mini|180px|General Peri Bevilacqua Peri Constant Bevilacqua (* 9. Juni 1899 in Rio de Janeiro; † 27. April 1990 ebenda) war ein brasilianischer Offizier, der als General zwischen 1963 und 1965 Chef des Generalstabes der Streitkräfte EMFA (Chefe do Estado-Maior das Forças Armadas) sowie von 1965 bis 1969 Mitglied des Obersten Militärtribunals STM (Superior Tribunal Militar) war. Aufgrund seiner Kritik am Militärregime wurde er durch den am 13. Dezember 1968 erlassenen Institutionellen Akt Nr. 5 (AI-5) unehrenhaft vor Erreichen der Altersgrenze von 70 Jahren aus der Armee entlassen und sprach sich später für eine Amnestie für Opfer der Militärdiktatur aus.
Leben Offiziersausbildung, Offizier und Vermittler im Chacokrieg mini|180px|Kriegsminister General Eurico Gaspar Dutra, dessen Kabinettsoffizier Major Bevilacqua von 1938 bis 1940 war. Peri Constant Bevilacqua war der Sohn von Marschall José Bevilacqua und Alcida Constant Bevilacqua sowie ein Enkel mütterlicherseits von Benjamin Constant Botelho de Magalhães, Minister für Krieg und öffentliche Erziehung in der Regierung des ersten gewählten Staatspräsidenten Manuel Deodoro da Fonseca und Propagandist des Positivismus in Brasilien.
Er selbst begann nach dem Schulbesuch im Februar 1917 seine Offiziersausbildung an der Militärschulde (Escola Militar do Realengo) in Rio de Janeiro ein und wurde im Dezember 1919 als Offiziersanwärter (Aspirante-a-oficial) in die Artillerie übernommen. Im April 1920 wurde er zum Leutnant (Segundo-tenente) und im Mai 1921 zum Oberleutnant (Primeiro-tenente) befördert. 1925 belegte er einen Lehrgang an der Schule für Offiziersfortbildungen (Escola de Aperfeiçoamento de Oficiais) und erhielt im Juli 1925 seine Beförderung zum Hauptmann (Capitão). Darauf war er zwischen 1926 und 1929 Absolvent der Generalstabsschule des Heeres (Escola de Estado-Maior do Exército) und wurde Chef des Stabes der Militärjunta zur Herstellung des Friedens (Junta Militar Pacificadora), des sogenannten „Provisorischen Regierungsjunta“ (‚Junta Governativa Provisória‘), die nach der Absetzung von Staatspräsident Washington Luís Pereira de Sousa durch die von Getúlio Vargas angeführten Revolution vom 24. Oktober 1930 die Macht übernahm. Diese Militärjunta bestand aus den Generälen Augusto Tasso Fragoso und João de Deus Mena Barreto sowie Admiral José Isaías de Noronha und übergab am 3. November 1930 die Macht an den Anführer des Putsches, Getúlio Vargas.
Bevilacqua wurde daraufhin Mitglied des Clube 3 de Outubro, einer Organisation, die im Mai 1931 mit dem Ziel gegründet wurde, die Fortsetzung und Vertiefung der aus der Revolution von 1930 resultierenden Reformen zusammenzubringen. Im Mai 1934 wurde er Militärattaché an der Botschaft in Paraguay und als solcher im Oktober 1934 zum Major befördert. 1935 wurde er Mitglied der Neutralen Militärkommission, die aus Vertretern aus Argentinien, Brasilien, Chile, Peru, Uruguay und den USA – gebildet wurde, und die 1935 den Waffenstillstand zwischen Paraguay und Bolivien in dem seit 1932 umkämpften Chacokrieg vermittelten. Nach dem Waffenstillstand 1935 wurde er als erster brasilianischer Major mit dem Ritterkreuz des Brasilianischen Militärverdienstordens (Ordem do Mérito Militar) ausgezeichnet. Für seine Arbeit gegen Ende des Krieges erhielt er als ehemaliger Leiter der Kommission für die Rückführung bolivianischer Gefangener in Paraguay und Mitglied der Neutralen Militärkommission, die die beiden kriegführenden Länder zum Waffenstillstand und zum Friedensvertrag führte, den Roten Kondor – die höchste Auszeichnung, die Bolivien einem Ausländer vergibt. Die paraguayische Regierung verlieh ihm per Dekret den Nationalen Verdienstorden im Rang eines Kommandeurs. Im November 1936 verließ er Paraguay und war daraufhin zwischen 1937 und 1938 Offizier im 4. Motorisierten Artillerie-Regiment (4º Regimento de Artilharia Motorizada) in Itu sowie daraufhin von 1938 bis 1940 Kabinettsoffizier des Kriegsministers General Eurico Gaspar Dutra.
Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit Im August 1940 wurde Peri Bevilacqua zum Oberstleutnant (Tenente-coronel) befördert und zum Kommandeur der 1. Automobil-Artillerie-Gruppe (1º Grupo Automóvel de Artilharia) in Rio de Janeiro und organisierte 1941 den Aufbau der 1. Gruppe des 3. Flugabwehr-Artillerie-Regiments (3º Regimento de Artilharia Antiaérea) in Natal, die zusätzlich zur Verteidigung der brasilianischen Küste gebildet wurde und bis 1943 bestand. Solche Initiativen waren Teil der Kriegsanstrengungen der brasilianischen Regierung, die zusammen mit den Alliierten im Zweiten Weltkrieg gegen die Achsenmächte kämpfte. Im Juni 1944 wurde er zum Oberst (Coronel) befördert und übernahm daraufhin den Posten als Chef des Stabes der 7. Militärregion (7ª Região Militar) in Recife.
1946 wurde Bevilacqua als Chef des Stabes der 4. Militärregion (4ª Região Militar) nach Juiz de Fora versetzt. Er verblieb allerdings nur für kurze Zeit auf diesem Posten und wurde noch 1946 Chef des Stabes der 2. Militärregion (2ª Região Militar) in São Paulo. Daraufhin fungierte er von 1948 bis 1952 als Kommandeur der Westküsten-Artilleriegruppe (Grupamento de Oeste da Artilharia de Costa) der 1. Militärregion (1ª Região Militar) in Rio de Janeiro. Nachdem er im September 1952 zum Brigadegeneral (General-de-brigada) befördert worden war, wurde er in die Rüstungsabteilung des Stabes des Heeres (Exército Brasileiro) versetzt und war dann stellvertretender Leiter der Abteilung Reserve im Stab des Heeres. 1955 wurde er Kommandeur der Artillerietruppen der 4. Infanteriedivision (4ª Divisão de Infantaria) in Pouso Alegre und war 1956 Absolvent der Obersten Kriegsschule ESG (Escola Superior de Guerra). Nach seiner Beförderung zum Generalmajor (General-de-divisão) im Dezember 1958 übernahm er im Generalstab des Heeres den Posten als Leiter der Abteilung Militärdienste (Direção do Serviço Militar) und 1961 den Posten als Kommandeur der 3. Infanteriedivision (3ª Divisão de Infantaria) in Santa Maria.
Rücktritt von Jânio Quadros, Legalitätskampagne und Regierung von João Goulart mini|180px|Der Rücktritt von Präsident Jânio Quadros am 25. August 1961 löste eine politisch-militärischen Krise aus. Während der politisch-militärischen Krise, die das Land nach dem Rücktritt von Präsident Jânio Quadros am 25. August 1961 erfasste, einer Krise, die durch das Veto der Militärminister – Kriegsminister Marschall Odylio Denys, Marineminister Vizeadmiral Sílvio Heck und Luftfahrtminister Leutnant-Brigadier der Luftwaffe Gabriel Grün Moss – bei der Amtseinführung von Vizepräsident João Goulart ausgelöst wurde, protestierte Bevilacqua als erster General öffentlich gegen den Versuch, die Verfassungsmäßigkeit zu verletzen und forderte die Einhaltung der Verfassungsgesetzmäßigkeit. In diesem Sinne sympathisierte er mit General José Machado Lopes, Kommandeur der Dritten Armee in Porto Alegre, der Gouverneur Leonel Brizola von Rio Grande do Sul unterstützte. Dieser war Führer der Bewegung, die als Kampagne für Legalität (Campanha da Legalidade) bekannt wurde, an der er sowie die Gouverneure Mauro Borges aus Goiás und Ney Braga aus Paraná Anteil hatten. Die Krise, die fast zum Ausbruch eines Bürgerkriegs im Land geführt hätte, wurde am 2. September 1961 mit der Zustimmung des Nationalkongresses zur Verfassungsänderung Nr. 4 (Emenda Constitucional nº 4) überwunden. Bevilacqua sprach sich als Verteidiger der Aufrechterhaltung der Präsidialverfassung ebenso gegen eine solche Lösung aus wie die Generäle Osvino Ferreira Alves und Jair Dantas Ribeiro. Am 7. September 1961 übernahm Goulart schließlich die Präsidentschaft der Republik.
mini|180px|links|In João Goulart, dem Nachfolger von Jânio Quadros als Staatspräsident, sah Bevilacqua „einen Reisegefährten der Kommunisten“. Ende 1961 wurde Bevilacqua Kommandeur der 3. Militärregion (3ª Região Militar) in Porto Alegre. Im März 1962 wurde er auf Anordnung des Kriegsministers João de Segadas Viana in seiner Residenz festgenommen, weil er ein persönliches Schreiben an Leonel Brizola zur Übernahme der Companhia Telefônica de Porto Alegre gratulierte, die sich im Besitz eines amerikanischen Unternehmens befand. In dem in mehreren Zeitungen abgedruckten Brief kritisierte er Äußerungen des US-Außenministers Dean Rusk, die der Haltung von Gouverneur Brizola entgegenstanden.
Im Mai 1962 kandidierte er als Vertreter der nationalistischen Strömung für die Wahl zum Präsidenten des Militärklubs (Clube Militar). Die Wahl spiegelte die Situation intensiver politischer Polarisierung wider, die die Streitkräfte seit der durch den Rücktritt von Präsident Jânio Quadros ausgelösten Krise erlebten. Die Liste, die einer größeren Öffnung des Landes für ausländisches Kapital zustimmte, angeführt von General Augusto da Cunha Magessi, gewann die Wahl mit 4884 Stimmen gegenüber 4312 von Bevilacqua. Seine Liste sah die Wahl als betrügerisch an und reichte ohne Erfolg Klagen ein, um sie für nichtig zu erklären.
Im September 1962 wurde Peri Bevilacqua Kommandeur der Zweiten Armee (II Exército) in São Paulo und ersetzte General Nélson de Melo, der zum Kriegsminister im Kabinett Goulart ernannt worden war. Laut dem Journalisten Hélio Silva wurde Bevilacqua aufgrund seines Engagements für die sogenannte Kampagne der Legalität sowohl in Militärkreisen als auch in zivilen Kreisen im Bundesstaat São Paulo mit Vorbehalten aufgenommen. Seine anschließende ablehnende Haltung gegenüber den Streiks und seine engen Beziehungen zum Gouverneur von São Paulo, Ademar de Barros, gewannen jedoch die Sympathie der Konservativen und Industriellen des Staates.Der Kolumnist Flávio Galvão beschrieb in der Zeitung O Estado de S. Paulo vom 7. Dezember 1980, dass Bevilacqua in Besorgtnis über die Beziehung des Präsidenten Goulart zu linken Kräften sagte, dass er den Präsidenten nicht für einen Kommunisten hielt, sondern „einen Reisegefährten der Kommunisten“ (‚um companheiro de viagem dos comunistas‘).
mini|180px|General Peri Bevilacqua (1963) Im März 1963 wurde Bevilacqua zum Armeegeneral befördert und hielt im selben Monat bei der Amtseinführungszeremonie von General Olímpio Mourão Filho, dem Kommandeur der ebenfalls in São Paulo stationierten 2. Militärregion, eine Rede, in der er Organisationen angriff, die er für illegitim hielt wie das Allgemeine Arbeiterkommando CGT (Comando Geral dos Trabalhadores), den Einheits- und Aktionspakt PUA (Pacto de Unidade e Ação) und dergleichen. Er kritisierte auch die Androhung von Streiks in grundlegenden öffentlichen Diensten wie medizinischen Krankenhäusern und Arzneimitteln und stellte fest, dass Streiks in dieser Art von Aktivitäten ein gesetzlich vorgesehenes Verbrechen seien. Diese Rede hatte nationale Auswirkungen, bis zu dem Punkt, dass Kriegsminister General Amauri Kruel verlangte, dass der Kommandeur der Zweiten Armee solche Äußerungen nicht mehr machen solle. Im August 1963 warnten Bevilacqua und General Jair Dantas Ribeiro, der im Juni 1963 Kriegsminister wurde, die Öffentlichkeit vor der Illegalität politischer Streiks und wiesen sie auf ihre funktionale Pflicht hin, diese zu unterdrücken. Solche Äußerungen führten zu Reibereien mit den Gewerkschaften und der CGT. Der Konflikt zwischen der Militärführung und den Gewerkschaften verschärfte sich mit einer Reihe von Streiks und verschärfte sich noch mehr, als General Osvino Ferreira Alves, der als Marschall in die Reserve versetzt wurde, im August 1963 den Posten als Kommandeur der Ersten Armee in Rio de Janeiro verließ, und zwar trotz des Drucks von João Goulart, ihn auf dem Posten zu halten. Osvinos Versetzung in die Reserve trug dazu bei, die Verteidigungslinie innerhalb der Regierung zu schwächen.