mini|180px|General Olímpio Mourão Filho Olímpio Mourão Filho (* 9. Mai 1900 in Diamantina, Minas Gerais; † 28. Mai 1972 in Rio de Janeiro) war ein brasilianischer Offizier, der maßgeblich am Sturz von Staatspräsident João Goulart durch den Militärputsch vom 31. März 1964 beteiligt war sowie als General (General-de-exército) von 1964 bis 1969 Mitglied sowie zwischen 1967 und 1969 Präsident des Obersten Militärtribunals STM (Superior Tribunal Militar) war.

Leben Offiziersausbildung, Offizier und Revolution von 1930 Olímpio Mourão Filho war der Sohn des Rechtsanwalts Olímpio Júlio de Oliveira Mourão, der Mitglied der Legislativversammlung und des Staatssenats von Minas Gerais, und Mariana Correia Rabelo Mourão, die als Lehrerin an der Escola Normal de Diamantina unterrichtet. Nach dem Besuch des Colégio Diocesano begann er ein Studium der Ingenieurwissenschaft in Belo Horizonte, das er jedoch abbrach, nachdem er im April 1918 seine Offiziersausbildung an der Militärschule (Escola Militar do Realengo) in Rio de Janeiro begann. Nach deren Abschluss wurde er im April 1921 als Offiziersanwärter (Aspirante-a-oficial) in die Infanterie übernommen und dem 12. Infanterieregiment (12º Regimento de Infantaria) in Belo Horizonte zugeteilt. Im Mai 1921 erhielt er seine Beförderung zum Leutnant (Segundo-tenente) und trat 1922 in das 14. Jägerbataillon (14º Batalhão de Caçadores) in Florianópolis ein. Nach seiner Rückkehr zum 12. Infanterieregiment wurde er im Oktober 1922 zum Oberleutnant (Primeiro-tenente) befördert und versah zwischen 1923 und 1925 abermals Dienst im 14. Jägerbataillon. Während dieser Zeit beteiligte er sich im Bundesstaat São Paulo an der Unterdrückung der Revolte vom 5. Juli 1924, die von einer Leutnantsbewegung (Movimento tenentista) auch in Sergipe und Amazonas begonnen wurde, aber in diesen beiden Staaten schnell niedergeschlagen wurde. In São Paulo besetzten die Rebellen unter dem Kommando von General Isidoro Dias Lopes drei Wochen lang die Hauptstadt von São Paulo und zog danach ins Landesinnere.

Mourão Filho belegte 1926 einen Lehrgang an der Schule für Offiziersfortbildungen (Escola de Aperfeiçoamento de Oficiais) und kehrte zwischen 1927 und 1928 zum 14. Jägerbataillon zurück. Nach seiner Rückkehr nach Rio de Janeiro besuchte er zwischen 1928 und 1930 die Generalstabsschule des Heeres (Escola de Estado-Maior do Exército), wo zum Ende seiner Ausbildung die von Getúlio Vargas angeführte Revolution vom 24. Oktober 1930 begann, die zur Absetzung von Staatspräsident Washington Luís Pereira de Sousa führte. Daraufhin übernahm eine aus den Generälen Augusto Tasso Fragoso und João de Deus Mena Barreto sowie Admiral José Isaías de Noronha bestehende Militärjunta. Er wurde von der Provisorischen Regierungsjunta (Junta governativa provisória) nach Belo Horizonte beordert, um vom Präsidenten von Minas Gerais Olegário Maciel zuzusichern, dass die Regierung an Getúlio Vargas übergeben wird, sobald er in Rio de Janeiro ankommt. Am 3. November 1930 übergab die Junta die Macht an den Abführer des Putsches, Getúlio Vargas. Nach seiner Beförderung zum Hauptmann (Capitão) im August 1931 wurde er als Offizier in den Stab der 1. Militärregion (1ª Região Militar) in Rio de Janeiro versetzt und beteiligte sich zwischen Juli und September 1932 an der Unterdrückung der Konstitutionellen Revolution (Revolução Constitucionalista), einer bewaffneten Bewegung gegen die Provisorische Regierung, die in São Paulo stattfand.

Mitglied der faschistischen Ação Integralista Brasileira mini|180px|Ende 1932 schloss Olímpio Mourão Filho sich der Integralistischen Aktion Brasiliens AIB (Ação Integralista Brasileira) an, einer faschistisch inspirierten Bewegung, die im Oktober 1932 von Plínio Salgado gegründet wurde. Ende 1932 schloss Olímpio Mourão Filho sich der Integralistischen Aktion Brasiliens AIB (Ação Integralista Brasileira) an, einer faschistisch inspirierten Bewegung, die im Oktober 1932 von Plínio Salgado gegründet wurde. Laut Mourão selbst war sein Beitritt zur AIB durch die kommunistische Infiltration in der Armee motiviert, die er während seines Dienstes in Florianópolis bemerkt hätte. Im Dezember 1933, als der Integralismus bereits nationale Bedeutung erlangte, schloss er sich einer AIB-Propagandagruppe an, die in Begleitung von Plínio Salgado, dem nationalen Leiter der Organisation, Olbiano de Melo und Gustavo Barroso durch Minas Gerais reiste. Noch 1933, während er weiterhin dem Stab der 1. Militärregion angehörte, wurde er beauftragt, bei der Zentralbrasilianischen Eisenbahngesellschaft EFCB (Estrada de Ferro Central do Brasil) als Verbindungskommissar zwischen den Ministerien für Krieg und Verkehr zu dienen, eine Funktion, die er bis 1936 ausübte.

Die Organisationsstruktur der AIB wurde im Februar 1934 auf dem I. Integralistenkongress in Vitória festgelegt. Einer der damals gebildeten Sektoren war die Nationale Milizabteilung (Departamento Nacional de Milícia), die Gustavo Barroso anvertraut wurde und deren Stab Mourão Filho leitete. Mit den an der Generalstabsschule erworbenen Kenntnissen organisierte er die integralistische Miliz nach dem Vorbild des Heeres und gab ihr eine paramilitärische Struktur. Im März 1936 unterzog sich die AIB auf dem II. Integralistenkongress in Petrópolis einer Umstrukturierung, um sich als politische Partei zu organisieren, um an den für Januar 1938 angesetzten Präsidentschaftswahlen teilzunehmen. Bei dieser Gelegenheit wurde Plínio Salgado offiziell als Kandidat der Ação Integralista Brasileira für die Nachfolge von Vargas nominiert. Auf dem Kongress wurde die Abteilung außerdem in Sekretariate umgewandelt, woraufhin die Nationale Milizabteilung in Sekretariat für Moral, Staatsbürgerkunde und Leibeserziehung (Secretaria de Educação Moral, Cívica e Física) umbenannt wurde. Parallel zu seinen politischen Aktivitäten bei der AIB war Mourão Filho von 1936 bis April 1937 stellvertretender Kommandeur des 14. Jägerbataillons in Florianópolis. Im Juli 1936 trat er der Kammer der Vierhundert (Câmara dos Quatrocentos) bei, einem Beratungsgremium der Nationalen Leitung der AIB, das sich um die Einbindung von Persönlichkeiten aus den verschiedenen integralistischen „Provinzen“ bemühte.

Der Cohen-Plan mini|180px|Die von Béla Kun in Ungarn angeführte Revolution nach dem Ersten Weltkrieg diente Mourão Filho als Vorlage für den Cohen-Plan, um einen möglichen kommunistischen Aufstand in Brasilien niederzuschlagen. Mitte 1937, als er den Geheimdienst der AIB leitete und im Generalstab der Armee diente, bereitete er ein Dokument vor, das als Cohen-Plan (Plano Cohen) bekannt wurde und nach einem Gespräch mit Plínio Salgado Anfang August verfasst wurde. Der AIB-Kandidat für die Präsidentschaft der Republik befürchtete, dass die Bewegung um seine Kampagne die Integralisten vom eigentlichen Kampf, dem Stoppen des kommunistischen Vormarsches, abbringen würde. Er glaubte daher, dass die internen Nachrichten der Organisation – vorbereitet von Mourão und anderen Integralisten – genutzt werden sollten, um ihre Mitglieder wieder in den zentralen Kampf zu bringen. Mourão Filho war verantwortlich für die Ausarbeitung des Information Bulletins Nr. 4, dessen Kapitel II Daten über Guerilla-Taktiken und Revolution der Kommunisten enthalten sollte. In einem in der Tageszeitung O Globo transkribierten Artikel erklärte Mourão, dass er, um den Text interessanter zu machen, beschlossen habe, einen Aktionsplan zu simulieren, der dem Thema mehr Realismus verleihen würde. Sein Schreiben wurde von einem Artikel in der französischen Publikation Revue des Deux Mondes inspiriert, der den Prozess der ephemeren Machtergreifung durch die Kommunisten unter der Führung von Béla Kun in Ungarn kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges beschrieb. In seiner Umsetzung dieses Artikels in das AIB-Bulletin hatte er in einem ersten Teil beschrieben, wie der angebliche kommunistische Staatsstreich stattfinden würde, und einen zweiten dem Gegenangriff gewidmet, der von den Integralisten durchgeführt werden sollte. In derselben Erklärung gab er an, den Text in der Zentrale der AIB verfasst zu haben, und mehrere Schreibkräfte seien damit beschäftigt, ihn vorzubereiten. Am Ende des Schreibens unterschrieb er den Namen Bela Kun, erinnerte sich dann aber daran, dass einer der integralistischen Führer Bela Kun de Bela Cohen hieß, strich den Nachnamen Kun durch und schrieb Cohen voran. Da die Schreibkraft die Änderung nicht verstand, behielt sie nur den Namen Cohen.

Ende August 1937 wurde der Text Plínio Salgado vorgelegt, der ihn als zu phantasievoll ablehnte. Mourão Filho bewahrte eine Kopie auf und zeigte sie später General Álvaro Guilherme Mariante, seinem Trauzeugen bei der Hochzeit, und damaligen Mitglied des Oberen Militärgerichtshofs STM (Supremo Tribunal Militar). Nachdem Mariante den Entwurf erhalten hatte, weigerte er sich, den Text General Pedro Aurélio de Góis Monteiro, dem Chef des Stabes des Heeres EME (Chefe do Estado-Maior do Exército), da er keine Verbindung zu den Integralisten hatte, für die das Dokument erstellt wurde. Aber er hinterließ die Kopie bei General Mariante und holte sie erst Tage später zurück, nachdem er um Rückgabe gebeten hatte. Mitte September enthüllte Francisco Campos – Bildungdezernenten im Rathaus des damaligen Hauptstadtdistrikt (Distrito Federal do Brasil) Rio de Janeiro – gegenüber Plínio Salgado, dass die Regierung im Besitz eines kommunistischen Plans zur Machtergreifung sei, und forderte die Integralisten zur Zusammenarbeit bei der Vorbereitung eines Staatsstreichs auf. Als Mourão Filho über die Ereignisse informiert wurde, vermutete er, dass der fragliche Plan von ihm stammte und von der Regierungsführung als Vorwand für die Durchführung des erwähnten Staatsstreichs benutzt wurde. Am 29. September 1937 informierte ihn Major Aguinaldo Caiado de Castro über die Existenz eines kommunistischen Plans, der nach Kenntnis der Offiziere vom Stab des Heeres veröffentlicht worden war. Als er sein Dokument erkannte, suchte er General Mariante auf, der bestritt, Góis Monteiro die Kopie geliehen zu haben. Daraufhin begab er sich in dessen Büro, das ihn laut seiner Aussage zum Schweigen aufforderte.

Ausrufung des Kriegszustandes und Gründung des Estado Novo 1937 mini|180px|Staatspräsident Getúlio Dornelles Vargas rief nach der Erklärung des Kriegszustands 1937 den „Neuen Staat“ (Estado Novo) aus. Das Dokument, dessen Urheberschaft von der Regierung der Komintern – der Dritten Kommunistischen Internationale, einer von der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) geführten Organisation mit dem Ziel, die Revolution im Weltmaßstab zu fördern – zugeschrieben wurde, wurde mehrere Tage lang in offiziellen Radiosendungen verlesen. Obwohl er den Text erkannte, dementierte Plínio Salgado die Nachricht über den vom Stab des Heeres veröffentlichten Plan nicht und behauptete, er könne die einzige organisierte Kraft, die in der Lage sei, den Kommunismus zu bekämpfen, nicht demoralisieren. Am 1. Oktober 1937 forderte Präsident Getúlio Vargas den Nationalkongress (Congresso Nacional) auf, auf der Grundlage einer Begründung des Justizministers José Carlos de Macedo Soares den Kriegszustand auszurufen. Dies wiederum basierte auf Informationen des Kriegsministers, General Eurico Gaspar Dutra, und des Marineministers, Admiral Henrique Aristides Guilhem. Trotz des Protests der Opposition akzeptierte der Kongress den Antrag auf Erklärung des Kriegszustands, ohne von der Exekutive die Beweise zu verlangen, die sie für die unmittelbare kommunistische Bedrohung zu haben behauptete.