Dame in grüner Jacke ist ein Gemälde von August Macke aus dem Jahr 1913. Es stammt aus seiner Zeit, als er acht Monate im schweizerischen Hilterfingen verbrachte. Das Bild zeigt fünf Personen am Thunersee im herbstlichen Nachmittagslicht. Im Zentrum und Vordergrund befindet sich die titelgebende Frauenfigur in nachdenklicher und trauriger Pose. Das Werk gehört zu den besten Bildern Mackes und stellt nach Ansicht des Kunsthistorikers Gustav Vriesen den Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens vor seiner Reise nach Tunis dar.Gustav Vriesen: August Macke. Kohlhammer, Stuttgart 1957, S. 136.

Beschreibung und Hintergrund Das Bild ist Teil der Sammlung Haubrich im Museum Ludwig. Josef Haubrich hatte seine umfangreiche Sammlung der Gemälde Klassischer Moderne und des Expressionismus im Jahr 1946 der Stadt Köln übergeben.Die Sammlung Haubrich – Klassische Moderne und Expressionismus. Museum Ludwig (museum-ludwig.de). Es wurde 1947 mit Mitteln des Haubrich Fonds von Wolfgang Macke, dem Sohn von August Macke, erworben. Das Werk trägt die Inventarnummer ML 76/2713 des Museums Ludwig und befand sich zuvor von 1947 bis 1976 unter der Inventarnummer WRM 2713 im Wallraf-Richartz-Museum. Das Gemälde ist auf der Vorderseite (unten rechts) mit signiert.Macke, August Dame in grüner Jacke, 1913 Museum Ludwig (museum-ludwig.).

In diesem Gemälde dokumentiert August Macke erneut seinen virtuosen Umgang mit Komposition und Farbe. Seine Themen in jener Zeit waren oft Spaziergänge oder Ausflüge in paradiesischer Landschaft. Die idyllische Umgebung am Thunersee war für seine Sehnsucht wie geschaffen. Er zeigt in diesem Bild in fast symmetrischer Komposition fünf Personen, deren Gesichter nicht erkennbar und nur angedeutet sind. Links und rechts stehen Bäume, deren Laub im herbstlichen Licht grün und gelb erscheint. Der Thunersee im Bildhintergrund weist ein tiefes Blau auf, tiefer noch als das Blau des Himmels, dessen Wirkung durch das Zinnoberrot der Kopfbedeckung der Frau mit der grünen Jacke noch verstärkt wird. Das Kleid der Person rechts erscheint in einem „kostbar“ anmutenden (so Gustav Vriesen) Perlmutt. In einem Brief an seinen Malerfreund Hans Thuar schreibt er, dass er auch in diesem Bild den Schwerpunkt auf die handwerkliche und formale Seite der Malerei gelegt hatte:

mini|hochkant|Vorstudie, 1913 Das Gemälde wirkt so, als würde es von der Sonne beschienen. Auf den Blättern der Bäume scheinen sich Lichtreflexe zu bilden. In der Landschaft wandeln gesichtslose Spaziergänger auf der Uferpromenade. Im Hintergrund befinden sich zwei Paare, die an einer Mauer stehen und hinunterblicken. Der Standpunkt ist erhöht, die Häuser am linken Bildrand liegen tiefer. Die Hauptperson ist eine einzelne Dame in einer grünen Jacke und dunkelblauem Kleid, mit rotem Hut und Tasche, die allein mit leicht gesenktem Kopf im Bildzentrum steht. Das könnte nach Ansicht der Kunsthistorikerin Sabrina Tesch eine Andeutung auf Einsamkeit sein.Beschreibung auf der Internetseite Kunstwelten In dieser Zeit fertigte Macke zahlreiche Bilder, bei denen er sich durch die FensterbilderFensterbilder setzen sich aus vielen kleinen farbigen Flächen, meist Quadrate und Dreiecke, zusammen. des französischen Malers Robert Delaunay inspirieren ließ.Ausstellung V „Dame in grüner Jacke“. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 19. März 2010 (ksta.de). Es gibt eine Bleistiftskizze im Format 12,9 × 10,7 cm von 1913 als Vorstudie zu dem Gemälde, seit 1977 im Museum Ludwig, die sich vorher im Besitz des deutsch-amerikanischen Kunsthistorikers und Galeristen Achim Moeller befand. Die Skizze hat zwar einen anderen Hintergrund, die Personen befinden sich aber bereits in der endgültigen Position.Internetseite der Sammlung des Museum Ludwig

Die Schaffung eines modernen Paradieses, einer idealisierten Weltanschauung, schwebte Macke seit seinem Frühwerk vor, wobei er immer nach motivischer Einheitlichkeit strebte.Janice Mc Cullagh in: Ernst-Gerhard Güse (Hrsg.): August Macke. Gemälde Aquarelle Zeichnungen. Ausstellungskatalog. Bruckmann, München 1986, ISBN 3-7654-2133-2, S. 89 Daher schuf er Bilder mit oft entsprechenden Motiven in Serie wie in seiner fruchtbaren Phase in Hilterfingen. So entstanden mehrere Gemälde mit ähnlichen Motiven und Personen am Thuner See.

Ausstellungen (Auswahl) 21. Januar bis 26. Februar 1950: Der Blaue Reiter 1908–1914 Wegbereiter und Zeitgenossen. Kunstverein in Basel 27. Januar 1957 bis 24. März 1957: August Macke. Gedenkausstellung zum 70. Geburtstag. Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster 6. Juli 1962 bis 16. September 1962: August Macke. Städtische Galerie im Lenbachhaus in München 1964: L’Expressionismo. in Florenz 1967: Zauber des Lichts. Städtische Kunsthalle in Recklinghausen 1996: Expressionisten. Köln 28. September 2002 bis 5. Januar 2003: August Macke und die Rheinischen Expressionisten. Brücke Museum in Berlin 4. August 2012 bis 30. August 2013: Meisterwerke der Moderne. Die Sammlung Haubrich im Museum Ludwig.Meisterwerke der Moderne. Die Sammlung Haubrich im Museum Ludwig. (altertuemliches.at).Meisterwerke der Moderne. Die Sammlung Haubrich im Museum Ludwig. (museum-ludwig.de).

Literatur

Weblinks

Sabrina Tesch: „Abschied“ und „Dame in grüner Jacke“ – Einsamkeit im Werk von August Macke Internetseite Kunstwelten Macke, August: Dame in grüner Jacke und Dame in grüner Jacke (Skizze zum Bild) bei zeno.org

Einzelnachweise

Kategorie:Gemälde (20. Jahrhundert) Kategorie:Gemälde von August Macke Kategorie:Kunstwerk des Expressionismus Kategorie:Gruppenbildnis Kategorie:Gemälde des Museums Ludwig