mini|500px|Karte von Didier Robert de Vaugondy (Davisland links unterhalb des Südlichen Wendekreises) Davisland (auch Terra de Davis, ) ist eine Phantominsel, die angeblich im südöstlichen Pazifischen Ozean liegt. Sie ist benannt nach dem Piraten Edward Davis, der sie 1687 gesehen haben soll. Möglicherweise ist sie, wie einige Autoren vermuten, mit der Osterinsel identisch. Entdeckung Der erste Europäer, der angeblich die Insel Davisland sah, sie aber nicht betrat, war der Pirat Edward Davis, nach dem sie auch benannt ist. Der Piratenkapitän John Cook, zu dessen Mannschaft Davis gehörte, hatte vor Sierra Leone ein dänisches Schiff aufgebracht, das er Bachelor’s Delight (Junggesellenfreude) nannte, und mit dem er im Pazifik auf Raubzug ging. Ziel seiner Unternehmungen waren vor allem spanische Galeonen, die Gold und Silber aus Peru zur Landenge von Panama brachten. Als Cook 1683 starb, übernahm Edward Davis das Kommando des Schiffes. Nach einigen erfolgreichen, aber auch weniger erfolgreichen Unternehmungen – unter anderem hatte Davis zusammen mit Charles Swan und anderen Piraten 1685 vor Panama die von Lima kommende spanische Schatzflotte vergeblich attackiert und konnte nur knapp entkommen – beschloss er, seine Aktivitäten in die Karibik zu verlegen.Lionel Wafer: A New Voyage and Description of the Isthmus of America. London 1704, Nachdruck von George Parker Winship (ed.), Burrows Brothers, Cleveland 1903, S. 67 f.

Von den Galapagos-Inseln, zu jener Zeit ein geschätzter Piratenschlupfwinkel, brach Davis 1687 auf, um Kap Hoorn zu umrunden. Auf dem Weg zur Südspitze Amerikas hörte die Wache zwei Stunden vor Tagesanbruch vom Vorschiff laute Brandungsgeräusche. Auf Bitten der Mannschaft, die eine Havarie an einem Riff befürchtete, ließ Davis beidrehen. Bei Tagesanbruch erblickte er in der klaren Morgenluft eine kleine, flache Sandinsel, die jedoch nicht von felsigen Riffen umgeben war. Im Westen, in etwa zwölf Leagues (ca. 55 km) Entfernung, war bergiges Land zu erkennen, das er für eine Inselgruppe hielt. Die Landmasse hatte eine Ausdehnung von 15 oder 16 Leagues (ca. 69 bis 73 km) und von dort flog ein großer Vogelschwarm heran. Der Pirat Lionel Wafer, der zu jener Zeit mit Davis fuhr, wollte mit einigen Kameraden an Land gehen, was Davis aber nicht erlaubte, und so segelte die Bachelor’s Delight ohne nähere Untersuchung der entdeckten Insel weiter.Lionel Wafer: A New Voyage and Description of the Isthmus of America... , James Knapton, London 1704, S. 171–172William Dampier: A voyage to New-Holland, &c. in the year 1699… (Volume III). James and John Knapton, London 1729, S. 392–393

Lionel Wafer gibt als Position für diese Insel in seinen Aufzeichnungen 27° 20′ südlicher Breite an, in einer Entfernung von 500 Leagues (ca. 2300 km) von „Copayapo“Heute Copiapó – aber Wafer meint nicht die Stadt Copiapó, die im Landesinnern liegt, sondern die Mündung des Río Copiapó in den Pazifik, die Davis zuvor auf der Suche nach Frischwasser aufgesucht hatte. Er musste jedoch feststellen, dass der Fluss jahreszeitlich bedingt kein Wasser führte. und 600 Leagues (ca. 2800 km) von den Galapagosinseln. Wafers Positionsangabe ließ einige spätere Autoren vermuten, dass Davis die Osterinsel (Geographische Lage: 27° 7′ S, 109° 21′ W) gefunden haben könnte.William Guthrie, James Ferguson: A new system of modern geography: or, a geographical historical, and commercial grammar; and present state of the several kingdoms of the world. (3rd ed.). C. Dilly, London 1786, S. 23Thor Heyerdahl, Edwin Ferdon: Archaeology of Easter Island (Volume 1). Monographs of the School of American Research, Nr. 24, Gyldendal 1961, S. 44 und 45

Kartendarstellung In der Folgezeit erschien die neu gefundene Insel auf den Karten des 17. und 18. Jahrhunderts als Terra de Davis, Insel Davis oder Davis Land und wurde als Vorbote des sagenhaften Südkontinentes (Terra Australis Incognita) betrachtet. Auf der Karte Amerikas von Jean-Baptiste Nolin von 1742 ist Davisland eingezeichnet mit der Anmerkung: „Terre découverte par David Anglois en 1685 qu`il prit pour partie des Terres Australes“ (1685 von David dem Engländer entdecktes Land, das er als Teil des Südkontinentes ansah).

Hier einige Beispiele: Herman Moll: New Map of the Whole World, London 1736 (Davis Land) Jean-Baptiste Nolin: L’Amerique ou le Nouveau Continent, Paris 1742 (Terre découverte par David Anglois) Didier Robert de Vaugondy: Amérique Méridionale, Paris 1750 (Terre découverte par Davis) Louis Charles Desnos: L'Amerique Méridionale et Septentrionale Dressee sure les Nouv.les Decov.tes et derniers Relations des meilleurs Navigateurs, Paris 1760 (Terre vues par David en 1695)

Die Suche nach Davisland Mehrere Seefahrer machten sich auf die Suche nach der geheimnisumwitterten „Erde Davis“ und der Terra australis incognita. Jakob Roggeveen Einer der ersten war Jakob Roggeveen. Er konnte die Herren der mächtigen Niederländischen Westindien-Kompanie bewegen, ihm drei Schiffe, die Arend (Kapitän Jan Koster), die Thienhoven (Kapitän Cornelis Bouman) und die Africaansche Galey (Kapitän Roelof Rosendaal), für eine Expedition in den Pazifik zu unterstellen. Ziel des Unternehmens war es, neue Länder im „Südmeer“ zu erkunden und den unbekannten Südkontinent zu finden. Die drei Schiffe verließen am 16. Juni 1721 Amsterdam, erreichten im Januar 1722 nach der Umrundung von Kap Hoorn den Pazifischen Ozean und begaben sich auf nördlichen Kurs. Roggeveen wollte das sagenhafte Davisland finden. Am Ostersonntag, dem 5. April 1722, meldete Kapitän Rosendaal von der vorweg fahrenden Africaansche Galey die Sichtung einer Insel, der Roggeveen in seinen Aufzeichnungen den Namen „Paasch Eyland“ (Osterinsel) gab. Doch sehr schnell merkte er, dass dies nicht das gesuchte Davisland war. John Byron Während seiner Weltumseglung (1764–1766) mit den beiden britischen Expeditionsschiffen HMS Dolphin und HMS Tamar suchte John Byron vom 2. bis zum 9. Mai 1765 den Bereich zwischen dem 26. und 27. Breitengrad in Höhe des 94. Längengrades ab, auf dem, wie er vermutete, Davisland liegen sollte. Er fand die Insel nicht.John Hawkesworth: An Account of the Voyages Undertaken by the Order of His Present Majesty for Making Discoveries in the Southern Hemisphere… (Volume 1). W. Strahan & T. Cadell, London 1773 Philipp Carteret Auch Kapitän Philipp Carteret versuchte mit der Brigg HMS Swallow im Juni 1767 Davisland aufzufinden. Am 17. Juni 1767 sah die Mannschaft bei der Position 28° S, 112° W einen großen Schwarm Seevögel und im Ozean treibende Pflanzen, was Carteret vermuten ließ, dass sie sich Land näherten oder es bereits unbemerkt passiert hatten. Wegen der langen, wogenden Wellen mutmaßte er jedoch, dass es lediglich eine kleine, felsige Insel sein könne und nicht das gesuchte Davisland.

Carteret entdeckte zwar nicht Davisland, aber am 2. Juli 1767 die Insel Pitcairn.

Louis Antoine de Bougainville König Ludwig XV. von Frankreich beauftragte 1766 Louis Antoine de Bougainville mit der Fregatte La Boudeuse und der Fleute L’Étoile die Welt zu umsegeln und dabei nach dem sagenhaften Südkontinent zu forschen.Louis-Antoine de Bougainville: Voyage autour du monde par la frégate la Boudeuse et la flûte l'Étoile... Saillant & Nyon, Paris 1771 . Stattdessen segelte Bougainville nach Tahiti weiter, das die Schiffe am 6. April 1768 erreichten.

Jean François Marie de Surville Nach Wallis Entdeckung von Tahiti kam in Frankreich die Legende auf, ein „englisches Schiff“ habe in der Südsee eine reiche Insel gefunden, die von wohlhabenden Juden bewohnt sei. Da diese Insel auf demselben 27. Breitengrad wie Copiapó liegen sollte, der Quelle spanischen Goldes und Silbers, erschien dieses Gerücht durchaus glaubhaft.Anne Salmond: Two Worlds: First Meetings Between Maori and Europeans, 1642-1772. University of Hawaii Press, Honolulu 1991, S. 312 Der französische Astronom, Physiker und Weltreisende Alexis-Marie de Rochon verbreitete diese Mär, die er in Pondicherry in Indien gehört hatte, in Europa.Alexis Rochon: Voyages à Madagascar, à Maroc et aux Indes orientales. Pault & Levrault, Paris 1791

Der französische Handelskapitän Jean François Marie de Surville hatte dieses Gerücht ebenfalls vernommen und fuhr daher am 2. Juni 1769 mit seinem Schiff Saint Jean-Baptiste von Indien ab, durchquerte die Meerenge von Malacca und segelte nach Terengganu in Malaysia. Danach passierte er die Philippinen und erreichte den Pazifischen Ozean im August 1769. Da seine Mannschaft zunehmend unter Skorbut litt, war er zu Aufenthalten auf den Salomonen und auf Neuseeland gezwungen. Weihnachten 1769 verbrachte er in der Doubtless Bay. Danach durchquerte er den Pazifischen Ozean von West nach Ost bis zum Hafen von Chilca, südlich von Lima. Nach seinem Tagebuch hat er im Ostpazifik zwischen 27º und 28º südlicher Breite eine unbekannte Insel gesichtet, die er für Davisland hielt, die nach der Positionsangabe aber auch die Osterinsel gewesen sein könnte.Julien Marie Crozet: Nouveau Voyage a la Mer du Sud (Un Extrait de celui de M. de Surville dans les mêmes Parages). Paris 1783, S. 287 Da er jedoch ohne an Land zu gehen und ohne nähere Erkundung weitersegelte, gibt es keinen Beweis, welche Insel Surville gesehen hatte. Bei dem Versuch, mit dem Beiboot in Chilca zu landen, ertrank Surville 1770 in der rauen See. Sein Erster Offizier Guillaume Labé brachte die Saint Jean-Baptiste und die Aufzeichnungen von Surville nach Frankreich.John Dunmore: The Fateful Voyage of the St. Jean-Baptiste: A True Account of M. de Surville's Expedition to New Zealand and the Unknown South Seas 1769–70. Pegasus Press Christchurch, New Zealand, 1969

Felipe Gónzalez de Haedo König Karl III. von Spanien hatte seit seiner Thronbesteigung umfangreiche koloniale Reformen mit einer Reorganisation der Verwaltung und der Ernennung neuer Statthalter eingeleitet, mit dem Ziel der Erneuerung der Kontrolle in Lateinamerika, um Spanien wieder zu alter Macht und Größe zu verhelfen. Von 1761 bis 1776 war Manuel d’Amat i de Junyent Vizekönig von Peru. Er entsandte Kapitän Don Felipe Gónzalez de Haedo mit dem Linienschiff San Lorenzo und der Fregatte Santa Rosalia in den Pazifik, um die Aktivitäten Englands und Frankreichs im Pazifik aufzuklären, die „Erde Davis“ zu finden und sie für Spanien in Besitz zu nehmen. Haedos Schiffe segelten den 27. Breitengrad ab, ohne dass Davisland in Sicht kam, dafür erreichte er aber die Osterinsel am 15. November 1770.Bolton Glanville Corney: The voyage of Captain Don Felipe González in the ship of the line San Lorenzo, with the frigate Santa Rosalia in company, to Easter Island in 1770-1. Hakluyt Society, Cambridge 1908, S. 50–51 James Cook James Cook hatte bei seiner ersten Reise in den Pazifik (1768–1771) den Südkontinent nicht gefunden, im Gegenteil, die Zweifel an dessen Existenz noch bestärkt. Dennoch gab es einige ernstzunehmende Wissenschaftler, die weiterhin an die Terra Australis Incognita glaubten. Deren prominentester Vertreter war der angesehene, schottische Geograph Alexander Dalrymple. Die britische Admiralität rüstete daher eine weitere Expedition in den Südpazifik unter dem Kommando von James Cook aus, die endlich Klarheit über das Vorhandensein eines Südkontinentes bringen sollte. Die Resolution gelangte tief in südliche Breiten, jenseits des südlichen Polarkreises, ohne dass eine Landmasse in Sicht kam, sodass Cook zu der Auffassung gelangte, der Südkontinent könne nicht in bewohnbaren Breiten des Pazifiks liegen. . Am 11. März 1774 geriet Land in Sicht, das Cooks Meinung nach der Beschreibung in Lionel Wafers Reisebericht einer hohen, hügeligen Insel entsprach. Er vermisste jedoch die vorgelagerte, niedrige Sandinsel, „was eine Bestätigung gewesen wäre, aber hier wurden wir enttäuscht“. James Cook hatte die Osterinsel gefunden, die, wie er annahm, mit Davisland identisch war.James Cook: The Three Voyages of Captain James Cook Round the World (Volume 3), Longman, Hurst et al., London 1821, S. 278 und 289