La Dori overo La schiava fedele (deutsch etwa: ‚Doris oder Die getreue Sklavin‘, original: „Doris Die Glükkhafte Leibeigne Dienerin“) ist eine Oper in einem Prolog und drei Akten von Antonio Cesti (Musik) mit einem Libretto von Giovanni Filippo Apolloni. Sie wurde am 19. Februar 1657 im Hofsaal in Innsbruck uraufgeführt und war im 17. Jahrhundert eine der meistgespielten Opern.

Handlung

Die Oper hat eine umfangreiche Vorgeschichte, die in der 1657 in Innsbruck herausgegebenen deutschsprachigen Zusammenfassung mehr als acht Druckseiten ausmacht. Die eigentliche Oper besteht aus einer verwickelten Abfolge von Selbstmordversuchen, Missverständnissen, Treueschwüren und komischen Szenen mit dem Hofnarren Golo, der alten Amme Dirce und dem Eunuchen Bagoa. Schließlich löst sich alles auf, und es gibt eine Doppelhochzeit.

Vorgeschichte

Der persische König Satrape interessierte sich mehr für den Krieg als für das Familienleben mit seiner Frau Parisatide. Schon kurz nach der Geburt seines Erben Oronte begann er zusammen mit seinem Vetter Ormus [in einigen Fassungen „Archelao“] von Nikäa einen Feldzug gegen Griechenland. Ormus hatte zwei Töchter im Säuglingsalter. Die ältere trug den Namen Dori. Die jüngere wurde nach ihrer Mutter, die bei der Geburt gestorben war, Arsinoe genannt. Um ihre Verbindung zu festigen, beschlossen Satrape und Ormus, ihre Kinder Oronte und Dori miteinander zu vermählen und Arsinoe einem anderen befreundeten Fürsten zur Frau zu geben. Satrape hinterließ seiner Frau Parisatide und seinem Bruder Artaserse einen entsprechenden Befehl für den Fall seines Todes. Ormus sandte den Heiratsvertrag nach Nikäa und befahl, ihn der kleinen Dori in einem Medaillon um den Hals zu hängen.

Von frühester Kindheit an trieb das Schicksal sein Spiel mit Dori. Piraten aus Ägypten überfielen das wohlhabende Nikäa, machten reiche Beute und entführten auch die Prinzessin. Die Nachricht darüber erschütterte Ormus zutiefst. Da die Suche nach ihrem Aufenthaltsort vergeblich blieb, setzte er mit Satrape einen neuen Vertrag auf, dem zufolge Arsinoe anstelle ihrer Schwester Oronte heiraten und das Königreich Nikäa als Erbe erhalten sollte.

Die Piraten verschleppten ihre Schwester in die ägyptische Hauptstadt Memphis. Dort residierte König Tolomeo [in einigen Fassungen „Termodoonte“], der einen ebenfalls Tolomeo genannten Sohn und eine Tochter hatte, die wie die nikäische Prinzessin Dori hieß. Die Tochter starb im Alter von einem Jahr, während sie sich unter der Aufsicht ihrer Hebamme befand. Diese fürchtete sich vor dem Zorn des Königs, verschwieg das Unglück und kaufte den Piraten die nikäische Dori ab, um sie anstelle der ägyptischen aufzuziehen. Einzig ihr Mann Arsete erfuhr von diesem Tausch.

Der grausame Krieg zwischen Persern und Griechen währte mehrere Jahre mit wechselndem Glück, bis die Griechen schließlich in der Entscheidungsschlacht siegten. Satrape und Ormus fielen, und die persische Königin Parisatide starb in Babylon aus Kummer darüber. Vor ihrem Tod ernannte sie ihren Schwager Artaserse zum Reichsverwalter und zu Orontes Vormund. Artaserse schickte den vierzehnjährigen Oronte zu König Tolomeo nach Ägypten, damit er dort Rat und Hilfe gegen die siegreichen Griechen erhalten könne. Tolomeo empfing ihn freundlich und vermittelte einen beide Seiten zufriedenstellenden Friedensvertrag. Am ägyptischen Hof lernte Oronte die dreizehnjährige Dori kennen, und die beiden verliebten sich ineinander. Tolomeo wäre mit einer Heirat einverstanden gewesen, wenn Oronte nicht gerade zu dieser Zeit von Artaserse zurückberufen worden wäre, um vertragsgemäß die ihm zugedachte Arsinoe zu ehelichen. Das war für die beiden Liebenden ein großer Schock. Sie beschlossen, sich dem Befehl zu widersetzen und bei der nächsten Gelegenheit zu heiraten. Oronte machte sich auf den Weg nach Persien, ließ aber seinen Hauptmann Erasto in Memphis zurück. Dieser sollte offiziell dem König aufwarten, eigentlich aber Dori dienen und ihr zur Flucht verhelfen. Dori verkleidete sich als Mann und begab sich unter dem Namen Alì zusammen mit Erasto auf ein Handelsschiff nach Thrakien. Das Schiff wurde unterwegs von Piraten überfallen und musste sich ergeben. Dori/Alì und Erasto wurden gefangen genommen. Es gelang ihnen aber, in der Nacht vom Schiff zu springen und an das nahegelegene Ufer zu schwimmen. Dabei wurden sie voneinander getrennt. Erasto, der glaubte, Dori sei ertrunken, berichtete Oronte davon, der sich aus Trauer beinahe selbst das Leben nahm. Dori/Alì hingegen geriet in die Fänge von Straßenräubern, die sie der Königin Arsinoe in Nikäa als Sklave verkauften. Alì gewann schnell das Vertrauen Arsinoes. Das weckte den Verdacht des Reichsverwalters Tigrane, der sie aus dem Weg räumen wollte. Als Arsinoe davon erfuhr, richtete sie den Anschlag so ein, dass anstelle von Alì ein anderer Sklave getötet wurde. Sie versteckte Alì in ihren eigenen Gemächern, bis Artaserse sie aufforderte, nach Babylon zu reisen, um Oronte zu heiraten. Sie verliebte sich tatsächlich in ihn, doch Oronte trauerte noch immer um Dori und verschob die Hochzeit immer wieder.

In Memphis glaubte man, Dori und Oronte seien gemeinsam geflohen. Tolomeo wurde wütend und machte sich persönlich an die Verfolgung, um die beiden zu töten. Er reiste drei Jahre lang unerkannt durch die Lande, ohne eine Spur von ihnen zu finden. Schließlich gelangte er nach Nikäa, wo er sich in Arsinoe verliebte. Da diese jedoch bereits Oronte versprochen war, wagte er es nicht, sich ihr zu offenbaren. Stattdessen verkleidete er sich als Frau und wurde unter dem Namen Celinda in das königliche Serail aufgenommen. Als Arsinoe nach Babylon aufbrach, gehörten Tolomeo/Celinda und Dori/Alì zu ihrem Gefolge. Doris Ziehvater Arsete, der von dem alten König Tolomeo auf die Suche nach seinen Kindern geschickt worden war, traf nach langen Umwegen ebenfalls in Babylon ein. Hier nimmt die Oper ihren Anfang.

Prolog (Innsbruck 1657)

Ein Wald am Euphrat

mini|Szene aus dem Prolog, Florenz 1661

La Corte und Momo streiten über die Eigenheiten des Hoflebens und leiten die Opernhandlung ein.

Erster Akt

Wald am Ufer des Euphrat

Szene 1. Alì/Dori will sich aus Verzweiflung in den Euphrat stürzen.

Szene 2. Arsete findet Dori, hindert sie am Selbstmord und spricht ihr Mut zu, indem er sie an ihre königliche Herkunft erinnert.

Hof des Königspalasts in Babylon

Szene 3. Der Hofnarr Golo lästert über das Leben am Hof.

Szene 4. Arsinoes alte Amme Dirce versucht, Golo zu verführen, wird von diesem aber verächtlich zurückgewiesen. Sie streiten.

Szene 5. Oronte weist die beiden Bediensteten wegen ihres Verhaltens zurecht. Er schickt Dirce zur Königin, um dieser von seiner fortgesetzten Treue zu Dori zu berichten, und befiehlt Golo, Artaserse zu holen. Anschließend überlässt er sich seiner Trauer über Dori.

Szene 6. Artaserse fordert Oronte auf, seine schwermütigen Gefühle zu verdrängen und endlich die Prinzessin aus Nikäa zu heiraten, um den Willen seines Vaters auszuführen und sich die persische Krone zu sichern.

Szene 7. Dori/Alì hat ihren Namen gehört und eilt auf Oronte zu. Sie wird aber von Arsete aufgehalten. Oronte und Artaserse gehen fort.

Szene 8. Dori erzählt Arsete von ihren Erlebnissen nach ihrer Flucht aus Memphis. Arsete tröstet sie und rät ihr, ihre Verkleidung beizubehalten, um dem Zorn ihres Bruders Tolomeo zu entgehen.

Serail des Königs von Persien

Szene 9. Arsinoe schickt Dirce zurück zu Oronte. Sie soll ihm mitteilen, dass sie ihn noch immer heiraten wolle. Celinda/Tolomeo schmeichelt Arsinoe und erzählt ihr von ihrer/seiner unerwiderten Liebe, verschweigt aber, dass Arsinoe selbst die Angebetete ist. Arsinoe begibt sich in den Garten.

Szene 10. In einem Selbstgespräch offenbart Tolomeo seine wahren Gefühle. Er fragt sich, ob er seine Verkleidung nicht aufgeben sollte.

Szene 11. Der Eunuch Bagoa verwarnt Celinda und schickt sie zurück in das seiner Aufsicht unterstehende Serail. Celinda weigert sich und geht fort. Bagoa ärgert sich darüber, wie respektlos die jungen Frauen ihre Freiheiten ausnutzen.

Tanz der Eunuchen (Musik nicht erhalten).

Zweiter Akt

Garten hinter dem Serail

mini|Garten hinter dem Serail, 1665

Szene 1. Orontes Hauptmann Erasto hat sich in Celinda verliebt. Er beklagt, dass er nur selten Gelegenheit finde, sie zu sehen, da sie im Serail eingeschlossen sei.

Szene 2. Erasto trifft seinen alten Freund Arsete und erzählt ihm von Doris Schicksal. Arsete gibt vor, nichts davon zu wissen, und bittet Erasto, ihm heimlich Zugang zum Hof zu verschaffen.

Szene 3. Arsinoe leidet darunter, dass Oronte die Hochzeit immer wieder verschiebt. Alì bietet ihr seine Dienste an und verspricht ihr, dass die Hochzeit noch am selben Tag stattfinden werde.

Szene 4. Dori weiß, dass sie Arsinoe ihr Leben verdankt. Sie bestärkt sich deshalb darin, ihr eigenes Glück aufzugeben und Arsinoes Heirat mit Oronte voranzutreiben. Anschließend legt sie sich zum Schlafen hin.

Szene 5. Golo findet den schlafenden Alì und weckt ihn. Aus Sorge, dass der Sklave Alì an Flucht denken könnte, will Golo ihn fortschicken. Alì bittet noch um etwas Ruhe und schenkt Golo einen Edelstein, bevor er wieder einschläft.

Szene 6. In einem Selbstgespräch denkt Oronte über die Liebe nach. Eine Stimme scheint ihm zu antworten. Es ist Alì, der im Schlaf seinen eigentlichen Namen „Dori“ ausgesprochen hat. Oronte spricht ihn an und fragt ihn nach seiner Herkunft. Alì behauptet, Ägypter zu sein und in Diensten Doris gestanden zu haben.

Szene 7. Artaserse ermahnt Oronte, Arsinoe endlich zu heiraten. Alì stimmt ihm zu. Oronte kann aber noch immer nur an Dori denken.

Königliche Gemächer

Szene 8. Dirce beklagt sich über ihr hohes Alter. Bagoa verspottet sie wegen ihrer törichten Liebesgefühle und macht sie wütend.

Szene 9. Erasto gesteht Celinda seine Liebe und bittet um Antwort. Sie rät ihm, seine weit fehlgeleiteten Gefühle zurückzuhalten. Erasto versteht diese Worte nicht. Arsete erkennt in Celinda den ägyptischen Prinzen Tolomeo und wundert sich darüber.

Szene 10. Alì fordert Oronte auf, Arsinoe einen Liebesbrief zu schreiben. Wegen einer Verletzung an der Hand diktiert Oronte ihm den Brief. Alì kann nur unter großen Gefühlsqualen schreiben. Als Oronte den Brief unterzeichnen will, erkennt er darauf mit Bestürzung Doris Handschrift. Er schickt Alì mit der Botschaft zu Arsinoe, dass er andere Gefühle als Liebe im Herzen trage.

Szene 11. Oronte grübelt über Doris Handschrift nach und schläft ein.

Szene 12. Im Traum erscheint Oronte der Geist seiner verstorbenen Mutter Parisatide, die ihm voraussagt, dass er die begehrte Frau aus Nikäa erhalten und seinem Vater und Dori die Treue halten werde.

Szene 13. Oronte erwacht und wundert sich über die scheinbar widersprüchliche Prophezeiung.

Szene 14. Alì berichtet Arsinoe von Orontes Sinneswandel. Arsinoe fällt aus Verzweiflung in Ohnmacht.

Szene 15. Gerade als Alì sich um die bewusstlose Arsinoe kümmert, erscheint Oronte. Er glaubt, dass Arsinoe ihm untreu sei, und will sie sogleich eigenhändig töten.

Szene 16. Celinda kommt gerade rechtzeitig, um das zu verhindern. Sie legt ihre Frauenkleider ab und gibt sich den anderen als Tolomeo zu erkennen.

Tanz der Mohren (Musik nicht erhalten).

Dritter Akt

Platz in Babylon

Szene 1. Artaserse beklagt den Unverstand der Jugend und die Hartnäckigkeit Orontes.

Szene 2. Erasto berichtet Artaserse, dass Oronte ihm befohlen habe, Arsinoe und Tolomeo zu töten. Artaserse untersagt ihm dies mit dem Hinweis, dass Oronte noch unter seiner Vormundschaft stehe.

Szene 3. Um sich an Golo zu rächen, will Dirce ihm einen so starken Schlaftrunk verabreichen, dass man ihn für tot halten wird.

Szene 4. Alì kann es nicht ertragen, Orontes Hochzeit mit Arsinoe beizuwohnen. Er will daher Gift nehmen. Dirce sieht dies und vertauscht das schon bereitstehende Gift mit ihrem Schlafmittel.