Alexander (* 15. Jahrhundert oder 16. Jahrhundert in Stolberg (Harz)?Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584. Band II in der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens (bearbeitet von Paul Wappler). Verlag von Gustav Fischer: Jena, 1913. S. 97; † November 1533 in Frankenhausen/ThüringenPaul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584. Band II in der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens (bearbeitet von Paul Wappler). Verlag von Gustav Fischer: Jena, 1913. S. 100; Anmerkung 4) war ein Messner und Schulmeister in Esperstedt sowie ein Sendbote der Täuferbewegung in Nordthüringen und am Südharz. Er starb als deren Märtyrer. Leben mini|Kirche St. Johannis zu Esperstedt. Sakristei, Altarraum und der untere Teil des Chorturms existierten schon zur Zeit des Messners Alexander Über Alexanders Herkunft schweigen die Quellen. Auch ist ein Familien- oder Beiname des späteren Täuferapostels unbekannt. Belegt ist aber, dass er in Esperstedt ursprünglich als Messner und Schulmeister gewirkt hat. Mit der Täuferbewegung war er spätestens 1529 in Berührung gekommen. Seine Gläubigentaufe empfing er Ende des genannten Jahres.
Als sein Täufer gilt Volkmar von Hildburghausen,Gegen die Angabe bei GAMEO/Harold Bender: Alexander (d. 1533); eingesehen am 31. März. 2022. Dort wird ein gewisser Volkmar Bernardus als Täufer genannt. Siehe dazu Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584. Band II in der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens (bearbeitet von Paul Wappler). Verlag von Gustav Fischer: Jena, 1913. S. 92 ein bedeutender Missionar der Täuferbewegung in Thüringen. Als Reiseprediger besuchte er hin und wieder auch die Esperstedter Täufergemeinde, die sich im Verborgenen traf und deren Mitglied Alexander nach seiner Taufe im Haus des Hans HaneKat Hill: Baptism, Brotherhood, and Belief in Reformation Germany. Anabaptism and Lutheranism, 1525–1585. Oxford University Press: Oxford, 2015. ISBN 978-0-19-873354-6. S. 35 wurde. Anfang 1530 wurden die 13 Gemeindeglieder verhaftet und anschließend durch den Pfarrer von Frankenhausen verhört. Nachdem die Gefangenen zunächst bei ihrer Auffassung blieben, dass weder die Säuglingstaufe noch die Lehre von der leiblichen Gegenwart Christi im Abendmahl biblisch belegt seien, beschloss der Schwarzburger Graf Günther XL., der darüber unterrichtet worden war, die Hinrichtung der gefangenen Täufer und Täuferinnen zu veranlassen. Angesichts der drohenden Todesstrafe widerriefen die meisten der Verhafteten; nur vier – darunter der „täuferische Sendbote“ Bernhardus – blieben standhaft und wurden ertränkt. Die Anderen ließ man nach eindringlichen Ermahnungen und Strafandrohungen frei. Das geduldig ertragene Martyrium der erwähnten vier Täufer machte unter der Bevölkerung Gegend einen starken Eindruck und öffnete manchen für die täuferischen Lehren. Alexander, der die Nachfolge Bernhardus' als „Sendbote“ antrat, sorgte dafür, dass die Esperstedter Täufergemeinde trotz des großen Verlustes weiter bestehen blieb und sogar Zuwachs erhielt.Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584. Band II in der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens (bearbeitet von Paul Wappler). Verlag von Gustav Fischer: Jena, 1913. S. 92f Sendbote der Täuferbewegung Alexanders Missionsarbeit erstreckte sich alsbald über ganz Nordthüringen und den Südharz. Hin und wieder führte ihn sein Weg auch nach Sorga bei Hersfeld. Auch Aufenthalte in GöttingenAkten betr. die Aussagen des zu Allstedt festgesetzten Wiedertäufers Erhard Pilraust (…) darin enthalten: a) Bericht über die peinlich Befragung Erhard Pilrausts am 27. August 1532; abgedruckt bei Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584. Band II in der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens (bearbeitet von Paul Wappler). Verlag von Gustav Fischer: Jena, 1913. S. 344 und in der Gegend um Weimar sind durch Verhörprotokolle belegt. Dass Alexanders sich in der Weimarer Region aufgehalten hat, geht zum Beispiel aus der Aussage eines gewissen „Doctor“ Klaus Klaps aus Obergrunstedt hervor.Siehe Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584. Band II in der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens (bearbeitet von Paul Wappler). Verlag von Gustav Fischer: Jena, 1913. S. 94, Anmerkung 7
Zu den geographischen Schwerpunkten Alexanders gehörten unter anderem die Ortschaften Emseloh und Holdenstedt (heute ein Ortsteil der Stadt Allstedt). Der Lebensstil des Emseloher PfarrherrnSiehe dazu die Akten betreffend den zu Sangerhausen gefangen gesetzten Wiedertäufer Jörg Knoblauch und dessen Weib (22. März bis Ende April 1534), Abschnitt 45b: Bekenntnis Jörg Knoblauchs am 22. März 1534 in der Güte. Abgedruckt bei Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584. Band II in der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens (bearbeitet von Paul Wappler). Verlag von Gustav Fischer: Jena, 1913. S. 355–359, hier: S. 356. Dort nennt Knoblauch den Emseloher „Pfarher“ einen „hurer und todtschleger“. hatte viele Emseloher in Opposition zur Amtskirche gebracht und sie gleichzeitig für die Lehren der Täufer geöffnet, deren festen Glauben und strenge Moral sie insgeheim bewunderten. An seinen Bußpredigten, die er in zahlreichen heimlichen Zusammenkünften hielt, hatten viele „großen Gefallen und ließen sich von ihm weiter unterweisen“. Zu denen, die sich von Alexander taufen ließen, gehörten zum Beispiel Petronella und ihre Muhme Margareta.Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584. Band II in der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens (bearbeitet von Paul Wappler). Verlag von Gustav Fischer: Jena, 1913. S. 97 Beide erlitten später den Märtyrertod.
Die Stadt Stolberg/Harz (vermutlich Alexanders ursprüngliche Heimat), in der er häufig bei seinem Schwager Hans Koch nächtigte, sowie Zorge (heute Ortsteil der Gemeinde Walkenried) waren weitere Schwerpunkte seines Wirkens.Die Daten und Fakten der folgenden Abschnitte dieses Kapitels orientieren sich, sofern nicht anders angegeben, an Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584. Band II in der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens (bearbeitet von Paul Wappler). Verlag von Gustav Fischer: Jena, 1913. S. 97–100 Täufertreffpunkt in Zorge war eine Schneidemühle. Hier taufte Alexander unter anderen den aus Odenwald stammenden Martin Herzog. mini|Herkunftsorte der Predigthörer Ostern 1533: Mühlhausen, Görmar (= Germer), Ammern, Dachrieden (= Dachreden), Oberdorla (= Ober Dorla) mini|Schwarzburger Unter- und Oberherrschaft (hier um 1571)
Wesentlich für seine Arbeit als Sendbote waren seine Missionsreisen. Durch Verhörprotokolle gut dokumentiert, ist seine Rückreise von Sorga, wo er im März 1533 der von Melchior Rinck gegründeten Täufergemeinde wieder einmal einen Besuch abgestattet hatte. Reine erste Station auf der Heimreise wart Kindelbrück. Dort kehrte bei Klaus Heiligenstedt ein, der bei seinem Bruder wohnte. Er ließ den Aufenthalt nicht ungenutzt und hielt eine Hausandacht. Die Predigt scheint bei seinem Gastgeber auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Er schloss sich Alexander an und begleitete ihn auf der nächsten Reiseetappe, deren Ziel Oberdorla bei Mühlhausen war. Dort wohnte und arbeitete der Schneider Hans Rinkleben, den Alexander bei dessen Besuch der Sorgaer Täufergemeinde kennengelernt hatte. Rinkleben war damals tief beeindruckt in seinen Heimatort zurückgekehrt, hatte unter Freunden und Bekannten von seinen Erlebnissen in der Gemeinde berichtet und einen Kreis Interessierter um sich gesammelt. Aus späteren Verhörprotokollen sind einige Namen von Mitgliedern dieses Kreises bekannt; es waren die Brüder Zwickmann aus der Mühlhauser Vorstadt, Ludwig SponSpon hatte Alexander bereits in der Täufergemeinde Sorga predigen hören; siehe Paul Wappler: Die Stellung Kursachsens und des Landgrafen Philipp von Hessen zur Täuferbewegung. Münster i. W., 1910. S. 185 (Anhang I, Nr. 42) und Lorenz Moller von Görmar (heute Ortsteil von Mühlhausen), Heinrich Hutter aus Ammern (heute ein Ortsteil der Gemeinde Unstruttal), Hans Breuning von Dachrieden (heute Ortsteil der Gemeinde Unstruttal), Klaus Scharf von Mühlhausen sowie Martin Dipprant und Christoph Rudolph von Oberdorla. Sie alle waren unter den Zuhörern der Predigten, die Alexander über die Osterfeiertage in Oberdorla hielt und in denen er unter anderem über die Nichtigkeit der kirchlichen Sakramente sprach. Doch ließ sich keiner der Hörer taufen. Als Begründung gaben sie an, dass „sie sich noch zu unvollkommen dazu fühlten“. Schließlich traf er in Sangerhausen ein, wo bereits eine kleine Täufergemeinde bestand. Sie hatte kurz vor Alexanders Ankunft von unerwarteter Seite Auftrieb bekommen. Ein Augustinermönch hatte in einer Osterpredigt die täuferische Sakramentsauffassung als biblisch bestätigt, woraufhin sich manche Sangerhausener der Täufergemeinde zuwandten und deren Zusammenkünfte besuchten. Alexander nutzte die Gelegenheit und hielt in Sangerhausen, vor allem aber auch in der Gegend südlich der Stadt Versammlungen ab. Letzte Nachrichten über Predigten, die von Alexander gehalten wurden, stammen von Orten der Schwarzburger Unterherrschaft sowie aus der Gegend rund um Allstedt. Hier war die Täuferbewegung trotz der Verhaftungen und Hinrichtungen in den Jahren 1530 und 1532 weiter gewachsen.
Gefangennahme, Verhöre und Hinrichtung Im Juli 1533 wurden Alexander sowie zehn weitere Besucher einer Täuferversammlung verhaftet und nach Frankenhausen ins Gefängnis verbracht.Was den Zeitpunkt der Gefangennahme angeht finden sich bei Wappler widersprüchliche Angaben. Nach Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584. Band II in der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens (bearbeitet von Paul Wappler). Verlag von Gustav Fischer: Jena, 1913. S. 99 erfolgte die Verhaftung im Herbst 1533. Nach den bei Wappler abgedruckten Verhörprotokollen (S. 347f) befand sich Alexander bereits im Juli 1533 im Gefängnis zu Frankenhausen. Diese Angabe erscheint vertrauenswürdiger, da sie im amtlichen Protokoll steht und dort sogar häufiger wiederholt wird. Vom 8. bis 18. Juli fanden intensive Vernehmungen statt, die amtlich protokolliert wurden und unter anderem bei Paul Wappler abgedruckt sind.Schriften betr. die elf zu Frankenhausen gefangfen gehaltenen Wiedertäufer (8.–18. Juli 1533). (…) b. Alexanders Bekenntnis am 8. Juli 1533. In: Paul Wappler: Die Täuferbewegung in Thüringen von 1526-1584. Band II in der Reihe Beiträge zur neueren Geschichte Thüringens (bearbeitet von Paul Wappler). Verlag von Gustav Fischer: Jena, 1913. S. 347–351 Zunächst ging es um „Alexanders Bekenntnus uff furgehaltene Artikel“.= Alexanders Bekenntnis im Blick auf vorgehaltene (Glaubens-)Artikel