Janine Antoni (* 19. Januar 1964 in Freeport, Bahamas) ist eine bahamaisch-US-amerikanische Performance-Künstlerin und Bildhauerin.
Leben Janine Antoni wurde 1964 in Freeport geboren und zog 1977 nach Florida, um dort ein Internat zu besuchen. Anschließend besuchte sie das Sarah Lawrence College in New York, welches sie 1986 mit einem Bachelor abschloss. 1989 erlangte sie ihren Masterabschluss am Rhode Island School of Design. Sie lebt und arbeitet in New York City.
Werk In ihrem künstlerischen Werk verschwimmt die Grenze zwischen Performance und Skulptur. Dabei dient ihr eigener Körper als Kunstmedium. Ihre Kunst ist von Robert Smithson und Louise Bourgeois beeinflusst.
Für ihr bekanntestes Werk Gnaw (1992) kaute Antoni an einem 600 Pfund schwerem Schokoladenwürfel und anschließend an der gleichen Menge Schmalz, bis sie vor Erschöpfung aufhören musste. Die übriggebliebene Schokolade ließ sie zu 40 herzförmigen Bonbons einschmelzen und den Schmalz mit Pigmenten und Bienenwachs zu 150 Lippenstiften verarbeiten, die dann in einer Vitrine ausgestellt wurden. Das Werk berührt Fragen über die Konsumkultur und den Schönheitskult und setzt sich zugleich mit der Kunstgeschichte auseinander.
Bei ihrer öffentlichen Performance Loving Care (1993) in der Anthony d’Offay Gallery wischte sie auf Händen und Knien den Boden mit ihren Haaren, die sie in einen Eimer mit schwarzer Farbe eintauchte. Das Werk erinnert an Yves Kleins Anthropometrien aus den 1960er Jahren, in denen der Künstler nackte weibliche Modelle als Pinsel benutzte, aber auch an die frühen feministischen Arbeiten von Shigeko Kubota und ihre Vagina Paintings von 1965, in denen die Künstlerin mit einem Pinsel, der aus ihrer Vagina ragte, auf eine horizontale Fläche malte.
Für ihr Werk Lick and Lather (1993) stellte Antoni vierzehn Selbstporträtbüsten her, sieben davon aus Schokolade und sieben aus Seife. Die Büsten aus Schokolade leckte sie anschließend ab, während sie diejenigen aus Seife wiederholt einseifte, bis sie immer undeutlicher wurden. Die Künstlerin beschreibt die Arbeit folgendermaßen:
Die Performance Slumber (1994) führte Antoni in verschiedenen Galerien und Museen auf. Dabei saß sie tagsüber an einem Webstuhl und webte die wellenförmigen Linien einer EEG-Aufzeichnung, die während ihres Schlafes aufgenommen wurden. Die dabei entstehende Decke nutzte sie anschließend in der Nacht, die sie in der Galerie bzw. im Museum verbrachte und deckte sich damit zu. Das Werk beschäftigt sich mit Mythen von endloser Arbeit, dem stereotypen Platz des Weiblichen im Träumen und im Handwerk sowie der Überwachung von Frauen durch medizinische Technologie.
Antoni nahm von 1993 bis 2000 an den Biennalen in Venedig, im Whitney Museum of American Art, Johannesburg, Istanbul, Kwangju und Korea sowie an der documenta 14 teil. Ihre Arbeiten befinden sich unter anderen in den Sammlungen der National Gallery of Art in Washington, D.C., des Art Institute of Chicago und des Museum of Modern Art in New York.
Antoni ist in dem Film !Women Art Revolution (2010) von Lynn Hershman Leeson vertreten.
Ausstellungen Einzelausstellungen (Auswahl) 2019: Janine Antoni: I Am Fertile Ground, Katakomben des Green-Wood Cemetery, Brooklyn 2018: Janine Antoni: Moor and Touch, Universität Stockholm 2015: Janine Antoni: From the Vow Made, Luhring Augustine Gallery, New York 2013–2014: Janine Antoni: Within, Matress Factory, Pittsburgh 2011: Touch, Museum Kunst der Westküste, Föhr 2003: To Draw a Line, Luhring Augustine Gallery, New York 2002: Taught Tether Teeter, SITE Santa Fe, New Mexico 1998: Swoon, Whitney Museum of American Art, New York 1996: Art at the Edge, High Museum of Art, Atlanta 1995: Slip of the Tongue, Centre for Contemporary Arts, Glasgow
Gruppenausstellungen (Auswahl) 2022: The Double: Identity and Difference in Art Since 1900, National Gallery of Art, Washington, D.C. 2020/2021: Janine Antoni and Stephen Petronio: Honey Baby, Locust Projects, Miami 2020/2021: For a Dreamer of Houses, Dallas Museum of Art, Dallas 2020: Bodyscapes, Israel Museum, Jerusalem 2017/2018: Relational Undercurrents: Contemprary Art of the Caribbean Archipelago, Museum of Latin American Art, Los Angeles 2017: Antidoron: The EMST Collection, documenta 14, Fridericianum, Kassel 2016: Unfinished: Thoughts Left Visible, The Metropolitan Museum of Art, New York 2014: Crossing Brooklyn: Art from Bushwick, Bed-Stuy, and Beyond, Brooklyn Museum, Brooklyn 2013: Beyond Belief: 100 Years of the Spiritual in Modern Art, Contemporary Jewish Museum, San Francisco 2011: Move: Art and Dance since the 60’s, Haus der Kunst, München 2000: Art at MoMA since 1980, Museum of Modern Art, New York 1994: Face-Off: The Portrait in Recent Art, Institute of Contemporary Art of the University of Pennsylvania, Philadelphia
Auszeichnungen (Auswahl) 2014: Anonymous Was A Woman 2012: Creative Capital Artist Grant 2011: John Simon Guggenheim Memorial Foundation Fellowship 1999: New Media Award des Institute of Contemporary Art in Boston 1999: Larry Aldrich Foundation Award 1998: Joan Mitchell Painting and Sculpture Award 1998: MacArthur Fellowship 1996: Glen Dimplex Artists Award des Irish Museum of Modern Art, Dublin
Literatur Evangelos Zoidis: My Body is Your Vehicle. Materialität als Reflexionsbegriff in den Werken von Janine Antoni. In: Journal of Art History. Bd. 88, 2019, S. 173–184. Marina Warner: Janine Antoni: Hide & Seek. In: Dies. (Hrsg.): Forms of Enchantment. Writings on Art & Artists. Thames & Hudson, London 2018, ISBN 978-0-500-02146-0, S. 39–46. Adrian Heathfield (Hrsg.): Ally. Janine Antoni, Anna Halprin, Stephen Petronio. Hirmer, München 2017, ISBN 978-3-7774-2952-6. Cristina Bechtler (Hrsg.): Janine Antoni. Hatje Cantz, ISBN 978-3-7757-0932-3. Centre for Contemporary Arts (Hrsg.): Slip of the Tongue. Janine Antoni. Centre for Contemporary Arts, Glasgow 1995, ISBN 978-1-873331-11-8.
Weblinks Janine Antoni bei !Women Art Revolution
Einzelnachweise
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