mini|Stammwappen derer von Teufel in Siebmachers Wappenbüchern mini|Wappen über dem Epitaph des Erasmus von Teufel † 1552 in der Filialkirche Winzendorf mini|Inschrift zum Alter der Familie Teufel an der alten Winzendorfer Kirche, 16. Jahrhundert. Etwa: „Wenn jemand zweifeln sollte, dass das Teuflische Geschlecht nicht alt ist und glaubt, dass es neuadelig sei, diesem widerspreche ich uralter Stein.“ mini|links|Bildstock des Wolfgang Teufel von 1481, Pfleger auf Pitten mini|Epitaph Wolf Mathias Teufel gefallen 1587 in Krakau

Teufel ist der Name eines uradeligen österreichischen Adelsgeschlechts im Freiherrenstand (ab 1566), welches in der Gegend um Winzendorf in Niederösterreich seinen Ursprung hatte und sich anfangs nach diesem Ort, später nach Guntersdorf benannte. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hat sich die Familie weitgehend dem Protestantismus angeschlossen. In den 1570er Jahren waren Familienmitglieder bei ihren Kavalierstouren, den Bildungsreisen der junger adeligen Männer, bevorzugt in Italien und haben beeindruckt von den dortigen Renaissance-Denkmälern außergewöhnliche Epitaphien in der alten Winzendorfer Kirche beauftragt. Um diese Zeit entstanden drei Linien, jene von Pitten-Frohsdorf, von Enzersdorf-Gundersdorf und von Gars-Eckartsau. Diese Generation der in den 1510er Geborenen wurde in den Freiherrnstand erhoben, obwohl sie überzeugte Protestanten der zweiten Generation waren. Der Glaube war um diese Zeit noch kein Hindernis für herausragende staatliche und militärische Karrieren. Spätere Generationen der Teufel konvertierten wieder zum Katholizismus. Die protestantischen Familienmitglieder konnten in der aufkommenden Gegenreformation (Dreißigjähriger Krieg) keine bedeutenden Ämter mehr erlangen. Der letzte Teufel, Otto Christoph Teufel auf Gundersdorf, sah sich gezwungen im Greisenalter ins protestantische Sachsen auszuwandern. Im Jahre 1690 ist das Geschlecht in der männlichen Linie erloschen.

Das Geschlecht ist nicht zu verwechseln mit den bayerischen und badischen Teuffel von Birkensee oder den Spätmittelalterlichen Würzburger und Nürnberger Patrizier Teufel.

Geschichte Abstammung mini|links|Epitaph des Erasmus von Teufel † 1552 in Konstantinopel mini|Schloss Frohsdorf um 1672 Die Familie der Teufel (alternative Schreibweisen Teuffel, Teüfl, Teufl) war vermutlich ursprünglich Lehensleute oder Dienstmannen der Herren von Stubenberg, die vermutlich im 13., auf alle Fälle aber im 14. Jahrhundert Eigentumsrechte über Untertanen in Winzendorf am Steinfeld hatten und sich nach diesem Ort benannten.Gustav Melzer, Erwin Reidinger: Überblick über die archäologisch-bauhistorischen Untersuchungen. In: Die mittelalterliche Kirche Maria Himmelfahrt in Winzendorf. Archaelogia Austriaca 74, Wien 1990, S. 132. Für Vorfahren aus der Familie der Teuffel (von Pirkensee) gibt es, wie schon im 18. Jhdt. vermutet, bisher keine Hinweise, zumal sich die Wappen grundlegend unterscheiden. 940 wird bereits ein Wolff Teuffel, Hauptmann unter dem Bayernherzog Berthold erwähnt, der diesen bei den Ungareinfällen unterstützte. Siebmacher kann das Geschlecht bis 1274 zu einem Otto Teufel auf Prunsleinsdorf (wahrscheinlich Prinzersdorf bei St. Pölten) zurückverfolgen. Otto hatte zwei Söhne: Markus, der die Stammlinie fortsetzte, und Albrecht (urkundlich ab 1311), der eine eigene Nebenlinie begründete. Ein Inschriftenstein auf der Außenwand der Winzendorfer Kirche bringt den ganzen Stolz des alten Rittergeschlechts der Teufel zum Ausdruck: „Ob iemant / Wer der zweifeln / Wolt. obs tevflisch Gsc= / =hläct. avch alt sein solt. / vnd solchs neü / edel sein vermain / widersprich ich vralter stain.“ Am Gedenkstein für Wolfgang Teufel, gefallen 1587, heißt es, dass „die Teufel per 300 Jahr allhier [Winzendorf] ihre Stift und Begräbnis haben.“ Ottos Sohn war Markus Teuffel (* vor 1298), verheiratet mit Ayrha Teuffel, die die Eltern von Johann Teuffel (* vor 1320) waren, der mit Ursula Teuffel geb. Vobersch verheiratet war. Johanns Sohn hieß Marquard Teuffel (*~1325~1385) und war mit Kunegunda Teuffel geb. Doss verheiratet. Um 1317 ist von einem Otto mit einem Sohn selben Namens im Zusammenhang mit Prinzersdorf (bei St. Pölten) die Rede.Erwin Reidinger: Die Teufel zu Winzendorf. Winzendorf 1977 (reidinger.at). Vielleicht ein Bruder von Marquard. Marquards Nachfahren waren Albrecht Teuffel (*~1325~1385) verheiratet mit Wandula Teuffel geb. Schneidpeck. Die folgenden Generationen waren Otto Teufel verheiratet mit Brigida Teuffel geb. von Flamming (*~1360~1420) und Johann Teuffel (*~1395~1455), verheiratet mit Elisabeth Teuffel geb. Leysser. In einer Urkunde des Stifts Lilienfeld wird am 8. Jänner 1387 ein „Hanns der Teufel von Wynssendorf“ (Winzendorf) als „erber chnecht“ genannt. In zehn weiteren Urkunden werden Mitglieder des Geschlechts bezüglich Besitzungen in den Pfarren Ramsau und Hainfeld genannt. Jener „Hanns“ oder Jans der Teufel wird von Siebmacher auf „Wiesendorf“ und Dreistetten genannt.Matthias Glatzl: Die Freiherrn von Teufel in ihrer staats- und kirchenpolitischen Stellung zur Zeit der Reformation und Restauration. Wien, 1950. Dissertation, Universität Wien, S. 9. Ein Nachfahre von Hanns Teufel von Winzendorf war Albrecht Teuffel (* ~1405~1465) verheiratet mit Helena Teuffel geb. von Enzerstorff. Sein Sohn war vermutlich Benedikt Teuffel (* vor 1476) dessen Gemahlin Margaretha Teuffel geb. Harrasser von Harras war.

Pitten und Krottenhof in Frohsdorf Die Wohnsitze der Familie Teufel lagen im Hochmittelalter im Bereich Lilienfeld, Hainfeld, Dreistetten und Winzendorf. Konkret identifizieren lassen sie sich nicht. Die Winzendorfer Kirche im damaligen Weinbauort war vermutlich ab der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts die Begräbnisstätte. Die ältesten zuordenbaren Familiensitze liegen ca. 12 km entfernt am südlichen Rand des Steinfeldes in Pitten und Krottendorf, später Froschdorf, heute Frohsdorf. Dort wurde 1514 der Krotenhof gekauft, der im Zuge der ersten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1529 fast vollständig abbrannte. 1547–1550 wurde auf Resten des Krotenhofs das Schloss Frohsdorf, damals als bewehrtes Renaissanceschloss mit Wassergraben errichtet.

Wolfgang Teuffel (nach 1476) war mit Dorothea Teuffel geb. von Ludmannsdorf verheiratet und ihr Sohn Wolfgang Teuffel (nach 1481) mit Anna Teuffel geb. Klingenbrunner (~1415~1475) Wolfgang hat im ersten Jahr seiner Pflegschaft in Pitten, 1481, ein Marterl aus Stein errichten lassen, das immer noch steht und die älteste nichturkundliche Erinnerung an die Teufel ist.Matthias Glatzl: Die Freiherrn von Teufel in ihrer staats- und kirchenpolitischen Stellung zur Zeit der Reformation und Restauration. Wien, 1950. Dissertation, Universität Wien, S. 10. Es zeigt sein Wappen, ein Schild mit Jagdhorn, das auf einem Siegel erstmals ab 1362 nachweisbar ist. Um 1500 lebte ein Johann Teufel, Burggraf in Stein, dessen Sohn Leonhard erzherzoglich österreichischer Jägermeister war.

Mathäus Teufel auf Krottendorf (~1480–1552) war der Sohn von Wolfgang und Anna. Er kauft das eher kleine Gut Krottendorf (Frohsdorf) 1514 von „Vitztumb Lozenz Sauer“. Es wurde ihm am Lichtmesstage des Jahres von Kaiser Maximilian I. verliehen.Matthias Glatzl: Die Freiherrn von Teufel in ihrer staats- und kirchenpolitischen Stellung zur Zeit der Reformation und Restauration. Wien, 1950. Dissertation, Universität Wien, S. 11. Im Jahr 1529 brannte das Herrenhaus im Zuge der Ersten Wiener Türkenbelagerung fast vollständig ab und wurde von Matthias Teufel wieder aufgebaut. Ihm gehörten auch die Herrschaften Enzersdorf an der Fischa, Walzenbach und Wilfersdorf. Er galt als ein angesehenes Mitglied des Ritterstandes, zu finden als Gesandter in Linz oder am Landtag zu Wien 1540. Zur religiösen Einstellung von Matthäus und seiner Frau Apollonia Mallinger (*~1483) sowie des ältesten Sohnes Erasmus liegen keine Informationen vor. mini|Pitten 1882 Der älteste Sohn Erasmus von Teufel wurde 1550 kaiserlicher Rat und Hauptmann von Ödenburg (Sopron) und erhielt 1552 den Oberbefehl über ein 7000 Mann starkes Streitkorps; nach einer Niederlage gegen osmanische Truppen geriet er in Gefangenschaft und wurde nach Konstantinopel gebracht. Mit den jüngeren Söhne von Matthäus teilen sich die Teufel in drei Linien. Christoph wurde der Begründer der Linie Pitten-Frohsdorf, Andreas der Linie Enzersdorf-Gundersdorf und Georg der Ältere der Line Gars-Eckartsau. 1566 wurden die drei Brüder, allesamt in kaiserlichen Diensten, von Maximilian II in den Freiherrenstand erhoben und in den niederösterreichischen Herrenstand aufgenommen. Zu dieser Zeit waren sie gemeinsam die Besitzer von Guntersdorf. Im Gültbuch von 1559–79 heißt es: „Der Anndre Teuffel etc. von wegen Gunderstorff iiiP CP xviii t iii ß d i h/ Ist hieuor im herrn Stanndt eingeschriben worden“.

Linie Pitten-Frohsdorf mini|links|hochkant|Epitaph des Christoph Teufel († 1570) mini|links|hochkant|Epitaph der Susanna Teufel geb. Weispriach (1528–1590) Begründer dieser Linie war der zweite Sohn von Matthäus, Christoph Teufel Freiherr zu Guntersdorf (1515–1570), Erbe von Pitten und Schloss Frohsdorf (Krottendorf). Die Herrschaften dieser Linie liegen fast ausschließlich in der Nähe des Steinfeldes. Christoph war „Verordneter des Ritterstandes, Oberproviantkommissär (Aufsichtsbeamter über das Proviantwesen) für das Ungarland und Kaiserlicher Rat“.Erwin Reidinger: Mariä Himmelfahrt zu Winzendorf, NÖ. „Freiherrlich Teufel’sches Erbbegräbnis“. Folder anlässlich der Restaurierung 1986 bis 1990, Winzendorf 1990 (reidinger.at). Er ist in Lebensgröße, geharnischt, bewaffnet und der „goldenen Gnadenkette“, einer kaiserlichen Auszeichnung, auf seinem Epitaph in der Winzendorfer Kirche dargestellt. Charakteristisch für protestantische Grabdenkmäler dieser Zeit waren Inschriftentafeln mit vielen biographischen Details, eine Dokumentation der Genealogie oder eine figürliche Darstellung zur Vergenwärtigung der Verstorbenen.

Christoph ehelichte 1547 die sehr vermögende Susanna von Weißpriach (1528–1590), Tochter des Johann von Weisspriach (Österreichischer Uradel) und der Barbara Lonyay von Nagy-Lonya und Vasaros-Nameny. Dank Susannas Mitgift konnte er dem Kaiser 20.000 Gulden vorstrecken, eine Summe, die den damaligen Wert von Krottendorf und der Pfandherrschaft Güns (heute Kőszeg) weit überstieg. hochkant|mini|Evangelische Kirche in Běhařovice erbaut von Georg Christoph in den 1590er Jahren. Susannas Epitaph, ebenfalls in Winzendorf ist eine plastische Darstellung der Verstorbenen aus Kelheimer Marmor und zeigt sie mit halbem Leibe, am Kopf ein Tuch zu einem Gugl gebunden, in der Hand ein Paar Handschuhe als Zeichen von Vornehmheit und Reichtum.Erwin Reidinger: Die Teufel zu Winzendorf. Winzendorf 1977 (reidinger.at). Durch ihren großen Grundbesitz und Barvermögen, sie war die Letzte ihres Geschlechts und die Erbtochter der Herren von Weißpriach, erhöhte sich das Vermögen der Teufel beträchtlich. Sie erbte Guntersdorf, das Gut Katzelsdorf und kaufte 1590 die Veste Pütten (Pitten). Sie und ihr Gatte waren eifrige Protestanten, zogen 1560 das Kloster zu Katzelsdorf ein, vertrieben die Mönche und gründeten dort eine evangelische Schule. Nach 1570, als Witwe und Grundherrin, benutzte sie ihr Patronatsrecht in Winzendorf, um alle 14 Tage lutherisch predigen zu lassen und den katholischen Glauben zurückzudrängen. Auch in den ihr zustehenden Pfarren Maria Laach und Aggsbach setzte sie protestantische Pfarrer ein.Matthias Glatzl: Die Freiherrn von Teufel in ihrer staats- und kirchenpolitischen Stellung zur Zeit der Reformation und Restauration. Wien, 1950. Dissertation, Universität Wien. Im Zuge der Gegenreformation wurde diese Linie um 1600 wieder weitgehend katholisch. Unter Christoph begann der Umbau der Reste des Krotenhofs zum bewehrten Renaissanceschloss Frohsdorf.

hochkant|mini|Grabplatte von Georg Christoph in Běhařovice mini|links|hochkant|Epitaph der Maria Euphrosina Teufel geb. Freiin von Thannhausen (1578–1613)