Flein ist eine Gemeinde im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg. Der 1188 erstmals erwähnte Ort gehörte ab 1385 der nahen Reichsstadt Heilbronn und ist seit 1802 eine selbstständige Gemeinde.

Geographie Geographische Lage mini|Blick auf Flein Flein hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Neckarbecken.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009 Es liegt im Süden des Landkreises Heilbronn und grenzt unmittelbar südlich an die Stadt Heilbronn an. Die Gemarkung des Ortes umfasst im Wesentlichen das Quell- und Entwässerungsgebiet des Deinenbachs, der von mehreren östlich des Ortes entspringenden Quellen gespeist wird, die von etwa 300 Meter auf etwa 200 Meter über NN abfallende Markung in nordwestlicher Richtung durchquert und im benachbarten Sontheim kurz vor deren Mündung in den Neckar in die Schozach mündet. Die Hänge im Osten der Markung werden zum Weinbau genutzt oder sind bewaldet, in dem zum Neckar hin flacher werdenden Gelände im Westen befinden sich Wiesen und Äcker. Die Siedlung Flein hat sich westlich um den Kirchberg auf der südlichen Seite des Deinenbachs gebildet und ist durch Wohn- und Gewerbeansiedlung in jüngerer Zeit stark nach Nordwesten (Gewerbegebiet) und auch über den Deinenbach nach Norden (Wohngebiet Sommerhöhe) gewachsen.

Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden Fleins sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordwesten): Heilbronn (Stadtkreis), Untergruppenbach und Talheim (beide Landkreis Heilbronn). Zusammen mit Talheim bildet Flein den Gemeindeverwaltungsverband „Flein-Talheim“ mit Sitz in Flein.

Gemeindegliederung Zu Flein gehören keine weiteren Ortsteile oder Orte im geographischen Sinne.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 79–80

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Flein.

Geschichte Frühzeit und Ortsname mini|Der Fleiner Nagelfluhfelsen auf dem Weg zur Veitskirche von der Ilsfelder Str. her.

Besiedelt war die Gemarkung Fleins schon zur Zeit der Bandkeramischen Kultur in der Jungsteinzeit. Spätere Siedlungsfunde stammen aus der Zeit der Kelten und der Römer. Ob die heutige Siedlung alamannischen oder fränkischen Ursprungs ist, ist unbekannt. Der Ort wird erstmals im Jahr 1188 als Flina erwähnt. Dieser Name leitet sich möglicherweise vom althochdeutschen Wort flins oder vom mittelhochdeutschen vlins abSo Wanner (siehe Literatur) S. 41. Bei Grimm ist das Lemma "flins" aus dem Mittelhochdeutschen belegt und die Schreibung flins wird als auf das Althochdeutsche zurückgeführt (), was jeweils so viel bedeutet wie Kiesel oder harter Stein und in Bezug zum Felsen des Kirchbergs stehen könnte, um den herum sich der Altort bildete.

Mittelalter 1188 wird ein allodium (deutsch: Eigengut) in Flina in einem Vertrag zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und König Alfons VIII. von Kastilien, in dem die Ehe zwischen Friedrichs Sohn Konrad und Alfons Tochter Berengaria vereinbart wurde, erwähnt.Peter Wanner: Der staufisch-kastilische Ehepakt des Jahres 1188. Erkenntnisse aus Anlass einiger "kleiner" Stadtteils- und Gemeindejubiläen 2013. In: Christhard Schrenk/Peter Wanner (Hrsg.): heilbronnica 6. Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte. Heilbronn 2016, S. 453–460, hier: S. 458–459. PDF 366 kB. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung von Flein. Das Eigengut gehörte mit weiteren 29 staufischen Gütern zur Morgengabe der Braut. Allerdings wurde diese Ehe niemals in die Praxis umgesetzt.

Hinweise auf einen Herrensitz in Flein gibt es keine, und es gab auch keine einheitliche Ortsherrschaft, sondern der ursprüngliche Königsbesitz war kleinteilig an verschiedene königliche Gefolgsleute verschenkt oder verliehen, darunter die Staufer, die Schenken von Limpurg, die Herren von Weinsberg und die Herren von Talheim. Außerdem traten die Klöster Schöntal und Lichtenstern sowie ab dem späten 13. Jahrhundert auch bürgerliche Grundherren auf. Die Veitskirche kam um 1230 über eine Schenkung des staufischen Ministerialen Wilhelm von Wimpfen an das neu gegründete Spital Wimpfen. Im späten 13. Jahrhundert wurde auf dem Klosterberg ein 1289 erstmals erwähntes Klarissinnenkloster gegründet, das jedoch bereits bis 1302 nach Heilbronn verlegt wurde.

mini|Wappenstein mit Hl. Veit im Kessel am Alten Rathaus, datiert 1604

Im 14. Jahrhundert waren schließlich die Herren von Sturmfeder auf der nahen Burg Stettenfels die einflussreichsten Grundherren, die ihre umfangreichen Rechte in Flein am 25. Mai 1385 an die Reichsstadt Heilbronn verkauften. Über mehrere Generationen entstammten die Fleiner Vögte fast ununterbrochen der Heilbronner Patrizierfamilie Erer. Ab 1559 wurde das Vogtsamt von einem der Heilbronner Bürgermeister besetzt.

Frühe Neuzeit Im Laufe der Geschichte war Flein mehrfach von Zerstörung und Kriegen betroffen. 1450 wurde der Ort bei der Belagerung Heilbronns durch Truppen der Länderfürsten niedergebrannt. Im Bauernkrieg scharten sich im April 1525 in Flein etwa 70 aufständische Bauern der näheren und weiteren Umgebung um den Bauernführer Jäcklein Rohrbach, um sich zu den Zwölf Artikeln zu bekennen und sich dem Hellen Haufen anzuschließen. Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde Flein wie das gesamte Umland schwer in Mitleidenschaft gezogen. Bis auf die Kirche und wenige Häuser war der Ort zerstört, Felder und Weinberge waren verwildert. Außerdem brachen mehrmals Seuchen wie die Pest aus. Von 1675 bis 1693 kam es in und um Flein mehrmals zu Franzoseneinfällen. Im 18. Jahrhundert kam es zwar zu keinen kriegerischen Handlungen, doch war der Ort noch vielfach von Truppendurchzügen und Einquartierungen betroffen.

mini|Altes Rathaus

19. und frühes 20. Jahrhundert mini|hochkant|Kriegerdenkmal Mit dem Ende der Reichsfreiheit Heilbronns 1802 ging Flein wie auch die drei anderen reichsstädtischen Dörfer Böckingen, Frankenbach und Neckargartach an Württemberg über. Die Zehntanteile des Wimpfener Heilig-Geist-Spitals gingen an das bayerische Königshaus, das damit den General von Beckers belehnte, die Anteile des Klosters Lichtenstern und des Klaraklosters gingen an Württemberg. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg wurde Flein dem Oberamt Heilbronn zugeordnet. Nach einem Großbrand am 14. April 1815 wurden zehn zerstörte Wohnhäuser mit den Steinen eines unvollendeten Schlosses auf dem nahe gelegenen Berg Haigern wiederaufgebaut. 1822 wurde die kommunale Selbstverwaltung eingeführt, von 1837 bis 1860 kaufte sich die Gemeinde von ihren Lasten gegenüber den verschiedenen Grundherren frei. Die Armut in dem im 19. Jahrhundert noch rein landwirtschaftlich geprägten Ort führte im Zeitraum 1839 bis 1894 zur Ab- und Auswanderung von 114 Einzelpersonen und Familien. Im Laufe der Industrialisierung boten vor allem Fabriken in Heilbronn und Sontheim Erwerbsmöglichkeiten für mehrere hundert Fleiner. 1917 wurde Adolf Beißwänger zum Schultheiß gewählt und blieb bis 1945 im Amt.Wanner (s. Literatur) S. 171. 1920 arbeiteten 340 Fleiner in Sontheimer oder Heilbronner Fabriken, 1933 waren es 255. Ab 1935 entstand nördlich des Deinenbachs auf einem Höhenzug das Wohngebiet Sommerhöhe, dessen Fläche bald die des Altorts übertraf. In den späten 1930er Jahren wurde außerdem ein erstes Flurbereinigungsverfahren durchgeführt.

Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg Lag der Stimmenanteil der NSDAP bei der Reichstagswahl 1930 in Flein mit 1,6 % noch deutlich unter dem Wahlergebnis im Reich, stieg er bei 1932 auf 22,3 % und im März 1933 auf 34,2 % und lag damit noch leicht unter dem Reichsdurchschnitt. An der Scheinwahl vom 12. November 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nahmen 1126 Fleiner (99 % der Wahlberechtigten) teil und stimmten für die NSDAP. Die 11 Nichtwähler mussten dem Oberamt Heilbronn gemeldet werden.Wanner (s. Literatur), S. 358f.

Nach mündlicher Überlieferung soll 1932 eine erste Sonnwendfeier mit nationalsozialistischen Reden abgehalten worden sein.Gerhard Münzing: Die Machtübernahme. In: Wanner (s. Literatur), S. 179–194, hier S. 182 Am 24. März 1933 wurde dem Bürgermeisteramt die Gründung eines NSDAP-Ortsblocks gemeldet. Am 29. März erfolgte die Treuebekundung der Fleiner Gemeindebeamten und -angestellten zum nationalsozialistischen Regime. Gemeinderat Müller (SPD) legte gleichzeitig sein Amt als 1. Stellvertretender Bürgermeister nieder.Gerhard Münzing: Die Machtübernahme. In: Wanner (s. Literatur), S. 179–194, hier S. 183 Nach der Auflösung des Gemeinderats aufgrund des ersten Gleichschaltungsgesetzes fanden am 26. April 1933 Verhandlungen zur Neubildung des Gemeinderats statt, in dem die NSDAP 4, die SPD 3 und der WBWB einen Sitz erhalten sollte.Gerhard Münzing: Die Machtübernahme. In: Wanner (s. Literatur), S. 179–194, hier S. 184f. Die Verhaftung der Heilbronner SPD-Gemeinderäte durch SA-Hilfspolizei aus der Gemeinderatssitzung heraus scheint die Fleiner SPD dazu veranlasst zu haben, ihren Wahlvorschlag zurückzuziehen. Am 28. April wurde daher beschlossen, den Gemeinderat mit 6 Sitzen für die NSDAP und 2 Sitzen für den WBWB zu besetzen. Nach dem 1. Mai 1933 trat ein Gutteil der Fleiner Funktionsträger (Verwaltungsbeamte und -angestellte, Lehrer, der Pfarrer) in die NSDAP ein.Wanner (s. Literatur), S. 195. 1935 erfolgte die Neuberufung von 6 Gemeinderäten und 2 Beigeordneten (alle 8 waren NSDAP-Mitglieder) durch NSDAP-Kreisleiter Richard Drauz. Auch an den Fleiner Ortseingängen standen nun Tafeln mit dem Vermerk, dass Juden hier nicht erwünscht seien.Gerhard Münzing: Die Machtübernahme. In: Wanner (s. Literatur), S. 179–194, hier S. 194. Zu antisemitischen Ausschreitungen kam es in Flein allerdings nicht, da keine Juden ansässig waren.

Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Flein 1938 zum Landkreis Heilbronn.

1940/41 wurden die männlichen Mitglieder der jüdischen Gemeinde Talheim zum Bau der Straße von Flein auf den Haigern gezwungen. 1940 ist der erste Fleiner Soldat in Belgien gefallen. Beim Beginn des Russlandfeldzuges, kamen beinahe wöchentlich Todesnachrichten gefallener Fleiner. Bis zum Ende des Krieges hat es 200 der eingezogenen Einwohner getroffen.

Die meisten Kriegsgefangenen waren meist bei Bauern untergebracht. Diese waren Polen, Franzosen und gegen Ende des Krieges Weißrussen. Sie waren im Sammellager in der alten Turnhalle untergebracht, in dem Frauen Hausverbot hatten.

mini|Grab der in Flein gefallenen Italiener, Polen und Ukrainer auf dem Fleiner Friedhof Beim Luftangriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 wurde Flein zwar nicht in Mitleidenschaft gezogen, das Ereignis prägte sich aber tief ins kollektive Gedächtnis auch der Fleiner ein („…und plötzlich war es taghell, daß man Zeitung lesen konnte“.Wanner (s. Literatur), S. 204.) Bei einem späteren Luftangriff auf Heilbronn am 20. Januar 1945 kam in Flein ein Mensch ums Leben, und einige Gebäude wurden zerstört.Wanner (s. Literatur), S. 205. Durch US-amerikanischen Beschuss von im Frühjahr 1945 errichteten deutschen Stellungen um Flein wurden am 5. und 6. April vier Fleiner getötet. Bis zum 12. April starben in Flein weitere 15 Menschen durch Kriegseinwirkungen. Am 13. April wurden fünf osteuropäische Fremdarbeiter getötet, die in ein Weinberghäuschen in den Blaumauern geflüchtet waren. Gegen 17 Uhr rückten von der Sommerhöhe US-Truppen nach Flein, wohingegen die deutsche Artillerie das Dorf am anderen Ende verlassen und die Ortschaft beschossen haben. An diesem Tag ging der Zweite Weltkrieg in Flein zu Ende.Wanner (s. Literatur), S. 206

Nachkriegszeit bis zur Gegenwart