Die Villa Romana (Römisches Haus) ist eine Villa in Florenz, um deren Erwerb sich der deutsche Künstlerbund bemüht hatte, um sie als Künstlerhaus nutzen zu können. Max Klinger und Georg Hirzel waren die ersten Käufer.Die Villa Romana zu Florenz, Berliner Tageblatt, 3. September 1905. Sie ließen die Räumlichkeiten für Aufenthalte von deutschen Künstlern umgestalten. Gleichzeitig wurde der Villa-Romana-Preis geschaffen, dessen Preisträger als Stipendiaten in der Villa untergebracht werden und der als ältester noch ausgelobter Kunstpreis Deutschlands gilt.
Das Gebäude Die Villa Romana weist eine spätklassizistische Architektur auf, die um 1860 datiert wird. Ihren Namen verdankt sie der damals gleichnamigen Straße („Straße nach Rom“) – heute Via Senese –, an der die Villa steht. Das Haus verfügt über vierzig Räume, verteilt auf zwei Etagen. Das gesamte Grundstück ist 13.000 m² groß und kann zu Erweiterungsbauten genutzt werden.
Geschichte Gründung Die Gründung der Villa Romana, das älteste im Ausland gelegene deutsche Künstlerhaus, geht auf das Jahr 1905 zurück. Einer der beiden Käufer, Bildhauer, Maler und Grafiker Max Klinger, war damals Vizepräsident des Deutschen Künstlerbundes. Er hegte seit mindestens 1889 den Wunsch, ein kollektives Haus für deutsche Künstler in Italien zu eröffnen. Er hielt sich damals erstmals in Florenz mit dem Künstlerfreund Karl Stauffer-Bern auf: In der Stadt, von der die Erneuerung der Kunst im 15. Jahrhundert ausgegangen war, wollte er einen festen Anlaufpunkt und eine Heimstatt auf Zeit für deutsche Künstler schaffen. Als 1903 der Deutsche Künstlerbund in Weimar gegründet wurde, regte Klinger als einer der Vizepräsidenten die Einrichtung des ersehnten Künstlerhauses in Florenz an: „Talentvollen Künstlern soll Gelegenheit gegeben werden, eine Zeit lang in Ruhe und schöner Umgebung zu arbeiten. Weder eine Schule für Unreife noch eine Versorgungsanstalt für Unbemittelte soll beschaffen werden.“Max Klinger; vgl. Sebastian Preuss: Zimmer mit Aussicht. In: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn (Hrsg.): Villa Romana. Gegenwart eines Künstlerhauses. Druckverlag Kettler, Bönen 2013, ISBN 978-3-86206-313-0, S. 105. Zwei Jahre später wurde auf der Vorstandssitzung des Bundes am 12. Januar 1905 dieser Vorschlag abgesegnet und beschlossen, Klinger zusammen mit dem Leipziger Verlagsbuchhändler Georg Hirzel nach Florenz auf die Suche nach einem passenden Standort für das Haus zu schicken. mini|Max Klinger und Elsa Asanijeff im Garten der Villa Romana im April 1905. Villa-Romana-Archiv, Florenz Am 24. März 1905 brachen die beiden in Begleitung von Klingers Lebensgefährtin Elsa Asenijeff und anderen Freunden in die Stadt am Arno auf und erwarben im Verlauf weniger Wochen eine spätklassizistische Villa im Süden der Stadt, kurz entfernt vom Stadttor Porta Romana: Zu dem Anlass, am 4. April, telegrafierte Klinger an den Kunstsammler und Mäzen Harry Graf Kessler in London folgende Nachricht: „Heute Eigentümer Villa Romana Florenz geworden.“Max Klinger; vgl. ebd., S. 104.
Im Geist des Deutschen Künstlerbundes, der von progressiven Künstlern zur Verteidigung gegen den kaiserlichen Akademismus gegründet wurde, war die Villa Romana von Anfang an keine staatliche Institution, sondern hat sich immer als unabhängige Künstlerinitiative verstanden.
Trotz des Vorstandsbeschlusses, die Florentiner Villa nur anzumieten, wurde das Haus unmittelbar gekauft, was sich im Nachhinein als weitblickende Entscheidung erwies. Dem Ankauf der Villa folgte am 16. Dezember 1906 die Entstehung des Villa-Romana-Vereins als Trägerorgan (mit Max Klinger als 1. Vorsitzender), dessen Abkoppelung vom Deutschen Künstlerbund die Einwerbung von reichen Spenden schon in den ersten Jahren der Institution ermöglichte. Darüber hinaus konnten die Wiederbelebungen der Villa nach den Unterbrechungen bzw. Beschlagnahmungen während der Weltkriege nur deshalb zustande kommen, weil sie Eigentum des Villa-Romana-Vereins war. mini|hochkant|links|Max Beckmann: Selbstbildnis Florenz (1907), Hamburger Kunsthalle Mitte Juni 1905 bestimmte der Deutsche Künstlerbund die ersten Preisträger, meistens Vertreter der Secessionen aus Wien, München und Berlin: Gustav Klimt, Thomas Theodor Heine, Fritz Erler, Georg Kolbe, Henry van de Velde, Ulrich Hübner und Kurt Tuch. Von ihnen konnten letztlich nur der Leipziger Kurt Tuch und die Berliner Georg Kolbe und Ulrich Hübner den Preis annehmen, die im Herbst 1905 als erste Stipendiaten in der Villa Romana eintrafen. Im folgenden Jahr residierten in der Villa u. a. der junge Max Beckmann – dessen berühmtes Selbstporträt im schwarzen Anzug mit Zigarette vor Florentiner Kulisse (heute in der Hamburger Kunsthalle) auf seinen Florentiner Aufenthalt zurückgeht – sowie die ersten Preisträgerinnen, Dora Hitz und Käthe Kollwitz. Parallel zu ihrer künstlerischen Tätigkeit in den Ateliers mussten die ersten Gäste bei der Renovierung, Einrichtung und Verwaltung des Hauses mithelfen. Sie lebten unter der Führung des ersten vollamtlichen Leiters der Villa, dem Theologen und ehemaligen SPD-Politiker Theodor Wächter. Derweil kam aus Deutschland die finanzielle Unterstützung der ersten Förderer bzw. Mäzene der Institution: Eduard Arnhold (der auch die Villa Böcklin in Fiesole sowie Villa Massimo in Rom förderte), Adolf vom Rath und Erich Schulz-Schomburgk von der Deutschen Bank. Max Klinger kümmerte sich auch von Leipzig aus bis zu seinem Tode um die Weiterentwicklung seines liebsten Projektes.
Während und nach den Kriegen
mini|Malerin Maria Caspar-Filser mit Familienbesuch vor dem Portal der Villa Romana, 1914. Archiv Haus-Caspar-Filser, Brannenburg Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs mussten die Stipendiaten in den Heeresdienst eintreten. Das Haus wurde vom damaligen Leiter Theodor Wächter dem italienischen Roten Kreuz übergeben und während des Krieges als Lazarett benutzt. Nach Kriegsende beschlagnahmte der italienische Staat das Anwesen als Feindeseigentum. Erst 1925 konnte der Villa-Romana-Verein nach langem Bemühen (u. a. durch Eingabe bei Mussolini) wieder zum Eigentümer des Hauses werden.
Nach einer Pause von über zehn Jahren im künstlerischen Leben der Villa zog 1928 der niedersächsische Bildhauer Gerhard Sacks als Stipendiat in die Via Senese, gefolgt ein Jahr später vom Kölner Maler Joseph Fassbender, der zu einem der Hauptvertreter der rheinischen Kunstszene der Nachkriegszeit wurde.
Während des Nationalsozialismus litt der Villa-Romana-Verein unter dem Einfluss des Regimes: Dem Reichserziehungs- sowie dem Propagandaministerium mussten Sitze im Vorstand eingeräumt und alle Juden bzw. missliebigen Kunstfreunden aus dem Verein ausgeschlossen werden. 1935 wurde der damalige Leiter der Villa Curt Witte aufgrund der jüdischen Abstammung seiner Frau entlassen.Rainer Zimmermann: Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation. München 1994, ISBN 978-3-7774-6420-6, S. 462 Trotz der bedrohlichen Einwirkung des Nazismus auf die Verwaltung der Villa Romana gelang es, 1935 den Maler Hans Purrmann als neuen Leiter zu benennen. Dank der Unterstützung des damaligen Chefsyndikus der Deutschen Bank Hans-Alfons Simon wurde das Florentiner Künstlerhaus zu einem unangetasteten – wenngleich mehrfach bedrohten – Refugium bzw. „Zentrum der Halbemigration“Joachim Burmeister, Max Klinger; vgl. Sebastian Preuss: Zimmer mit Aussicht. In: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH, Bonn (Hrsg.): Villa Romana. Gegenwart eines Künstlerhauses. Druckverlag Kettler, Bönen 2013, S. 107. für deutsche Künstler. Purrmann selbst musste 1937 erfahren, dass eines seiner Bilder in der propagandistischen Schandausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt wurde. Andere diffamierte deutsche Künstler – u. a. die 1936 nominierte Preisträgerin Emy Roeder – konnten in Florenz einen Zufluchtsort finden. Offiziell musste sich allerdings die Auswahl der Stipendiaten in den Jahren der Diktatur an den stilistischen Richtlinien des Regimes orientieren: So wurden kompromisslose Avantgardisten wie Florenz Robert Schabbon abgelehnt, zugunsten gemäßigter moderner Künstler wie des roh-archaisierenden Toni Stadler 1937, eines Verfechters der NS-Ideologie.
Nach dem Waffenstillstand von Cassibile musste die deutsche Künstlerkolonie 1943 Florenz verlassen, 1945 wurde das Anwesen zum zweiten Mal vom italienischen Staat beschlagnahmt. Ab 1948 bemühten sich der ehemalige Leiter Purrmann sowie der damalige Bundespräsident Theodor Heuss um die Rückgabe des Künstlerhauses, die ein „interalliiertes Komitee“ im Sommer 1953 beschloss. Bereits 1949 war der Villa-Romana-Verein wieder ins Leben gerufen worden. 1958 traf der Bildhauer und Gestalter Kurt Hermann Rosenberg als neuer Hausleiter ein, dem 1964 der Kunstpädagoge und Marionettenspieler Harro Michael Siegel folgte.
Zwischen den 1960er und 1970er Jahren residierten in der Villa Romana Künstler, die zum erneuten Ansehen des Hauses beitrugen: Johannes Gecelli, Peter Brüning und Horst Antes; 1965 Georg Baselitz und fünf Jahre später Markus Lüpertz und Ben Willikens. Dieser lud Joachim Burmeister nach Florenz ein, der wenig später zum Leiter der Villa Romana für die nächsten 34 Jahre wurde.
Von den 1970er Jahren bis 2006 Am 1. März 1972 begann Joachim Burmeister seine langjährige Tätigkeit, die das künstlerische Leben der Villa Romana bis 2006 prägte.
Am Anfang der 1970er Jahre wurde das Künstlerhaus mit großen Herausforderungen konfrontiert. Sein Status und seine Relevanz als prominenter Aufenthaltsort für junge talentierte deutsche Künstler waren ernstlich infrage gestellt. Um die Villa Romana für aktuelle künstlerische Diskurse und Ansätze zu öffnen, unternahm Burmeister eine Erneuerungspolitik unter dem programmatischen Motto: „Abbau von störendem Italienpathos zugunsten einer nüchternen Italiensicht“.Joachim Burmeister; vgl. Kito Nedo: Die Künstler sind die Könige. In: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH, Bonn (Hrsg.): Villa Romana. Gegenwart eines Künstlerhauses. Druckverlag Kettler, Bönen 2013, S. 116. Er wollte vermeiden, dass die Villa Romana zum Museum ihrer selbst erstarrt und ermöglichen, dass sie sich, wenngleich jenseits der großen Kunstzentren, als Knotenpunkt in internationalen Netzwerken etabliert.
Hierzu führte Burmeister Gastateliers in die Villa ein und versuchte, das Haus für das Publikum zu öffnen, u. a. durch die Einrichtung des „Salone Villa Romana“ in einem der historischen Säle der Villa, der von seiner ersten Ehefrau Katalyn Burmeister kuratiert wurde. Hier fanden zwischen 1979 und 2004 jährlich ungefähr fünf Ausstellungen von vornehmlich deutschen und italienischen Künstlern statt.
Darüber hinaus orientierte sich die Auswahl der Preisträger ab den 1970er Jahren bewusster an den zeitgenössischen Kunstentwicklungen. Davon zeugt die Teilnahme vieler ehemaliger Stipendiaten an der von Manfred Schneckenburger kuratierten documenta 6 im Jahr 1977: Dorothee von Windheim, Heinz-Günter Prager und Alf Schuler, Nikolaus Lang, Michael Buthe und Anna Oppermann.
Nach der gelungenen Erneuerung, die Burmeister in den 1970er für die Villa Romana schaffte, ebbte die institutionelle Positionierung in der internationalen Kunstszene während der folgenden Jahrzehnte doch wieder ab. Die Villa wurde schließlich zu einem „Arkadien der Moderne“ stilisiert. Deshalb war 2006, am Ende von Burmeisters Mandat ein neuer Schwung im künstlerischen Leben des Hauses nötig, für den die nachfolgende Leiterin Angelika Stepken sorgte. 2006/2007 wurde das Haus zunächst mit Mitteln der Deutschen Bundesregierung aufwändig saniert und restauriert.
2006 bis 2022