Hausen () ist seit dem 1. April 1910 ein nordwestlicher Stadtteil von Frankfurt am Main. Das ehemalige Mühlendorf wurde 1910 zusammen mit zehn anderen Orten des Landkreises Frankfurt in die Stadt Frankfurt am Main eingemeindet. Die Einwohnerzahl beträgt .
Geographische Lage Hausen liegt ca. 4,5 km nordwestlich der Innenstadt von Frankfurt am Main, südwestlich des Flusses Nidda. Es grenzt im Nordwesten an Praunheim und im Südosten an den Industriehof in Bockenheim an und bildet mit diesen Stadtteilen eine bauliche Einheit. Im Nordosten trennt der Volkspark Niddatal Hausen von Ginnheim. Im Südwesten liegt jenseits der Nidda der Stadtteil Rödelheim.
Geschichte mini|Das Dorf „Haussen“ um 1800 mini|Im Vordergrund die Nidda 253x253px|mini|Grenzstein Frankfurt von 1770, neu gesetzt im heutigen Niddapark
Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes Husun stammt von 1132. Der Ritter Walter von Vilbel stritt 1235 mit dem Bartholomäus-Stift in Frankfurt um die Zehntrechte im Dorf. Die Ritterfamilie der Brendel von Homburg trug vor 1300 von der Reichsabtei Fulda Dorf und Gericht Hausen zu Lehen. Um 1300 zählte Hausen zum Amt Bornheimerberg.
1320 verpfändete König Ludwig IV. den Bornheimerberg an Ulrich II. von Hanau. 1336 gestattete der Kaiser der Stadt Frankfurt, den Bornheimerberg an seiner Stelle von Hanau einzulösen. 1351 erneuerte der spätere Kaiser Karl IV. allerdings diese Pfandschaft für Hanau. 1434 wurde Graf Reinhard II. von Hanau von Kaiser Sigismund mit dem Bornheimerberg belehnt. Das widersprüchliche Verhalten des Reichs führte selbstverständlich zum Streit zwischen Frankfurt und Hanau, der bis 1481 andauerte und dann in einem Vergleich endete: Hanau gab seinen Anspruch auf einzelne Dörfer des Amtes Bornheimerberg auf, darunter auch Hausen, und bekam dafür das übrige Amt Bornheim zugesprochen. 1484 verlieh König Friedrich III. die bisher zum Bornheimerberg gehörigen Dörfer, unter anderem also auch Hausen, dem Rat zu Frankfurt als Lehen, 1494 belehnte König Maximilian I. Georg Frosch und Siegfried Knoblauch namens der Stadt Frankfurt unter anderem mit Hausen.
Das Patronatsrecht der Pfarrei Praunheim, zu der auch Hausen gehörte, wurde 1318 dem neu gegründeten Sankt Leonhardsstift geschenkt.
In den Urkunden der Deutschordenskommende wurde die Hausener Mühle erstmals 1359 erwähnt. Johann Brendel von Homburg verkaufte 1368 das Gericht von Hausen mit Zustimmung des Abtes von Fulda an den Ritter Damme von Praunheim. Dessen gleichnamiger Sohn wurde 1399 von Fulda mit dem Dorf Hausen belehnt. Damme von Praunheim verkaufte 1428 sein Eigentum in Hausen an die Stadt Frankfurt. Damit wurden die Einwohner von Hausen, sofern sie nicht dem Grafen von Solms-Rödelheim oder dem Grafen von Hanau hörig waren, Leibeigene der Stadt Frankfurt.
Namensformen Husun (1132) Husen (1235) Husen (1259) Huisn (1301)
Neuzeit In einer Erhebungsliste für eine direkte Reichssteuer wurden 1497 14 Ehepaare und 15 weitere Personen verzeichnet. Die Einwohnerzahl Hausens dürfte danach etwa 70 Personen betragen haben. Nur rund die Hälfte der Hausener – etwa 70 bis 80 Einwohner – überlebte den Dreißigjährigen Krieg. Hausen erhielt 1664 eine eigene Schule. 1765 wurde ein Rathaus gebaut.
1770 wurde ein Grenzstein neu gesetzt, nachdem es zu Streitigkeiten um einen Grenzverlauf gekommen war. Die Ginnheimer beanspruchten den Graben im Woog für sich, da er regelmäßig zur Fischwaid verpachtet wurde. Hanau verlangte eine Neuvermessung, die Reichsstadt Frankfurt forderte, neue Grenzsteine zu setzen. Die drei Obrigkeiten einigten sich und ließen neue Grenzsteine fertigen und setzen. Der Graben wurde im Zuge der Arbeiten für die Bundesgartenschau 1989 verfüllt, sodass man heute nicht mehr sehen kann, auf welche Seite des Grabens der Grenzstein gesetzt wurde. Vor 1989 stand er diesseits des Grabens, auf der Ginnheimer Seite.Franz Lerner, Frankfurter Sparkasse von 1822 (Polytechnische Gesellschaft) (Hrsg.): Ginnheim. Von der Vorzeit bis zur Gegenwart. Frankfurt 1983, S. 75ff.
Hausen wurde 1772 eigenständige Pfarrei. Die erste evangelische Kirche wurde 1812 gebaut, ein eigenes Schulhaus 1816. Die Leibeigenschaft der Hausener wurde 1818 aufgehoben. 1836 wurde in Hausen eine Sparkasse gegründet. Die heute noch erhaltene umgebaute evangelische Kirche wurde 1852 erbaut. Mit der Annexion Frankfurts durch das Königreich Preußen nach dem verlorenen Krieg von 1866 wurde auch Hausen preußisch. Es gehörte dann bis 1886 zum Stadtkreis Frankfurt am Main, anschließend zum neu gebildeten Landkreis Frankfurt. Als dieser 1910 aufgelöst wurde, kam Hausen endgültig zur Stadt Frankfurt.
Nach dem Mühlenbrand von 1882 wurde die Freiwillige Feuerwehr Hausen, im Jahr 1901 die katholische Kirchengemeinde gegründet, 1903 ihre Kirche St. Anna geweiht.
Von 1812 bis zum Jahr 1905 kam es zu einem kontinuierlichen Anwachsen der Bevölkerungszahlen in Hausen. Im Jahr 1852 waren 637 Einwohner verzeichnet, 1871 waren es bereits 739. Bis zum Jahr 1875 hatte Hausen 1.135 Einwohner, 1875 war die Bevölkerung auf 1.135 Einwohner angewachsen und im Jahr 1905 lebten hier bereits 1.902 Menschen.
Schultheißen und Bürgermeister 1444–1446 Peter Messerschmitt 1449 Erwins Heile 1450–1469 Erwins Heilchin 1471 Peter Mentzer (Mantze) 1474–1477 Erwin 1478–1482 Peter Mentzer (Mantze) 1487 Stengel von Fronhusen 1490 Kunzenpeter 1493–1509 Heiln Henne 1509–1510 Henne Jamer 1515 Martin Gissener von Echzell 1517 Gerhard Rüpel 1519 Conrad Müller von Heddernheim 1523 Lenhard Nosser 1566–1575 Henn Heimberger 1610–1611 Hans Schleifer 1624 Johannes Euler 1660–1680 Johann Euler 1688–1712 Johann Jacob Euler († 1734) 1753–1758 Johann Jacob Euler 1758–1786 Johann Jacob Diehl 1787–1811 Johann Nikolaus Diehl 1814 Friedrich Karl Vogt 1824 Johannes Boppert 1828 Heinrich Carl Euler 1836 Heinrich Carl Launhardt 1836 Johann Jakob Fischbach 1836–1844 Johann Friedrich Euler 1844–1868 Konrad Friedrich Euler 1868–1880 Johannes Krieb 1880–1907 Jacob Euler 1907–1910 Friedrich Mayer
Bebauung Hausen ist hauptsächlich Wohngebiet und verfügt neben dem alten Ortskern über neuere Siedlungen. 1929–1931 wurde, westlich von Hausen und durch die Ludwig-Landmann-Straße getrennt, die Siedlung Westhausen gebaut. Trotz der irreleitenden Namensgebung gehört Westhausen nicht zu Hausen, sondern zur Gemarkung Praunheims, die sich über die Praunheimer Brücke erstreckt, ebenso wie große Teile des Volkspark Niddatal. Ein ebenfalls geläufiger Irrtum ist, dass das in Bockenheim gelegene Gewerbegebiet Industriehof zu Hausen gehört.
Willi-Brundert-Siedlung Teilweise schon 1933–1935 erbaut, erhielt die 1972 weiter errichtete Siedlung westlich der Praunheimer Landstraße an der Nidda zum Gedenken an den 1970 verstorbenen Frankfurter Oberbürgermeister den Namen Willi-Brundert-Siedlung. Die Siedlung bestand einst aus kleinen Einfamilienhäusern mit Garten. Die typischen alten Siedlungshäusern wurden zunehmend durch moderne Ein- und Mehrfamilienhäuser ersetzt. Die Siedlung zählt heute zu den gehobenen und begehrten Wohnlagen Frankfurts.Mietspiegel der Stadt Frankfurt am Main. Markante Bauten sind vier Hochhäuser in der Straße Am Niddatal. 1978 wurde zwischen der Willi-Brundert-Siedlung und der A66 ein Lärmschutzwall errichtet.
Siedlung Langweidenstraße Das Gebiet östlich der Straße Am Hohen Weg wurde von 1961 bis 1973 mit drei- bis fünfgeschossigen Mehrfamilienhäusern bebaut und durch 5 Wohnhochhäuser ergänzt.
FDH Friedrich-Dessauer-Studentenheim 1969 wurde das vom Bauverein Katholische Studentenwohnheime errichtete FDH Friedrich-Dessauer-Haus mit seinen 656 Wohnheimzimmern in der Friedrich-Wilhelm-von-Steuben-Straße 90 eröffnet.
Körner Siedlung, ehemalige Fischstein Housing Area der US-Streitkräfte Der Straßenname Am Fischstein bezieht sich auf die historische Flurbezeichnung. Dort stand ein Grenzstein, der die Fischereirechte auf der Nidda zwischen den Grafen Solms-Rödelheim und der Stadt Frankfurt markierte. Die ehemals amerikanische US-Siedlung Fischstein Housing Area wurde nach Auszug der Amerikaner ab 1995 von der städtischen Wohnungsholding vom Bund erworben und vermietet.forgotten US-Army-Installations at Frankfurt
Gut Hausen mini|Gut Hausen
Das Gelände an der Wilhelm-von-Steuben-Straße 2 (ehemaliges Amt für Pflanzenschutz) wurde 1954 vom Verein „Gib mir Deine Hand“ gepachtet. Dieser fusionierte 2011 mit dem Verein Lebenshilfe. Auf dem 25.000 m² großen, verwilderten Gelände, befanden sich neben einem sanierungsbedürftigen Hauptgebäude zwei Gewächshäuser und drei weitere kleinere Gebäude. Die Gebäude wurden komplett saniert und teilweise umgebaut. Heute ist das Gelände geprägt von Wiesenflächen mit rund 800 Apfelbäumen sowie einigen Kirsch- und Zwetschgenbäumen. Das Gut Hausen ist eine Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Behinderung mit Angeboten zur Beratung, Therapie, pädagogischen Aktivitäten, Bildungs-, Beschäftigungs- und Freizeitangeboten.
Religion Evangelische Kirche Die evangelische Pfarrkirche wurde 1851–1852 gebaut und befindet sich an der Ecke Hausener Obergasse/Alt-Hausen. Sie bildet das Zentrum von Hausen. Gegenüber dem klassizistischen Kirchengebäude steht das Pfarrhaus. Das barocke Wohnhaus von 1775 bis 1776 steht unter Denkmalschutz.
Evangelische Freikirche Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde am Niddapark e. V. unterhält einen Gemeindetreffpunkt in der Praunheimer Landstraße.
Philadelphia Gemeinde Die Philadelphia Gemeinde International e. V. hat einen Gemeindetreffpunkt in der Straße Am Industriehof.
Katholische Kirche Die katholische Kirchengemeinde St. Anna mit Kindergarten befindet sich am Hohen Weg und wurde 1968 im Stil des Brutalismus errichtet. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich das vom Caritasverband betriebene Altenzentrum Santa Teresa, ein Alten- und Pflegeheim mit Altenwohnanlage, sowie das vom Bauverein Katholische Studentenwohnheime betriebene Friedrich Dessauer Haus. Eine Filialkirche von St. Anna ist die Kirche St. Raphael in der Ludwig-Landmann-Straße. Hier soll anstelle der Kirchengebäude bis 2022/2023 ein katholisches Gymnasium errichtet werden.
Russisch-orthodoxe Kirche Die russisch-orthodoxe Kirche Sankt Nikolaus liegt direkt am Fischsteinkreisel. Sie wurde durch die Russisch-Orthodoxe Gemeinde Frankfurt, die sich als Erweiterung der Bad Homburger russisch-orthodoxen Gemeinde Allerheiligen gebildet hatte, nach zweijähriger Bauzeit zu Ostern 1967 eingeweiht. Die „Große Weihe“ erfolgte 1979 durch mehrere Bischöfe unter Leitung des Erzbischofs und späteren Metropoliten der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland Vitalij (Ustinov). Entworfen und gebaut wurde nach altrussischem Stil durch den Frankfurter Architekten und Ernst-May-Schüler Wolf Drevermann nach dem Vorbild einer Kirche in Pskow aus dem 15. Jahrhundert. Der Innenraum wurde im strengen Nowgorod-Stil mit Ikonen des in Frankfurt lebenden Ikonenmalers Adam Russak mit christlichen Motiven gestaltet. Er malte daran nahezu zwölf Jahre. Vor dem offenen Glockenturm wurde 2004–2005 ein Portal und ein Exonarthex geschaffen und der Kircheninnenraum erheblich erweitert sowie ein neues Gemeindezentrum unter Planung und Durchführung des bekannten russisch-französischen Architekten Sergej S. Tarassow (Paris) errichtet (2005–2008). Die sonntägliche Liturgie wird von etwa 250 Personen aus Frankfurt und Umgebung besucht.
Sunnitische Moschee Die nach Abu Bakr benannte islamische sunnitische Gemeinde baute im Jahr 2003 in der Praunheimer Landstraße unmittelbar neben der Bundesautobahn 66 eine Moschee. Außerdem existierte ein schiitisches iranisches Kulturzentrum in Alt-Hausen, das inzwischen durch eine Wohnbebauung ersetzt wurde.
Politik Für Hausen ist der Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) Frankfurt-Mitte-West der Stadt Frankfurt zuständig. Derzeit ist der gewählte Ortsvorsteher des Ortsbeirates 7 in Frankfurt am Main Johannes Lauterwald (Grüne) und als stellvertretende Ortsvorsteherin Michaela Will (SPD).