Die 5ª Divisione alpina “Pusteria” () war ein militärischer Großverband des Königlich-Italienischen Heeres. Sie bestand zwischen 1935 und 1943 und wurde im Abessinienkrieg sowie im Zweiten Weltkrieg auf dem Balkan und in Südfrankreich eingesetzt.

Divisionsgeschichte Die Division wurde im Zuge der äthiopischen Gegenoffensive im Abessinienkrieg Ende Dezember 1935 in Bruneck aufgestellt. Der Namenszusatz Pusteria sollte in Anlehnung an das Pustertal () den Beitrag Südtirols unterstreichen, den das seit dem Ende des Ersten Weltkrieges zu Italien gehörende Land für den Aufbau des faschistischen Imperiums leiste. In Wirklichkeit war der Anteil der deutschsprachigen Soldaten aus Südtirol verschwindend gering.Gerald Steinacher: Dall’Amba Alagi a Bolzano. Tracce d’Africa in Alto Adige. In: Museo Storico Italiano della Guerra (Hrsg.): Annali Nr. 14–15–16, 2006–2008. Rovereto 2008, S. 86. (Digitalisat)

Abessinienkrieg Anfang Januar 1936 wurde die Division eingeschifft und über den Suezkanal nach Ostafrika verlegt. Die ersten Truppenteile langten am 12. Januar in der Hafenstadt Massaua in der Kolonie Eritrea an. Das Alpini-Bataillon „Saluzzo“ befand sich bereits seit Beginn des Krieges im Oktober 1935 in Abessinien und war direkt dem Oberkommando Ostafrika () unterstellt.Luigi Emilio Longo: La campagna italo-etiopica, 1935–1936. S. 90, 266. Ihre Feuertaufe erlebte die Division zwischen dem 10. und 15. Februar in der Region Tigray südlich von Macallè in der Schlacht von Endertà, bei der das 7. Alpini-Regiment den Amba Aradam () eroberte.Edoardo Scala: Gli alpini: 1. (=Storia delle fanterie italiane. Band X). S. 145–147. Um den äthiopischen Widerstand zu brechen, beschoss die italienische Artillerie die gegnerischen Stellungen unter anderem mit fast 1400 mit Giftgasgranaten.Angelo Del Boca: Le fonti etiopiche e straniere sull’impiego dei gas. In: Angelo Del Boca: I gas di Mussolini: Il fascismo e la guerra d’Etiopia. Editori Riuniti, Rom 2007, ISBN 978-88-359-5859-8, S. 62. Die letzten Widerstandsnester wurden von den Alpini mit Flammenwerfern und Handgranaten unschädlich gemacht. Zu propagandistischen Zwecken wurde die italienische Fahne auf dem Gipfel des Amba Aradam jedoch von Schwarzhemden der Division-CC.NN. „XXIII Marzo“ gehisst, was zu Spannungen zwischen Heer und Miliz führte.Angelo Del Boca: Gli Italiani in Africa Orientale: La conquista dell’impero. Laterza, Bari 1979, S. 558.Vitalino Peduzzi: La Divisione alpina Pusteria: Dall’Africa Orientale al Montenegro. S. 43. In der anschließenden Zweiten Tembienschlacht war die Division zwischen dem 26. und 27. Februar an der Besetzung des Amba Uork und am 28. Februar an der Inbesitznahme des hohen Amba Alagi beteiligt. Nach der Eroberung des Amba Uork durch ausgewählte Alpinisten des VII. Marschbataillons wurde das Bataillon wenig später in Alpini-Bataillon „Uork Amba“ umbenannt.Edoardo Scala: Gli alpini: 1. (=Storia delle fanterie italiane. Band X). S. 149–164. mini|Alpini bei den Gefechten um den Amba Aradam in Abessinien Mitte März ließ Oberbefehlshaber Badoglio die 5. Alpini-Division „Pusteria“ mit der 1. und 2. Eritrea-Division Richtung Süden vorrücken, um die Reste des äthiopischen Heeres in der Ebene bei Mai Ceu nördlich des Ashangisee zu zerschlagen. Haile Selassie kam dem Angriff jedoch am 31. März zuvor. In der Schlacht von Mai Ceu wurden die Alpini am Pass Mecan von den äthiopischen Truppen umzingelt und konnte sich erst durch einen Gegenangriff aus der Umzingelung befreien. Ein letzter vom Negus befohlener Durchbruchsversuch der Kaiserlichen Garde konnte unter hohen Verlusten für die Angreifer abgewehrt werden. Nach zwei weiteren Tagen traten die Äthiopier endgültig den Rückzug an.Matteo Dominioni: Lo sfascio dell’impero. Gli italiani in Etiopia 1936–1941. Laterza, Bari 2019, ISBN 978-88-581-3911-0, S. 26–27.

Nach dem Einmarsch der italienischen Truppen in Addis Abeba im Mai 1936 und dem offiziellen Ende des Feldzuges bekämpfte die Division die äthiopische Guerilla zunächst im Raum Dese 400 km nördlich von Addis Abeba und von Oktober bis Dezember im Raum Addis Abeba. Im Januar 1937 wurde sie nach Dekemhare in Eritrea verlegt, bevor sie ab Mitte Februar zurück nach Italien verschifft wurde.Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio Storico (Hrsg.): L’esercito e i suoi corpi: Sintesi Storica. Volume terzo, tomo I. S. 297. Etwa 5000 Mann, die ab Mitte September 1936 um ihre Entlassung gebeten hatten, blieben als Kolonisten in Italienisch-Ostafrika.Vitalino Peduzzi: La Divisione alpina Pusteria: Dall’Africa Orientale al Montenegro. S. 73.

Im Gedenken an den Feldzug in Abessinien wurde 1938 das später umstrittene Alpini-Denkmal in Bruneck errichtet.

Zweiter Weltkrieg Schlacht in den Westalpen Im September 1939 wurde die 5. Alpini-Division „Pusteria“ nach dem deutschen Überfall auf Polen zusammen mit der 2. Alpini-Division „Tridentina“ und 4. Alpini-Division „Cuneense“ dem neu aufgestellten Alpini-Korps unterstellt.Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio Storico (Hrsg.): L’esercito e i suoi corpi: Sintesi Storica. Volume terzo, tomo I. S. 82. Die Division wurde erst wenige Tage vor der italienischen Kriegserklärung an Frankreich und Großbritannien am 10. Juni 1940 nach Nordwestitalien in das obere Tal des Tanaro in den Ligurischen Alpen verlegt und direkt der 1. Armee unterstellt.Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio Storico (Hrsg.): Le operazioni del giugno 1940 sulle Alpi occidentali. S. 50, 54.

Am 18. Juni wurde sie in ihre Ausgangsstellungen am Oberlauf der Stura di Demonte verlegt. Der Aufmarsch war am 22. Juni abgeschlossen. Die Division befand sich nun entlang der südlich des Colle della Maddalena () verlaufenden italienisch-französischen Grenze aufgereiht und überschritt sie am Morgen des 23. Juni. Ziel war das Talbecken von Jausiers.Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio Storico (Hrsg.): Le operazioni del giugno 1940 sulle Alpi occidentali. S. 162–163. Die Schlacht in den Westalpen verlief wegen des in aller Eile befohlenen Angriffes, fehlender Aufklärung und damit verbundener unzureichender Ortskenntnisse nicht nach Plan. Zudem behinderte Neuschnee den Vormarsch. Als am 25. Juni in Ron der Waffenstillstand unterzeichnet wurde, hatten die Angriffsspitzen der Division nur wenige Kilometer zurückgelegt.Vitalino Peduzzi: La Divisione alpina Pusteria: Dall’Africa Orientale al Montenegro. S. 90–92.

Bis Juli verblieb die Division rund um den Colle della Maddalena und wurde anschließend nach Mondovì abgezogen. Im September kehrte sie nach Südtirol zurück.

Griechisch-Italienischer Krieg Ende November wurde die 5. Alpinidivision „Pusteria“ an die griechisch-italienische Front nach Südalbanien verlegt. Sie sollte im Zuge der griechischen Gegenoffensive die 9. Armee verstärken, wurde aber schließlich vom Befehlshaber des Oberkommandos der Streitkräfte in Albanien, Ubaldo Soddu, dem VIII. Armeekorps der 11. Armee unterstellt und dem Frontabschnitt an der Nahtstelle zur 9. Armee südöstlich von Berat im Tal des Osum zugewiesen.Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio storico (Hrsg.): La Campagna di Grecia. S. 240, 283, 297.

Da die einzelnen Verbände schrittweise verlegt wurden, wurden sie zunächst voneinander unabhängig an verschiedenen Brennpunkten der Front zwischen dem Tal der Vjosa und dem Tal des Osum eingesetzt.Associazione Nazionale Alpini (Hrsg.): Le truppe alpine nella Seconda Guerra Mondiale. S. 63. Um die Verbände schnell an die Front werfen zu können, blieben die Divisionsartillerie und die Nachschubeinheiten zurück, was den Kampfwert der Truppe stark reduzierte.Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio storico (Hrsg.): La Campagna di Grecia. S. 357. Anfang Dezember 1941 stand allein das 7. Alpini-Regiment mit zwei Bataillonen am Osum im Raum Çorovoda und wehrte auf einer Frontbreite von 25 km mit Mühen die Angriffe der griechischen 11. Infanterie-Division ab. Nachdem der Divisionskommandeur General Amedeo De Cia erklärt hatte, die Front zurücknehmen zu wollen, wurde er vom Befehlshaber der 11. Armee Generale d’Armata Carlo Geloso angehalten, die Front um jeden Preis zu halten. Da die anstürmenden griechischen Regimenter ebenfalls schwere Verluste zu verzeichnen hatten, erlahmte der Angriff schließlich nach vier Tagen.Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio storico (Hrsg.): La Campagna di Grecia. S. 363–366. In der zweiten Dezemberhälfte wiederholten die Griechen nach der Heranführung neuer Kräfte die Angriffe. Erneut konnten die Verbände der Division einen Durchbruch durch das Tal des Osum verhindern. Anfang Januar 1941 wurde die Division dem IV. Armeekorps unterstellt. Sie stand nun zwischen Çorovoda und Poliçan an den Ausläufern des Tomorr () an der Nahtstelle zur 9. Armee.Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio storico (Hrsg.): La Campagna di Grecia. S. 445, 471. Während der sogenannten Schlacht um Berat im Januar 1941 wehrte die Division unter ihrem neuen Kommandeur, General Giovanni Esposito, erneut griechische Vorstöße im Bereich des Tals des Osum ab.Associazione Nazionale Alpini (Hrsg.): Le truppe alpine nella Seconda Guerra Mondiale. S. 72. Damit waren die Offensivbemühungen der griechischen Armee endgültig zum Erliegen gekommen.

Während der von Mussolini angeordneten italienischen Frühjahrsoffensive im März 1941 befand sich die 5. Alpinidivision „Pusteria“ am äußersten linken Rand des Angriffsbereichs. Nach anfänglichen Erfolgen blieb auch hier der Angriff nach wenigen Tagen schließlich stecken.Associazione Nazionale Alpini (Hrsg.): Le truppe alpine nella Seconda Guerra Mondiale. S. 91–92. Nach Beginn des Balkanfeldzuges durch die Achsenmächte am 6. April befahl der Oberbefehlshaber der italienischen Streitkräfte in Albanien, General Ugo Cavallero, der 5. Alpinidivision „Pusteria“ am 14. April in Richtung Erseka vorzurücken. Nach vier Tagen brach der letzte griechische Widerstand zusammen und am 19. wurde Erseka erreicht. Bei Inkrafttreten des Waffenstillstandes am 23. April 1941 stand die Division knapp jenseits der albanisch-griechischen Grenze bei Konitsa im Epirus.Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio storico (Hrsg.): La Campagna di Grecia. S. 730, 736, 746 Während des etwa fünfmonatigen Griechenlandfeldzuges hatte die Division über 2500 Ausfälle zu verzeichnen, davon fast 400 Tote.Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio storico (Hrsg.): La Campagna di Grecia. S. 803.

Am 27. April wurde die Division aus Griechenland abgezogen. Am 3. Mai erreichte sie Qukës im Osten Albaniens und wurde dort aufgefrischt.Stato Maggiore dell’Esercito – Ufficio Storico (Hrsg.): L’esercito e i suoi corpi: Sintesi Storica. Volume terzo, tomo I. S. 298.

Partisanenkrieg in Montenegro Nach Ausbruch des Aufstandes gegen die italienische Besetzung Montenegros am 13. Juli 1941, wurden drei Tage später das 11. Alpini-Regiment nach Podgorica verlegt, um die bedrängten italienischen Besatzungstruppen zu verstärken. Vor dem Einsatz ordnete der Divisionskommandeur Esposito unter anderem an, jeden in Waffen gefangen genommenen Einwohner unabhängig seines Geschlechts zu erschießen.Federico Goddi: Fronte Montenegro: L’occupazione militare italiana 1941–1943. S. 160.