das ganze Gemeindegebiet von Kaisersteinbruch umfassende Grundbesitz war einst das Jagdrevier ungarischer Könige. Das Jagdschloss selbst lag damals auf einer Anhöhe beim so genannten Öden Kloster und wurde kurz Königshof benannt.

Das Kloster war durch Stiftungen in Ungarn reicher begütert als in Österreich, so erwog es 1206 bis 1209 eine Übersiedlung nach Westungarn. Die großangelegte Königshofer Kirche blieb unvollendet. Von dieser Anlage stammen sechs Joch des Langhauses ohne Querhaus und Ostchor.

Die Skizze zeigt, dass 1990 beim Öden Kloster auf dem Truppenübungsplatz noch Reste der einstigen Kirche mit scharfen Steinkanten vorhanden waren. Die stark nachgezogenen Linien auf der Skizze zeigen Mauerteile mit scharfen Kanten im Eingangsbereich als noch vorhandenen Bestand 1990. In diesem Bereich eine Hinweistafel anzubringen, wurde vom Bundesministerium für Verteidigung aus militärischen Erwägungen abgelehnt. Jahre später erübrigte sich das, auch von diesen Restbeständen war nichts mehr zu erkennen.Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, 2. November 1990: Besprechung Ödes Kloster mit Oberst Alfred Petznek, Steinmetzmeister Friedrich Opferkuh und Lehrer Helmuth Furch, S. 486.

Kaiserstein für den Römisch-deutschen König Ferdinand I. in der Hofburg Das repräsentative Tor zum Schweizerhof wurde einst im Auftrag von König Ferdinand I. (1503–1564) als Hauptzugang zu seiner Residenz 1552/53 errichtet.Ursprünglich war die Portalarchitektur in der Eigenfarbe des Steins, “einem kühlen Blaugrau”, belassen, teilte die ÖAW in einer Aussendung mit. Besonders erstaunlich sei laut Österreichischer Akademie der Wissenschaften die Erkenntnis, dass die Portalarchitektur zur Bauzeit in der Eigenfarbe des Steins belassen war: dem „kühlen Blaugrau“ des Sandsteins aus dem heute nicht mehr existierenden Dornbacher Steinbruch am westlichen Stadtrand von Wien.

Der Schweizerhofbrunnen, 1552 neben dem Schweizer Tor der Wiener Hofburg errichtet, ist der älteste erhaltene Brunnen Wiens. Dargestellt wurde der Adler des regierenden Kaisers Karl V. im Auftrage des jüngeren Bruders, des Römisch-deutschen Königs Ferdinand I. Der harte weiße Kaiserstein zeigt noch heute seine besondere Qualität.

Mit Erlaubnis des Abtes Konrad Schmid vom Stift Heiligenkreuz eröffneten welsche, italienisch-schweizerische Steinmetzmeister im Jahre 1551/1552 die ersten Steinbrüche.Helmuth Furch: Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, Baufachleute aus dem Tessin und der Lombardei. 1. Band, 2002. Dem steht die Feststellung des kaiserlichen Hofbauschreibers beim Fasangartengebäude entgegen, er schreibt von Ihro „kayserlichen Majestät Steinbruch am Leithaberg“, im Hofkammerarchiv zu studieren.

Kaiserstein für die Stände des Erzherzogtums Österreich unter der Enns

Die Stände des Erzherzogtums Österreich unter der Enns kauften 1513 das „Liechtenstein’sche Haus“, Mitte des 16. Jahrhunderts besorgten sie die Steine selbst, unter anderem Burgschleinitzer Stein, heute Zogelsdorfer Stein genannt, und für die Stiege zur Verordnetenstube stiegenstaffel von hartem stain vom Leythaberg, also harten Kaiserstein aus Kaisersteinbruch, schrieb Hans Saphoy, Dombaumeister zu St. Stephan in einer Rechnung.Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, Kaiserstein in Wien, (ehem.) NÖ.-Landhaus. 2. Band 2004, ISBN 978-3-9504555-8-8. Diese Stufen präsentieren sich heute, als wären sie erst gestern eingebaut worden.

Kaiserstein für Schloss Königshof in Kaisersteinbruch von der Renaissance zum Barockschloss Das Schloss Königshof in Kaisersteinbruch, also in der Großgemeinde Bruckneudorf gelegen, aber auch nahe bei Wilfleinsdorf, wird in der Kunstgeschichte als Barockschloss gesehen. Die Eigentümerin Frau Sabine Schoeller-Lamberty, in der Region als „die Gräfin“ bezeichnet, lässt im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt Burgenland Grabungen durchführen, die barocke Schichte (das großflächige Steinpflaster) ist offenkundig, aber es geht weiter in ältere Renaissance Schichten. Hier ist „alles, soweit das Auge reicht“ vom harten Kaiserstein bestimmt. Die Arbeiten werden wissenschaftlich begleitet, eine Studie soll entstehen.

Kaiserstein für die Neubefestigungen in Wien in „Italienischer Befestigungsmanier“

Nach dem Schock der Türkenbelagerung 1529 wurde Material für Befestigungsbauten benötigt. (Wien, Győr, Pressburg, Wiener Neustadt, …) Der hier an Ungarns Grenze, am Leithagebirge gefundene harte Kalkstein war dafür besonders geeignet. Der Stein, mit einer Farbgebung von weiß bis ocker – oft mit blauen Farbschlüssen – offenbarte seine Qualität bei der Renaissance- und Barockarchitektur. In seiner dichtesten Form war er Marmor gleichwertig.

Die mittelalterlichen Stadtmauern wurden erneuert. Mitte des 16. Jahrhunderts erfolgen die Neubefestigungen in Italienischer Befestigungsmanier, bei der sternförmig angeordnete Bastionen (in Wien: Basteien) durch Wälle miteinander verbunden werden.

Der deutsche Steinmetz Bonifaz Wohlmut verbrachte seine Lehrzeit und die ersten Jahre seiner Tätigkeit als Architekt in Wien, wo man ihn auch als Bürger 1543 registrierte. Am Wiener Hof, unter Röm. König Ferdinand I., betraute man ihn mit Arbeiten am Stephansdom, der Hofburg und den Stadtbefestigungen.

Er verwendete das Wissen von Baufachleuten in der italienischen Befestigungsmanier, z. B. den Baumeistern Domenico dell’Allio, Francesco de Pozzo, sie wussten um die Bedeutung des harten Steines vom Leithaberg und haben mit ihm gearbeitet.Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. Wolmuth Bonifaz † 1579. 2. Band, S. 869. Kaisersteinbruch 2004.Katharina Podewils: Kaiser Maximilian II. als Mäzen der bildenden Künste und der Goldschmiedekunst. Dissertation UNI Wien 1993.

Kaiserstein für den Römisch-deutschen Kaiser Maximilian II. im Schloss Neugebäude Mit dem Bau des „Fasangartengebäudes“ hängt ursächlich der Beginn der schriftlich dokumentierten Geschichte des „Steinbruchs am Leithaberg“ zusammen.Hofkammerarchiv: Niederösterreichische Herrschaftsakten 1576, Erstnennung, Steinfuhren.Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, Erstnennung des Steinbruchs. 1. Band, 2002. Kaiser Maximilian II. ließ mit dem Schloss Neugebäude ein neues Lustschloss erbauen, das 1568–1575 als ein Gesamtkunstwerk von höchstem Rang, das in einzigartiger Kombination alle für die Renaissance bedeutsamen Ideen und Funktionen wie Lustgarten, „Villa suburbana“ (in der Nähe der Stadt gelegen), „Belvedere“ (Ort von dem man eine schöne Aussicht hat) in einer Anlage vereinte.

13. Juni 1576: Bauschreiber an Richter und Gemeinde zu Sommerein, Sarasdorf und Wilfleinsdorf – Wir geben Euch zu vernehmen, daß in dem „Steinbruch am Leithaberg“ etliche große Steinwerk gehaut worden, die man zu dem Röm. Kaysl. Majestät, unserem Allergnädigsten Herrn, Neuen Fasangartengebäude herauf führen solle … In Kaisersteinbruch arbeiteten die Steinmetzmeister Bartholomäus Pethan, Antonius Pozzo, dann auch Alexius, Elias Payos und Augustin Rigobello, u. a. an den Säulen für die westliche Galerie. 12. Oktober 1576: durch den frühen Tod des Bauherrn Kaiser Maximilian II. verlor die unvollendete Anlage ihre Bedeutung. 4. April 1579 erstmals wurde die Bezeichnung „Ihro kaysl. Majestät Steinbruch am Leythaberg“ verwendet, als „Kaisersteinbruch“ bis heute gültig. 1579 wurden die Säulen der östlichen Galerie aus dem kaysl. Steinbruch geliefert.Historisches Lexikon Kaisersteinbruch, Kaiserstein in Wien, Schloss Neugebäude. 2. Band 2004. 1. Band, 2002. In Restauratorenblättern 1979 wird über den Kaiserstein geschrieben: Mindestens die Säulen und die großen Werkstücke stammten aus Kaisersteinbruch, sind aber längst abgetragen. Die frühere Vermutung, dass diese Steine in der Schönbrunner Gloriette wieder verwendet wurden, wird immer mehr durch Archivalien und Belege abgedeckt. Im vollkommen abgeräumten und entstellten Schlossbau des Neugebäudes sind noch viele Tür- und Fenstergewände aus bestem Kaiserstein sehr gut erhalten. An einem Rundfenster wurde ein Steinmetzzeichen A gefunden. In einem Wirtschaftshof ist ein Nutzbrunnen mit schöner Einfassung aus Kaiserstein erhalten.

Kaiserstein für das Wohnhaus in Penzing, in Kartusche bezeichnet 1578

Der Kern des Hauses Penzinger Hauptstraße 56 stammt aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Aufstockung zur 3-geschoßigen Straßenfront und Fassadierung. In der Einfahrt links, durch eine Türe zur Zweipfeiler-Stiege mit Kaisersteinstufen. Im Obergeschoß Raumfolge mit Gewölben aus dem 16. Jahrhundert. In straßenseitigem Raum mit Netzrippenauflagen, in einer Kartusche ist 1578 bezeichnet.

Kaiserstein für den Gasthausgartenbrunnen im Stift Heiligenkreuz Unter Abt Ulrich Müller wurde 1584 der Brunnen im Gasthausgarten des Stiftes geschaffen. Der abgebildete Teil mit Masken, Deckplatte usw. ist original erhalten und besteht aus Kaiserstein. Säule und Medaillon wurden dazugegeben.Information von Werner Richter, Direktor des Bauamtes von Stift Heiligenkreuz.

Kaiserstein für den Heiligenkreuzer Hof in Wien, die Kirche in Trumau und die Königshofer Mühle