mini|Opfer des Massakers von Butscha (8. April 2022) Als Massaker von Butscha wird eine Reihe von russischen Kriegsverbrechen in der Stadt Butscha (Oblast Kiew), einem Vorort von Kiew, bezeichnet. Soldaten der russischen Streitkräfte begingen diese Kriegsverbrechen im Frühjahr 2022 während der Schlacht um Kiew an ukrainischen Zivilisten.

Nachdem die russischen Streitkräfte am 31. März 2022 nach etwas mehr als einem Monat abgezogen waren, wurden laut ukrainischen Angaben bis August 2022 (Schlussbilanz) in und um Butscha 458 Leichen gefunden, von denen 419 Anzeichen dafür trugen, dass die Opfer erschossen, gefoltert oder erschlagen worden waren. 39 starben möglicherweise ohne Gewalteinwirkung. Fast alle Toten waren Zivilisten. Alle Fälle wurden von Ermittlern für Kriegsverbrechen untersucht.Accounting of bodies in Bucha nears completion. In: Washington Post, 8. August 2022.Die Brutalität des Massakers von Butscha liegt jetzt in konkreten Zahlen vor. In: Watson.ch, 10. August 2022. Ein Bericht des UNHCHR vom Dezember 2022 dokumentierte bis zum 31. Oktober 2022 die Tötung von 73 Zivilisten in der Stadt und wies auf die bevorstehende Bestätigung von weiteren 105 mutmaßlichen Tötungen hin.KILLINGS OF CIVILIANS: SUMMARY EXECUTIONS AND ATTACKS ON INDIVIDUAL CIVILIANS IN KYIV, CHERNIHIV, AND SUMY REGIONS IN THE CONTEXT OF THE RUSSIAN FEDERATION’S ARMED ATTACK AGAINST UKRAINE. 24 FEBRUARY – 31 OCTOBER 2022. In: UNHCHR, 7. Dezember 2022, S. 4 (PDF). Nach weiteren Untersuchungen berichtete am 21. März 2025 die städtische Archivabteilung von Butscha gegenüber BBC-Ukraina, dass im Stadtgebiet von Butscha in der russischen Besatzungszeit vom 24. Februar bis 31. März 2022 381 Zivilisten starben, davon 281 durch Gewalt, größtenteils Opfer gezielter Kriegsverbrechen, 100 aus anderen Gründen, die teilweise auch indirekte Kriegsfolgen waren, weil einige Verstorbene keine lebenserhaltenden Medikamente mehr bekamen, einzelne Bewohner eines Altenheimes verhungerten, einzelne nahe Verwandte von Opfern erlitten Herzinfarkte. Für das Gebiet der Stadtgemeinde Butscha (), die nach Westen und Norden weit über die Stadt hinausreicht (11 Dörfer und 2 Kleinstädte umfasst), nicht zu den östlichen Nachbarstädten Hostomel und Irpin, in denen ebenfalls Kriegsverbrechen bekannt sind, wurden 554 zivile Opfer angegeben, 396 durch Gewalt, 158 aus anderen Todesursachen. Für den gesamten Rajon Butscha waren 2025 nach Angaben der ukrainischen Nationalpolizei etwa 1200 zivile Opfer bekannt.„Скільки людей загинуло у Бучі під час російської окупації: оновлені дані.“ (Ukrainisch, =„Wieviele Menschen starben unter russischer Okkupation: aktualisierte Daten.“), 21. März 2025 (eingesehen am 25. September 2026).

Russland wird vorgeworfen, die Massaker gezielt verübt zu haben.Tote Zivilisten in Butscha – EU verspricht Untersuchung der „Gräueltaten“. ZDF, 3. April 2022. Das Putin-Regime bestritt eine Beteiligung russischer Soldaten an den Folterungen und Tötungen.

Allgemeine Lage Laut einem Bericht der New York Times vom 11. April 2022 zum ersten Kriegsmonat näherten sich am 24. Februar 2022, dem ersten Tag des Krieges, russische Spezialeinheiten zu Fuß durch den Wald und schossen auf Autos auf der Straße. Eine Kolonne gepanzerter Fahrzeuge fuhr in den Vorort, schoss auf eine Frau in ihrem Garten und tötete sie.

Eine Gemeinderätin berichtete laut Meduza, es habe spätestens ab dem 8. März 2022 keinen Strom und kein Wasser mehr gegeben und Kommunikationsantennen seien absichtlich zerstört worden. Die russischen Truppen seien derart hart vorgegangen, dass es im Gegensatz zu anderen Orten keine Kundgebungen gegen die Besetzer gegeben habe, nachdem darüber diskutiert worden war. Verschiedene Einheiten hätten sich unterschiedlich brutal verhalten. Eine Einheit, die für den Abtransport der getöteten und verletzten Russen zuständig war, habe Diesel an das Krankenhaus abgegeben. Menschen seien auch an Mangel an Nahrung und Medikamenten gestorben.«Кто-то перед смертью ехал на велосипеде. Кто-то гулял парой» Буча. Депутат местного совета Катерина Украинцева — о том, как этот город жил под российской оккупацией, Meduza, 3. April 2022 Die New York Times berichtete am 11. April 2022 auch: als der russische Vormarsch auf Kiew angesichts des erbitterten Widerstands ins Stocken geriet, habe sich die feindliche Besetzung in einen „Terror- und Rachefeldzug“ verwandelt. Als sich eine „besiegte und demoralisierte“ russische Armee schließlich zurückgezogen habe, habe sie ein „Bild des Grauens“ hinterlassen: Leichen von Zivilisten auf Straßen, in Kellern oder Hinterhöfen, viele mit Schusswunden am Kopf, einige mit auf den Rücken gefesselten Händen. Ukrainische Streitkräfte drangen am 1. April in die Stadt ein. Am 2. April 2022 wurde ein erstes Video auf Twitter veröffentlicht, das neun tote Menschen auf der Straße zeigt. Die Echtheit wurde von der Washington Post bestätigt.

Zu ähnlichen Taten wie in Butscha kam es auch in anderen von Russland besetzten Orten in der Region Kiew. Nach Angaben von Andrij Njebytow, dem Polizeichef der Region Kiew, wurden bis zum 20. April 2022 über 1000 Leichen geborgen, von denen 75 Prozent mit automatischen Waffen oder mit Scharfschützengewehren erschossen worden waren.Wioletta Orlowa: На Київщині вже виявлено тіла 1045 цивільних, 75 % розстріляні – поліція. In: unian.ua. 20. April 2022, abgerufen am 20. April 2022.Myroslava Petsa: 1045 bodies of civilians collected in Kyiv region – Andriy Nebytov, chief of Kyiv regional police, tells Ukraine24 TV station. He says 80 % of victims were shot dead, all of them were defenceless and posed no threat whatsoever to Russian troops. Excavation of bodies is ongoing. In: Twitter. 20. April 2022, abgerufen am 20. April 2022. Bis zum 4. Mai 2022 wurden in der Region Kiew 1.235 getötete Zivilisten identifiziert. Die Identitäten von 282 weiteren Toten waren damals noch ungeklärt.In Region Kyjiw weitere 20 Leichen von Zivilisten gefunden, die von Russen getötet wurden. In: ukrinform.de. 4. Mai 2022, abgerufen am 12. Mai 2022.

Vorkommnisse und Angriffe Laut dem Kyiv Independent wurden am 4. März 2022 zwei Männer und eine Frau getötet, als ihr Auto von einem russischen gepanzerten Fahrzeug beschossen wurde.Anna Myroniuk: Russian soldiers murder volunteers helping starving animals near Kyiv. In: The Kyiv Independent. 8. März 2022, abgerufen am 3. April 2022. Wie Human Rights Watch mit Interviews dokumentierte, wurden am gleichen Tag fünf Männer gezwungen, am Straßenrand zu knien, ihnen wurden ihre T-Shirts über den Kopf gezogen und einem der Männer wurde in den Hinterkopf geschossen.Ukraine: Apparent War Crimes in Russia-Controlled Areas, Human Rights Watch vom 3. April 2022.

Die New York Times veröffentlichte am 19. Mai 2022 Belege für die hinrichtungsartige Ermordung von neun ukrainischen Männern am 4. März. Ein Überwachungsvideo und ein heimlich von einem Anwohner gedrehtes Video zeigen, wie die Männer von russischen Soldaten abgeführt und vor einem Zaun zu Boden gezwungen werden. Zeugenaussagen und ein Drohnenvideo vom 5. März bestätigen, dass die Männer anschließend hinter ein russisches Quartier geführt und erschossen wurden.Videos sollen Hinrichtung Unbewaffneter in Butscha belegen. In: t-online.de. 20. Mai 2022, abgerufen am 20. Mai 2022.New Evidence Shows How Russian Soldiers Executed Men in Bucha. In: New York Times, 19. Mai 2022.

Am 5. März 2022 wurden zwei Familien, die in ihren Autos aus Butscha zu fliehen versuchten, von einem russischen gepanzerten Fahrzeug beschossen. Dabei starben laut dem Kyiv Independent vier Menschen.Daniel Boffey: ‘A war crime’: two young boys among Ukrainians shot dead during attempted evacuation. In: The Kyiv Independent. 3. April 2022, abgerufen am 3. April 2022. Am 12. März wurden im Stadtzentrum von Butscha 57 bis 67 Zivilisten hinter einer Kirche in einem Massengrab verscharrt. Zu den Todesumständen gab es damals noch keine Angaben. Nach Darstellung von Meduza suchten die russischen Soldaten wohl systematisch ehemalige Militärangehörige – auch ein Sohn eines verstorbenen ATO-Veteranen (ATO war die Bezeichnung für das militärische Vorgehen gegen die regierungsfeindlichen Kräfte in der Ostukraine 2014) sei erschossen worden. Eine Person beschrieb Folterspuren bei aufgefundenen Körpern.Louise Callaghan: , The Sunday Times, 2. April 2022, Additional reporting: Anna MosinianGuardian Titelblatt vom 4. April 2022

Nach Abzug der russischen Truppen berichteten Vertreter der Ukraine, in Butscha noch lebende Bewohner sowie dort eingetroffene Journalisten von während der russischen Besatzung erschossenen Frauen und Kindern, von vergewaltigten und anschließend getöteten Frauen, deren Leichname nackt hinter Hecken oder in Gebäuden zurückgelassen wurden, von beispielsweise durch Abschneiden von Körperteilen gefolterten Bewohnern, von Leichnamen von erschossenen Zivilisten, die überall im Stadtgebiet in Gebäuden und Kellern, in der Kanalisation oder auf offener Straße aufgefunden wurden. Die Vorfälle wurden durch zahlreiche Foto- und Videoaufnahmen sowie Zeugenaussagen dort noch lebender Bewohner dokumentiert. Mehrere Zeugen aus Butscha berichteten, russische Truppen hätten gezielt Hunderte Zivilisten in Gebäuden und auf offener Straße erschossen, egal ob sie Männer, Frauen, Kinder oder ältere Menschen waren. Laut Angaben des Bürgermeisters von Butscha, Anatolij Fedoruk, wurden dort (mit Stand 2. April 2022) 280 Menschen in Massengräbern beigesetzt. Unabhängige Journalisten der Nachrichtenagentur AFP zählten 20 Leichen in ziviler Kleidung allein auf einer Straße.

Mehrere Medien veröffentlichten Bilder von Erschossenen in Zivilkleidung, deren Hände auf den Rücken gebunden waren. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berichtete eine Angehörige eines Getöteten, dass sechs unbewaffnete Männer wenige Tage nach der Invasion in Butscha festgenommen und später erschossen worden seien. Laut dem Kyiv Independent haben russische Soldaten vier Zivilisten in einem Auto mit der Aufschrift „де́ти“ (Kinder) erschossen. Eine nicht näher beschriebene Person, die während der ganzen russischen Besatzung in Butscha ausgehalten hatte, berichtete dem Schweizer Fernsehen RTS, die Russen hätten „wie auf einer Safari“ auf jeden und alles geschossen. „Sie waren alle betrunken. Sie sagten: ‚Wir haben den Befehl, euch alle zu töten.‘ Sie gingen von Eingang zu Eingang, von Keller zu Keller und holten die Leute heraus.“ Ein anderer Mann schilderte, die Russen hätten Tränengasgranaten in den Keller geworfen, die Menschen herausgetrieben. Dem Ersten, der herausrannte, einem Jungen, sei direkt in den Kopf geschossen worden.Fokus: Gräueltaten in Butscha. In: SRF 1, 10vor10, 4. April 2022, bei Min 3:33 (Video).

Ermittlungen mini|Öffnung eines Massengrabes durch ukrainische und internationale Ermittler nach dem Abzug der russischen Truppen (8. April 2022) Die New York Times verglich Satellitenaufnahmen von Maxar, die während und nach der russischen Besetzung der Stadt aufgenommen wurden. Ergebnis war, dass bei den Aufnahmen die Leichen von Zivilisten schon während der russischen Besatzung an denselben Stellen lagen, an denen sie direkt nach dem Abzug der russischen Truppen aufgefunden und dokumentiert worden waren.

Anfang März 2022 wurde ein vom ukrainischen Militär aufgenommenes Drohnen-VideoRussian soldiers opened fire on a cyclist in Bucha, new video shows. In: New York Times, 5. April 2022, abgerufen am 7. April 2022. bekannt, das den gezielten Angriff von zwei russischen Schützenpanzern auf einen Zivilisten zeigt, der ein Fahrrad über den Gehweg schiebt.

Nach dem Abzug der russischen Truppen wurde ein Leichnam mit einem Fahrrad an dieser Stelle aufgefunden und dokumentiert.