mini|George Viau vor einem Werk von Edgar Degas, Foto von 1919 George Viau, auch Georges ViauIn der Literatur findet sich abweichend wiederholt die Schreibweise Georges Viau, beispielsweise in Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 29., (geboren am 28. März 1855 in Nancy; gestorben am 18. Dezember 1939 in Paris) war ein französischer Zahnarzt, Kunstsammler und Mäzen.

Leben mini|Édouard Vuillard: Dr. Viau in seiner Zahnarztpraxis, 1914 Der 1855 in Nancy geborene Viau gehörte zu den führenden Zahnärzten in Frankreich. Bereits sein Vater hatte sich als Stomatologe mit Erkrankungen der Mundhöhle beschäftigt. Viau folgte diesem Beispiel und spezialisierte sich als Mediziner auf die Zahnheilkunde. 1879 war er Gründungsmitglied der Zahnärztevereinigung Cercle des dentistes de Paris, aus der am 19. Mai 1880 die Schule für Zahnmedizin École dentaire de Paris hervorging. Viau nahm selbst Unterricht an dieser Schule und promovierte dort 1881 als einer der ersten Absolventen. 1882 wurde er an der Schule Assistenzprofessor für Prothetik, 1883 folgte die Ernennung zum ordentlichen Professor. Ab 1881 war er im Mitglied des Verwaltungsrates der Schule und ab 1884 Mitglied des Direktoriums. Im Jahr 1900 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der internationalen Zahnärztevereinigung Fédération Dentaire Internationale.Pol Danhiez: Les années 1910 (2e partie): Les cabinets des Drs Casotti, Guerini, Viau et Fones

Viau schrieb zahlreiche Fachartikel. Vielbeachtet wurde seine 1886 veröffentlichte Studie zur schmerzlosen Extraktion bei einer Anästhesie unter Verwendung von Kokain. Diese Studie erschien im Folgejahr auch in deutscher Sprache. 1922 hielt er während der Eröffnungssitzung der Sorbonne einen Vortrag anlässlich des 200. Geburtstag des Pioniers der Zahnheilkunde Pierre Fauchard, der danach ebenfalls publiziert wurde. Für seine Verdienste als Mediziner erhielt er anlässlich der Pariser Weltausstellung 1900 die Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion.Pol Danhiez: Les années 1910 (2e partie): Les cabinets des Drs Casotti, Guerini, Viau et Fones. Sein Sohn Louis Viau wurde ebenfalls Zahnarzt.

Kunstsammlung Viau Spätestens seit den 1890er Jahren begann Viau mit dem Aufbau einer Kunstsammlung. Sein Interesse galt hierbei zunächst französischen Malern des 19. Jahrhunderts, später auch Werken zeitgenössischer Künstler des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Sammelleidenschaft verband ihn mit seinen Freunden Armand Doria und Henri Rouart, mit denen er gemeinsam Kunstgalerien oder das Auktionshaus Hôtel Drouot besuchte.Élodie Desserle: Collection(s) George Viau. Zudem unterhielt er direkte Kontakte zu verschiedenen Künstlern. Dazu gehörten Camille Pissarro, Pierre-Auguste Renoir und Alfred Sisley.Pol Danhiez: Les années 1910 (2e partie): Les cabinets des Drs Casotti, Guerini, Viau et Fones. Hinzu kam Claude Monet, der auch sein Patient war.Pol Danhiez: Les années 1910 (2e partie): Les cabinets des Drs Casotti, Guerini, Viau et Fones. Viau erwarb Kunstwerke bei mehreren Atelierverkäufen, etwa 1899 beim Nachlass von Alfred Sisley, 1918–1919 bei den Auktionen der Sammlung von Edgar Degas und 1920 beim Verkauf der Bilder von Eugène Carrière.Élodie Desserle: Collection(s) George Viau.

Der genaue Umfang und die Zusammensetzung der Sammlung Viau sind nicht bekannt, da sich im Nachhinein nicht mehr alle Werke eindeutig bestimmen lassen. Zudem veräußerte Viau wiederholt größere Teile seine Sammlung, um anschließend erneut Werke zu erwerben. Schätzungen gehen von mindestens 1.200 Kunstwerken in der Sammlung aus.Lea Saint-Raymond: George Viau. A major Collector of Impressionism and Post-Impressionism. Beschrieben wurde die Sammlung 1925 von Waldemar George in der Zeitschrift L’Amour de l’Art, der dabei auch einzelne Werke vorstellte.Waldemar George: La collection Viau in L’Amour de l’Art Nr. 9 vom September 1925, S. 361–374. Als weitere Quelle dienen der Auktionskatalog von 1907 der Galerie Paul Durand-RuelGalerie Durand-Ruel (Hrsg.): Catalogue des tableaux, pastels, aquarelles, dessins & eaux-fortes de A. André, Boudin, Cals, Carrière, Mary Cassatt, Corot, Daumier, Degas, Delacroix, D’Espagnat, Durenne, Fantin-Latour, Forain, Gauguin, Guillaumin, Ingres, Jongkind, Lebourg, Manet, Menzel, Millet, Monticelli, C. Pissaro, Renoir, Rops, Sisley, Toulouse-Lautrec, Van Gogh, etc., composant la collection de M. George Viau et dont la vente aura lieu à Paris, Galeries Durand-Ruel. und entsprechende Artikel in der Tagespresse.Valemont: La Collection George Viau, Artikel in Le Figaro vom 1. März 1907. Während bei diesem Teilverkauf der Sammlung Viau Gemälde, Pastelle, Aquarelle und Zeichnungen angeboten wurden, kamen 1909 in einer Auktion im Hôtel Drouot Drucke und Lithografien zum Verkauf. Ebenfalls im Hôtel Drouot folgte 1930 ein weiterer Verkauf von Gemälden und Zeichnungen. Nach Viaus Tod fanden vier Versteigerungen seines umfangreiche Besitzes statt. Dabei kamen im Dezember 1942, Februar 1943, Juni 1948 und Februar 1949 insgesamt mehr als 5.000 Katalognummern zum Aufruf, wobei neben Gemälden, Arbeiten auf Papier und Skulpturen auch zahlreiche Bücher und asiatisches Kunsthandwerk angeboten wurden.Élodie Desserle: Collection(s) George Viau.

Die Werke aus dem ehemaligen Besitz von George Viau befinden sich heute in unterschiedlichen Museen und Privatsammlungen. Das Pariser Musée d’Orsay besitzt drei Werke, die Viau den staatlichen Museen zu Lebzeiten schenkte. Neben dem Pastellbild Spanische Tänzerin von Edgar DegasAngaben zum Pastell Spanische Tänzerin von Edgar Degas auf der Website des Musée d’Orsay kamen auf diese Weise die Gemälde Bildnis Thomas-Alfred Jones von Pierre Puvis de ChavannesAngaben zum Bildnis Thomas-Alfred Jones von Pierre Puvis de Chavannes auf der Website des Musée d’Orsay und ein Selbstbildnis von Adolphe-Félix CalsAngaben zum Selbstbildnis von Adolphe-Félix Cals auf der Website des Musée d’Orsay in die Sammlung. Die Familie Viau stiftete den staatlichen Sammlungen 1955 das Gemälde Doktor George Viau in seiner Praxis von Édouard Vuillard (heute Musée d’Orsay).Angaben zum Doktor George Viau in seiner Praxis von Édouard Vuillard auf der Website des Musée d’Orsay Aus dem Nachlass Viau erwarben die nationalen Museen Frankreichs die beiden Pastellarbeiten Femme se coiffantAngaben zum Pastell Femme se coiffant von Edgar Degas auf der Website des Musée d’Orsay und Femme nue deboutAngaben zum Pastellbild Femme nue debout von Edgar Degas auf der Website des Musée de Louvre von Edgar Degas. Darüber hinaus erhielten die staatlichen Sammlungen von verschiedenen Stiftern die Werke Roses mousseusesAngaben zum Gemälde Roses mousseuses von Pierre-Auguste Renoir auf der Website des Musée d’Orsay und Portrait de petite fille coiffée d’une charlotteAngaben zum Gemälde Portrait de petite fille coiffée d’une charlotte von Pierre-Auguste Renoir auf der Website des Musée d’Orsay von Pierre-Auguste Renoir, Le Héron aux ailes déployées von Alfred SisleyAngaben zum Gemälde Le Héron aux ailes déployées von Alfred Sisley auf der Website des Musée d’Orsay, La Diligence, route d’Ennery à l’Hermitage, Pontoise von Camille PissarroAngaben zum Gemälde La Diligence, route d’Ennery à l’Hermitage, Pontoise von Camille Pissarro auf der Website des Musée d’Orsay und Route de village, Auvers von Paul Cézanne.Angaben zum Gemälde Route de village, Auvers von Paul Cézanne auf der Website des Musée d’Orsay

Über den in Paris lebenden Schweizer Maler Carl Montag entstand eine freundschaftliche Beziehung zwischen Viau und dem Sammlerpaar Jenny und Sidney Brown aus Baden AG. Diese erwarben aus der Sammlung Viau 1909 die Werke La Cueilette des pois à Eragny von Camille PissarroAngaben zu La Cueilette des pois à Eragny von Camille Pissarro in Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 158. und Stillleben mit Fruchtschale und Zitronen von Paul Gauguin.Angaben zu Stillleben mit Fruchtschale und Zitronen von Paul Gauguin in Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 126. 1910 kauften die Browns bei Viau die Werke Eistreiben (La Débâcle de la Seine) von Claude MonetAngaben zu Eistreiben (La Débâcle de la Seine) von Claude Monet in Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 146., L’Église de Moret, temps pluvieux, le martin von Alfred SisleyAngaben zu L’Église de Moret, temps pluvieux, le martin von Alfred Sisley in Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 220., Châtaigniers à Louveciennes, PrintimpsAngaben zu Châtaigniers à Louveciennes, Printimps von Camille Pissarro in Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 154. und Le Boulevard Montmatre au PrintempsAngaben zu Le Boulevard Montmatre au Printemps von Camille Pissarro in Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 160. von Camille Pissarro, Teller mit Früchten und Zuckerschale von Paul CézanneAngaben zu Teller mit Früchten und Zuckerschale von Paul Cézanne in Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 80., Baby in Blue in His Carriage von Mary CassattAngaben zu Baby in Blue in His Carriage von Mary Cassatt in Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 66., Stillleben mit Früchten, Pêches et raisins noir von Henri Fantin-LatourAngaben zu Stillleben mit Früchten, Pêches et raisins noir von Henri Fantin-Latour in Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 122., La Premiere dialogue von Eugène CarrièreAngaben zu La Premiere dialogue von Eugène Carrière in Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 62. und ein Stillleben von Victor Vignon.Angaben zu Stillleben von Victor Vignon in Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 232. Die Sammler blieben auch nach diesen Ankäufen in besonderer Weise miteinander verbunden, wie ein entsprechender Briefwechsel belegt. Als besondere Geste schickte Viau den Browns 1916 eine von ihm geschaffene Gemäldekopie nach Monets Serie der Kathedrale von Rouen. Dieses Geschenk unterstreicht nicht nur die Freundschaft mit den Browns, sondern zeigt zudem, dass sich Viau auch als Freizeitmaler mit Kunst beschäftigte.Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt, S. 29. Die Sammlung der Browns einschließlich der Erwerbungen aus der Sammlung Viau befinden sich heute im Museum Langmatt in Baden.Eva-Maria Preiswerk-Lösel: Ein Haus für die Impressionisten – das Museum Langmatt.