Das Volk der Shan, im Deutschen auch Schan (andere Bezeichnungen: Sha, Tai Shan, Sam, T(h)ai Yai (große T(h)ai), Tai Luang, Ngio, Ngiow, Ngiaw, Ngiao, Ngeo, Dai, Sán Chay etc.)Ethnologue: Shan, abgerufen am 25. Dezember 2012 ist die größte nationale Minderheit in Myanmar (Birma). Es gehört zur Familie der Tai-Völker.

Name

Die Shan nennen sich selber nicht Shan, sondern Tai (တႆး). in Thailand werden sie als Thai Yai (ไทใหญ่) große Thai bezeichnet. Der Name Shan (ရှမ်း) kommt aus dem Birmanischen und bedeutet Siam, สยาม ausgesprochen Sayaam der alte Name von Thailand.

Siedlungsgebiet mini|Shan-Staat in Myanmar

Die Shan leben hauptsächlich im Shan-Staat mit der Hauptstadt Taunggyi im Osten Myanmars, wo sie mit 8,5 % (etwa 4,7 Millionen) die größte Minderheit bilden. Des Weiteren leben Shan im südwestlichen Kachin-Staat. Andere Quellen beziffern die Anzahl der Shan mit sieben bis acht Millionen, wobei allerdings nicht nur dieses Tai-Volk, sondern auch noch Pa-o, Padaung, Wa, Kachin, Akha und Lalu dazugezählt werden und so wohl eher die Gesamtbevölkerung des Shan-Staats genannt wird. Kleine Gruppen von Shan finden sich auch an der Grenze zur chinesischen Provinz Yunnan, in Laos und in Thailand. Die in China offiziell zur Dai-Nationalität gezählte Bevölkerung ist eng mit den Shan verwandt oder zumindest teilweise mit ihnen identisch. Sie haben geschichtlich betrachtet dieselben Ursprünge und auch kulturelle Gemeinsamkeiten.

Untergruppen

mini|Tai Loi auf einem Manuskript von 1900

Es gibt zwölf Untergruppen der Shan, die sich aber zum größten Teil als zu den Shan gehörig und nicht als unterschiedliche Ethnien fühlen. Die genaue Zuordnung ist jedoch umstritten, da sich viele Tai-Sprachen ziemlich ähneln. Zudem existieren eindeutig unterschiedliche Dialekte und Traditionen. Man unterscheidet nach Kultur und Dialekt nördliche, südliche und chinesische Shan und folgende Untergruppen:

Tai Nue (Nördliche oder Chinesische Shan; vgl. Dai und Tai Nüa), Tai Lam (Schwarze Shan in Laos und China), Tai Sa (Chinesische Shan), Tai Mao (leben entlang der Grenze zwischen China und dem Shan-Staat), Tai Khun, Tai Sipsong Panna (im Norden des Shan-Staats; vgl. Xishuangbanna, Dai und Tai Lü), Tai Kham Ti (im Norden des Shan-Staats und im Kachin-Staat), Tai Lue (Lan Na, Thailand; vgl. Dai und Tai Lü), Tai Long (Thailand, Zentralregion des Shan-Staats), Tai Leng (Kachin, Grenzregion des Shan-Staats), Tai Loi (Berg-Shan), Tai Lai

Geschichte mini|Gruppe von Shan um 1900 Die Shan sind 650 v. Chr. aus dem heutigen China in ihr heutiges Siedlungsgebiet eingewandert. Ende des 13. Jahrhunderts regierten sie mit dem Königreich Ava über Birma, und bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts hatten sie ihr Reich bis nach Yunnan in China, nach Tenasserim im Südosten Birmas, nach Assam in Indien und in Teile von Laos und Thailand ausgedehnt. mini|Das Königreich Lan Na im 13. Jahrhundert mini|Teile des Shan-Staates waren dem König von Siam tributpflichtig und gingen nach der Eroberung von Mandalay durch die Engländer an die Kolonie Indien. Auf der Karte: Rot, Siamesische Tributgebiete die an England gingen, Lila Gebiete die an die französische Kolonie Indochina gingen. Der Salaween bildete davor die Grenze zwischen Burma und Siam. mini|Thai Armee im Shan-Staat 1942 Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Shan von den Birmanen unterworfen, und 50 Jahre später beendeten die Chinesen die Shan-Monarchie. 1774 eroberte Siam das Königreich Lan Na und machten es tributpflichtig. Lan Na war davor Burma tributpflichtig gewesen und umfasste Teile des heutigen Shan-Staates. Der Shan-Staat wurde 1887 ein britisches Protektorat, 1922 wurde den Shan ein eigener Status gegeben und die Briten schufen die Federated Shan States. Anfang 1942 marschierten die Chinesen unter Chiang Kai-shek im Gebiet der Shan ein. Sie taten dies um die Briten im Kampf gegen die Japaner zu unterstützen, welche in Myanmar eingefallen waren. Am 10. Mai 1942 marschierte Thailand wiederum als Verbündeter der Japaner in Kengtung ein und vertrieben die Chinesen. Sie eroberten also die Gebiete zurück, welche sie ab 1883 in den Grenzverträgen mit England verloren hatten. Am 14. August 1945 zogen sie die Thai wieder zurück, um eine Aufnahme Thailands in die UN nicht zu gefährden. Die Shan-Staaten kamen wieder unter britische Herrschaft.

Im Vertrag von Panglong von 1947 zwischen Birma und den Shan wurde der Weg zur Verfassung der Union von Birma geebnet, der die gemeinsame Unabhängigkeit im Jahre 1948 folgte. Den Shan wurde in der Vereinbarung zugesichert, sich nach einer Frist von zehn Jahren von der Union lösen zu können.

mini|Flagge des Shan-Staates Ende 1949 zogen sich geschlagene Truppen der 93. Division der Kuomintang (kurz KMT) von Yunnan kommend in die Gebiete der Shan zurück und errichteten Basen im Shan-Staat. Zirka 12.000 Mann KMT Truppen setzten sich im Shan-Staat fest und begannen mit dem Opium Anbau und Handel und ermutigten Shan mit ihnen in das Geschäft einzusteigen. Die KMT bezahlten Waffen, Munition und andere Notwendigkeiten mit dieser Droge. Die Regierung in Rangoon beschwerte sich am 17. März 1953 bei der UN-Hauptversammlung. 59 Staaten stimmten für die Forderung nach einem kompletten Rückzug der nationalchinesischen Truppen. Nur Nationalchina stimmte dagegen. Die Tatmadaw startete darauf die Operation Nagar Naing um die Truppen aus Mong Hsat zu vertreiben. Die Tatmadaw erlitt eine schwere Niederlage.The Irrawaddy: When Myanmar Rallied the UN Against the Chinese Nationalist Army Invasion

Ende 1953 kam es zu Verhandlungen um einen Rückzug der KMT aus dem Shan-Staat zu ermöglichen. Im Februar und April 1954 wurden Tausende KMT Mitglieder ŭber Chiang Rai nach Taiwan ausgeflogen. Aber 6.000 KMT Truppen verblieben im Shan-Staat. Erst 1960 gelang es der Tatmadaw mithilfe von chinesischen Truppen die KMT aus dem Shan-Staat Richtung Thailand zu vertreiben. Am 31. März und 17. April 1961 evakuierte Taiwan 4.500 KMT Soldaten. Die restlichen Einheiten der KMT flohen nach Thailand und Laos. Viele von diesen hatten einheimische Frauen geheiratet und Familien gegründet und siedelten im Grenzgebiet von Chiang Rai, Chiang Mai und Mae Hong Son. Sie beschäftigten sich weiterhin mit Opium und arbeiteten mit Shan Gruppierungen im Shan State zusammen. Sie organisierten Maultierkaravanen um das Opium aus den entlegenen Gebieten des südlichen Shan-Staates zu schmuggeln.globalsecurity: ...From bases in northern Thailand the KMT have continued to send huge mule caravans into the Shan States to bring out the opium harvest. Den Kampf gegen das kommunistische China hatten sie aufgegeben. Stattdessen wurden sie von Thailand als Grenzschutztruppen eingesetzt.Cui Feng, National University of Singapore: KMT Troops and the Border Consolidation Process in Northern ThailandCitylife Chiang Mai: The forgotten soldiers of Mae Salong

Mit den chinesischen Truppen kamen 1961 Mitglieder der Kommunistischen Partei Burmas und chinesische Freiwillige und diese setzten sich im östlichen Shan-Staat in den ehemaligen Basen der KMT fest.Stratsea: Bordered by History: Tension in the Thailand-Myanmar Frontier (Part I) Besonders in den Grenzgebieten zu China, also in Kokang, in Mong La und in den Wa Gebieten rekrutierten sie Einheimische. Von dort aus organisierten sie Vorstŏße nach Zentral Myanmar.

Da sich 1957 deutlich abzeichnete, dass sich der Shan-Staat nicht, wie im Vertrag von Panglong zugesichert, von der Union Birmas abspalten konnte, gingen Studenten in den bewaffneten Untergrund, um ihre Unabhängigkeit militärisch zu erzwingen. Dabei wurden sie von den KMT unterstützt.Kaemmanee Charoenwong, International Christian University: The Evacuation of the Nationalist Chinese(Kuomintang/KMT)Troops in Northern Thailandfrom the 1950s to Today

mini|Sao Nang Hearn Kham gilt als Gründer der Shan State Army. Sie war die Ehefrau von Sao Shwe Thaik, dem ersten Präsidenten von Myanmar. mini|Sao Shwe Thaik war Fürst von Yawnghwe, eines der mächtigsten Fürstentümer im Shan-Staat. 1962 wurde er von Ne Win verhaftet und starb wenig später in Gefangenschaft. Seine Frau Sao Nang Hearn Kham gründete 1964 die Shan State Army mini|Khun Sa wurde zu einer mächtigen Figur im Shan-Staat. Er soll 95 % des Heroinexports aus dem Staat kontrolliert haben. mini|Die UWSA gilt als die größte und einflussreichste Miliz – ethnische Armee im Shan-Staat. Im Bild Mitglieder der 468. Division UWSA. mini|Situation im Shan-Staat 2025 Im Jahre 1962 putschte das birmanische Militär und setzte die Verfassung außer Kraft. Der Anführer des Putsches, Ne Win hatte bereits als Premierminister 1959 die Macht der Fürsten im Shan-Staat aufgehoben. Die Militärregierung verfolgte einen sozialistischen, zentralistischen Kurs. Die Shan State Army (kurz SSA) wurde 1964 durch den Zusammenschluss mehrerer Gruppen gegründet. Sie gilt als erste ernstzunehmende Widerstandsbewegung gegen die Macht des Militärs. Einer der Ziele der SSA war die Wiederherstellung der alten Zustände, also die Macht der Fürsten. Die SSA wurde von Sao Nang Hearn Kham geprägt, einer Prinzessin des Fürstentums North Hsenwi. Sie war mit Sao Shwe Thaik verheiratet gewesen, dem ersten Präsidenten des Landes Burma, und Fürst von Yawnghwe. Sao Shwe Thaik wurde 1962 verhaftet und starb im selben Jahr im Gefängnis. Die SSA bekämpfte die Militärregierung, aber auch die CPT und die KMT, welche vom CIA unterstūtzt wurde. 1969 verfügte die SSA über fast 10.000 Mann. Aber die Verluste waren groß und viele Kämpfer schlossen sich anderen Widerstandsgruppen an oder liefen zu den Kommunisten über. 1976 galt die SSA als geschlagen und löste sich auf. Die SSA bildete aber die Basis der noch heute bestehenden Shan Armeen. Die Shan State Army-North (kurz SSA-N) der Shan State Progress Party baute auf den 4.000 Kämpfern auf, welche von der SSA zur CPB übergelaufen waren. Die CPB erhielt Hilfe aus China, während die SSA von keiner ausländischen Macht Unterstützung erhielt. Im Süden schlossen sich 2.000 Soldaten den Drogenmilizen um die KMT an, welche von der CIA unterstützt worden sind. Auf diesen Milizen basiert die noch heute aktive Shan State Army-South (kurz SSA-S) des Restoration Council of Shan State. Finanziert wurde der bewaffnete Kampf unter anderem mit Opiumanbau. Im Mai 1973 vereinbarte die birmanische Regierung mit den USA die Bekämpfung des Mohnanbaus.

Der chinesische Shan Khun Sa (alias Chang Shi-fu), ein Opiumhändler, baute zwischen 1965 und 1969 eine Miliz auf, die zunächst die Regierung unterstützte. Die Miliz war vom Typ Ka Kwe Ye und nannte sich Loi Maw und der Deal mit der Regierung war, dass die Miliz die nationale Infrastruktur zum Opiumhandel nutzen durfte, wenn sie im Gegenzug die Kommunisten bekämpfte. Ka Kwe Ye bedeutet Verteidigung und war ein Typ von Miliz. Die Ka Kwe Ye Milizen wurden durch lokale Initiativen aufgebaut, nicht durch das Militär gegründet. Sie finanzierten sich selber und wurden von der Regierung als Milizen anerkannt. Diese Milizen unterstanden nicht der Militärhiarchie und wurden vom Militär weder ausgerüstet, noch ausgebildet oder bezahlt. Oftmals bekamen Ka Kwe Ye Milizen Lizenzen zum Beispiel für den Abbau von Bodenschätzen, Abholzgenehmigungen und Ländereien damit sie sich selber finanzieren konnten. Im ganzen Shan-Staat gründeten lokale Führer Ka Kwe Ye Milizen, welche sehr einflussreich wurden. Khun Sa wurde der inoffizielle Führer der Ka Kwe Ye Milizen. Dem Militär wurde er dadurch zu mächtig und er wurde 1969 verhaftet. 1973 wurde er im Zuge eines Gefangenaustauschs freigelassen. Mitglieder seiner Miliz hatten russische Mediziner entführt und als Geiseln genommen.John Buchanan, asiafoundation, 2016: Militias in Myanmar , Seite 9 ... One of the most powerful of the Ka Kwe Ye units was the Loi Maw militia from Tangyan Township, Shan State, led by Khun Sa.