mini|275px|Paul-Reusch-Schacht heute Die Zeche Osterfeld war ein Steinkohlebergwerk in Oberhausen-Osterfeld. Sie war Anfang des 20. Jahrhunderts eine der größten und leistungsfähigsten Zechen des Ruhrgebiets und befand sich im Feld Oberhausen der Gutehoffnungshütte (GHH). Das Bergwerk ist nach dem Ort benannt in dem es sich befand. Die Zeche war von 1879 bis 1992 in Betrieb, die Anfänge reichen bis Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.
Geschichte Die Suche nach Kohle 1853 begann in der Gemeinde Osterfeld die Suche nach Steinkohle. Hierzu wurden Explorationsbohrungen durch das Deckgebirge erstellt. Bereits in der Anfangsphase kam es bei diesen Bohrungen zu einem tödlichen Unfall. Außerdem bereiteten die Bohrarbeiten bei einer Teufe von 225 Metern der Bohrmannschaft große Schwierigkeiten. Das Gestein war so hart, dass täglich nur ein Bohrfortschritt von 2,5 Zentimetern erreicht wurde. 1855 und 1856 wurde bereits an 15 Stellen nach Kohle gebohrt. Die ersten Steinkohlen wurden in der Nähe von Eschenbrock am Grafen-Garten angebohrt. Der Finder dieser Lagerstätte war der Schreiner Hagedorn zu Essen. Ihm gelang es, im Bereich Eschenbrock gleich mit drei Bohrungen auf Steinkohle zu treffen. Hagedorn verkaufte seine Grubenfelder an die Gutehoffnungshütte. Die Hütte Jacobi, Haniel & Huyssen hatte durch eigene Bohrmannschaften zwischen dem Gut Schulte-Venn und der Waghalz-Brücke drei Bohrungen niederbringen lassen, war dabei jedoch erfolglos geblieben. Auch im Bereich des Hofes Winkelhecks war eine Bohrmannschaft erfolglos tätig. 1873 reichte die Gutehoffnungshütte beim Bergamt Gelsenkirchen einen Betriebsplan zum Bau der Zeche Osterfeld ein.
Die Errichtung des Bergwerks 1873 wurde der erste Schacht der Zeche Osterfeld abgeteuft. Der Schachtansatzpunkt befand sich an der Zechenstraße, der heutigen Vestischen Straße. Am 16. April 1874 kam es im Schacht bei einer Teufe von 34 Metern zu einem Schwimmsandeinbruch, dabei ging der gesamte Schacht zu Bruch und wurde deshalb aufgegeben. Im Juli 1874 wurde ein neuer Schacht angesetzt. Dieser hatte einen Durchmesser von sechs Metern. 1876 erreichte der Schacht bei einer Teufe von 238 Metern das Karbon. Noch während der Teufarbeiten wurden die ersten Tagesanlagen und das Kesselhaus errichtet sowie eine Gestängewasserhaltung eingebaut. Außerdem wurden Anschlüsse an die Westfälische-, Rheinische- und Emschertal-bahn erstellt. 1878 wurde im Schacht bei einer Teufe von 276 Metern (−228 m NN) die 1. Sohle und später bei einer Teufe von 377 Metern (−329 m NN) die 2. Sohle angesetzt. Im September desselben Jahres wurde das Abteufen bei 397 Meter vorläufig eingestellt. Da die Zeche zu diesem Zeitpunkt nur diesen einen Schacht besaß, wurde für die Wetterführung im Schacht ein Wetterscheider eingebaut. Der nötige Unterdruck zum Absaugen der Abwetter wurde durch den Kamin des Kesselhauses erzeugt.
Die ersten Betriebsjahre 1879 wurde das Bergwerk in Zeche Osterfeld (Schacht 1) umbenannt. Gleichzeitig wurde dieser Betriebsbereich selbstständig. Am 3. Oktober 1879 ging der Schacht in Förderung. Als Antrieb diente eine Dampffördermaschine mit einer Leistung von 400 PS. Das Baufeld umfasst zu diesem Zeitpunkt eine Fläche von 8,6 km2. Die für den Betrieb des Bergwerks benötigten ersten Kohlenhauer und Steiger stammten aus dem südlichen Ruhrgebiet und dem Aachener Raum. Hilfsarbeiter kamen aus der näheren Umgebung und dem Münsterland und wurden im Laufe der Jahre zu Kohlenhauern ausgebildet. Fast alle untertägigen Arbeiten wurden manuell durchgeführt. Die Kohle wurde mit Keilhauen gewonnen, Sprengungen waren wegen der Schlagwettergefahr verboten. In der Streckenförderung kamen Grubenpferde zum Einsatz. 1880 wurde bei einer Teufe von 441 Metern (−393 m NN) eine Hilfssohle in südlicher Richtung aufgefahren und der Schacht tiefergeteuft. über Tage wurden die Kohlenwäsche und die Mannschaftskaue in Betrieb genommen. Die Kaue war nur mit einem großen Wasserbassin ausgerüstet, in dem sich die Bergleute nach der Arbeit waschen konnten. 1883 wurde bei einer Teufe von 485 Metern (−437 m NN) die 3. Sohle angesetzt.
Aufgrund einer Forderung der Bergbehörde von 1881, nach der alle Bergwerke über einen zweiten Fluchtweg verfügen müssen, wurde die Zeche Osterfeld 1885 untertägig mit der Zeche Oberhausen verbunden. Am 4. Dezember 1885 ereignete sich in einer Abteilung der Zeche eine Schlagwetterexplosion, bei der zwölf Bergleute ums Leben kamen. Die Abteilung musste infolgedessen aufgegeben werden. Im darauffolgenden Jahr wurde über Tage ein Grubenlüfter installiert. Der Lüfter wurde mit einer Dampfmaschine angetrieben und brachte eine spürbare Verbesserung der Bewetterung und eine bessere Wetterkühlung. 1895 wurde eine Kokerei in Betrieb genommen. 1897 wurde bei einer Teufe von 586 Metern (−538 m NN) die 4. Sohle angesetzt. Diese Sohle wurde nicht direkt vom Hauptschacht, sondern über einen Blindschacht angesetzt. Aufgrund der steigenden Kohlenförderung verschlechterte sich das Grubenklima wieder. Daher beschloss die Werksleitung, einen zweiten Schacht abzuteufen.
Ab 1898 wurde 185 Meter östlich von Schacht 1 der Schacht 2 mit fünf Metern Durchmesser niedergebracht. 1897 erreichte Schacht 2 bei einer Teufe von 238 Metern das Karbon. Es wurde ein Durchschlag mit der 2. Sohle erstellt. Der Schacht wurde mit einem neuen Grubenlüfter ausgerüstet. Ab Juli 1900 wurde Schacht Osterfeld 2 als Abwetterschacht und Schacht Osterfeld 1 als Frischwetterschacht eingesetzt.
Das 20. Jahrhundert 1902 erreichte der Wetterschacht (Schacht 2) die 4. Sohle, es wurde mit der Förderung begonnen und die Wasserhaltung mit Gestänge wurde durch eine modernere mit zwei Kolbenpumpen ersetzt. Diese wurden mittels Dampf angetrieben und auf der 4. Sohle installiert. 1903 erreichte der Schacht seine Endteufe von 612 Metern, alle Einstriche und die Schachtführung wurden eingebaut. Die Gutehoffnungshütte AG beabsichtigte, die Kohlenförderung zu intensivieren. Um höhere Förderkapazitäten bieten zu können, reichte es nach Planungen der Werksleitung nicht aus, nur die Belegschaft aufzustocken, sondern es wurde ein weiterer Schacht benötigt. Noch 1903 wurde mit den Teufarbeiten für den Wetterschacht 3 nördlich der bisherigen Schächte begonnen. Dieser hatte einen Durchmesser von 6,1 Metern. Noch im selben Jahr wurde der Schacht mit der 3. Sohle durchschlägig. Im November 1904 wurde der Schacht mit der 4. Sohle durchschlägig. 1905 wurden zwei neue Grubenlüfter in Betrieb genommen, die eine Wettermenge von 16.000 m3 pro Minute absaugen konnten. 1906 ging der Wetterschacht 3 als einziehender Schacht in Betrieb. Die Schächte 1 und 2 dienten nun als Abwetterschächte und Schacht 3 als Frischwetterschacht. 1907 wurde bei einer Teufe von 296 Metern (−248 m NN) eine neue 1. Sohle angesetzt, die der Ausrichtung des Nordfeldes diente.
Nach 1905 wurde begonnen, den Grubenbetrieb technisch zu verbessern. In der Streckenförderung wurden Grubenloks eingesetzt, die 170 Grubenpferde wurden nach und nach aufs Altenteil geschickt. In der Hauptwasserhaltung wurden die zwei dampfgetriebenen Pumpen gegen zwei elektrische Kreiselpumpen ausgetauscht, die von einem übertägig installierten Generator versorgt wurden. Trotz der Bewetterung über drei Schächte blieben die Grubenbaue von Osterfeld stark schlagwettergefährdet. Insbesondere die weitere Ausdehnung des Grubengebäudes zwang die Werksleitung zum Handeln. Aus diesem Grund wurde 1912 begonnen, den Wetterschacht 4 abzuteufen. Dieser befand sich im Nordfeld, 1,7 Kilometer nördlich der Schächte 1 bis 3. Am 3. Juli kam es zu einem weiteren Grubenunglück. Bei einer Schlagwetterexplosion verloren 16 Bergleute ihr Leben. Bei der bergbehördlichen Untersuchung des Unglücks wurde als Ursache menschliches Fehlverhalten festgestellt. In einem Aufbruch waren zwecks Sprengung fünf Bohrlöcher erstellt worden. Bei diesen Bohrarbeiten war ein Kohlenflöz mit angebohrt worden. Bei den folgenden Sprengarbeiten war, anstelle des für solche Sprengungen vorgeschriebenen Wettersprengstoffes, Dynamit verwendet worden. Dessen Detonation entzündete das aus den Bohrlöchern ausströmende Methan, das aus dem angebohrten Kohlenflöz ausströmte. 1914 erreichte der Wetterschacht 4 bei einer Teufe von 314 Metern das Karbon. Es wurde ein Durchschlag mit der 2. Sohle erstellt.
Die Zeit der beiden Weltkriege Der Erste Weltkrieg Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges und der damit verbundenen Mobilmachung wurden auch viele Bergleute innerhalb kurzer Zeit zum Kriegseinsatz eingezogen. Aufgrund dieser Maßnahme halbierte sich auf der Zeche Osterfeld die Belegschaftszahl der Untertagebelegschaft. Die Werksleitung versuchte dieses zu kompensieren, indem sie unter Tage Bergjungarbeiter einsetzte, die noch keine 16 Jahre alt waren. Aber auch diese Maßnahme konnte den Rückgang der Belegschaft nicht stoppen, bis 1915 sank die Belegschaft stetig. In den darauffolgenden Jahren wurde der Wetterschacht 4 tiefer geteuft und erreichte 1916 die 4. Sohle. Der Schacht erhielt einen verklinkerten, 43 Meter hohen Förderturm. Im Turmkopf befand sich die elektrische Fördermaschine. Ab 1922 wurden in der Streckenförderung nur noch Druckluftlokomotiven und Diesellokomotiven eingesetzt, es gab auf der Zeche Osterfeld keine Grubenpferde mehr. 1924 wurde der Wetterschacht 4 als Seilfahrtsschacht in Betrieb genommen. Von 1928 bis 1931 wurde die Kokerei umfassend erneuert. 1930 und 1931 kam es zu erheblichen Absatzproblemen. Aus diesem Grund nahm die Gutehoffnungshütte AG mehrere Maßnahmen zur Förderanpassung vor. Zunächst versuchte man, die Förderung mittels Feierschichten an den Absatz anzupassen, jedoch brachte diese Maßnahme auch keine dauerhafte Lösung für das Absatzproblem. Der nächste Anpassungsschritt wurde 1931 mit der Stilllegung der Zechen Hugo und Oberhausen sowie der Kokereien Sterkrade und Jacobi getätigt. 1931 wurde das Grubenfeld der stillgelegten Zeche Oberhausen von der Zeche Osterfeld übernommen. Ab 1932 wurde die Zeche Osterfeld zur Großschachtanlage ausgebaut. Am 1. Februar 1933 wurde die Zeche Sterkrade mit dem Schacht Hugo übernommen. Die Zeche Sterkrade wurde im März 1933 aus der Förderung herausgenommen. Die im Feld Sterkrade abgebauten Kohlen wurden unter Tage zur Zeche Osterfeld gefördert und dort zu Tage gefördert. Die Schächte Osterfeld 1 bis 3 wurden als Förderschächte beibehalten, die Schächte Sterkrade 1 und Sterkrade 2, der Schacht Hugo und der Schacht Osterfeld 4 übernahmen die Seilfahrt, die Bewetterung und den Materialtransport.
Auch unter Tage wurden nach 1933 fortwährend modernere Betriebsmittel eingesetzt. Die Kohlen wurden mittels Abbauhammer aus den Flözen herausgelöst, dort wo härtere Kohlen anstanden, wurden Schrämmaschinen eingesetzt. Die hereingewonnenen Kohlen wurden mit Schüttelrutschen und Stahlgliederbändern zu den Ladestellen gefördert. Aufgrund dieser moderneren Techniken war es möglich, die Abbaubetriebsleistung in den sieben Abbaubetrieben des Bergwerks auf 560 Tonnen pro Tag zu steigern. 1935 wurde begonnen, den Schacht 4 tiefer zu teufen. 1936 wurde bei einer Teufe von 780 Metern (−740 m NN) die 5. Sohle angesetzt. 1938 wurde im Schacht Sterkrade 1, bei gleicher Teufe, die 5. Sohle angesetzt. Aufgrund der Steigerung der Produktion im deutschen Steinkohlenbergbau kam es zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Eine weitere Steigerung war zu dieser Zeit bei dem Stand der Bergbautechnik nicht möglich und konnte nur mit mehr Arbeitskräften erbracht werden. Aus diesem Grund wurde am 1. April 1938 vom NS-Regime die sogenannte „Göring-Verordnung“, mit der die Arbeitszeiten von 8¾ auf 9¾ Stunden erhöht wurden, eingebracht. Dennoch fehlten auch auf der Zeche Osterfeld eine Vielzahl an Arbeitern und trotz steigender Belegschaftszahlen konnten nicht alle freien Arbeitsplätze belegt werden.
Der Zweite Weltkrieg