Tár ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Todd Field aus dem Jahr 2022. Das in der Welt der klassischen Musik angesiedelte fiktionale Drama stellt eine Dirigentin (gespielt von Cate Blanchett) in den Mittelpunkt, die als Erste ihrer Zunft ein großes deutsches Orchester leitet.
Der Film wurde am 1. September 2022 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig uraufgeführt. In der Folge wurde die Schauspielleistung von Hauptdarstellerin Blanchett vielfach preisgekrönt. Ein regulärer Kinostart in den USA erfolgte am 7. Oktober 2022. In Deutschland wurde der Film am 23. Februar 2023 im Rahmen einer Sondervorführung bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin erstmals gezeigt. Der reguläre deutsche Kinostart von Tár erfolgte am 2. März 2023. Auf der Berlinale wurde auch der im Tár-Universum angesiedelte Kurzfilm The Fundraiser vorgestellt.
Handlung Synopsis Der Film handelt von der fiktiven Figur Lydia Tár, der ersten Frau, die jemals als Chefdirigentin eines großen deutschen Orchesters arbeitet. Dabei muss sich die weltbekannte Künstlerin in einem männerdominierten Beruf bewähren. Der Film folgt Lydia Tár in ihrem Alltag in der deutschen Hauptstadt bis hin zu ihrer neuesten Aufnahme, Gustav Mahlers 5. Symphonie. Dabei hat die ambitionierte Frau Mühe, ihr Berufs- und Privatleben voneinander zu trennen. So deutet sich eine Beziehung mit einer Cellistin an, die Társ Ehefrau nicht verborgen bleibt. Nachdem sich eine ehemalige Schülerin Társ das Leben genommen hat und gegen Tár Vorwürfe des sexuellen Machtmissbrauchs laut werden, lässt ihr Berliner Orchester sie fallen, und auch ihre Frau trennt sich von ihr. Tár zieht sich aus der nun gegen sie gewandten Öffentlichkeit zurück und endet als Dirigentin von Videospielmusik auf den Philippinen.
Ausführliche Handlungswiedergabe Lydia Tár wird in New York vor großem Publikum während einer Podiumsdiskussion der Zeitschrift The New Yorker interviewt. Tár ist Chefdirigentin eines großen deutschen Orchesters und als solche die erste Frau, die je in Deutschland diese Position bekleidet.Philharmonie meets Filmset. In: dresdnerphilharmonie.de (abgerufen am 1. April 2022). Obwohl es im Film nicht thematisiert wird, sind offenbar die Berliner Philharmoniker Vorbild für das fiktiveAlexander Keuk: Stunts, Glamour und Romance. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 20. September 2021, S. 9. Orchester und deren Chefdirigenten, u. a. Claudio Abbado, Herbert von Karajan und Wilhelm Furtwängler, Vorgänger Társ. Im Interview wird die Figur Társ weiter eingeführt: Sie war Schülerin und Protegé von Leonard Bernstein und ist eine der wenigen EGOTs (jemand, der sowohl Emmy, Grammy, Oscar und Tony Award gewonnen hat); ferner erfahren wir, dass sie zusammen mit ihrer Frau Sharon, der Konzertmeisterin des Orchesters, und deren Tochter Petra in Berlin lebt. Tár steht mit ihrem Orchester kurz vor der Aufführung der 5. Sinfonie von Gustav Mahler. Die Sinfonie soll von der Deutschen Grammophon während eines Konzerts live aufgezeichnet werden und den Abschluss aller Einspielungen des Zyklus Mahlers Sinfonien bilden. Ursprünglich war die Aufführung vor der Pandemie angesetzt, musste dann aber mehrfach verschoben werden, weshalb für Tár die Vollendung des Zyklus ein Moment großen Prestiges darstellt. Gleichzeitig steht die Veröffentlichung ihres Buchs Tár on Tár bevor, das sie in diesem Interview ankündigt.
Unterstützt von ihrer persönlichen Assistentin Francesca Lentini bricht Tár nach dem Interview zu einem Mittagessen mit Eliot Kaplan auf. Die beiden kennen einander schon länger, und es wird ersichtlich, dass Kaplan über erhebliche finanzielle Mittel verfügt und sich selbst als Dirigent versucht. Die Stiftung seiner Familie unterstützt Társ Projekt des Accordion Fellowships, eines Mentoring-Programms für junge, aufstrebende Dirigentinnen: Sie sollen als Leiterinnen weltweit renommierter Orchester berufen werden. Tár ist stolz darauf, alle ehemaligen Teilnehmerinnen des Programms erfolgreich untergebracht zu haben. Kaplan korrigiert sie und verweist auf Krista Taylor, ebenfalls Accordion-Absolventin. Tár weist den Einwand zurück und erklärt, Krista sei eine schwierige Person, habe charakterliche Mängel und habe deswegen nicht vermittelt werden können. Kaplan und Tár unterhalten sich beim Essen zudem über die Suche nach einem neuen Cellisten im Orchester sowie über den weiteren Umgang mit Társ Kapellmeister Sebastian Brix (Kaplan regt an, dass Tár ihn austauschen soll, da er zu alt für Társ hohe Ansprüche an die Orchesterleitung geworden sei) und über die bevorstehende Aufführung von Mahlers Fünfter. Kaplan bedrängt Tár, ihm Einblick in ihre annotierten Noten zu geben; er möchte so viel Einsicht wie möglich in ihre Interpretation bekommen. Er bietet ihr an, sie auf einen anderen Flug nach Berlin umzubuchen und die Kosten zu tragen.
Ein weiterer Termin Társ in New York ist eine Masterclass an der Juilliard School. Während Max, ein junger Musikstudent, eine zeitgenössische Komposition dirigiert, unterbricht sie ihn, um den anwesenden Studenten ihren Interpretationsansatz zu vermitteln. Sie verwickelt Max dazu in ein Gespräch und fordert ihn auf, sich mit den Kompositionen Johann Sebastian Bachs auseinanderzusetzen. Er kontert, dass es ihm als BIPoC nicht behage, sich mit der Musik von weißen, misogynen cis-Männern auseinanderzusetzen, die über Jahrhunderte den musikalischen Diskurs dominiert hätten. Tár reagiert empört und fordert ihn auf, sich nicht selbst in eine Opferrolle zu bringen und sich an der Musik, nicht den dahinterstehenden Personen, abzuarbeiten. Als junger Mann habe er kaum Identitätsmerkmale, die er mit den von ihm präferierten zeitgenössischen nordeuropäischen Komponistinnen teile. Der verletzte Student verlässt, sie beschimpfend, den Hörsaal. Kurz vor ihrer Reise zurück nach Berlin erhält Tár noch ein Geschenk, das ihr Francesca von einem unbekannten Schenker überreicht: das Buch „Challenge“ von Vita Sackville-West. Nachdem sie die Widmung gesehen hat, die aus einem aufwändigen, mit Kugelschreiber gezeichneten Ornament besteht, reißt sie wütend die erste Seite aus dem Buch und wirft diese zusammen mit dem Buch weg.
mini|Sophie Kauer (Olga), Cate Blanchett (Lydia), Nina Hoss (Sharon) bei der Berlinale 2023 Zurück in Berlin trifft Tár auf ihre Frau Sharon in deren gemeinsamer Wohnung. Die nächsten Tage bestehen aus Proben, Treffen zum Mittagessen mit Andris Davis (Társ Vorgänger als Chefdirigent und derjenige, der Sebastian als Kapellmeister berufen hat) und dem Blindvorspiel, aufgrund dessen der neue Cellist gefunden werden soll. Am Tag dieses Vorspiels begegnet Tár einer jungen Frau, die sie nicht kennt, auf der Toilette. Beim Blindvorspiel erkennt sie diese wieder an ihren Schuhen, die am Ende hinter den Trennwänden zu sehen waren. Daraufhin ändert sie ihre Bewertung des Vorspiels, sodass die junge Frau sich gegen ihre Konkurrenz durchsetzt. Die junge Cellistin Olga Metkina wird zunächst nur als Mitglied auf Zeit ins Orchester aufgenommen. Tár lädt sie einige Tage später zum Willkommens-Mittagessen ein, bei dem ihr Olga erzählt, sie habe als Jugendliche das Cellokonzert von Edward Elgar gehört. Dies sei der Anstoß gewesen, dass sie Cellistin werden wollte. Sie schickt Tár eine Aufnahme von sich als Mitglied eines russischen Jugendorchesters, in der sie das Solo spielt. Tár schaut sich diese in ihrer Zweitwohnung an, die sie als Refugium zum Komponieren und Arbeiten benutzt.
Bei einer der nächsten Proben teilt Tár dem Orchester mit, dass sie sich endlich (und relativ knapp vor dem Aufführungsdatum) entschieden hat, was sie als Begleitprogramm zu Mahlers Fünfter aufführen möchte: Elgars Cellokonzert. Das Orchester reagiert zunächst glücklich über die Auswahl und die Ankündigung, das Solo aus den eignen Reihen zu besetzen, reagiert jedoch irritiert, als Tár das Orchester bittet, sich über die Hierarchie hinwegzusetzen und nicht der Stimmführerin der Celli das Solo zu geben, sondern aufgrund eines Vorspiels den anderen Cellisten die Möglichkeit zu geben, das Solo zu bekommen. Sharon, die von dieser Ankündigung genauso überrascht ist wie die Stimmführerin der Celli, beschwichtigt letztere aber zugunsten eines internen Vorspiels. Dieses kann Olga (einstimmig) für sich entscheiden, obwohl Olga als noch nicht festes Mitglied des Orchesters eigentlich gar nicht am internen Vorspiel hätte teilnehmen dürfen. Um nicht dem anderen Cellisten das Solo zu geben, der auf die Position des Stimmführers hofft, willigt die Stimmführerin ein, eine Ausnahme zu machen und Olga das Solo zuzugestehen.
Gleichzeitig geschehen zwei Dinge: Krista Taylor, die sowohl Társ Assistentin Francesca als auch Tár mit immer verzweifelteren E-Mails, in denen sie um Unterstützung bittet, bombardiert hat, nimmt sich das Leben. Tár bittet Francesca, alle E-Mails, die sie von Krista bekommen hat, zu löschen. Tár selbst löscht vergleichbare E-Mails, aus denen klar wird, dass sie immer wieder aktiv anderen Orchestern geschrieben hat, um zu verhindern, dass Krista dort eine Anstellung bekommt. In einem emotionalen Gespräch mit Francesca wird ersichtlich, dass die drei Frauen auf eine gemeinsame romantische Vergangenheit zurückblicken, Krista von Tár aber fallengelassen wurde, als diese Ansprüche in deren Beziehung erhob. Ferner sucht Tár Sebastian in seinem Büro auf und teilt ihm mit, dass sie vorhat, ihn als Kapellmeister zu ersetzen. Er wirft Tár vor, ihn gegen Francesca austauschen zu wollen, die ebenfalls Accordion-Absolventin ist und somit auch an ein renommiertes Orchester vermittelt werden müsste. Er vermutet, dass die beiden ein sexuelles Verhältnis miteinander haben und dass Tár sie deshalb begünstigen möchte. Tár hingegen sieht Francesca nicht als geeignete Kandidatin an und möchte die Stelle lieber zu einem späteren Zeitpunkt mit jemandem von außerhalb besetzen. Als Tár ihr das mitteilt, kündigt Francesca noch am nächsten Tag und verlässt fluchtartig Berlin; als Tár sie nach der Kündigung in ihrer Wohnung aufsuchen möchte, wirkt diese wie hastig leergeräumt. In der Wohnung findet sie lose Seiten zum Manuskript ihres Buches: jemand hat auf die Titelseite aus TÁR on TÁR mit Buntstiften RAT on RAT geschrieben und darunter die Ornamente gezeichnet, die sich vorher schon im geschenkten Buch fanden.
Társ psychischer Zustand verschlechtert sich seit ihrer Rückkehr nach Berlin rapide. Sie hört schreiende Frauen in der Ferne, hat Albträume und chronische Schmerzen und leidet unter einer zunehmenden Geräuschempfindlichkeit. Auch belastet es sie, dass Dinge wie ihre Konzertpartitur von Mahlers Fünfter aus ihrer Wohnung mit Sharon verschwinden, und sie findet vermehrt rätselhafte Kritzeleien, die denen ähneln, die sie im geschenkten Buch gefunden hatte. Während sie versucht, in ihrer Zweitwohnung eine Komposition zu vollenden, wird sie durch das Geräusch eines medizinischen Geräts nebenan gestört, wo eine Nachbarin ihre sterbende Mutter pflegt.
Im Netz taucht ein Video von Társ Besuch in der Juilliard School auf, das so zusammengeschnitten ist, dass ihre dort getätigten Aussagen beleidigend und diskriminierend wirken. Die Orchesterleitung beruft sie ein, und während Tár noch davon ausgeht, dass das disziplinarisch wirkende Gespräch wegen des Videos und des darauf folgenden Shitstorms anberaumt wurde, geht es in Wahrheit um einen in der New York Post erschienenen Artikel, der sie beschuldigt, sexuellen Machtmissbrauch zu betreiben. Tár reagiert der kleinen Runde gegenüber unwirsch und weist die Anschuldigungen von sich. Sie bricht nach New York auf, wo sie in einem Strafverfahren der Eltern Kristas gegen sie eine Versicherung an Eides statt vornehmen und ihr Buch präsentieren soll. Sie lädt Olga ein, sie zu begleiten.